Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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87 von 101 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Laut New York Times Book Review eines der besten Bücher des letzten Jahres (und ich finde, das stimmt!), 14. März 2007
Wenn man erst einmal in den Bann dieses Buches geraten ist, wird es unglaublich schwer, sich wieder davon zu lösen. Als ich irgendwann so bei Seite 300 angelangt war, habe ich es nicht geschafft, es wegzulegen. Ich war sogar versucht, morgens einfach im Bett zu bleiben, um das Buch zu Ende zu lesen und einfach die Arbeit ausfallen zu lassen. Denn die Geschichte von Blue entwickelt sich zu einem unglaublich spannenden und dichten Geschehen.
Man sollte sich definitiv nicht von der äußeren Aufmachung des Buches irritieren lassen. Sicherlich ist das Cover besser geeignet, irgendein seichtes Mädchenbuch zu verzieren. Aber das bekommt man nicht geliefert. Auch wenn es am Anfang teilweise ein bißchen den Anschein hat. Aber die Story ist - so spannend sie auch sein mag - nicht wirklich trivial, sondern bietet einem viele Gründe, auch mal ein bißchen nachzudenken.
Da das Buch von der Spannung lebt, will ich hier nicht allzuviel verraten, sondern nur das, was man ohnehin auf den ersten Seiten erfährt. Blue ist High-School-Schülerin, die mit ihrem Vater ein rastloses Leben geführt hat und von Ort zu Ort gereist ist, nachdem ihre Mutter bei einem Autounfall verstarb. In ihrem letzten Schuljahr bleiben die van Meers dann ein ganzes Jahr an einem Ort. Blue lernt eine Lehrerin, Hannah Schneider, kennen, die sich ihrer ganz besonders annimmt und sie in einen Freundeskreis einführt. Und dann stirbt Hannah Schneider plötzlich. Der Spannungsbogen des Buches lebt von dem Rätsel, wie die Lehrerin gestorben ist, und warum.
Aber abgesehen von dem enthaltenen Thriller hat das Buch noch weitere, nicht minder fesselnde Ebenen: zum Einen das Verhältnis Blue's zu ihrem Vater, zu den neuen Freunden und die schillernde Persönlichkeit Hannah Schneider's. Besonders besticht dabei die Vielschichtigkeit der dargestellten Personen.
Das einzige Manko an dem Buch ist, dass die Autorin es an manchen Stellen mit "Schnörkeln" übertrieben hat. So zitiert Blue ständig und für alles andere Bücher, die teilweise real und teilweise fiktiv sind. Das ist eigentlich eine sehr gute Idee. Aber auf die Dauer doch ein bißchen anstrengend.
Aber alles in allem: Eine ganz klare Kaufempfehlung!
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55 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sprachlich brillanter Roman über den Verlust jugendlicher Illusion, 11. April 2007
Bereits der Titel des Debütromans von Marisha Pessl "Die alltägliche Physik des Unglücks" im amerikanischen Original mit dem Titel "Special Topics in Calamity Physics" deutet darauf hin, dass es sich um ein ungewöhnliches Werk handelt. Ein kurzes Anlesen verhalf mir dann endgültig, über das wenig ansprechende kitschige Rosenmotiv auf dem Cover hinwegzusehen und mir mit einiger Erwartung dieses Buch zu Gemüte zu führen - es wurde dann phasenweise eher ein Verschlingen...
Normalerweise steht bei mir bei einer Buchbesprechung der Inhalt des Buches ganz klar im Vordergrund. In diesem Fall muss ich als erstes Marisha Pessls sprachliche Kunstferigkeit hervorheben. Selten habe ich einen Roman in einer derartigen sprachlichen Fülle, Pointiertheit und Detailverliebtheit gelesen. Jedes Wort ist bewusst gesetzt und hat seine Bedeutung und Begründung. Dabei ist die Art und Weise wie Marisha Pessl ihre Protagonistin Blue van Meer, ihre Geschichte erzählen lässt, sprachlich durchaus genauso ungewöhnlich wie Blue selbst. So werden die häufig als elegante Nebensatzkonstruktionen aufgebauten Sätze oft mit Einschüben in Klammern unterbrochen, wie dies auch geschieht, wenn man Freunden eine Geschichte erzählt, und sind gespickt mit Zitaten aus Büchern, Filmen und Liedtexten, deren entsprechenden Quellenangaben und einer Vielzahl origineller Vergleiche, Bilder und Metaphern. Diese elegante, fließende, spritzige und überbordende Sprache wird von Marisha Pessl jedoch nicht wegen ihrer selbst eingesetzt, sondern steht in unmittelbarer inhaltlicher Verbindung mit ihrer Erzählerin Blue van Meer.
