Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Boulevard of broken dreams oder Go West!, 21. August 2009
Wow - was für ein Buch!!! Ich bin total beeindruckt und dazu bedarf es bei meinem Lesepensum schon einiges.
James Frey hat eigentlich keinen Roman, sondern eine Sozialreportage geschrieben. Hauptfigur in "Strahlend schöner Morgen" ist die Stadt Los Angeles, und damit der Leser das nicht vergisst, werden immer wieder Sachinformationen über die Stadt, ihre Geschichte, die Infrastruktur, die Gangs in L.A. und vieles mehr eingestreut.
Dies wechselt sich ab mit Einzelschicksalen - Menschen, die aus allen Richtungen von desem Moloch angezogen werden, weil sie glauben, dass sie in dieser Stadt ihr Glück finden oder machen werden. Aber in den seltensten Fällen erfüllen sich diese Hoffnungen und davon schreibt Frey in einer Intensität, dass einem schier die Luft wegbleibt.
Ungeschönt und in einer oft sehr drastischen Sprache, fast expressionistisch, schildert er Schicksale, die als exemplarisch gelten können: Das Ausreißerpärchen aus dem Mittleren Westen, die zahllosen Möchtegern-Stars, die dann als Kellnerinnen ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, die Penner und Illegalen...
Nein, Frey muss meiner Meinung nach den Vergleich mit George Orwells "Down and out in Paris and London" und T.C. Boyles "The Tortilla Curtain" nicht fürchten. Ihm ist ein Buch gelungen, das ich mit Sicherheit noch mehrmals zur Hand nehmen und lesen werde - ein Meisterwerk!!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
James Frey - Strahlend schöner Morgen, 27. August 2009
Im neuen Roman von James Frey "Strahlend schöner Morgen" trifft man auf verschiedene Personen mit gänzlich verschiedenen Charakteren, die alle in Los Angeles leben.
Man begegnet zum Beispiel dem obdachlosen Alkoholiker Old Man Joe, den Ausreißern Dylan und Maddie, dem homosexuellen Filmstar Amberton und der Einwanderertochter Esperanza. Frey erzählt deren Geschichten sehr lebendig und glaubhaft und durch die Fakten über L.A., die Frey immer wieder zwischen die Geschichten streut, bekommt der Leser auch einen ganz guten Überblick, was den Schauplatz L.A. betrifft.
Durch Freys phänomenalen Erzählstil werden die Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche der einzelnen Protagonisten gut zum Ausdruck gebracht und durch seine facettenreichen Schilderungen gewinnt dieses Buch auch eine ganz besondere Atmosphäre, so dass man ganz in der Handlung gefangen genommen wird und hofft, dass diese wunderbare Geschichte von den Schicksalen der einzelnen Personen nie endet. Auch schafft es Frey perfekt die einzelnen Gefühle dem Leser emotional sehr gut zu vermitteln, wo durch man selbst mit den einzelnen Charakteren mitfühlt und ein Teil der Geschichte wird.
James Frey hat mit "Strahlend schöner Morgen" ein grandioses Buch über bewegende, aber leider alltägliche Schicksale einzelner Personen geschrieben, welches ein Lesegenuss ist und gelesen werden muss!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fluchtpunkt für Exzentriker, Aufsteiger und Rampenlichtmotten, 22. August 2009
Das Baby Esperanza wurde nur wenige Meter hinter der Grenze zwischen Mexico und den USA geboren. Esperanzas Eltern kamen damals illegal über die Grenze nach Kalifornien. Graciellas und Jorges Traum von einem besseren Leben erfüllt sich für Esperanza schon am Tag ihrer Geburt - sie ist Amerikanerin. Die Eltern des kleinen Mädchens arbeiten fleißig und beherbergen schon bald illegal eingereiste Verwandte, die in den USA Arbeit und bescheidenen Wohlstand suchen. Esperanza ist eine gute Schülerin, die auf dem harten Weg zum College und zur Universität feststellen wird, dass du in den Vereinigten Staaten nicht nur klug und zuverlässig sein musst, um Erfolg zu haben. Es genügt nicht, stark zu sein und das Leben in die eigene Hand zunehmen, wenn du keine weiße, protestantische Familie im Rücken hast, die deine Pläne unterstützt.
Dylan und Maddie sind 19 und leben mitten in der amerikanische Provinz. Seit die beiden sich mit elf Jahren zum ersten mal geküsst haben hat Dylan Geld für ihre Hochzeit gespart. Als Maddie von ihrer Mutter misshandelt wird, packt Dylan seine mühsam gesparten 2100$ ein und haut mit Maddy Richtung Kalifornien ab. Von nun an gibt es kein Zurück mehr - die beiden brauchen Arbeit und eine Wohnung. Der Boss an Dylans erster Arbeitsstelle gerät bald unter die Räder seiner krummen Geschäfte. Dylan und Maddie verschwinden. Sie sind jung, sie lassen alles hinter sich - eine Geschichte wie ein modernes Märchen. Doch nur zu bald zeigt sich, dass Menschen wie Dylan und Maddie in Kalifornien kaum auf einen grünen Zweig kommen können, selbst wenn sie den ganzen Tag arbeiten.
