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68 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein philosophisches Essay für Hausfrauen und Doktoren über Glauben und Wissen, 6. März 2009
Dieter Nuhr, Jahrgang 1960, studierte vor seiner riesigen Karriere als Kabarettist ursprünglich auf Lehramt in den Fachrichtungen Kunstpädagogik und Geschichte. Nuhr zählt mit jährlich mehr als 200.000 Zuschauern zu den erfolgreichsten Kabarettisten in Deutschland. Sein Programm "Ich bin's nuhr" besuchten etwa eine halbe Millionen Menschen.
Nuhr wird als Vermittler zwischen dem klassischen Kabarett und der neuen Stand-up-Comedy angesehen, beispielsweise mit folgendem Ausspruch, der wegen seiner provokanten Art oft in Foren und Newsgroups zitiert wird: Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten."
Und an diesen Leitsatz knüpft auch dieses Buch mit dem Titel "Wer's glaubt wird selig" an. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht der Glaube im Kontrast zum Wissen. Zwangsläufig nimmt er auch die Religion aufs Korn und stellt natürlich die Fragen nach dem Sinn des Lebens, die sich auch nicht nur Atheisten stellen. Er hinterfragt aber auch die Kenntnisse der Wissenschaft, die häufig auch nur auf Theorien beruhen und damit noch in der Zukunft belegt werden müssen. Und bereits im zweiten Kapitel stößt er auf den Zweifel. Die Philosophen des Skeptizismus sagten, dass es gerade der Zweifel sei, der den Menschen vom Tier unterscheiden würde, denn das Tier kann Entscheidungen bezüglich seines Handelns nicht reflektieren. Immer wieder knüpft Nuhr in seinen Büchern an die Philosophie an, oft unter Bezugnahme auf die großen und immer noch modernen Klassiker Kant oder Heidegger. Von dieser Ausgangsposition betrachtet ist dieses Buch meines Erachtens gar nicht so willkürlich aufgebaut, wie es einige der Rezensenten beschrieben haben.
Dieter Nuhr besitzt im Grunde die beneidenswerte Fähigkeit, die komplizierten Äußerungen eines Heideggers oder gar die oft unerträgliche Wahrheit unseres profanen Alltags auf humoristische Weise und für jedermann verständlich darzubieten. Teilweise stellt er naive Fragen, die ein Kind hätte nicht besser so formulieren können, und beantwortet diese auch recht naiv, so dass man letztendlich ihm niemals ernsthaft böse sein kann, auch wenn er eine unserer persönlichen Schwächen dabei tiefschürfend aufdeckt.
In diesem Buch ist es der Glaube, der unser Leben irgendwie bestimmt, weil unser Gehirn nur selten Entscheidungen aufgrund von Wissen trifft. Oft gibt es deshalb Streit, auch unter Politikern oder angeblichen Fachleuten, die nur glauben, dass sie irgendetwas besser wissen, aber dies meist gar nicht mit Argumenten verifizieren können. Welcher Akademiker hat das nicht schon selbst durchlebt und fragt sich dann irgendwann, ob es überhaupt noch Sinn macht argumentativ etwas gegenüber ungebildeten Schreihälsen zu äußern oder besser einfach nur noch zuzuhören und zu schweigen. Und in diesen Zusammenhängen findet man wirklich witzige Stellen in diesem Buch:
"Wer glaubt, hält Argumente nur für eine List der Ungläubigen - und die Anwendung der Vernunft für den Beweis des Unglaubens. Oder noch exakter formuliert: Wer glaubt, dass 1 + 1 = 2 ist, kann gar kein Gläubiger sein, da er die Lösung nicht glaubt, sondern weiß. Nur wer die Lösung nicht weiß, kann sie glauben. Und da Glauben Wissen ausschließt, kann der Gläubige 2 als Lösung ausschließen. Dem Frommen ist 1 + 1 immer so viel, wie der Herrgott will. Gern auch 226."
