Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Hoch interessant aber auch höchst problematisch, 23. Juni 2007
Es lohnt sich unbedingt dieses Buch zu lesen. Was Adorno über Schönberg und Strawinsky, aber auch so nebenher über viele andere Komponisten schreibt, ist immer hoch interessant und ungemein anregend, man mag ihm in der Sache zustimmen oder nicht. Das paradoxe dabei ist oft, dass er gerade auch über Komponisten wie Wagner, den er aus ideologischen Gründen eher ablehnt, höchst einsichtige Dinge zu schreiben weiß (es sei in diesem Zusammenhang auch auf sein Buch über Wagner verwiesen). Seine kritischen Anmerkungen sind hier oft erhellender als so manches apologetische Buch über denselben Gegenstand.
Was das Buch jedoch so problematisch macht, ist sein ideologisch demagogischer Charakter. Adorno bietet seine ganze rhetorische Brillanz auf, um mit apodiktischer Schärfe die "Zwölftontecknik" als historisch konsequente, ja gar als Ziel- und Kulminationspunkt der ganzen Musikgeschickte zu etablieren. Das ist die Methode Demagogen eine Sache mit unerschütterlicher Überzeugung wieder und wieder zu wiederholen, bis die Zuhörer letztendlich tatsächlich daran glauben. Manchmal klingt es wirklich grotesk, wenn er Werke von Beethoven oder Wagner als unvollkommene Vorstufen zu Schönbergs Werken abtut.
Bei Licht besehen ist die "Zwölftontechnik" ein völlig willkürliches und schon beim Schritt von der Ein- zur Mehrstimmigkeit sich in Widersprüchlichkeit verwickelndes oder eben in Beliebigkeit auflösendes System. Wenn einige Komponisten daraus für sich eine produktive Selbstbeschränkung beziehen, ist das legitim, doch darin den einzig wahren Weg der musikalischen Entwicklung zu sehen, ist hanebüchen. Dabei ist Adorno zu intelligent, um nicht auch genau diese Schwächen selber zu sehen. Doch auch hier wendet er die Mittel des demagogischen Rhetorikers an, indem er die Einwände der Kritiker vorwegnimmt, um ihnen damit von vorneherein den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Überhaupt leidet Adorno unter der Schwäche vieler brillanter Rhetoriker, die sich von ihrer eigenen Rede davontragen lassen. Adornos Theoriengebilde sind tatsächlich keineswegs wirklich konsequent und kohärent. Seine Argumentationsweise hat viel mehr prozessualen Charakter, seine quecksilbrige Intelligenz ist eher sprunghaft.
Adornos größte Schwäche ist, dass er nicht von Musik als Material abstrahieren kann oder besser gesagt, dass ihm alle Musik, die mit einer laxen Haltung zu dieser für ihn so zentralen Frage des Zusammenhangs zwischen Material und Erscheinungsform geschrieben wurde, zuwider ist. Genau aus diesem Grund ist ihm auch die Musik Strawinskys, deren handwerklich hohes Niveau er durchaus anerkennt, ein Dorn im Auge. Seine ganze Argumentation ist aus einem tief verwurzelten moralisch hygienisch Antrieb gespeist, der das Wesen der Kunst viel zu eng fasst. Kunst ist in Wahrheit viel widersprüchlicher und inkonsequenter, Missverständnisse dort oft weit produktiver als stringente Logik.
Ihre Einseitigkeit und Intolleranz macht Andornos Ästhetik aber auch historisch gesehen prekär. Dass sie in ihrer Apodiktik und ihrer Tendenz zur "Gleichschaltung" auf unheimliche Weise den diktatorischen System des 20. Jahrhunderts ähnelt, wird mit historischen Abstand immer deutlicher.
