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60 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Krimi-Ereignis!, 18. Januar 2008
Wenn es noch nicht so früh im Jahr wäre, ließe ich mich glatt zum Urteil "Krimi des Jahres" hinreißen: Jan Seghers dritter Roman um den Frankfurter Hauptkommissar Robert Marthaler ist nämlich ein Ereignis!
Hier stimmt einfach alles: Eine ausgeklügelte Story, in der mehrere Stränge im Lauf der Geschichte zusammenlaufen. Ein Kommissar, der nicht "Everybodies Darling" ist und dem Leser vielleicht darum so sympathisch wird. Und ein eindringlich geschildertes Stück Vergangenheitsschuld - das Ganze in einem Stil, der den Leser nicht nur von den ersten Seiten an begeistert, sondern auch so packt, das man möglichst nur dann mit dem lesen beginnen sollte, wenn man weiß, das am nächsten Morgen kein Wecker klingelt -- denn "Partitur des Todes" verspricht schlaflose Nächte!
Die Geschichte beginnt mit einem Arte-Interview in Paris. Der alte Georges Hofmann betrieb dort über Jahrzehnte einen kleinen Tingel-Tangel, ist so etwas wie ein Original. Er soll etwas über sein Leben berichten und erzählt erstmals von seinem Schicksal. Als Kind musste er mit ansehen, wie seine Eltern aus Frankfurt verschleppt wurden und ins KZ kamen, er selbst wurde über die französische Grenze geschmuggelt. Sein Geburtsland hat er seitdem nie mehr besucht.
Nach der Sendung bekommt er einen geheimnisvollen Umschlag zugespielt, der eine wertvolle Partitur von Jaques Offenbach enthält. Gegen seinen Willen reist die Redakteurin der Arte-Sendung nach Frankfurt, um mehr über diese Partitur zu erfahren, sie eventuell auch für Hofmann zu verkaufen.
Am selben Tag werden dort auf einem Restaurantschiff fünf Menschen brutal hingerichtet.
Robert Marthaler und sein Team stehen fassungslos vor diesem kaltblütigen Verbrechen und finden lange Zeit kein Motiv für die Tat.
Gleichzeitig ahnt Georges Hofmann, das er sich nun den Schatten der Vergangenheit am Ort des Geschehens stellen muss...
Und Robert Marthaler? Ihn plagen private Sorgen. Seine Liebe zu Tereza steht vor einer schwierigen Zerreißprobe und erneut macht er sich mit seinen eigenwilligen Ermittlungsmethoden in seinem Team nicht nur Freunde...
"Partitur des Todes" macht den Leser wirklich zum Seitenfresser. Mit jedem Kapitel wächst die Spannung und so kann man das Buch wirklich kaum zur Seite legen.
Alle, die Freude an genau geschilderten, lebendigen Charakteren haben, werden hier auf ihre Kosten kommen!
Und Jan Seghers gebührt ein Platz in der ersten deutschen Krimi-Liga, die man ja mit Fug und Recht derzeit als meisterhaft bezeichnen kann.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein ganz besonders gelungener, literarisch anspruchsvoller Kriminalroman einer Serie, die mit jedem Buch besser wird, 31. Januar 2009
Mit "Partitur des Todes" legt der Frankfurter Schriftsteller, Kritiker und Essayist Matthias Altenburg, der sich für seine Kriminalromane den Künstlernamen Jan Seghers gegeben hat, seinen mittlerweile dritten Roman um den Frankfurter Hauptkommissar Robert Marthaler vor. Marthaler ist ein überaus sympathischer Kommissar, und glaubte der Verlag noch bei dem ersten und zweiten Buch vor einigen Jahren ihn im Klappentext mit Henning Mankells Wallander vergleichen zu müssen, hat er diesen Hinweis nun gestrichen. Und das ist gut so, denn Seghers Kommissar Robert Marthaler braucht keinen Vergleich. Er ist ein nachdenklicher Mensch, bei man nie vergessen sollte, warum er eigentlich zur Polizei gegangen ist. Im ersten Band der Serie "Ein allzu schönes Mädchen" wird in einer Nebenbemerkung darauf hingewiesen. Damals, erst kurz mit seiner Frau Katharina verheiratet, wird diese bei einem Bankraub angeschossen und überlebt diese Verletzung nicht. Robert Marthaler trauert lange, und versucht - es ist ihm selbst wohl kaum bewusst- diese Energie in die Lösung seiner Fälle fließen zu lassen, als er nach seiner Ausbildung bei der Frankfurter Polizei beginnt.
Dabei ist er kein typischer Polizist. Die reaktionäre politische Einstellung vieler "Bullen" ist ihm fremd. Marthaler ist ein zutiefst bürgerlicher Mensch. Er lebte lange zurückgezogen, und ist nicht fanatisch auf seinen Beruf fixiert.
Schon im ersten Buch, das ich schon erwähnt habe, lernt Robert Marthaler am Rande von Ermittlungen in Prag in einem Cafe eine junge Frau kennen, Tereza, eine Kunstwissenschaftlerin. Die dort geknüpften zarten Bande werden im zweiten Buch fortgeführt, allerdings gerät die Beziehung durch einen dreijährigen Auslandsaufenthalt von Tereza, die in Barcelona eine attraktive Aufgabe übernommen hat, in eine Krise.
