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Buddhas kleiner Finger.
 
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Buddhas kleiner Finger. (Taschenbuch)

von Viktor Pelewin (Autor), Victor Pelewin (Autor), Andreas Tretner (Autor)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 421 Seiten
  • Verlag: List Tb. (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548600115
  • ISBN-13: 978-3548600116
  • Größe und/oder Gewicht: 18,5 x 12,8 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 274.640 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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    Nr. 5 in  Bücher > Belletristik > Romane & Erzählungen > Zeitgenössische Literatur > Internationale Autoren > Pelewin, Viktor

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Die Kreativität des russischen Chaos

Viktor Pelewins Roman «Buddhas kleiner Finger»

Viktor Pelewin, der neue Star der russischen Literaturszene, ist ein Phänomen. Sogar im deutschsprachigen Literaturbetrieb scheinen ihm Wunder zu gelingen. Während seine ersten deutschen Übersetzungen kaum Spuren hinterliessen, entfachte er plötzlich mit «Buddhas kleinem Finger» geradezu enthusiastische Reaktionen quer durch die Feuilletons und sogar im «Literarischen Quartett». Und dies, obwohl sich der Roman vollständig im Innenraum der Sowjetmythen und des neorussischen Bewusstseins bewegt. Was fängt ein unkundiger deutschsprachiger Leser an mit diesem Feuerwerk an Anspielungen und Wortspielen, die bereits die (sehr gelungene) Übersetzung zum Kunststück machen? Mit diesem Konglomerat aus russischer Revolutionsmythologie, buddhistischer «Propaganda» (so russische Kritiker), philosophisch-literarischem Name-dropping, postmoderner Selbstaufhebung und ausgedehnten Erörterungen über Illusion und Wirklichkeit, über Ich und Bewusstsein?

Absolute Leere

Es wäre hoffnungslos, hier eine repräsentative Angabe des Inhaltes geben zu wollen, der sich nach Angaben des Autors «in der absoluten Leere» abspielt. Hauptfigur ist Petja Pustota (der Nachname bedeutet genau das: die Leere), der einerseits im Russland der neunziger Jahre als Patient in einem Irrenhaus festgehalten wird, andererseits im Jahr 1919 als in Schwierigkeiten geratener modernistischer Dichter in die Dienste des legendären roten Kommandeurs Tschapajew tritt. Um historische Fakten geht es dem Roman aber nicht, und die Scheidung von phantasierter und «realer» Welt verschwindet zunehmend im Nebeneinander der Realitäten: Pjotr träumt sich aus der einen Welt in die andere, und die fast durchgehend präsenten Drogen tun das Ihre, die «Handlung» immer wieder in phantasmagorische Szenerien aufzulösen. Oder da gibt es die überaus witzig inszenierte Konfrontation eines «normalen» Russen mit einem gebildeten und traditionsbewussten Klischee-Samurai, welcher eine japanische Firma in Moskau vertritt: Die lange Passage wird gleichzeitig als Phantasie eines Mitinsassen unter Elektrotherapie und als Albtraum des Rotarmisten Pustota vorgeführt, obwohl sie in der Gegenwart spielt. Aber die Welt von 1919 und die der Neunziger treffen sich ohnehin zum Schluss (fast) zu einer einzigen.

So werden die verschiedensten Welten übereinander geschoben. Alle Gegenstände gehören verschiedenen Realitäten an, und jede von diesen entpuppt sich als illusionierte. Doch auch die Figuren sind gleichsam multipliziert. Tschapajew selbst interessiert nicht als historische Rekonstruktion, sondern als die mythisierte Patchworkfigur, als die er im russischen Bewusstsein lebendig ist. Sie beruht ursprünglich auf dem Romanklassiker Dmitri Furmanows (1923) und dessen legendärer Verfilmung durch die Gebrüder Wassiljew (1934), lebt aber vor allem durch die Flut von Witzen über den ungehobelten Kommandeur, seinen Gehilfen Petja und die Maschinengewehrschützin Anna – das Hauptpersonal auch in Pelewins Roman. Pelewin montiert, zum Vergnügen seiner russischen Leser, all diese Vorlagen ineinander, um sie radikal umzudeuten: Bei ihm wird Tschapajew vom beschränkten Haudegen zum magischen Zenmeister – und Furmanov zur dumpfen Saufnase.

Pelewin war immer schon Spezialist für parallele Realitäten. Sein diesbezügliches Meisterwerk ist wohl «Das Leben der Insekten» (dt. 1997), das auf äusserst raffinierte Weise zwei vollständig inkompatible «mögliche Welten» – eine menschliche und eben eine insektische – überblendet. Als Verfahren mag das heute postmodern klingen, doch bei Pelewin heben sich diese Welten nur scheinbar zum bodenlosen Spiel auf. In Tschapajew und Pustota jedenfalls (so der russische Titel von Buddhas kleinem Finger) gibt es viel (pseudo?)buddhistische Mystik, aber es gibt für sie keinen ironiefreien Raum. Pelewin schätzt Castaneda (den er auch übersetzte) – kopieren würde er ihn nie. In seinem Roman schöpft sich die Faszination aus der unauflösbaren Mischung von philosophischer Prätention und allpräsenter Komik – und dies wirkt offenbar auch auf den nichtrussischen Leser.