Thomas Mann hat das wohl schon zu seiner Zeit hellsichtig erkannt. Er war bereits während des 1. Weltkrieges mit seinen "Betrachtungen eines Unpolitischen" durch das Fegefeuer der ideologischen Verblendung gegangen. Dass sein "Adrian Leverkühn" im "Dokter Faustus" eben nicht das heldenhafte widerständige Genie ist, sondern im Gegenteil auf ideologischer Ebene denselben Versuchungen des Teufels wie das deutsche Volk verfällt und daran zu Grunde geht, wurde damals noch gar nicht so wahrgenommen. In einigen beiläufigen ironischen Bemerkungen lässt Thomas Mann das in seinen Tagebüchern anklingen. Mit wissendem Schmunzeln hat er dann auch Schönbergs und Adornos begierige Wünschen, als geistige Urheber von Leverkühns Ästhetik gewürdigt zu werden, genüge getan.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
A tour de force of the dialectical method, 8. November 2001
Often misunderstood, often misinterpreted, often abused: So is Adornos philosophy of the new music. Presented via its to protagonists, Arnold Schoenberg and Igor Stravinsky, Adornos manages to present his difficult and controversial idea of the musical materials historical imperative. The reader should not be put off by the form, extremely long sentences and a concentration af ideas often overwhelming, but rather try to let Adornos enthusiasm take its effect and then read the book again and perhaps again once more allowing his ideas to become still clearer. And so it will be evident that the book is not so much a speech for or against either Schoenberg or Stravinsky but rather a study of these two composers' - according to Adorno the two must talented of their generation - way of dealing with the material, a process leading to defeat are you doing "the right thing" or adjusting to circumstances, so Adorno comtemplates.
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5 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
grotesk, anmaßend, demagogisch, unsachlich, 17. Februar 2008
Der/die mir vorangegangene Rezensent(tin) M.Geyer spricht mir aus der Seele, was die Äußerungen des Theodor Adornos betrifft.
Ich möchte dem noch etwas sehr ausführlich hinzufügen. Adornos Befürwortung der 12 - Tonmusik Schönbergs, die Atonalität, die neue, serielle Musik allgemein, darf keinesfalls als unantastbar im Raum stehen gelassen werden, so, als sein sie als allgemeingültig in irgendeiner Weise akzeptabel.
Adorno verherrlicht nämlich im Grunde den Ausdruck einer neurotisch gewordenen Generation, die sich in Wahrheit vom Klang weg hin zur Krachkultur entwickelt hat und proklamiert, dass sie den wahren ehrlichen Klang gefunden habe. Was es mit der Behauptung auf sich hat ist schon rein physikalisch sehr schnell widerlegt.
Hier die Erläuterungen dazu:
Die tonale Grundton bezogene Musik ist- ob man zu ihr einen Bezug hat oder nicht- das was man als "absolute" Musik bezeichnen muss. "Absolut" ist nicht nur ein Gegenbegriff zur so genannten "Programmmusik", sondern "absolut" ist für sich interpretiert ein Wort für vollkommen, göttlich, naturhaft oder für kosmische, universale Realität.
Das 7 tönige (stufige) Dur und damit die tonale Grundton bezogene Musik ist durch ein Naturgesetz begründet, das nicht nur in der Musik, sondern übrigens ebenso im Licht herrscht. Lichtfarben kann man bekanntlich in Töne herunter transponieren und im Licht bestehen 3 Hauptstufen (die Primärfarben Rot, Grün und Blau).
Die Zwölftöner meinen das wesentlichste Naturgesetz überhaupt, die Naturtonreihe, bzw. die Obertonreihe, die den periodischen Schwingungsaufbau eines Tones ausdrückt, kappen zu können, indem sie den Unterbau, das Gerüst der Obertonreihe ignorieren und sich nur noch ihrer Krone, ihres Daches bedienen - die chromatische Tonleiter mit ihren 12 Tonstufen . Das ist so, als ob man einen Baum ohne Stamm und Zweige definieren könnte, nur noch das Blätterdach im Zusammenhang mit dem Baum erwähnen würde oder ein Haus über das Dach definieren könnte. Das ist ausgemachter Blödsinn!
Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Dissonanzen dann keine mehr sind, wenn sie im natürlichen Gefüge der Obertonreihe aufgefangen werden.
Dazu zeige ich allen Zweiflern hier ein Experiment auf dem Klavier auf. Aber vorher sei kurz der Obertonreihenaufbau eines Tones für nicht so informierte Laien erläutert.
Spielen wir einen Ton, so erklingt messbar im Obertonaufbau in der 3. Lage der Durdreiklang. Dann folgen durch weitere Intervallteilungen allmählich alle 12 Töne im Obertonspektrum. Ein Ton zeichnet sich durch ein periodisch geordnetes Schwingungsgemisch aus.