Doch Tereza kehrt zurück, und ihre Beziehung wird enger. Im vorliegenden Buch hat Robert Marthaler lange keine Zeit ihr zuzuhören, zu sehr fesselt ihn der neue Fall, in den er sich, wie bei den vorhergehenden auch, regelrecht verbeißt. Dabei hat sie ihm doch eine überaus freudige Neuigkeit und große Veränderung ihres gemeinsamen Lebens mitzuteilen ...
Jan Seghers lebt in Frankfurt und kennt die dortigen politischen Verhältnisse genau. Wie er zum Beispiel den derzeitigen hessischen Innenminister Volker Bouffier charakterisiert, ist allererste Sahne:
"Er versuchte sich ein Bild von dem Mann zu machen, der sein oberster Vorgesetzter war, der im gleichen Alter war wie er selbst und der ihm doch so unendlich fremd vorkam. Das schmutzigblonde Haar des Ministers war in der Mitte sorgfältig gescheitelt und reichte an den Seiten bis knapp über die Ohren. Er wirkt wie ein Bauernbursche, dachte Marthaler. Ein Bauernbursche, den man in einen Anzug gesteckt hat und der nun bemüht ist, niemanden merken zu lassen, dass ihm dieser Anzug nicht passt, Er lächelt wie ein unsicherer Mensch, der die Macht eines Amtes braucht, weil er ohne sie verloren wäre. Marthaler wusste, wie unberechenbar Menschen waren, bei denen sich Rücksichtslosigkeit und Unsicherheit trafen. Und dass der Minister nur wenig Skrupel kannte, hatte er in der Vergangenheit schon öfter bewiesen."
Dieses Zitat ist ganz typisch nicht nur für die Sichtweise von Robert Marthaler, sondern auch für die seines Schöpfers Jan Seghers, der mit einer subtilen Sprache an den Zuständen in seiner Stadt, die er liebt wie keine zweite und an den Verhältnissen in seinem Land Kritik übt.
Der beschriebene hessische Innenminister war deshalb in Erscheinung getreten, weil die Frankfurter Kriminalpolizei eine ungewöhnliche Straftat aufzuklären hat: auf einem kleinen Restaurantschiff am Main werden fünf Menschen kaltblütig getötet. Marthaler und sein Team unter der Leitung der neuen Chefin Charlotte von Wangenheim, die sich als absolut kompetent, gegenüber der politischen Führung aufrecht und durchsetzungsfähig und zu ihren Mitarbeitern loyal erweist, können sich der politischen Einflussnahme erfolgreich erwehren und stossen bald auf einen Zusammenhang der Tat mit einem alten Umschlag, der einen brisanten Inhalt hat.
Der Leser ist schon ganz am Anfang damit bekannt gemacht worden. Ein alter Mann, Georges Hofmann, jüdischer Abstammung, wird im Rahmen einer Sendung in Paris von ARTE interviewt. Während des Gesprächs mit der Journalistin Valerie bricht seine lange verdrängte Vergangenheit durch, und er erzählt ihr, dass er vor sechzig Jahren Deutschland für immer verlassen habe. Einige Tage nach der Sendung erhält Georges Hofmann einen anonymen Anruf und nimmt wenig später an einem geheimen Ort auf dem Land einen Umschlag entgegen. Auf dem Umschlag steht der Name seines Vaters, als Absender das Wort "Auschwitz". Der Umschlag enthält die Originalpartitur einer bisher verloren gegangen geglaubten Operette von Jacques Offenbach. Georges beauftragt Valerie, für ihn in Deutschland Verkaufverhandlungen zu führen. Doch nicht nur verschiedene Menschen aus der Musikbranche haben daran großes Interesse, in den Besitz dieses wertvollen Autographen zu gelangen, sondern auch ein Mensch, der lange im Dunkel bleibt, und den eine Geschichte verbindet mit diesem Umschlag, eine dunkle Geschichte ....
Im vergangenen Herbst hat Robert Schneider in "Die Offenbarung" schon mit diesem Thema gespielt. Geht es dort aber im wesentlichen um die Innenwelt der Musik, handelt das neue, sehr spannende Buch von Jan Seghers von Geschichte, von deutscher Geschichte ....
Mehr soll hier nicht verraten werden. Dieser dritte Roman ist der bisher beste und zeigt einen Kommissar, der seine Welt genau beobachtet und kommentiert und mit seiner Meinung zu bestimmten Phänomenen nicht zurückhält. Seine Kollegen und Kolleginnen im Dezernat sind sympathisch und engagiert, und wieder geraten einige von ihnen in ernste Gefahr bei dem Versuch, diesen fünffachen Mord aufzuklären und das Geheimnis des mysteriösen Umschlags zu lüften.
