Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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52 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Alte und neue Bürokratie, 4. November 2005
Der Autor betrachtet zunächst die Bürokratie, die wir seit Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts vorfinden, wie sie auch Max Weber beschreibt. Am unteren Ende der Pyramide konnten viele Menschen mit kleineren Arbeiten beschäftigt werden. Sie wurden in den Staat integriert und trugen ihn mit. Sennett, der sich als Soziologe mit dem Feingefühl der kleinen Menschen viel beschäftigt hat, zeigt auf, dass diese Leute, auch wenn sie noch so wenig Geld verdienten, sich für ihr Unternehmen engagierten und sich mit ihm identifizierten.Und wie sieht die neue Kultur, die neue Bürokratie aus? Die Menschen müssen beweglich, anpassungsfähig, dynamisch, umtriebig und flexibel sein. Die alten Ordnungen werden aufgelöst und durch scheinbar .bessere ersetzt. Das dies wirklich nur virtuelle Verbesserungen sind, zeigt er an Hand von zahlreichen Fallbeispielen auf. Da fallen dann die „Heuschrecken“ über die Unternehmen her, kaufen ganze Unternehmen auf, kommen mit den Unternehmensberatern, oft jungen praxisfernen Leuten zu dem Ergebnis, ganze Unternehmen, trotz schwarzer Zahlen, zu verkaufen, zu zerschlagen oder um zu strukturieren. Alles wird vom Kopf auf die Füße gestellt Und letztendlich sitzen die Mitarbeiter an Stellen, wo sie gar nicht mehr wissen was sie tun sollen. Die Chefs heißen nur noch Chefs, haben aber nichts mehr zu sagen. Es sind die Globalplayer, die die Fäden ziehen. Schnelligkeit ist gefordert, solide Arbeit und Identifizierung der Arbeitnehmerschaft mit dem Unternehmen nicht mehr gefragt. Arbeitsqualität und Arbeitsmoral gehen zunehmend verloren und die Kultur des neuen Kapitalismus erleidet Schiffbruch. Das Buch ist rasant geschrieben, unglaublich gut geschrieben, mit einer Meisterschaft die hinreißend und zugleich zu tiefst irritierend ist. Es hat so viele Ebenen auf denen man es betrachten kann.
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75 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vom Basislager der Verlässlichkeiten, 4. Juli 2005
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Mit dem Titel seines Buches, "Der flexible Mensch" - (siehe Amazon Rezension) habe ich Sennett kennen, seinen Schreibstil, seine Art die Dinge zu sehen verstehen gelernt. Er ist nicht einer der Vorurteils beladenen schrägen Soziologen, sondern seine Bücher lassen das Lesen und Verstehen leicht werden, nimmt er doch die typisch amerikanische Erzählweise über das tägliche Leben mit Beispielen dazu. Sein aktuelles Buch "Die Kultur des Kapitalismus" ist in der Reihe der zusammenhängenden Betrachtung von Mensch und Arbeit, Maschine in der heutigen Zeit zu sehen. Aktualität hat dieses Buch ebenso erfahren durch die Politik, Münteferings Kapitalismus Debatte, Themen Korrespondenz mit Sloterdijk (Buch und Interview in der Wirtschaftswoche) und den verwendeten Schlagworten "Neoliberalismus" und "Globalisierung", die auch schon bei Giddens oder Beck Diskussionspunkte waren bzw. sind.
Gegenüber anderen ist es Sennett sicher gelungen (ich sehe hier seine Absicht wie bei der Betrachtung der Flexibilität), die Sichtweise der subjektiven, menschlichen Position einzunehmen und von dieser Wahrte aus die Sache zu beleuchten und wahrzunehmen.
Die Transformation des sozialen Kapitalismus, wie er noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts herrschte, ist ihm ein besonderes Anliegen. Hinausgehen, hinaus gesprengt werden aus dem Weber'schen "stahlharten Gehäuse" einer aber dennoch sichern Einheit von Leben und Arbeit des letzten Jahrhunderts zwingt den Menschen zu neuem Handeln und Denken. Privat benötigt man sein "Basislager" (Sloterdijk)für den immer neuen Aufbruch in dieser flexiblen Welt des neuen Kapitalismus. Dieser trennt längst Macht und Autorität durch Mehrfunktionalität im Börsenzeitalter. Als Arbeitnehmer ist man gleichzeitig Anteilseigner über Aktien. Der Kapitalismus drängt quasi zu einem einzigen Interesse, dem Interesse an schnellen Erfolgen ohne Nachhaltigkeit. Die Tyrannei des Augenblicks, wie T. Eriksen es formuliert, zerteilt die Zeit in kleinste Einheiten, schürt Ungeduld und verzichtet auf Stabilität, Gründlichkeit und Dauer. Die Stärke der Schwäche wächst, Werteverlust wie Loyalität, Vertrauen und Erfahrungswissen steigt rapide. "Die alte institutionelle Struktur ist in den neuen flexiblen Organisationen beseitigt worden. Auf diese Weise verringert sich das Soziale, und der Kapitalismus bleibt." Sennetts Fazit: Die Menschen brauchen in erster Linie einen mentalen und emotionalen Anker. "Kurz gesagt, sie brauchen eine Kultur." Ein "Basislager" nach Sloterdijk, einen "Wertekanon" nach Ratzinger und Augustinus und Harry Frankfurt, Philosoph würde sagen, die Liebe (siehe Amazon "Gründe der Liebe") Nun ist es so, dass entgegengesetzte Diagnosen und Thesen zum selben Schluss kommen können. Es scheint damit nichts Falsches zu sein, auch wenn Sennett mit seiner Aussicht nicht unbedingt klare Visionen für die Zukunft gibt. Aber im "Darum Wissen" liegt die Chance von Weisheit. Das Buch ist sehr zu empfehlen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kapitalismuskritik für Einsteiger, 15. Januar 2008
Kurz und bündig: In einfacher Sprache erklärt Sennett das Funktionieren des von Bismark etablierten sozialen Kapitalismus und wie seine Auflösung im Neoliberalismus von statten geht. Die Auswirkungen dieses Prozesses (z.B. Destabilisierung des Arbeitnehmers, Übertragung von Klassenkonflikten in Ressentiment, Qualitätsverlust in der Arbeit, etc.) werden an wiedererkennbaren Beispielen erläutert. Die Lösungsvorschläge Sennett's sind wie immer etwas dünn, dafür ist die Analyse aber präzise und wie gesagt relativ einfach geschrieben, so dass das Buch auch für Fachfremde brauchbar ist.
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