Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein großer europäischer Roman, 19. Januar 2005
Dies ist ein großes und ein begeisterndes Buch. Bernières entwirft die wunderbar reiche Welt eines kleinen Ortes an der Mittelmeerküste Kleinasiens, voller überzeugender Charaktere und bewegender Schicksale. Aber darüber hinaus verbindet er diese "kleine Welt" mit den großen Entwicklungen der Geschichte, dem Untergang des osmanischen Reiches und den Folgen des Ersten Weltkriegs für den östlichen Mittelmeerraum. Die Konflikte, die Bernières meisterhaft einbettet in die Erlebnisse seiner Figuren, sind von beeindruckender Aktualität und machen die Lektüre nicht nur zum Genuss, sondern bieten vielfältige Denkanstöße. Aber es ist das schiere Leseerlebnis, das diesen Roman so empfehlenswert macht - etwa die wunderbar poetische Verführung des Landbesitzers Rustem Bey durch seine Geliebte oder die Schilderungen der Kämpfe um Gallipoli, die in ihrer Wortmacht an Tolstoi erinnern. Die ungeheure Fülle und atmosphärische Dichte des Romans sorgen dafür, dass man dieses Buch nicht aus der Hand legen kann. Ein literarisches Ereignis!
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51 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eskibahce ist überall, 25. April 2005
Wer einmal das Schicksal einer Vertreibung,-dieses Wort sollte man wirklich verinnerlichen-, am eigenen Körper (und seelisch-gefühlsmäßig eben!) erlebt hat, der wird in diesem großartigen Roman von Louis Bernieres einiges nachempfinden, wie es sich vielleicht eher gebührt.Nicht nur in der Türkei und schon garnicht im osmanischen Reich nur, das an der Seite Deutschlands immer wieder kämpfte (daher auch eine, wenn man so will, historisch-moralische Verpflichtung für uns Deutsche in bezug auf europäische Geschichte und Zukunft!), hat man derartiges erlebt wie Kampf um Identifizierung des Eigenen, Vertreibung und mehr. Nein auch mitten in Europa und in der ganzen Welt gehen die Völker, wie hier im Roman aufeinander los, um für sich, wie es scheint, immer das Beste zu wollen. Soweit der größere Rahmen. Dieses Werk, dieser fast 700 Seiten starke Roman aber erzählt mehr. In verschiedenen Strängen wird einmal wundervoll idyllisch das Bild der Eintracht mit Mensch und Natur gemalt (Philothei und Ibrahim), die Idee eines möglichen Friedens und eines menschlichen, lustfreundlichen Miteinanders (fast paradiesisch) aufgezeigt, untermalt oft mit Gedichten feinster Gestaltung und Aussage. Dann wiederum wird das harte Reale einer politischen Maschinerie, aufklärerisch und modern, mit der Härte des Vorwärtsdrängens und mit einer dröhnenden motorgeschützten kriegsfördernden Handlung verbunden (Mustafa). Das kennen wir aus eigener Geschichte und erleben wir gerade jetzt wieder als wiederkehrendes Übel machtpolitischer Gewalt. Im Zweifelsfall und bei passender Gelegenheit lassen wir die Kriegstrompeten schallen. Das nennen wir dann gut gehandelt und ein Sieger wird dann immer belohnt, obwohl der Besiegte natürlich auch leben will. Philothei, die schöne Christin will leben. Sie ist das Symbol einer möglichen Verbindung, die Frieden brächte. Sie endet entsprechend. Und die Verteibung der armen Menschen damals wie heute wird nur von Wenigen richtig betrauert. Wiederum ein Hinweis gerade auf Mitteleuropa, das sich nicht moralisch hervortun darf, denn Verbrechen ähnlicher Art sind bewiesene Historie. Deshalb freut sich der wahre Mensch an dem Zusammengehen einstiger Freunde, die einmal vertrieben wurden und vielleicht später als Nachkommen ehemaliger Freund/Feinde dann doch wieder zusammenkommen. Das z.B. will dieser große Roman uns ebenfalls beibringen und wir täten gut daran, es anzunehmen. Die Kunst von Bernieres besteht also in Wahrheit nicht nur im großartigen Erzählen sondern vor allem in einer behutsamen, liebevollen Aufklärung. Die Türkei ist der Schauplatz dieses Werkes, wir alle aber sind angesprochen als ehemals Verwundete und Täter.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
alles im allen sehr gut gelungen, 21. Dezember 2005
Von Ein Kunde