Genie und Dilettant

Pelewin spaltet die Leserschaft seiner Heimat. Er gilt gleichzeitig als Genie und Dilettant, als literarischer Philosoph und Phrasendrescher, als souveräner Stilist und literarischer Analphabet. Ihn kümmert das alles nicht. Er richtet sich nicht nach Moden und Trends – er schafft sie selbst. Seine Texte sind auch keineswegs besonders leicht zu lesen. Doch begleitet ihn schon seit seinen Anfängen eine so anspruchsvolle wie eingeschworene Leserschaft, die sich wenig um den Kanon der Kritiker kümmert: diejenige der in Russland immer schon blühenden phantastischen Literatur. Deren Fans machten ihn zum Internet-Star, bevor er als Autor ernst genommen wurde. Als die Kritik sich erst überlegte, sich mit ihm zu beschäftigen, war es zu spät: Ohne erst zu fragen, war der 1962 geborene Pelewin zumindest in seiner Wirkung zum bedeutendsten «jungen» russischen Autor mit wachsender Fangemeinde geworden. Als ihm 1997 die Nominierung zum russischen Booker-Preis verweigert wurde, geriet das zum Skandal. Pelewin konnte das nicht schaden – er blieb der Underground (so heisst das russisch) in einem Literaturbetrieb, in dem im Grunde alle Underground sein möchten.

Pelewins Kritiker, soweit sie ihn überhaupt verstehen wollen, übersehen meist eines: Alle formalen Vorwürfe müssen an seinem Nimbus abprallen. Denn keiner geht so souverän mit dem Bewusstseinschaos um, das die gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten Jahre geschaffen haben, keiner bringt die allgemeinen Irritationen über zeitgenössische Grundfragen – und sei es diejenige nach der Kulturzugehörigkeit – so vielschichtig, so spielerisch-ernst und erst noch spannend in eine literarische Form. Pelewin schafft es, ein zeitgenössisches Lebensgefühl in Literatur zu verwandeln. Oder wie es ein Leser in einer Internet-Diskussion formulierte: «Pelewin kennt sein Publikum – er schreibt für mich.» Diese Gefühls- und Denkwelt, in der sich viele wiederfinden (und zu der auch ein Hang zu östlicher Spiritualität gehört), ist so synkretistisch und dabei so heterogen, ja heterokosmisch wie des Autors Romanwelten.

Stärke und Schwäche von «Buddhas kleiner Finger» liegen in der Weigerung Pelewins, sich zu disziplinieren. Das Buch hat gewisse Längen, nimmt zu viele Seitenhiebe und Pointen mit und ist philosophisch überfrachtet. Er ist Satire, Bewusstseinsanalyse, philosophischer Roman und riesige Burleske gleichzeitig. Zuviel auf einmal, sollte man meinen, wäre da nicht diese freche und packende Inanspruchnahme der Freiheit schriftstellerischer Phantasie, mitsamt ihrer Unverfrorenheit, sich – und sei es mit viel Ironie – den ganz grossen Gegenwartsfragen zu stellen. Pelewin verwandelt das russische Chaos in kreative erzählerische Energie – was wundert's, wenn seine Leser es ihm danken. Wer weiss, ob diese Bücher wirklich Bestand haben werden. Doch eines scheint klar: Wer sich darauf einlassen will, den geistigen Kosmos der heutigen Russen zwischen zwanzig und vierzig zu verstehen, der muss Pelewin lesen. Ein intellektuelles Vergnügen ist das allemal.

Thomas Grob -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Pjotr Pustota, Petersburger Avangardist und Bohemien, erlebt sich in zwei verschiedenen Welten, in zwei verschiedenen Zeiten. Sein Bewusstsein und seine Erlebnisse pendeln zwischen 1919 und dem Moskau von heute und er wird sich nicht klar darüber, in welcher er lebt und welche er sich nur vorstellt. Der Autor läßt auch seine Leser in ständiger Ungewissheit und würzt sein Verwirrspiel mit bissiger Satire und fernöstlicher Mystik.

