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7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ratgeber - nicht nur für Eltern, 10. April 2009
Diesen Elternratgeber kann man gut und gerne auch professionellen Helfern/-innen aus Beratung, Sozialarbeit und Therapie sowie Lehrern und Lehrerinnen unterschiedlicher Schultypen ohne weiteres empfehlen.
Die Sprache des Autors bewegt sich zwar auf hohem Niveau und scheut sich nicht, für Eltern unbekannte Fachbegriffe einfliessen zu lassen, es eignet sich dennoch auch für Erziehungsberechtigte, die sich zum ersten Mal mit der Thematik befassen. Denn der Psychologe und Psychologische Psychotherapeut Martin Baierl schöpft aus seinem reichen praktischen Erfahrungsschatz und bedient die Leserschaft zusätzlich mit einem ausgesprochen reichhaltigen und fundiert erklärtem Glossar von insgesmat 25 (!) Seiten. So müssen nicht alle Begriffe im Text erklärt werden, was den Lesefluss erleichtert. Der Autor bedient sich viele Beispiele aus der Lebenswelt der Jugendlichen, ohne jedoch sich Fallvignetten zu verlieren.
Vielmehr gibt er ausreichend Aufschluss darüber, was man als Eltern (-teile) beim Umgang mit seinen jugendlichen Kindern, die psychisch auffällig geworden sind, beachten sollte.
Hierbei beziehen sich die Hilfestellungen und Unterstützungsangebote nicht ausschließlich auf den direkten Kontakt zwischen Eltern und Kindern, sondern hier werden sehr alltagsnah auch die Punkte benannt, welche im Umgang mit professionellen Helfern/-innen (ob nun aus Medizin, Schule, Therapie, Krankenkasse, Jugendamt,...) von Bedeutung sind.
Dabei hebt der Autor immer wieder hervor, wie wichtig es ist, sich nicht von Einzelkontakten mit Behördenvertretern/-innen, o.a. deprimieren zu lassen, sondern immer wieder das Wohl des anvertrauten Jugendlichen im Mittelpunkt zu stellen.
Die statistischen Einschätzungen hinsichtlich der Häufigkeit psychischer Auffälligkeiten bei Jugendlichen schwanken sehr und man geht davon, dass jeder 2. bis 20. Jugendliche betroffen ist (also durchschnittlich ein bis zwei Schüler/-innen in jeder Schulklasse). Der Autor vermittelt in dieser Hinsicht einen, der Problematik angemessenen, realistischen Umgang mit dem Phänomen "psychische Erkrankung bzw. Auffälligkeit. Ohne zu dramatisieren oder zu verharmlosen schafft es Martin Baierl Informationen gut aufbereitet zu vermitteln.
Die achtzehn, graphisch klaren Tabellen, welche den Text vortrefflich unterstützen, helfen dabei, sich über Erscheinungsfaktoren, Risikoeinschätzungen, Symptome und Unterstützungspunkte klarer zu werden.
Ob nun Suizidaliät, Depression, Sucht, ADHS, Psychosen, Boderline, Essstörungen, Störungen des Sozialverhaltens...: Martin Baierl erläutert diese Auffälligkeiten nicht nur in puncto "Krankheitbild", sondern gibt wertvolle Hinweise zur Alltagsgestaltung, Medikationen, Therapieformen, Jugendhilfe-Möglichkeiten sowie zur für Eltern (und natürlich anderen Begleitpersonen) so wichtigen Selbstfürsorge.
An einigen Stellen hätte man sich klarere Quellenbenennungen gewünscht; wie zum Beispiel bei der Darstellung der Häufigkeit von Selbstverletzungen.
Eltern werden vor allem auch dadurch unterstützt, dass in dem Buch die Schwierigkeit der Abgrenzung von Entwicklungsphänomenen (wie sie in der Pubertät auftreten) klar benannt wird und Einschätzungsfaktoren bzw. -hilfen erklärt werden.
Da oftmals psychische Auffälligkeiten nicht isoliert auftreten, ist auch das Konzept der gemeinsamen Darstellung psychischer Auffälligkeiten bei Jugendlichen passend. Die Auflistung von Kontaktadressen und die ansprechend gestaltete Aufführung unterschiedlicher, hilfreicher Medien (nach Auffälligkeiten sortiert!) sowie eine gut sortierte Literatur- und webseiten-Liste runden das Buch ab.
Im Gesamten ist dieser Ratgeber tatsächlich eine fundierte Fundgrube an Wissen rund um Menschen mit psychischen Auffälligkeiten. Hier werden Hintergründe, Erscheinungs- und Unterstützungsformen fachlich ausgesprochen fundiert und "alltagstauglich" vermittelt. So trägt das Buch vor allem auch dazu bei, dass "psychische Auffälligkeit" nicht mehr den Stempel des Makels behält, sondern vielmehr ein Phänomen ist, dem man fachlich und menschlich hilfreich begegnen kann - zum Wohl aller Betroffenen und Beteiligten!
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