Glaubt man Tom Perrotta, dann ist die amerikanische Kleinstadt der Vorhof zur Hölle: In Bellington, dem Schauplatz seines Romans "Little Children", tummeln sich hinter spießigen Jägerzäunen Konservative und Rassisten, prüde Übermütter, Versager, Schlägertypen und Perverse. Mittendrin leben Sarah und Todd, beide verheiratet, beide Anfang 30. Die jungen Eltern lernen sich auf dem Spielplatz ihrer Kinder kennen - und versüßen sich den Sommer mit einer leidenschaftlichen Affäre. Tom Perrotta fängt mit humorvollen Worten das Dilemma seiner beiden Hauptfiguren ein: Ohne es zu merken, sind Sarah und Todd erwachsen geworden, tragen Verantwortung und sind das Vorbild ihrer Kinder - dabei wollten sie eigentlich frei sein, Wichtiges erreichen und nicht so werden wie die eigenen Eltern. Leider staffiert der Autor seine überzeugende Hauptgeschichte mit allerhand Nebenhandlungen aus, analysiert zum Beispiel einen Exhibitionisten und führt die seltsamen sexuellen Neigungen von Sarahs Ehemann vor. Das wirkt stellenweise wirr und zu gewollt provokant. (jul)
Kurzbeschreibung
Durch die Geburt ihrer Tochter ist Sarah, früher eine engagierte Feministin, in genau dem Leben gelandet, dem sie immer entkommen wollte: Als Hausfrau verbringt sie ihre Tage auf dem Spielplatz. Ihre Ehe existiert nur noch auf dem Papier, denn Ehemann Richard ist der Computer viel wichtiger als das Zusammensein mit Frau und Kind. Da lernt Sarah - auf dem Spielplatz, wo sonst? - den Hausmann Todd kennen, der genauso frustriert ist wie sie. Ihre Affäre wird für Sarah und Todd zur tröstlichen Zuflucht vor der Langeweile des Erziehungsalltags. Doch sie ist auch der Sprengstoff, der das falsche Idyll auseinander brechen lässt.