Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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161 von 164 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Sog, 12. April 2002
Selten hat ein Buch mich so aufgewühlt. Man hat gehört, in Indien gebe es Slums, Kasten, Ausbeutung, Millionen, die auf der Straße leben; das ist weit weg, selbst dann, wenn man hinfährt, mit Visacard und Rückholversicherung. Ich habe überhaupt kein Faible für Indien, nahm den Roman, ein Geschenk, voll Skepsis in die Hand. Spannend wurde er bald, aber irgendwo im dritten Kapitel geschah es: die Wörterwelt wurde realer als die reale, ich wollte in dem Buch bleiben, las gegen die Uhr. Die vier Hauptfiguren sind zwei Unberührbare, die um ihren Aufstieg kämpfen und zwei Bürgerliche, die sich gegen den Abstieg wehren. Wie ihre Schicksalsfäden verknüpft und wieder gelöst werden (die Metapher drängt sich auf, denn drei der vier sind Schneider), wie die Szenerie sichtbar, die Atmosphäre fühlbar wird- das erinnert mich an die Epiker des 19. Jahrhunderts, Eliot, Thackeray, Flaubert, und vor allem Dostojewski, dem die Erniedrigten und Beleidigten ebenso am Herzen lagen. Mistry predigt nicht, er belehrt nicht. Mistry erzählt. Und schafft, ohne Breitleinwand und Dolby-Surround, Szenen, die einen beinahe das Atmen vergessen lassen. Alles Geschmackssache. Der Freund, der mir das Buch schenkte, teilt meine literarischen Vorlieben nicht- doch dieses eine Mal waren wir beide verzaubert. Wenn Sie epische Werke schätzen, die auf vielen hundert Seiten einen Teil der Welt wiedererschaffen und ausbalancieren, dann freuen Sie sich auf eines der Gipfelwerke des Genres!
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57 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Juwel, 26. April 2001
In " Das Gleichgewicht der Welt", dem Geniestreich von Rohinton Mistry merkt der Leser sehr bald, dass sich die Welt der vier Hauptcharaktere hier ganz und gar nicht im Gleichgewicht oder im Einklang befindet. Auf gnadenlose Weise erfährt der Leser, der diesem Buch nach einigen Seiten bereits auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, wie die vier Protagonisten und die zahlreichen, mit Liebe zum Detail versehenen Nebenfiguren, mit den Wechselseitigkeiten und Ungerechtigkeiten des Lebens fertig zu werden versuchen. Der Zufall bringt hier vier Personen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten; zwei Schneider, ein Student sowie eine Witwe; - alle haben ihre ganz eigene Vergangenheit, durchleben zusammen ein Stück Gegenwart um dann auf fatalistische Weise in ihre oft zu grausame Zukunft entlassen zu werden. All dies wird detailgetreu erzählt - und Rohinton Mistry könnte uns das ein oder andere Schicksal fürwahr ersparen - keine Frage bleibt unbeantwortet und kein Charakter ist zufällig gewählt - er wird uns noch wochenlang weiter beschäftigen und unser Wertesystem bis in die Grundfesten erschüttern. Ein Buch, das einem nicht mehr loslässt und daher mit Fug und Recht weiterempfohlen werden kann.
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lieblingsbuch!!!!, 25. Juni 2009
Ich habe überhaupt keinen Bezug zu Indien, war deshalb etwas skeptisch, ob ich das Buch lesen soll. Doch einmal angefangen hat es mich völlig begeistert!!!
Anhand von vier Hauptpersonen (Dina, Maneck, Ishvar und Omprakash) beschreibt Rohinton Mistry den zeitgeschichtlichen Verlauf Indiens und geht kritisch auf die gesellschaftlichen und politischen Zustände ein. Harte politische Maßnahmen wie z.B. die Beseitigung der Slums im Rahmen einer Stadtverschönerung oder die Zwangssterilisierung der unteren Schichten nehmen direkten tragischen Einfluss auf das Leben der vier Hauptpersonen, die man im Laufe der Zeit lieb gewinnt, ja sogar zu kennen meint.
Mistry versteht es auf wunderbare Art, den Leser in das Leben dieser vier Personen hinein zu versetzen und an ihrem Schicksal teil haben zu lassen. Oft ist es einfach nur schockierend, was hier erzählt wird und die Tatsache, dass vieles wohl wirklich in ähnlicher Form passiert ist, lässt den Leser mit leiden. Besonders gut hat mir gefallen, wie Mistry seinen Figuren in all dem Elend ein gutes Maß an Gewitzheit und Humor verleiht, mit dem sie versuchen, sich ihrem Schicksal zu widersetzen. Dieser Roman ist nicht zu Ende, wenn man die letzte Seite gelesen hat. Das Schicksal der Figuren geht einem so nahe, dass man noch lange an sie denkt. Kurz: ein Roman, den man unbedingt lesen sollte. Für mich eines meiner absoluten Lieblingsbücher!!!
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