Zum Grundton schwingt gleichzeitig immer die Oktave im Verhältnis 1:2 (also schwingt der Okatvton doppelt so schnell wie der Grundton mit.) Es folgt die Teilung der Oktave in der nächsten Tonlage in zwei Intervalle- Quinte und Quarte, wobei das Schwingungsverhältnis nun von der Oktave zur Quinte 2: 3 und das Verhältnis von Quinte zur Quarte 3: 4 ist. Die Quinte schwingt dreimal so schnell wie die Grundschwingung, die Quarte viermal so schnell mit. In der nächsten, 3. Tonlage werden beide Intervalle wieder geteilt. Zunächsst die Quinte im Terzton. So erklingt jetzt der natürliche Durdreiklang mit großer und kleiner Terz. Die Quarte teilt sich in kleine Terz und die große Sekunde. In der nächsten, 4. Lage werden die Intervalle weiter geteilt, immer in einem periodischen- geraden- Zahlenverhältnis. Man braucht also mehrere Lagen, um das Obertonspektrum mit allen 12 Tönen des Oktavraumes darstellen zu können. Das Geheimnis ist also, dass in einem Ton immer alle anderen Töne mitschwingen, was wir so nicht bewusst, sondern nur als einstimmiges Klangerlebnis wahrnehmen.
Eine einzelne Schwingung kann man nur synthetisch herstellen. Der Obertonreichtum eines Tones auf einem Instrument oder in der Stimme unterscheidet Klangfarben aber keine Tonhöhen.
Dass sich auch im Zusammenklang aller 12 Töne keine Disharmonie in der Obertonreihenfolge einstellt, beweist nun dies Experiment:
Man spiele auf dem Klavier mit Pedal von einem Grundton aus in der Reihenfolge der Obertonreihe durch 5 Lagen die Obertonreihenfolge: Grundton-Oktavton -Quinte- Quarte-große Terz- kleine Terz-große Sekunde, kleine Sekunde bis man bei allen schwarzen und weißen Tasten der chromatischen Tonleiter angekommen ist. Einen Augenblick abwarten und hinhören, was nach wenigen Augenblicken als Nachklang übrig bleibt: Und man hört, dass die Dissonanz der chromatischen Tonleiter völlig im Grundton verschmilzt- er allein bleibt hörbar als Nachklang übrig.
Nun ein weiteres Experiment:
Man spiele einen Grundton, drücke das Pedal und verlasse die Obertonfolge und spiele gleich das Endprodukt, die chromatische Tonleiter in einer Lage darüber. Der Nachklang wird tonlos, denn jetzt ist nur noch ein diffuses dissinantes Cluster, ein Rauschen hörbar.
Musik ist Klang und Klang besteht physikalisch definiert aus Tönen und nicht aus Geräuschen. Dem Klang liegt ein periodisches Schwingungsgemisch zugrunde, weshalb Töne entstehen, die man sauber intoniert nachspielen, nachsingen kann. Im Gegensatz dazu liegt dem Geräusch ein unperiodisches Schwingungsgemisch zugrunde, das man nicht nachsingen oder spielen kann.
Isoliert man die chromatische Tonleiter von ihrem Stamm-Aufbau wird sie im Zusammenklang nachweislich zum Geräusch. Damit hat die Atonalität und die 12- Tonmusik im Grunde keinen Anspruch mehr Musik genannt zu werden, denn sie verwandeln Klang in ein Rauschen, indem sie das Grundtongefüge verbannen. Sie lassen das Fundament des Hauses weg und bedienen sich nur mehr des Daches, der chromatischen Tonfolge.
Das Dach steht psychologisch gesehen für den Intellekt, aber nicht für den ganzen Menschen- geschweige denn, für den ganzen Kosmos!
Was in der Bewertung der Moderne, in der atonalen Musik - nicht nur von Adorno-außer Acht gelassen wird, ist, dass das tonale System naturhaft in der Obertonreihe verankert ist. Die Zwölftonmusik und alle anderen atonalen Techniken sind hingegen willkürlicher Art, künstliche Tonsysteme, die sich der Teilaspekte des Ganzen bedienen und das Ganze damit aus dem Blickwinkel verlieren.
