Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Berlin einmal aus der WG Perspektive betrachtet!, 2. Februar 2009
Frank, der bundeswehruntaugliche kleine Bruder, macht sich auf, seinen großen Bruder Manni, der sich als frei schaffender Künstler in Berlin betätigt, zu besuchen.
Mit Wolli fährt er die lange Strecke von Bremen nach Berlin. Als sie in Berlin ankommen, tauchen die alt bekannten Namen der aus Dörfern zusammen gefügten Stadtteile auf: Charlottenburg, Wilmersdorf, der Kudamm, --Frank staunt, wie lange es dauert, bis man die Stadt wirklich sieht. Endlich sind sie in Kreuzberg! Das ist das Viertel der Bohème, der Punker, Hippies und Gammler. In einem Hinterhof findet Frank wirklich die WG des Bruders,--nur ist dieser nicht da! Es weiß auch so recht niemand, wo er sich aufhält. Also taucht Frank nach einigen Überredungskünsten erst einmal ein in das Leben als Mitbewohner. Kurt und Erwin, Chrissie und andere gestalten ihren Alltag recht legère. Man raucht, trinkt, gammelt, ---und schwingt irre Reden! Das Wort > Scheiße< wird in allen Variationen vielfach verwendet.
Berlin ist immer noch die westliche gelegene Insel im Osten vor der Wende.
Sven Regener hat in seinem Roman ein bestimmtes Klima in der Stadt treffend eingefangen: junge Leute, die gegen eine in ihren Augen überholte Bürgerlichkeit aufbegehren, und die einen eigenen Lebensstil pflegen, der gegen jegliche Konvention angelegt ist. Die Abenteuer, die Frank auf der Suche nach seinem Bruder durchläuft, lassen einen Blick zu in die Hinterhöfe und Punkkneipen und in die Szenetreffs für junge Leute. Zwischen 20 und 25 Jahren meint man, die Welt halte noch alle Möglichkeiten offen, und man müsse sich nur aussuchen, wohin man treiben wolle. Zwischen Kneipenwirt und Taxifahrer, Gallerist, Künstler oder Kellner,--Frank hat die Qual der Wahl. Er beschaut sich in Ruhe, was um ihn herum so läuft, bleibt aber ein stiller Beobachter, der sich teils naiv und teils genervt von seinen Beobachtungen zeigt.
Wer noch keinen der bisher erschienenen Lehmannromane kennt, wird sich amüsieren, wenn auch die übertriebene Fäkaliensprache gewöhnungsbedürftig ist. Atmosphärisch gekonnt zeigt Regener einen Ausschnitt aus dem Berlin der achtziger Jahre. Zwischen Pubertät und Erwachsenwerden liegt eine lange Zeit. Hier ist sie beschrieben auf eine schnodderige Art im Berliner Schnauzestil!
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118 von 146 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Ein schwacher Abschluss, 27. August 2008
Dies vorneweg: Ich mochte den ersten Regener-Roman sehr, aber vor allem Neue Vahr Süd gehört zu meiner absoluten Lieblingsliteratur, und ich habe das Hörbuch dazu dutzend Male gehört, rauf und runter, bis ich schliesslich jede Passage verinnerlicht hatte. Der zwischen allen Fronten stehende Frank Lehmann, der sich widerwillig von den Ereignissen treiben lässt und sich in beiden Romanen ständig für sein Verhalten rechtfertigen muss hat mich tief beeindruckt. Und irgendwie hat Regener in beiden Büchern immer wieder wundervolle Dialoge und Szenen eingebaut, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben - die Begegnung mit dem Hund, das erste Streitgespräch mit der schönen Köchin Katrin, die Eskalation mit den Studenten im Auto, der Fackellauf, die Axt in der Tür, der nachdenkliche Dialog mit Wolli am Fluß... alles für sich stehend schon rührend menschliche Geschichten, die zusammen genommen ein Werk erschaffen haben, das leicht nasal von Regener vorgetragen für mich zu einem absoluten Klassiker geworden ist.
Ich war bis aufs Äußerste auf den dritten Teil gespannt, der die losen Enden zwischen Frank Lehmanns zerissenen Leben in Bremen und den Ereignissen in Berlin aufklären sollte. Leider sind meine hohen Erwartungen an den dritten Band enttäuscht worden. Der Roman beginnt noch recht witzig mit der Fahrt nach Berlin, mit der NVS endete, Wolli quatscht endlos auf Frank ein, der sein altes Leben endlich hinter sich lassen will.
