Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein anderer Umgang mit der Vergangenheit, 23. Juni 2004
Ishiguro erzählt die Geschichte eines Malers Masuji Ono, der im Vorkriegsjapan auch politisch bedingt sehr erfolgreich war. Als dieser nach dem Krieg seine Tochter verheiraten will, holt ihn seine Vergangenheit ein und er beginnt das Geschehene zu reflektieren. Mit spielerischer Leichtigkeit macht Ishiguro den Leser zum Begleiter Onos auf seiner Reise in die Vergangenheit und den Begegnungen sowie Erinnerungen Onos teilhaben. Dabei wird Ono nicht nur seine eigene Rolle bewusster, sondern auch seine Stellung in der japanischen Gesellschaft. Der Roman bewegt sich in diesem Spannungsfeld ohne moralisierend oder besserwisserisch zu werden. Im Gegensatz zum gelegentlich anklagenden Umgang mit solchen Themen in der westlichen Belletristik, bleibt das Urteil hier voll dem Leser überlassen. Die Charaktere sind sehr schön ausgearbeitet, insbesondere die Figur des Ono wächst einem trotz seiner problematischen Vergangenheit als eigentlich netter, ein wenig einsamer älterer Herr im Verlauf des Buches immer mehr ans Herz. Alles in allem, ein schönes Buch, das zum Nachdenken anregt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Schatten der Vergangenheit, 12. Mai 2009
Im Mittelpunkt des Romans von Kazuo Ishiguro steht der alternde Maler Masuji Ono, der in seiner Jugend in den 1930er Jahren ein exponierter Unterstützer der japanischen Großmachtpolitik war.
Für deren nationalistische Ziele nutzte er sein malerisches Talent für die Gestaltung von propagandistischen Bildern, Plakaten und Kampagnen.
Nachdem der japanische Expansionsdrang erst in den japanischen-chinesischen Krieg mündete und - nach dem Überfall auf Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten - mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki und schließlich mit der Kapitulation Japans endete, sind diese "Jugendideale" zutiefst diskreditiert.
Während wesentliche Protagonisten der japanischen Kriegspolitik entweder als Kriegsverbrecher angeklagt werden oder Selbstmord begehen, bleibt Ono äußerlich unbehelligt. Offenbar wird dessen Rolle als Künstler nicht für bedeutend genug erachtet, um ihn offiziell anzuklagen.
Er selbst verdrängt oder untertreibt seinen damaligen Einfluss oder rechtfertigt sich vor sich selbst damit, dass er ja nur die besten Ziele verfolgt habe.
Erst als die Hochzeitsverhandlungen (!) für seine jüngste Tochter unerwartet scheitern - ist seine Vergangenheit hierfür der Grund? -, drängt sich für Ono die Frage nach persönlicher Schuld in den Vordergrund.
Er sucht wieder Kontakt zu Menschen aus dieser Vergangenheit: In den entsprechenden Episoden mit seinem früheren Lehrer, ehemaligen Schülern, Freunden und Feinden wird die Verstrickung Onos mit dieser Zeit sichtbar. Es wird der tiefe Riss deutlich, der zwischen ihm und seinen einstigen Weggefährten einerseits und den Opfern und zumeist jungen Verfechtern eines demokratischen, modernen Japan andererseits besteht und der letztlich sogar durch seine eigene Familie geht.
Ishiro brilliert hier erneut mit der differenzierten Studie eines Menschen, der sich am Lebensende mit der Tatsache konfrontiert sieht, dass er sein Lebenswerk einem falschen und unwürdigen Ziel gewidmet hat.
Der Roman weist hierin starke Parallelen mit seinem zu Recht berühmten Werk "Was vom Tage übrigblieb" auf, der ein fast identisches Thema zum Inhalt hat.
Dennoch ist dies ein eigenständiges Buch, das glaubwürdig ein Bild der Umbrüche Japans nach dem Zweiten Weltkrieg und der inneren Ambivalenz eines Menschen zeichnet, der schuldig geworden ist, ohne sich schuldig zu fühlen und sich mit den Konsequenzen seines Lebens auseinander setzen muss.
Ishiros Kunstfertigkeit der differenzierten Formulierungen und der subtilen Dialoge, die ohne jeden plakativen Effekt eine enorme Spannung aufzubauen vermögen, ist unbedingt lesenswert. (Phantastisch gelungen: die Passage, in der ein ehemaliger Schüler die schriftliche Erklärung Onos erbittert, dass er ihm seinerzeit durchaus einmal widersprochen habe!)
Für mich persönlich war einzig die (zum Glück zurückhaltende) Verwendung der zweiten Person bei der Erzählperspektive störend (Wie Du sicher weißt...); einer Erzählperspektive, auf die ich nach dem Lesen einiger Beispiele (exzessiv: "Ein Mann der schläft") inzwischen fast allergisch reagiere.
Trotz dieses sehr subjektiven Vorbehalts ist kann ich für "Der Maler der fließenden Welt" insgesamt eine sehr starke Leseempfehlung aussprechen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
6 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Maler Masuji Ono erzählt von seiner Vergangenheit., 27. Dezember 2001
Kazuo Ishiguro erzählt hier von einem Maler der in die Vergangenheit zurück blickt, wie sein Künstler darsein angefangen hat, wie der Krieg dazwischen kam und wie es ihm heute geht. Es kommt einem so vor, als säße dieser Maler selbst und wirklich vor einem und erzähle alles. Das Buch ist in einem Stil geschrieben den ich bisher noch niergends anders gesehen habe. Einfach brilliant.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|