Bei der Zwölftönmusik besteht das Gesetz, niemals einen Dreiklang - überhaupt eine Konsonanz- erklingen zu lassen. Im Ablauf eines Musikstückes darf kein Ton wiederholt werden, bevor alle Töne der Reihe im Spiel waren- sei es akkordlich oder melodisch untergebracht.
Zwölftöner und alle Atonalen isolieren die Dissonanz von der Konsonanz. Das ist- wie wir sehen- widernatürlich und so etwas wird in unserem Sprachgebrauch auch als neurotisch bezeichnet. - Es bedarf bekanntlich einer Therapie, um Neurosen zu heilen. Sie aber als Fortschritt für das menschliche Bewusstsein zu deklarieren, ist nichts als eine Schutzbehauptung und deshalb muss dem sehr deutlich widersprochen werden.
Mir scheint, als ob ein solcher Musikverfechter vergleichbar die Botaniker dazu aufrufen würde, blaue- oder lila Bäume zu züchten, statt die ewig grünen Blätter beizubehalten, weil er der natürlichen Farbe Grün überdrüssig geworden ist.
Im Blattgrün schwingt nämlich natürlich der Dreiklang!
Die Sehnsucht nach einer besseren Welt auch musikalisch ausdrücken zu wollen, wo es gleichberechtigt und gerecht zugeht, ist natürlich immer legitim. Leider bleibt sie aber nur als Illusion bestehen, weil die Welt nun einmal hierarchisch aufgebaut ist. Die Steine- die Pflanzen- die Tiere und zuletzt der Mensch ist die Grund-Hierarchie, die nicht wegzudenken ist. Jede wieder für sich unterscheidet sich an Größe und Struktur. Es gibt keine Gleichmacherei, aber es gibt etwas zwischen Ungleichen was man mit Kommunikation bezeichnet! Das Große und das Kleine- alle haben die Möglichkeit harmonisch miteinander umzugehen und das ist was Musik bewirken soll: Verständigung, Harmonisierung in uns selbst, mit den Anderen und dem Kosmos, damit es uns gut geht, wir froh und gesund sind und bleiben.
Wir selber sind jeder ein Musikstück, das hat bereits Pythagoras gewusst wenn er sagte: Bevor der Mensch Musik machte, hat die Musik ihn gemacht. Oder : Ein Fels ist zu Stein gewordener Gesang.
(Schauen sie im Internet auf meine "Astro-Musikuhr", dort wird der Zusammenhang zwischen Musik, Farbe und Kosmologie deutlich gemacht)
Es bedurfte einer ganzen Menschheitsgeschichte, um den Kosmos musikalisch zu ergründen, seine Gesetze begreifen zu können, ihn sinnlich spürbar wahrhaftig zu spiegeln. Die Kadenz und weiter alle 12 Tonarten in einem temperierten System genannt der Quintenzirkel untergebracht, d.h. in einem großen Ganzen fassbar zu ordnen, ist eine einzigartige Errungenschaft des bewussten Menschen des Abendlandes, in dem sich Natur und menschliche Ratio versöhnend in einem guten Kompromiss treffen. Nun konnte sich der Musiker ganz in die kosmische Ordnung einbringen und authentisch wirken. Von nun an bekommt die Musik immer stärker ihren Stellenwert in der Kunst zugewiesen, bis sie sich dann bald zur Königin aller Künste gemausert hatte.
Vergessen wir nicht: Die Terz war Jahrhunderte lang als "unkeusch" verboten in der Kirche zu musizieren. Endlich war sie da, die zugelassene Mitte, das persönliche, verinnerlichte Gefühl, das Individuum, der ganze Mensch- und schon ängstigen wir uns wieder davor, wie einst die Kirchenpatriarchen es taten, sie zuzulassen. Es ist in Wahrheit regressiv und nicht progressiv den Dreiklang und damit die Tonalität verleugnen zu wollen, wie es die Avantgarde allgemein im Sinn hat und vor allem Adorno mit seinen Beschwörungen uns lehren will.
In der Quintessenz meine ich zu Recht sagen zu können : Die Zwölftonmusik, allgemein die atonale moderne serielle Musik, kann allenfalls als Protest gegen das Natürliche, ja, gegen Gott Geltung haben, weil sie unbeseelt ist.
Dass man in der Kunst so etwas ausdrücken kann...
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