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23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Haupt des Jägers, 16. November 2009
Adina ist Lehrerin an einer Schule im Rumänien zur Zeit der Ceaucescu-Diktatur. Als sie ihren Schülern bei Erntehilfsarbeiten empfiehlt, so viele Tomaten wie möglich selbst zu verzehren, gerät sie in den Fokus der Sicherheitspolizei. Und das Fuchsfell in ihrer Wohnung verliert Glied um Glied...
Der Stil dieses Werkes ist sehr ungewöhnlich. Jedes der kurzen Kapitel steht für sich selbst da wie ein expressionistisches Gemälde. Dadurch ist der Sinn nicht immer leicht zugänglich, aber gleichzeitig macht dieser ungewöhnliche Stil auch ein Stück weit den Reiz an diesem Buch aus.
Ich habe mir dieses Buch zugelegt, weil Herta Müller als frischgebackene Nobelpreisträgerin bald unserer Uni liest. Das Buch ist nicht nur wegen Stil und Geschichte sehr fesselnd, sondern auch wegen des sehr lebendigen Bildes des Ceaucescu-Regimes, über das man im Westen nicht unbedingt besonders informiert ist.
Ein Buch, auf das man sich einlassen muss, dass dann aber seine fesselnde Wirkung entfaltet.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
WORUM GEHT ES?, 11. Dezember 2009
Es sind die letzten Monate der Ceaucescu Diktatur. Verschiedene Personen geraten ins Visier der Securitate: Clara, die mit einem Agenten ein Verhältnis eingeht, der Arzt Paul, der als Musiker und Liedertexter vorsichtig rebelliert, die Lehrerin Adina, die in der Schule Kritik äußert, Ilije, ihr Freund, der bei den Soldaten ist und nur den Wunsch hat, aus diesem Land herauszukommen. Adina ist die Hauptperson des Buches. Sie wird auf subtile Art terrorisiert: Einem Fuchsfell, das sich in ihrer Wohnung befindet, werden nach und nach die Beine und der Kopf abgetrennt. Der Geheimdienst macht ihr deutlich, dass er jederzeit in ihr Privatleben eindringen kann.
WER IST DIE AUTORIN?
Das weiß momentan jeder: Nobelpreisträgerin! Herta Müller ist Rumäniendeutsche. Dieses Buch, in dem große Teile in einer Fabrik spielen, verarbeitet auch eigene Erfahrungen: Denn die Autorin hat als Übersetzerin in einer Fabrik gearbeitet, bis sie die Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst verweigerte und ihre Stelle verlor. In all ihren Büchern geht es um das Thema des Lebens unter der Diktatur.
WIE IST ES GEMACHT?
280 Seiten, nicht allzu eng gesetzt - da soll man sich nicht täuschen lassen: Für diesen Text braucht man Zeit. Es ist beinahe wie Lyrik zu lesen. Denn diese Sprache ist sehr genau und erlaubt es nicht, darüber hinwegzulesen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor eine so beklemmend präzise Bechreibung des Lebens in der Unterdrückung gelesen zu haben. Bestimmte Leitmotive (Tod, Eingeschlossensein, Mangel, Kontrolle) tauchen vom ersten Satz an immer wieder in sehr treffenden und zugleich überraschenden Bildern auf. Unter Mangel an materiellen Dingen aber auch an Emotion leiden alle, nur die Geheimdienstler kann man sofort erkennen - sie haben Goldzähne und können Kaffee, Nylonstrümpfe, Fleisch verschenken und sich so die Liebe kaufen. Zugleich gibt es sarkastisch komische Stellen, z.B. wenn ein Schulaufsatz über den Einsatz bei der Tomatenernte mit den Zwischenrufen der Mitschüler aber auch der Realität konfrontiert wird (S. 82 der Aufsatz, S. 64 wie es wirklich ist). Dieses Buch sollte man all denjenigen schenken, die davon faseln, dass in der DDR doch nicht alles so schlecht gewesen sei!
DER ERSTE SATZ:
Die Ameise trägt eine tote Fliege.
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36 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was für ein Buch!, 28. Oktober 2009
"Ein Mann geht mit leerem Brotnetz durch die Weinberge, er steigt auf den Pferdewagen." Das ist zu lesen mittendrin. Und etwas weiter: "Genossin, sagt das Mädchen mit dem Laubfrosch zu Adina."
Punkt und ab geht es. Die Stirnlocke spielt eine Rolle, es ist die Locke des Herrschers, des prügelnden Vaters, Volksvaters, des Brotessers (Brotgebers) und des Bauern, der mit den Schuhen zu den Fersehzuschauern liegt, neben seiner Frau, die schwarze Pelzmütze immer noch auf dem Kopf.
Gut, wir kennen die Bilder noch aus der Zeit, als ein kleiner Bauer aus irgendeinem militärischen Gefährt herauskrabbelte und irgendwie freundlich lächelnd dem Tag ins Gesicht sah und etwas später war er tot. Rumänien hatte gesprochen.
Nun ist Herta Müller mit dem verdienten Nobelpreis für Literatur augezeichnet worden und nicht nur für dieses Buch, sondern überhaupt für ihre Sprache.
Was für ein Buch, fragt man sich!
Kleine Kapitel, keine einfachen Skizzen nur, sondern Bilder, Einzelbilder mit kräftigen Schwüngen in kräftigen Farben aufgetragen, oftmals Fragen zurücklassend.
Und dann wieder einen fortreißend in einen Strom von Empfidungen. Und dann: wie ein Kindermärchen erklingend, besser wie von einer Märchentante erzählt und zwar gekonnt.
Verlangsamend, zum Schwung ausholend und auch zur Ruhe kommend, je nachdem.
So kann man Erlebtes verarbeiten, dass es den Lesern verständlich gemacht wird ohne allzusehr zu klagen, ohne allzusehr Gerechtigkeit zu fordern, nur abwartend, die Zeit wird es richten. Das kennt sie aus ihrer Kinderzeit, das kennt sie aus ihrer jungen Mädchenzeit.
Und der Mut zum eigenen Handeln wird sichtbar in vielen Zeilen.
Ich verfolge diese interessante Literatin, diesen mutigen Menschen mit einem seltenen Hang zu Humor und Wohlbefinden gelegentlich schon seit ihrer Zeit, als sie in die Bundesrepublik Deutschland kam. Was sie schreibt, ist fast immer verständlich, wenn auch oft nicht gleich, sie spielt und versteckt, sie zaubert mit Sprache.
Dass aus dem Landleben in Rumänien aus einer ländlichen Gegend in Europa eine Leuchte, ein Licht erschien, das ist schön, das ist wertvoll für uns.
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