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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen satori - zen in der cyberpunk-gesellschaft, 23. Januar 2001
Von Ein Kunde
Viktor Pelewin hat mir seinem buch "Buddhas kleiner finger" ein Buch geschaffen, das sich dem interessierten leser in mannigfaltiger Weise eröffnet. Fälschlich wäre es dieses Buch nur als normalen Roman oder Trivialliteratur auffzufassen und falsch ist es dieses Buch mit einer solchen erwartungshaltung zu lesen, denn dieses Werk verbirgt hinter seiner phantastischen geschichte (in der einige kapitel zu den besten gehören, die ich jemals gelesen habe) eine breite pallette an philosophischen und esoterischen Fragestellungen. diese sind häufig nur in Anspielungen versteckt, hierbei aber so treffend platziert, daß einem der sinn dieses buches eigentlich erst nach dem studium einiger, exquisit ausgewählter literatur völlig erschliesst. dies soll nicht heissen, das dies nötig wäre, aber die wahre tiefe des werkes erschlisst sich einem erst, wenn man mit begrifen wie "gurdjew" , "castaneda" oder auch "satori" wirklich etwas anfangen kann. pelewin beweist wieder einmal, daß er zu den besten zeitgenössischen autoren gehört und sein schreibstil trotz aller philosophischen tiefe zu fesseln vermag
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Einblick in das Seelenchaos eines zerrütteten Landes, 25. Oktober 2000
Von Ein Kunde
Seine lebendige "Schreibe" verhindert, daß man bei diesem Chaos aus Kitsch, echter Emotion, Kolportage und Geschwafel nicht aussteigt, ja sogar den tieferen Sinn versteht. Russland ist, war immer ein Irrenhaus, nur so kann man es begreifen und ertragen.

Ich habe viel mit den Menschen dort zu tun und kann nur bestätigen, daß dieses chaotische Buch das Chaos in den geschundenen Seelen der Menschen perfekt wiederspiegelt.

Jetzt lese ich Pelewin im Original, Mann ist das schwer !!

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Feuerwerk an phantastischen Bildern und subversiven Ideen, 1. September 1999
Von Ein Kunde
"Dieses Buch wirkt wie ein Computervirus - geschaffen, um das kulturelle Gedächtnis Rulands zu zerstören", so die Begründung der Juroren warum "Buddhas kleiner Finger" nicht zum russischem Booker Preis normiert wurde. Dabei galt Viktor Pelewins dritter Roman 1996 als die meist besprochene Neuerscheinung in Rußland. Die negativ gemeinte Bemerkung trifft den Kern des Buches, allerdings kann diese nur als Werbung verstanden werden. Denn wenn es gilt, daß Literatur unser Verständnis von Wirklichkeit zu erweitern vermag, dann ist Pelewin wahrscheinlich einer der radikalsten Autoren der Gegenwart. Ohne althergebrachte Rücksichtnahme spielt er mit Traditionen, philosophischen Ideen und Wirklichkeitsvorstellungen. Dabei kreiert er Bilder, Dialoge und Szenen, bei denen man sich unwillkürlich fragt: "Hoppla, kann ich da überhaupt noch nachkommen?", um nach einigen Sätzen von einem ganz neuen Sinnzusammenhang begeistert zu sein. Tatsächlich zerstört Pelewin überkommene Vorstellungen von dem was wirklich ist. Klammheimlich wie ein bösartiger Virus - insofern haben die Juroren recht -, aber er setzt auch wieder zusammen. Ebenso klammheimlich. Nach dem Lesen bleibt ein Bild von abstruser und verworrener Schönheit, das eigenartig lange im Gedächtnis verweilt. Das Ganze in einer schlichten aber frischen Sprache, die es einem erlaubt, selbst die aberwitzigsten Wendungen und den Wechsel von mehreren Zeitebenen leicht verständlich zu verfolgen. Der Roman spielt zeitlich als auch räumlich in Rußland. Pelewin vermutet in der Folklore um den Feldkommandeur Tschapajewnicht den sowjetischen Mythos auf einer ungestalteten Wirklichkeit, sondern im Gegenteil die Verzerrung und Fälschung einer heroischen, grandiosen Wahrheit. Pelewin gibt uns über 411 Seiten eine sperrige Wahrheit zum Entdecken (als auch zum eigenen Erfinden) und in eigenwillig schroff verzerrten Bildern zum Begutachten. Darin liegt die Stärke dieses Buches. Dabei ist die Suche nach der Wahrheit um Tschapajew nur ein Beiwerk der pelewinschen Expedition in das menschliche Bewußtsein. Insofern löst sich das Buch aus Rußlands Historie und ist auch für Leser, die noch nichts von Tschapajew gehört haben, ein Lesevergnügen.

"Buddhas kleiner Finger" ist ein Feurwerk an phantastischen Bildern, philosophischen Dialogen in Umgangssprache und subversiven Ideen, welche die Wirklichkeit unwirklich und Unwirkliches wirklich erscheinen läßt. Viktor Pelewin ist untrüglich einer der ungewöhnlichsten und interessantesten Autoren im derzeitigen Literaturbetrieb. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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Veröffentlicht am 27. August 2006 von hedgehoque

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Positiv fällt auf: Kurzweilig, recht gut komponiert, nicht uninteressante Geschichte - einfallsreich, aber keine die man unbedingt kennen muß; es geht letztlich um das heutige... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 6. Dezember 2000 von jl picard

4.0 von 5 Sternen Tschapajev und Pustota
Pelewins Buch lässt für den Leser ganz klar eine Entwicklung beim Schreiben feststellen. Zu Beginn weiss er noch nicht genau wo sein Buch enden wird. Lesen Sie weiter...
Am 24. November 2000 veröffentlicht

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