Old Man Joe schläft nachts in der Toilette einer Imbissbude am Venice Beach. Jeden Morgen wäscht Joe sich und verlässt "seine Toilette" mit Sack und Pack, um am Strand das Geld für seinen Lebensunterhalt zu erbetteln. Als ein 15-jähriges Mädchen schwer verletzt am Strand gefunden wird, kämpft Jo mit allen Mitteln um seinen Traum, Beatrice vor einer Drogenkarriere zu retten.
Amberton Parker und seine Frau Casey führen zum Schein eine nach außen perfekte Schauspieler-Ehe mit Kindern. Ständig von Paparazzi verfolgt, liefern die beiden der Öffentlichkeit eine ausgefeilte, von Medienberatern entwickelte Inszenierung des amerikanischen Traums. In Ambertons und Caseys Welt gibt es Küsschen links, Küsschen recht, während man insgeheim hofft, der Geküsste würde gleich vom Blitz erschlagen. Amberton wählt das Auto für den Tag wie andere die Krawatte fürs Büro. Die beiden B-Movie-Stars demonstrieren geradezu obszönen Reichtum. Sie verprassen zu fünft für ihren Lebensunterhalt Beträge, von denen alle Einwohner einer durchschnittlichen Kleinstadt bequem leben könnten. Amberton hat alles erreicht, von dem andere träumen, und wird doch nicht bekommen, was er sich am meisten wünscht.
James Frey lässt in "Strahlend schöner Morgen" eine unglaubliche Anzahl von Personen auftreten, behält dabei jedoch stets sein Bündel an Handlungsfäden straff in der Hand. Die Menge der Figuren und die Intensität, mit der Frey sie beschreibt, erschlägt einen förmlich. Einige Personen sind einem sehr nahe, so dass man um sie bangt und den Moment herbei fiebert, an dem sich ihre Wege im Roman kreuzen könnten. Manchen trifft man nur ein einziges Mal, einige bleiben namenlos, stehen für andere Namenlose, die ihren persönlichen Traum in Los Angeles verwirklichen wollen. Von anderen weiß der Leser zu seinem Schrecken nicht, ob er die Figur hassen oder bemitleiden soll.
Eingeschoben sind kurze, sachliche Abschnitte zur Stadtgeschichte von Los Angeles, die uns die rasante Entwicklung einer Region nachvollziehen lassen, die inzwischen rund 18 Millionen Einwohner hat. Freys Sinn für Sarkasmus zeigt sich, wenn er in seinen Listen der Fakten augenzwinkernd zwischen lustigen und nicht lustigen Daten unterscheidet. ("Als 1976 die Krankhausärzte streikten, sank in dieser Zeit die Sterberate um 20%" = lustig). Frey führt uns von den frei gelassenen Sklaven afrikanischer Herkunft, die zuerst 1781 an der Pazifik-Küste siedelten, zu Chinesen, Japanern und Iren, deren Stadtteile sich inzwischen zur größten Population außerhalb ihrer Heimatländer entwickelt haben. Amerikaner mit dem Traum von einem Stellplatz für einen einfachen Trailer leben hier in Sichtweite der Villen der Superreichen. Frey zeigt uns LA überaus nüchtern als Welthauptstadt des Films und der Porno-Industrie, als Fluchtpunkt für Exzentriker, Aufsteiger, Mitläufer, Rampenlichtmotten und Models. Die Menschen kommen nach LA auf der Suche nach Arbeit, ärztlicher Behandlung, Bildung, Urlaub oder Unterhaltung. Sie sind Emigranten, Flüchtlinge, Urlauber. Kids, die Samantha und Kevin heißen, verkörpern in ihren Namen die Träume ihrer Eltern - sie heißen so, wie sie einmal sein sollen. Mit Dan, einem Anwalt für Menschenrechte, der aus taktischen Gründen eine Affäre mit der Frau eines Kongress-Abgeordneten beginnt, taucht einer der komplizierteren Charaktere Freys auf, einer dem es um mehr geht als um Arbeit und eine bescheidene eigene Wohnung. In den Einschüben zur Stadtgeschichte illustrieren nun zunehmend harte Fakten die Konflikte der Gegenwart: Kriminalität, Bandenkriege, Wasserknappheit, Verkehrsinfarkt, Aufstände, Drogenhandel, Straßenkinder und ganz aktuell die Bedrohung durch Terroranschläge. Erdbeben, Feuer, Waldbrände - kann Los Angeles als Welthauptstadt der Naturkatastrophen überhaupt weiter existieren, fragt sich der Autor. Mit Dylans und Maddies Schicksal stellt Frey den amerikanischen Tellerwäscher-Mythos in Frage: jeder kann es schaffen - wirklich jeder?
Lisa See hat mit ihrer Sozialgeschichte der chinesischen Einwanderer in Los Angeles Auf dem goldenen Berg bereits gezeigt, wie sich Schicksale Einzelner fesselnd mit der Geschichte der Stadt Los Angeles verknüpfen lassen. James Frey ist mit "Strahlend schöner Morgen" ein weitaus virtuoserer, üppiger und dabei außergewöhnlich berührender Los-Angeles-Roman gelungen, den ich von der ersten bis zur letzten Zeile verschlungen habe.
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