Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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52 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Anfangs lässig, dann nervt es nur noch, 7. Juli 2008
Till Reiners ist Ende dreißig, trägt langweilige Klamotten und einen Seitenscheitel, arbeitet bei der Dresdner Bank und träumt davon, mit seiner jungen, leicht merkbefreiten Kollegin Jessica nach Paris durchzubrennen. Zu Hause, in der fast bezahlten Eigentumswohnung am Rande von Osthofen, warten Miriam, mit der Till nur noch selten Sex hat, und Nico, dessen Geburt den Anfang vom Ende des Glücks markierte. Folgerichtig unterteilt sich die Geschichte des Ehepaars in die Zeit vor und nach Nico. Vor Nico spielte Till Gitarre, nach Nico hört er nur noch Rolf-Zuckowski-CDs. Mit Nico.
Dann betritt Nappo die Bank, ein junger Prolet mit riesiger Sonnenbrille auf der Nase und einer Waffe in der Hand. Nappo überfällt die Bank, Till sieht die Chance, sich vor Jessica zu beweisen, und drängt sich quasi als Geisel auf, bevor er den Gedanken in aller Konsequenz zu ende denken kann. Es beginnt eine seltsame Odyssee, die das ungleiche Paar in eine Kleingartenkolonie, später nach Holland und schließlich nach Frankreich führt, und während dieser Tour de Force entdeckt Till nach und nach ungeahnte Charaktereigenschaften an sich selbst, sogar den Hang zur Gewalttätigkeit. Aber zu Hause, in Osthofen, wächst gleichzeitig der Verdacht, dass Till mit dem Überfall etwas zu tun haben könnte. Schlimm wird es, als die dusselige Jessica ihre Chance wittert, das unerwartete Medieninteresse für sich zu nutzen.
Der Roman beginnt lässig und amüsant, ist sehr lesbar, spannend und wirklich komisch. Es sind die kleinen, manchmal gemeinen Wahrheiten über das Leben, die liebevolle Figurenzeichnung und der immerwährende Vergleich zwischen Realität und fast vergessenen Träumen, die die Geschichte interessant und bemerkenswert gestalten. Zudem bereitet Husmanns flockige, sehr authentische Erzählsprache großes Vergnügen. Aber irgendwo in der Mitte stolpert der Autor in die Falle, die er sich selbst gestellt hat: Tills Veränderung darf nicht so weit gehen, dass es kein Zurück mehr gibt, und diese dramaturgische Vorgabe wirkt sich in fataler Weise auf den zweiten Teil aus. Irgendwann gehen Husmann die plausiblen Gründe dafür aus, warum der immer apathischer werdende Till nicht einfach abhaut, während die Daheimgebliebenen (Miriam, Jessica, ein Kommissar) im Dutzend billiger Klischees einsammeln, bis hin zu den Nacktfotos, die Jessica für eine Boulevardzeitung schießen lässt. Die Geschichte beginnt, zu nerven, weil sie sich kaum mehr entwickelt, und wenn, dann in absolut vorhersehbarer Weise. Das ziemlich fade Ende verbraucht den Rest vom Vorschuss, den der Anfang erzeugt hat, und schließlich ist man froh, das Buch weglegen zu können. Schade, weil es wirklich originell und überzeugend begonnen hatte.
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50 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Bin das nur ich?, 16. Juni 2008
Interessant, wie weit Meinungen auseinander gehen können! ;o)
Habe "Nicht mein Tag" in der letzten Woche gelesen und konnte es gegen Ende kaum erwarten, bis das Leid endlich aufhört! Till Reiners ist mir schrecklich auf die Nerven gegangen, sein Selbstmitleid und Unfähigkeit etwas zu unternehmen haben mich beim Lesen schier wahnsinnig gemacht und mehr als einmal habe ich gedacht "Das kann doch jetzt nicht Dein Ernst sein!!".
Und gelacht? Sorry, habe ich nicht. Kein einziges Mal. Im Gegenteil, ich fand das Buch in seiner Gesamtheit eher deprimierend. Lauter unglückliche Menschen überall!
Die Serien "Stromberg" und auch "Dr. Psycho" finde ich super! Aber "Nicht mein Tag" hat mich fertig gemacht und ich war erleichtert, als Till Reiners Trip endlich vorbei war.
Aber wie gesagt: Vielleicht bin das nur ich? Vielleicht war ich in schlechter Stimmung?
Fand es nur wichtig, hier auch mal eine ganz konträre Meinung abzugeben.
Am besten also, Ihr bildet Euch Eure Eigene! ;o)
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
"Das Leben hat uns stets verdrossen..., 7. Juli 2008
...ab heute wird zurückgeschossen" (14). Till Reiners ist 38, Angestellter bei der Dresdner Bank, verheiratet mit Miriam, hat einen vierjährigen Sohn und einen völlig unstylischen Seitenscheitel. Zudem steht Till auf seine attraktive, aber völlig blöde Arbeitskollegin Jessica und fragt sich jeden Tag, ob es das mit seinem Leben schon gewesen sein soll. Seinem Chef Herrn Walther schreibt er zu dessen 60. Geburtstag den oben zitierten Spruch in die Glückwunschkarte. Tills Spießerdasein erhält einen Knick, als eines Tages plötzlich Nappo in der Bank steht, wild schreiend mit seiner Pistole herumfuchtelt und wenig später mit 30.000 Euro und Till als Geisel die Filiale wieder verlässt. Es beginnt eine Odyssee, auf der Till Bekanntschaft mit den Hunden Saddam und Hitler macht, die ihn nach Holland und Frankreich führt und auf der er die eine oder andere überraschende Erkenntnis über sich selbst macht.
Ralf Husmann gehört zu Deutschlands besten Drehbuchautoren. Er ist der Macher der Serie "Stromberg", die zu den qualitativ hochwertigsten deutschen Produktionen der vergangenen Jahre gehört. Zu Recht ist Husmann bereits mehrfach mit dem deutschen Comedy-Preis ausgezeichnet worden. Man durfte also auf seinen Debütroman gespannt sein. Doch leider kann "Nicht mein Tag" die hohen Erwartungen nicht erfüllen und enttäuscht in weiten Teilen. Husmann versucht, das Konzept, welches unter anderem "Stromberg" so erfolgreich gemacht hat, auf den Roman zu übertragen. Die Fernsehserie zeichnet sich vor allem durch die gelungene Gratwanderung zwischen Humor und Tragik aus. Und auch in "Nicht mein Tag" wechseln sich Sprüche wie "Das Leben ist wie Lotto, man verliert immer" (29), "Der Mond ist voll wie tausend Mann" (89) oder "Holland ist wie zu Hause bleiben nur mit Wegfahren" (173) ab mit nachdenklichen Szenen, in denen Till über sein trostloses Leben in der Sackgasse sinniert. Im Roman kommt diese Mischung aber weniger überzeugend zum Ausdruck als in Husmanns Fernsehproduktionen. Zudem ist der Roman mit 333 Seiten in 67 Kapitel eingeteilt, so dass es manchmal den Anschein hat, als seien einzelne Kapitel für sich stehende Episoden, die irgendwie in die Gesamthandlung integriert wurden.
Fazit: Alles in allem eine Enttäuschung. Die Mischung aus Humor und Melancholie ist in den Romanen von Frank Goosen und Sven Regener viel besser gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass sich Husmann nun wieder auf sein Kerngeschäft konzentriert und dafür sorgt, dass auch die vierte Staffel der Serie "Stromberg" wieder zu einem der seltenen deutschen Fernsehhighlights wird.
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