Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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42 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Dichterin und die Diktatur, 6. Juni 2004
Herta Müller, vielfach ausgezeichnete, aus Rumänien stammende, seit 1987 in Deutschland lebende Autorin, legt hier ein Werk vor, in dem sie über ihr Schreiben, ihr Denken, ihre Biografie reflektiert. Und je weiter man in diesem Buch vorankommt, desto klarer wird einem, wie sehr die Diktatur Ceaucescus Nicht-Angepasste (wie Herta Müller eben) bedrohte, ja zerstörte - wie etwa einen Schriftstellerkollegen von Herta Müller. der nach offizieller Lesart "Selbstmord" beging (in Wirklichkeit aber vom Geheimdienst umgebracht wurde). Ähnlich erschütternd das Beispiel einer ehemals sehr engen Freundin, die die emigrierte Schriftstellerin in Deutschland besuchte - und sich hier noch als Spitzel des Geheimdienstes zu erkennen gab! Besonders beeindruckend ist das Erlebnis der Autorin als "Kindergartentante" für 2 Wochen - ein Text, der in die Schullesebücher gehörte ("Die rote Blume und der Stock"). Ein überragendes, verstörendes, absolut lesenswertes Buch!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
philosophische Literatur über die Angst, 12. Dezember 2009
Eins vorweg: Ohne den Litarturnobelpreis wäre ich wohl nie auf Herta Müller gestoßen. Gott sei Dank hat sie ihn verliehen bekommen. Herta Müller ist eine Gigantin. Dieses Buch steckt voller philosophischer Ideen über die Angst und über die Bedeutung von Begriffen. Herta Müller bezieht dabei eigene Erfahrungen literarisch in ihre Gedanken ein. Ihre Sprache ist so ausgereift und virtuos, gleichzeitig sensibel und fragil, dass ich die Seiten ganz vorsichtig umblätterte, um den Worten nicht weh zu tun. Mein Rat: unbedingt lesen!
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
2 Welten (Rumänien & Deutschland / Sprache & Biographie), 7. Juli 2005
Herta Müller hat ein Buch vorgelegt, welches den Spagat zwischen autobiographischen Aphorismen und Lebensszenen und Sprache als Kommunikation, Kulturmerkmal, Charaktereigenschaft und Heimat wagt. Das Buch gliedert sich in mehrere kürzere Abschnitte, die sich vor allem um Müllers Jugend und Leben im Rumänien Ceaucescus drehen, aber auch Epsioden aus ihrer Zeit in Westeuropa, vornehmlich Deutschland, drehen. Dabei gelingt es Müller immer wieder ihre Sprachdualität (sie wuchs deutschsprachig als Banater Schwäbin in Rumämien auf, lernte jedoch auch früh rumänisch beim Besuch der Schule und im Alltag), mit Stationen aus ihrem Leben zu vernetzen. Kindheit, Familie, das Inselsasein ihres "deutschen Dorfes" in Rumänien, welches gleichzeitig als Land eine Insel innerhalb Europas für sie war, aus der sie fliehen wollte und mit der sie doch so viel verbunden hatte. Früh geriet sie ins Visier der "Securitate" der Geheimpolizei Ceaucescus, die sie regelmässig zu Verhören einbestellte und die zum "unsichtbaren" ständigen Begleiter für sie wurden. Je weiter das Buch und seine Handlung vorankommt(sofern man von Handlung bei diesen Episoden sprechen möchte), desto besser gefiel mir das Ansinnen und die Umsetzung des Buches. Der Text ist in seiner Struktur "zweigleisig", also sowohl schrittweise in sprachliche Eingenheiten Einblick nehmend und dann auch autobiographisch immer mehr das gesamte Bild der Autorin entwerfend. Ich persönlich bin der Meinung, dass ihr diese Kombination in 90% der Fälle gut gelingt, ehrlicherweise empfand ich aber auch Passagen als etwas schwer verständlich oder nachvollziehbar, gerade bei der sprachlichen/bedeutungshistorischen Behandlung der für Müller sehr wichtigen Begriffe Haar, Herztier und das "Titelwort" König. In diesen Fällen konnte ich der Autorin nur bedingt folgen, fühlte diese Exkursionen aber auch nicht als sehr störend im Gesamtprojekt des Buches. Insgesamt ein interessantes Vorhaben von Herta Müller, welches durchaus als gelungen bezeichnet werden kann und welches gespannt auf weitere Texte warten lässt, die diesen Dualismus der eigenen Geschichte und Sprache aufnehmen.
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