Und es passieren in Berlin eine Menge Dinge - leider hatte ich aber die ganze Zeit das gefühlt, daß nichts wirklich GESCHIEHT. Die neuen Figuren wie P.Immel, der Bassist Martin oder Chrissie zeigen keinen echten Charakter, sie sind mehr wie Statisten, die eine fade Story vorantreiben sollen. Und leider schlagen die sehr ausschweifenden Dialoge, die ich in Lehmann und NVS so genossen habe, hier in völlige Belanglosigkeit um: Im Kapitel "Die Abrechnung" wird in minutiösen Details eine ermüdende Rechnung aufgestellt, die jeden Witz oder Charme vermissen lässt. Der typische Regener-Stil ist noch da, aber das Fundament dahinter fehlt - an einigen Stellen ist es nicht mehr wunderbar konfus und versponnen, sondern einfach nur noch langatmig, belanglos und teilweise sogar - so schwer es mir fällt das zu sagen - nervtötend.
Vor allem aber hält sich Regener hier mit Situationen auf, die zu nichts führen und auch für sich genommen nicht interessant sind, während man sich die ganze Zeit fragt, wo denn nun Franks Bruder Martin steckt und was mit ihm geschehen ist. Die Auflösung ist dann dermaßen antiklimatisch und gekünstelt daß ich nach dem Hören erstmal richtig sauer war. Ich habe daß Gefühl daß Sven Regener im Gegensatz zu Lehmann und NVS hier keine echte Motivation hatte, es gibt keine einzige Szene die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist.
Das Schlimmste jedoch ist, daß wir von Frank nichts Neues erfahren. In den Vorgängerromanen durchlebt er ständig Krisen, ist zwischen Welten hin-und hergerissen, legt im Grunde gar keinen Wert auf einen Standpunkt und lebt dennoch nach seiner eigenenen Philosophie. Davon ist in diesem Roman nichts mehr zu spüren. Er handelt, wie alle anderen Figuren hier auch, mit bloßen Gesten, es wird wieder eine Menge Zeug geredet, aber ohne echte Inspiration, ohne Feuer, und als dann tatsächlich wieder das "Man redet nicht über Anwesende in der dritten Person" an die Reihe kam, fiel mir auf, wie viel lieber ich in diesem Moment Neue Vahr Süd gehört hätte. Bisher ging es bei allem Trubel immer um den inneren Zustand von Frank, aber der beschränkt sich hier leider nur auf die ständige Sorge um seinen Bruder.
Mir kommt es vor als hätte Sven Regener hier versucht einfach die Lücken zu schliessen, und für Fans der ersten beiden Romane ist dies hier natürlich Pflicht. Aber für sich genommen ist das Buch nahezu bedeutungslos, es passiert dies und jenes, ohne daß auch nur irgend jemand am Ende schlauer (oder dümmer) ist als zu Beginn.
Zwei Punkte gebe ich für gelegentliches Schmunzeln und die Tatsache, daß man dennoch viel, viel Schlimmeres lesen oder hören kann. Vielleicht ist Der Kleine Bruder auch kein so schlechtes Buch, aber der versteckte Tiefgang der anderen beiden Bücher ist hier leider nirgendwo zu finden. Ein Lückenfüller im wahrsten Sinne des Wortes.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Lehmanns Ankunft in Berlin, 2. November 2008
"Der kleine Bruder" spielt im Jahr 1980. Frank Lehmann, gerade erst noch beim Bund, geht nach Berlin zu seinem grossen Bruder. Dieser ist jedoch unauffindbar, so dass er mit dessen Kollegen in Berlin herum hängt. Dies wird sehr stimmig von Sven Regener geschildert. Sein dritter Lehmann-Roman ist sprachlich wieder sehr gut gelungen, allerdings ist er weniger witzig und überdreht. Inhaltlich passiert nicht viel. Lehmann ist auf der Suche nach seinem Bruder und schliesslich auch nach sich selbst. Dabei zeigt Regener schön die Orientierungslosigkeit der damaligen Gesellschaft. Aber Lehmann ist kein No-Future-Mensch, sondern er findet in Berlin schliesslich seine Bestimmung hinter dem Tresen. Insgesamt ein kurzweiliger, wenn auch kein grossartiger Abschluss der Lehmann-Trilogie.
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