Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Lange Zeit hatte Siddhartha das Leben der Welt und der Lüste gelebt...", 5. November 2009
Vor und auch während der Niederschrift dieser Erzählung (1922) war Hesse eigentlich nicht auf der Suche nach Erleuchtung, sondern hoffte vor allem, die Bestätigung seiner noch verschwommenen philosophischen Ahnungen zu finden. Er war ein Suchender nach einer Denkrichtung, und der Begriff der Einheit in den indischen Religionen sprach ihn an. Allerdings empfand er Indiens Weisheit allzusehr mit Askese verwurzelt, fast zu puritanisch und auch zu spitzfindig. Was er suchte, war nicht in Indien zu finden, sondern in China.
Konfuzius, Lao-tse, das Tao-te-king, Yang Tschou und andere chinesische Denker trugen viel dazu bei, Hesses während des ersten Weltkriegs oft auftretende Mutlosigkeit zurückzudrängen und blieben bis zu seinem Tod eine Quelle geistiger Nahrung. Anders als Indien war China dem Leben nicht entfremdet. Chinesische Denker waren pragmatisch und erlaubten die Dualitäten des Lebens akzeptabel zu vereinen. Das harmonische Wechselspiel von Geist und Sinn zeigte grosse Weisheit und wurde durch Humor gemildert. Und doch war es die Betonung der Identität von Wesen und Schein, der Einzigartigkeit des Individuums, die Hesse geistig wieder von China nach Indien hinzog - zu Buddha selbst - und ihn veranlasste, "Siddhartha" zu schreiben. Der Buddhismus blieb ihm zwar weiterhin fragwürdig, doch der Mensch Buddha faszinierte Hesse als eine der exemplarischen Gestalten der Geschichte.
Obwohl "Siddharta" mit Anspielungen auf die indische Glaubenswelt durchsetzt ist, braucht man keineswegs Indologe zu sein, um die Erzählung zu verstehen. Vertraut sein mit Hinduismus oder Brahmanismus, zu wissen was Om, Maya oder Sansara bedeuten, mag den intellektuellen Genuss des Lesers erhöhen, kann aber auch ablenken und sogar irreführen. All diese Gelehrsamkeit bildet den Hintergrund, ist aber nicht das Wesentliche. Der Text selbst liefert alles, was an Erklärung nötig ist. Hesse ging es wie gewöhnlich vor allem um eine Auseinandersetzung zwischen sich und dem Leben. Von diesem Gesichtspunkt aus und in enger Beziehung zu allen andern Geschichten Hesses lässt sich "Siddhartha" am besten erfassen.
Siddhartha ist der einzige von allen Helden Hermann Hesses, der sein Denkideal völlig verkörpert. Er lebt sich selbst, lernt sich dabei erkennen und erfährt schliesslich die vollständige Selbstverwirklichung. Nach seiner Begegnung mit Buddha und der darauf folgenden Erkenntnis, dass das"zufällige Ich der Sinne" nicht weniger ist als das "zufällige Ich der Gedanken", lässt Siddhartha, der einstmals dem Ritual und der Spekulation ergebene Brahmane, das Reich des Geistes hinter sich. In seiner Affäre mit Kamala, der Kurtisane, und seiner Partnerschaft mit Kamaswami, dem Geschäftsmann, gelingt ihm anfangs noch eine philosophische Distanz, mit der Zeit verliert er aber jede Überlegenheit und Würde und verfällt einem hemmunglosen Hedonismus. Aus dem sich daraus ergebenden Lebensekel und er Verzweiflung, lässt Siddhartha nun auch das Reich der Natur hinter sich und kehrt zurück an den Fluss und versucht, Selbstmord zu begehen. Aber in diesem Moment erfährt er ein visionäres Wiedergeburtserlebnis. Er bleibt an dem Fluss, der ihm ein neues Leben geschenkt hat und wird Gehilfe des weisen Fährmanns Vasudeva.
Nach Jahren der Kontemplation und anspruchsloser Lebensführung beginnt die letzte Phase seines Lebens. Am Ende ist Siddhartha verwandelt, eine weise, fast heilige Gestalt, seinen Mitmenschen in Liebe ergeben. Und mit diesem letzten Stadium wird Siddhartha alles erfahren haben, was menschenmöglich ist: ein Ideal, dem Hesse selbst nachstrebte, das er aber nie erreichte.
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54 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Bibel des 20. und 21. Jahrhunderts, 24. August 2001
Von Ein Kunde
Für mich ist Siddharta zur Religion geworden. Religion nicht im Sinne von Nachbeten, sondern im Sinne von Lebensleitfaden. Das Buch alle 1/2 Jahre zu lesen, erleichtert die Seele, nimmt Scheuklappen und gibt neue Kraft und Zuversicht.Das ich steht im Mittelpunkt, aber nicht als Egoist, sondern als Verständnis der Welt. Bevor ich mit mir nicht im Reinen bin, kann ich es mit niemandem anderen sein. Dieses Buch ist jedem, der auch nur ganz kurz über sich und seine "Rolle" nachdenkt Pflicht, denn es befreit.
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34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unvergesslich schön, 11. Dezember 2007
Es war mein erstes Buch, welches ich von Hermann Hesse gelesen habe. Für jemanden wie mich, der Bücher in dieser Schreibform noch nicht gelesen hat, war es am Anfang ein wenig schwer. Aber die Geschichte lies mich sehr schnell eintauchen in die Welt von Siddhartha.
Oft lies mich dieses Buch lächeln, aber oft musste ich auch weinen. Nicht weil es so traurig ist, sondern weil es Hermann Hesse gelingt, die Gefühle und Emotionen der Menschen zu berühren.
Dieses Buch hat das Tiefste meiner Seele gestreichelt. Es ist so beeindruckend, dass ich es nicht in Worte fassen kann.
Ich habe mich mit zwei Freundinnen über dieses Buch unterhalten und erstaunlicherweise haben wir drei alle etwas anderes aus diesem Buch für uns heraus gezogen. Das macht dieses Buch sicher auch zu etwas ganz Besonderem. Jeder findet Parallelen zu seinem Leben und seiner Denkweise.
Dieses Buch werde ich sicher noch sehr oft zu Hand nehmen und auch immer wieder lesen. Ein wundervolles Buch!
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