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Schilten. Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz.
 
 

Schilten. Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz. (Broschiert)

von Hermann Burger (Autor)
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Produktinformation

  • Broschiert: 306 Seiten
  • Verlag: Fischer-TB.-Vlg.,Ffm; Auflage: N.-A. (Mai 2000)
  • ISBN-10: 3596220866
  • ISBN-13: 978-3596220861
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 539.241 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Schilten
OA 1976 Form Roman Epoche Moderne
Der erste Roman von Hermann Burger mit dem Untertitel Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz vermischt Fiktion und authentisch Erlebtes. Das Schulhaus Schilten (real: Schiltwald) kannte der Autor seit seiner Kindheit, die pädagogischen Depravierungen als Dorflehrer hatte er selbst erfahren.
Inhalt: Nach zehnjähriger Tätigkeit als Lehrer einer »Einheitsförderklasse«, die Schüler verschiedener Jahrgänge und (Un-)Fähigkeiten zusammenfasst, schreibt der 30-jährige »Scholarch« Peter Stirner unter dem Pseu-donym Armin Schildknecht an die ferne Behörde, die ihm wegen seiner eigentümlichen Didaktik die Entlassung angedroht hat. Sein Rechtfertigungsbericht, den er den Schülern wortreich in ihre »Generalsudelhefte« diktiert, gerät immer mehr zu einer Beschreibung seiner privaten und institutionellen Hoffnungslosigkeit, die geprägt ist von der unmittelbaren Nähe des Schulhauses zum Friedhof: Die Turnhalle dient zu Begräbnisfeiern, die Pausenklingel vermischt sich mit der Totenglocke und der widerborstige Hausmeister Wiederkehr ist gleichzeitig Totengräber, dessen Handwerk als Realitätseinbruch in die künstliche Schulwelt sorgfältig registriert wird. Heimatkunde wird zur Todeskunde. Am Harmonium komponiert Schildknecht den Verstorbenen ihren vergangenen Lebenslauf und improvisiert seine Unterrichtsstunden als musikalische Etüden. Winterlicher Nebel lässt die Menschen »verschellen«. Als Verschollener beendet Schildknecht, dem die Schüler entzogen werden, einsam seine Schulkarriere.
Aufbau: In 20 »Quartheften« schildert der überdimensionale Brief das Dasein im Schulhaus. Thematische Schwerpunkte machen die meisten dieser Kapitel zu kleinen Abhandlungen, z. B. über Architektur, Wetter, Kommunikations- und Verkehrswesen, den Scheintod, das Präparieren von Vögeln, Instrumentenkunde oder Begräbnisrituale. Was zunächst als objektiver Lehrstoff erscheint, gerät im Genauigkeitswahn zwischen Scheinleben und Scheintod immer mehr zum selbstbezüglichen Irrsinn, der sich im letzten Quartheft in der Vision einer orgiastischen Karnevalsnacht entlädt. Ein kurzes Nachwort des Inspektors, an den der Brief gerichtet ist, verspricht dem aus der Rolle und der Weltordnung gefallenen Schulmeister psychiatrische Hilfe.
Wirkung: Der Roman erregte vor allem wegen seiner sprachlichen Virtuosität Aufsehen und gehört zu den wichtigsten Werken der modernen Schweizer Literatur. E. E. K. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