Traum aus Stein und Federn. Der englische Titel "birds without wings" paßt besser. In diesem Roman geht es um eine kleine Stadt an der Ägäis, nahe den heutigen Touristenstädten Marmaris und Fethiye. Der Autor beschreibt das Leben der Türken, Griechen und einer sehr kleinen Minderheit von Armeniern in dieser Stadt. Griechen die kein griechisch können, Türken die türkisch in griechischen Buchstaben schreiben und in die Kirche gehen und Griechen, die Freundschaften mit dem örtlichen Imam haben. Sie heiraten und versprechen ihre Kinder untereinander (so auch Philothei und Ibrahim). Eine Multi-Kulti-Stadt par excellence fern ab der politischen Geschehnisse. So und so ähnlich wird es an vielen Städten und Dörfern gewesen sein, wenn man sich heutzutage die verlassenen griechischen Geister-Städte an der türk. Westküste anschaut und die Interviews in türkischen Sendern von ganz alten Türken über die in Exodus gegangenen Griechen sich vergegenwärtigt (auf einem türk. Sender sah ich mal vor nicht allzulanger Zeit einen Bericht über eine sehr schöne Griechin, deren Geschichte der der schönen Philotei ähnelte, aber das Ende war wohl anders... den möchte ich nicht vorweg nehmen...) Auf der anderen Seite beschreibt der Autor den Balkankrieg, 1.WK (insbesondere die Dardanellenschlacht), die Megalo Idea der Griechen und den Befreiungskampf der Türken und den Genozid an den Armeniern, Griechen, Türken, die Feindseligkeiten der Völker angestachelt durch dumme Regenden... besonders Atatürks Werdegang beschreibt er sehr chronologisch, kehrt zu dieser Schlüsselfigur immer wieder zurück.Louis de Bernieres schreibt gegen Ende seines Werkes: "Gott hat sie als Kain und Abel geschaffen, und wer immer gerade den Knüppel in der Hand hat, übernimmt den Part des Kain. Wer gerade Pech hat und den Abel spielen muss, nützt die Gelegenheit und bejammert die Grausamkeit des anderen. Sollte ich Gott persönlich begegnen, werde ich ihm eindringlich empfehlen, dass er beide Religionen gleichermaßen abschafft, und dann können Kain und Abel Freunde für immer sein." Dies is die Essenz seines Werkes. Diese Einstellung lässt das Werk -hinter dem ernsten Hintergrund- ziemlich ironisch und sehr makaber wirken. In der Tat verfolgen die Griechen die Türken, die Widerum die Griechen; die Armenier die Türken, die Widerum die Armenier; die Türken die Araber und die Araber die Türken etc etc. Ein ewiges hin- und her. Des weiteren werden Griechen (Christen), die kein wort griechisch können, nach Griechenland und Türken (Muslime), die kein Wort türkisch können, in die Türkei -im zuge des Völkeraustausches- übergesiedelt. Ein griechischer König wird von einem Affen gebissen und stirbt und wegen den anschliessenden Gegebenheiten verliert Griechenland den Krieg etc etc etc Er geht -zu Recht- sehr hart mit den Verantwortlichen (Politikern, Generälen, Radikalen etc) für die Hetzen und Gräueltaten um. Man merkt, dass Bernieres von den Erzählungen der Menschen in Kleinasien und nicht von den Geschitsschreibern inspiriert wurde. Die einfachen Menschen in Kleinasien bestreiten nicht den Genozid an den Armeniern und den Gräueltaten an den Griechen im und kurz nach dem 1.WK , aber sie legen sehr großen Wert, dass man den Werdegang und die vorhergegangen Taten am eigenen Volk nicht völlig außer Acht lässt. Das ist nicht meine Meinung, sondern dass, was ich in langen Gesprächen in der Türkei selber erzählt bekommen habe. Bernieres versucht -meiner Meinung nach- sehr neutral zu bleiben, und beleuchtet auch die Medaille von der -für Europäer ziemlich unbekannten- anderen, der türkischen Seite. Aufgrund seiner manchmal zynischen Art wirkt vieles manchmal eigenartig auf einen. FAZIT: Alles im Allen sehr gelungen und ein sehr eigener Stil; manchmal zu viele Wiederholungen, die nerven können. Interessant, dass die Geschichte 100 Jahre zurückliegt und sich z.B. an dem Verfall des Vielvölkerstaates Jugoslowiens, im Konflikt um Berg-Karabagh, im Konflikt der Kurden gegen Türken, Perser, Irakis und im Zypern-Konflikt zwischen Griechen und Türken etc etc wiederholt hat und noch leider wiederholt. Interessant, weil immer noch ähnliche Regenten wie damals über das Leben von Millionen entscheiden (weltweit). Der Grund liegt wohlmöglich wirklich bei Kain und Abel, d.h. im Menschen selber.
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