Blue van Meer ist die sechzehnjährige hochbegabte Tochter eines Professors der Politikwisschenschaften, der zu jedem Semester eine Anstellung an einer anderen drittklassigen Universität annimmt, weshalb die beiden in etwa zu Beginn jedes neuen Semesters ihren Wohnort wechseln. So verlebt Blue ihre Jugend mehr zwischen als in verschiedensten Wohnorten, wo es ihr nie gelingt Freundschaften aufzubauen und einen Platz in einer Gemeinschaft zu finden. Ihre Welt wird die Welt der Bücher, die sie passiv aufnimmt, so dass sie ihr die Welt erklären, ihr einen Rahmen und Sicherheit geben. Dies zeigt sich, wenn Blue ihre Geschichte erzählt, in der sie jede Situation mit einem entsprechenden Zitat würdigt; Zitate, die zum Teil das Erzählte bereichern und interessante Anspielungen und Gedankenspiele sind, die aber manchmal lediglich Blues Einsamkeit über die Beliebigkeit ihrer Lektüre vermitteln. Blues Vater, der sich offenbar gerne selbst reden hört, hält Blue auf Reisen systemkritische Vorträge über Politik und Weltliteratur, und kommentiert alles mit seinen Lebensweisheiten, die Blue nicht in Frage gestellt sondern zutiefst verinnerlicht hat. Ihr Vater ist ihr Held und Halt, erst spät muss sie feststellen, dass er in Wahrheit weder das eine noch das andere ist.
Blue eröffnet ihre Geschichte mit der Aussage "Dad sagte immer, ein Mensch braucht einen fabelhaften Grund, um seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, wenn er will, dass jemand sie liest". Das macht den Leser natürlich gespannt darauf, welcher fabelhafte Grund in Blues Fall dahinter steht. Darauf muss der Leser allerdings eine ganze Weile warten. In den ersten 150 Seiten erfahren wir sehr viel über Blue und ihren Vater, Erlebnisse in bisherigen Reisestationen und ihren Umzug nach Stockton. Das ist inhaltlich nicht wirklich viel, liest sich aber aufgrund Blues ironischer Darstellungen, die beweisen, dass sie nicht nur eine gute Beobachterin ist, sondern ihre Wahrnehmungen messerscharf auf den Punkt bringen kann, wodurch sie uns Alltägliches skurril und absurd erscheinen lässt, sehr amüsant. Ab Seite 150 erfährt Blues Geschichte eine Wendung. Sie lernt Hannah Schneider, eine etwas chaotische und äußerst geheimnisvolle Lehrerin, kennen, die sie mit einer Clique von fünf gleichaltrigen Schülern Jade, Leulah, Nigel, Milton und Charles zusammenbringt. Obwohl Blue nicht vollständig in die Gruppe integriert ist, kommt sie in eine für sie neue Welt, in der sie Erfahrungen mit Mode, Jungs, Parties, Alkohol etc. macht. Eine Phase des Romans, die meines Erachtens zu lange ereignislos vor sich hin mäandert und höchstens zeigt, dass Blue zwar in der Lage ist, ihre Umwelt gewissermaßen geistig zu sezieren, ihre Geschichte aber nicht auf den Punkt bringen kann. Als es bei ca. Seite 380 im Tod Hannah Schneiders durch Erhängen zur Katastrophe kommt, hatte ich als Leserin schon fast vergessen, dass Blue schon zu Beginn des Romans diese Katastrophe angekündigt hatte und fragte mich eher, warum ich diesen sprachlich wundervollen aber ereignislosen Roman eigentlich noch weiter las und ob sich überhaupt noch irgendwelche interessanten Entwicklungen ergeben würden. Manchmal ist es aber gar nicht schlecht, wenn ein Buch eine eigenartige magische Faszination auf den Leser ausübt und ihn so bei der Stange hält. Ab Seite 380 überstürzen sich die Ereignisse und endlich beginnt unsere hochintelligente durch den Tod ihrer Lehrerin und der Reaktion ihrer Clique erschütterte Protagonistin, unsere messerscharfe Beobachterin, die nicht an einen Selbstmord ihrer Lehrerin glauben kann, zu denken und zu kombinieren - das Ergebnis führt allerdings zur nächsten Katastrophe. Dass mir Marisha Pessl nicht alle offene Fragen zum Ende hin beantwortet und so der ein oder andere lose Faden in der Intrige und Verschwörungstheorie bleibt, wird für mich kompensiert durch den unglaublichen Humor, mit dem die Autorin sich in den letzten Passagen sogar selbst hinterfragt.