Auf den nächsten Band dieser wirklich empfehlenswerten Krimiserie darf man mit Fug und Recht schon heute gespannt sein.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kommissar Robert Marthaler ermittelt wieder..., 21. Februar 2008
Monsieur Hofmann starrte auf das braune Päckchen. Er merkte, dass seine Hände zitterten. Er las seinen Namen, der mit brauner Tinte auf die Vorderseite geschrieben war. Dann drehte er den Umschlag um. Dort stand in der gleichen Schrift: Arthur Hofmann, Auschwitz.
Georg Hoffmann ist 74 Jahre alt, lebt in der schönen Stadt Paris und war Betreiber eines Varieté. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er von seinen Eltern getrennt und wurde nach Paris gebracht. Bisher glaubte er, dieses Erlebnis wäre Vergangenheit, doch diese holt ihn schneller ein, als ihm lieb ist. Er wird vom Fernsehsender arte zu einem Interview gebeten und sagt schließlich zu.Die junge Redakteurin Valerie fragt nach Georgs Vergangenheit, und so erzählt er von seiner Kindheit in Frankfurt am Main. Seine Eltern wurde eines Tages in KZ verschleppt, Georg wurde versteckt und später von Bekannten nach Frankreich geschmuggelt. Seitdem hat Georg Hoffmann seine Heimat nie wieder besucht. Nach der Livesendung erhält Georg einen Anruf von einer fremden Frau. Diese bittet ihn, zu ihm zu kommen, da sie einen Brief für ihn hat, auf dem sein Name und das Wort Auschwitz steht. Georg mach sich mit Valerie auf den Weg zu der Frau und bekommt dort den Brief überreicht. Auf dem Briefumschlag steht wirklich der Name von Georg Hofmann und das Wort Auschwitz. In dem Brief finden sie scheinbar eine wertvolle Partitur von Jaques Offenbach. Diese Sensation schlägt in der Musikwelt ein wie ein Bombe.
Sie war gerade von ihrem Platz aufgestanden, als ein dunkelgekleideter Mann das Boot betreten hatte. Seine Augen waren hinter einer merkwürdigen Brille verborgen, die fast aussah wie ein kleines Fernglas. Er hatte eine Pistole in der Hand. Er war geradewegs auf sie zugekommen. Valerie hatte gelacht. Das ganze hatte so albern ausgesehen, dass sie es einen Moment lang für einen Scherz gehalten hatte. Herr Morlang war aufgestanden und hatte sich in die Mitte des Gangs gestellt. Was soll das?, hatte er gefragt. Dann waren zwei Schüsse gefallen. Achim Morlang war blutend zu Boden gegangen.
Die junge arte-Redakteurin Valerie ist nach Frankfurt gereist, um mehr über die geheimnisvolle Partitur zu erfahren und einige Leute von Musikverlagen zu treffen. Plötzlich werden auf einem Restaurantschiff von Erkan Önal fünf Menschen erschossen. Alles sieht nach einer Hinrichtung aus. Wer ist der Mörder? Kommissar Robert Marthaler wird zum Tatort gerufen und macht sich ein Bild vom Geschehen. Lange tappen Marthaler und sein Team im Dunkeln, es gibt kaum eine Spur, welche zum Täter führt. Auch privat plagen den Kommissar so einige Probleme. Seine Beziehung zu Tereza steht auf wackligen Beinen, irgendwie hat sie sich verändert und geht Marthaler aus dem Weg. Und auch Marthalers Ermittlungsmethoden gefallen nicht jedem, doch eine Spur führt zu einem Bekannten aus Marthalers Schulzeit.Und auch Georg Hoffmann merkt, dass er sich seiner Vergangenheit stellen muss und so macht er sich auf den Weg nach Deutschland, in seine Heimatstadt Frankfurt. Er ist sehr besorgt, denn die Redakteurin von arte ist nicht mehr auffindbar.
Mit den Erinnerungen an Georg Hofmanns Kindheit beginnt dieser Krimi und ist der Auftakt eines etwas ungewöhnliches Falls. Robert Marthaler ist ein Ermittler mit Ecken und Kanten und gerade dies macht ihn so menschlich und sympathisch. Seine menschlichen Schwächen zeigen auch, dass er nicht der Super-Polizist ist, sondern ein Kommissar, der auf viel Erfahrung zurückblickt und auf sein inneres Gefühl hört. Dieser Krimi ist von einer etwas ruhigeren Art, aber doch spannend von Autor Jan Seghers erzählt. Mehrere Handlungsstränge sind miteinander verwoben und führen erst gegen Ende der Geschichte zusammen.
Das Thema Auschwitz wurde von dem Autor aufgegriffen - sehr genau recherchiert und wird eindringlich in der Geschichte wiedergegeben, was den Krimi vollkommen abrundet.
Oft wird Robert Marthaler mit Wallander verglichen, man weiß auch, dass der Autor Jan Seghers ein Fan von Henning Mankells Krimis ist. Doch nach dem dritten Buch von Jan Seghers, muss ich sagen, hat er für sich und seinem Kommissar Robert Marthaler längst einen eigenen Platz in der Krimiwelt geschaffen. Die Partitur des Todes von Jan Seghers ist ein purer Lesegenuss
© Yvonne Müller
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