Kurzbeschreibung

Schilten - das ist ein abgelegenes Dorf in einem Schweizer Bergtal mit überaus schweigsamen und merkwürdigen Bewohnern. Als dem Dorflehrer von seinen Vorgesetzten "absurde Umtriebe" zur Last gelegt werden, verfasst er über die Zustände im Ort einen Bericht von wahrhaft abgründigem Humor ... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schwierig - und grandios!, 4. September 2008
Von Meyer Daniel "Sisyphus" (Uebeschi, Bern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Hermann Burger ist ganz gewiss nicht einfach zu lesen. Seine Sprache fordert viel vom Leser, sie braucht Musse und Konzentration, verlangt Genauigkeit und Sprachgefühl, ist also vielleicht nicht unbedingt das, was der heutige Zeitgeist-Leser gerne hätte. Hier muss man wirklich lesen, Sätze auseinandernehmen, nachvollziehen. Das geht halt nicht ohne Eigenleistung, am liebsten noch mit den Knöpfen im Ohr, vor dem TV oder in einer zweieinhalbseitigen Zusammenfassung für gestresste Manager, die noch Themen fürs Cüpli-Gespräch suchen.
Wenn man sich auf Burger einlässt, wird man in sprachlicher Hinsicht reich belohnt. Er war ein Wortkünstler, gleichermassen innovativ wie präzise im Ausdruck, was immer wieder zu überraschenden Momenten führt und dabei von einem hintergründigen, manchmal auch schwarzen Humor ist.
Burger war vor allem aber ein überaus scharfsinniger Beobachter des Zwischenmenschlichen, des typisch Schweizerischen, des Alltags. Seine Figuren zeigen in ihrer ganzen fast schon sarkastischen Absurdität auf, wie es um sie im zwischenmenschlichen Bereich bestellt ist. Die Beschreibung des staubtrockenen Schulbetriebes in Schilten, einem Kaff am Ende der schweizerischen Welt, ist ein Bild, das für ein in Konformitäten, Regeln und Konventionen ersticktes Land steht, eine Schweiz, wie sie verknöcherter und gleichzeitig vertrauter nicht sein könnte. Burgers Verdienst ist es, hinter der Fassade des Normalen und Gewohnten die Abgründe aufzuzeigen, die Orte, an denen ein bisschen Bewegung und Schwung dringend nötig wäre.
Fazit: Ein wunderbarer, absurder, sprachlich brillanter Abgesang auf die Bünzligkeit, auf die typisch schweizerische Enge im Kopf, auf das Lebendig-Begrabensein. Lesen. Es lohnt sich.
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3 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Neurotischer geht´s nicht mehr, 15. Juli 2008
Zu Beginn sei gleich gesagt, dass ich es trotz größter Anstrengung nicht über mich brachte, dieses Buch zu Ende zu lesen. Es handelt davon, dass ein völlig neurotischer Lehrer einen Bericht an die Inspektorenkonferenz schreibt, um auf die unhaltbaren Zustände in seiner kleinen Gemeinde hinzuweisen (zu denen die Bevorzugung des Friedhofes zum Nachteil des Schulbetriebes gehört, und die außer in der Fantasie des Lehrers nicht wirklich nennenswert sind). Zugegeben, es ist dem Autor stilistisch gelungen, ein fast vollkommenes Bild eines Menschen zu zeichnen, der sich in seiner Einsamkeit und Verzweiflung in etwas verrennt und die Realität dabei nicht mehr wahrnimmt - ein Kunststück, das mich zu immerhin zwei Sternen bewegt hat. Aber ich war von der ersten Seite an genervt von dieser Jammerei und diesem inhaltlichen Unsinn, quälte mich immer weiter in der Hoffnung auf Besserung und war schließlich so übellaunig, dass ich das Buch weglegen musste. Von mehreren Seiten hatte ich sehr gute Kritiken gehört, aber ich kann nach reiflicher Überlegung nur sagen, entweder ich habe nicht verstanden, worum es geht, oder die Kritiker sind dem Hurz-Effekt zum Opfer gefallen.
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4.0 von 5 Sternen Schweizer Schiltbürger - Didaktik vor leeren Schulbänken, 18. März 2009
»Schilten« ist das Romandebüt von Hermann Burger aus dem Jahr 1976 - ein Roman mit sehr grotesken Zügen. Ort der Handlung seines ersten Romans ist das abgelegene Schilttal, ein Sacktal im Kanton Aargau, in dem alles aufhört. Der abgelegene Ort wird zum Sinnbild für die Handlung. Schilten wird zu einem Ort, an dem sich Groteskes abspielt - eine Art schweizer Schilda - und seine Bewohner allmählich zu "Schiltbürgern". Der Ortsteil "Aberschilten", in dem sich das alles zuträgt, entpricht dem Aberwitz.

Die Handlung des Romans entwickelt sich aus dem Verfassen eines Schulberichtes zuhanden einer Inspektorenkonferenz. »Schilten« handelt davon, dass der völlig neurotische Lehrer Schildknecht / ein völlig neurotischer Lehrer einen Bericht an die Inspektorenkonferenz schreibt, um auf die unhaltbaren Zustände in seiner kleinen Gemeinde hinzuweisen.

Da die Personen nicht vorhanden sind, besteht die Handlung einzig und allein aus Sprache. Langsam wird klar, daß die Schulstunden, von denen Schildknecht spricht, die ganzen Einheiten, in denen Scheintotte überführt und Verschollene erkannt werden, wie sie im dichten Winternebel in die Todeszone eingetreten sind - dass die gesamten Szenarien der ausschweifenden Schildknechtschen Didaktik vor leeren Bänken stattfinden. Er ist schon länge vom Dienst suspendiert worden und näher sich dem Idealzustand des Lehrers an, nämlich ohne Schüler zu unterrichten.

Burgers Verdienst ist es, hinter der Fassade des Normalen und Gewohnten die Abgründe aufzuzeigen. Langsam kann der Leser bei dem Lehrer Schildknecht die Entwicklung eines Wahnssystems verfolgen, das aus in sich schlüssigen Einzelteilen besteht. Die Schulstunden, von denen Schildknecht spricht, finden vor leeren Bänken statt.

Ein lesenswerter, aber auch sprachlich fordernder Roman, der hinter die Fassade blickt und zum Nachdenken nicht über die Zustände in der schweizer Gesellschaft anregt.
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