Am Ende läßt Marisha Pessl mich als Leserin etwas ratlos zurück. Ihre sprachliche Virtuosität machen "Die alltägliche Physik des Unglücks" zu einem faszinierenden Leseerlebnis für Leser, die an Sprache Freude haben. Aber was bleibt inhaltlich? Oberflächlich betrachtet ist "Die alltägliche Physik des Unglücks" ein Collegeroman, in dem uns eine hochtintelligente sechzehnjährige Außenseiterin ihre zum Teil mehr zum Teil weniger interessanten Erlebnisse eines Collegejahres schildert. Aber der Roman erzählt doch mehr als das. Er erzählt "das Schmerzlichste von allem: den Verlust jugendlicher Illusion", die mit der Abnabelung von Blues Vater enden muss und so erlebt der Leser zum Ende des Romans eine neue, befreite und gereifte Blue.
Für mich bleibt "Die alltägliche Physik des Unglücks" als Roman in Erinnerung, den ich trotz seiner Längen mit einer ähnlichen Faszination gelesen habe wie die frühen Werke John Irvings und den ich schon wegen seiner sprachlichen Brillanz zweifellos noch einmal lesen werde. Ob Marisha Pessls Roman zu einem Klassiker werden wird, wage ich nicht zu beurteilen. Mir reicht, dass mir das Lesen Spaß gemacht hat.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Junikäfer und andere Merkwürdigkeiten, 14. Mai 2007
Blue van Meer wird die Welt verändern. Davon ist ihr Vater, ein renommierter Politikprofessor, überzeugt. Nach dem Tod von Blues Mutter folgt er dem Ruf von diversen Universitäten quer durch die meisten Bundesstaaten der USA, so daß Blue lediglich ihr Abschlußjahr an nur einer einzigen Schule verbringt. Hier hat die begabte Schülerin zum ersten Mal Gelegenheit, sich neben Büchern auch mit Menschen anzufreunden. Besonders die faszinierende Lehrerin Hannah Schneider hat es ihr angetan.
Was klingt wie eine Mischung zwischen Coming of Age Roman und Campus Novel, ist in Wirklichkeit eine spannende Mélange, deren Zutaten von diesen beiden Genres bis hin zum Thriller reichen und nebenbei noch eine Bildungsreise durch den Westlichen Kanon der Literatur beeinhalten. Der Roman der neunundzwanzigjährigen Marisha Pessl sprudelt vor Zitaten wie Ideen geradezu über, auf jeder Seite finden sich ungewöhnliche Vergleiche und Metaphern, die nur im etwas langatmigen Mittelteil an Originalität einbüßen. Das wird aber durch das atemberaubende Finale dieses Debütromans mühelos ausgeglichen.
Nach der Abschlußprüfung des letzten Kapitels möchte man Die alltägliche Physik des Unglücks am liebsten gleich noch einmal lesen, um die unzählichen Fäden dieser geschickt gewobenen Geschichte an ihrem Anfang aufheben und ihre Verknüpfung zu einem so einfallsreichen wie komplizierten Muster verfolgen zu können. Junikäfer nennt Blue übrigens die zahlreichen Frauen, die ihren Vater umtanzen wie die Motten das Licht Halbwertzeit dieser einander rasch folgenden Affären: In etwa die Lebensspanne einer Eintagsfliege. Dieses Buch wird Sie länger beschäftigen.
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