Seine Reise durch die Welt und durch die das Leben bestimmenden Rituale liefert zum Großteil ernüchterndes und letztendlich könnte eine tiefere Auseinandersetzung mit den Dingen des Lebens oder den Schreckensvisionen gar verschwendete Lebenszeit mit nachfolgender Depression sein. Damit der Leser nicht kostbare Zeit für Grübeleien verschwendet und selbst auf der Suche zum Ich und zum Geist sinnlos durch die Welt reist oder auswandert, weil anderswo ja alles besser ist, hat Dieter Nuhr für seine Leser bereits die Welt bereist und genau nachgesehen. Seine Erkenntnisse fasste er in zwei Taschenbüchern zusammen, von denen dieses das zweite ist. Nuhr gibt mit seinen Büchern den Lesern einen Blick in einen wenig schmeichelhaften Spiegel unserer Gesellschaft und sein Humor bewirkt, dass die Bücher trotz mahnender Worte nicht lehrmeisterhaft wirken. Was der Leser mit der Reflexion dieses Werks anfängt, bleibt ihm somit selbst überlassen. Man kann jedenfalls feststellend sagen, dass andere Götter auch nicht besser sind als unser Gott und die Vorstellung, dass in anderen Ländern oder Kulturkreisen alles besser ist, nicht mehr als ein Irrglaube ist.
Dabei untersuchte er abgesehen von den Weltreligionen und Ritualen auch den Glauben in das Geld, in die Politik, in die Wettervorhersage, in die Jugend und in Äußerlichkeiten, in den Verzicht, in die Ehe, in das Gespräch, in die Zahlenmystik, in Verschwörungstheorien, in das Fernsehen, in die alternative, chinesische und die moderne Medizin, in das Leben nach dem Tod, in die Kunst oder die Ästhetik, in Hunde und Katzen, in Horoskope, in Maskottchen, an die Rolle der Frau, in die Liebe oder an den Sex, usw.
Schlussfolgernd kann man aber auch das Fazit ziehen, dass eventuell der gesünder lebt, der weniger über das Sein, das Leben oder den Profit aus einem Immobilienfond nachdenkt und dabei mehr glaubt als zu wissen. Und dann gibt es noch einen besonderen Irrglauben, nämlich den Irrglauben, dass Menschen glauben, dass sie besser sein als andere.
Und diesbezüglich nimmt er bereits einleitend Bezug zur Geschichte von Adam und Eva:
"Leider verlassen viele Menschen schon früh in der Kindheit das Paradies totaler Verblödung, essen vom Baum der Erkenntnis und bringen sich damit um die süßen Früchte exorbitanter Geistlosigkeit."
Übrigens präsentierte 3Sat den Kabarettisten Dieter Nuhr in einer Sendung mit gleichem Titel, die ebenfalls recht interessant war, weil dort auch einige Videobeiträge von seiner Reise in ferne Länder zu sehen waren, die hier im Buch auch nicht als Bilder zu sehen sind. - Christoph Erlemeier -
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40 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es gibt intelligentes Leben, 6. August 2008
Intelligenz und Humor ausgezeichnet gepaart. Dieter Nuhr ist ein Mann der eher leisen Töne. Den Krach, den veranstalten die Schmalspurdenker und Eindimensionalen, für die der Bundestag ein nationaler Feiertag ist und sämtliche Politiker machtgeil und blöde.
Es tut gut, Dieter Nuhr zu lesen, denn wer mit einigermaßen Intelligenz gesegnet ist, fühlt sich so manches Mal auf diesem Planeten ziemlich einsam. Es ist wie im Geisterfahrerwitz: "Auf der A1 kommt Ihnen ein Geisterfahrer entgegen - ... Einer? Hunderte!" Diskussionen im Internet sind kaum noch möglich, überall begegnet einem die dumpfbackig konditionierte Masse, bereit, jederzeit zuzuschlagen, sollte man mal ein schlaueres Wort in den Mund nehmen. Abzocker surfen auf diesem trüben See zuhauf und sektenartiges Gebaren von Leuten, die irgendwo die Wahrheit als Münze auf der Straße gefunden haben und sie jetzt den Idioten alleinseligmachend verkaufen, ist an der Tagesordnung.
Mit Dieter Nuhr kann man sich wieder zurücklehnen und sagen: 1+1 ist eben nicht immer 2, und es macht nichts, wenn der Gartenzwergtumbo von nebenan noch nie was von Quantenphysik gehört hat. Es gibt mindestens zwei intelligente Lebewesen auf diesem Planeten, und einer davon ist Dieter Nuhr.
Mit ihm kann man sich locker verabschieden von globaler Erwärmung und anderen Endzeitszenarios, denn gleich ihm wissen wir: davon haben auch wir schon Hunderte gehört und bislang jede überlebt. Also: ab mit guter Laune in die Zukunft, die breite Masse darf ins Paralleluniversum abdriften und sich dort dem Zeitenende widmen. Man darf vermuten: Das Ganze wird dort als Reality-Show geliefert, damits niemand verpasst.
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67 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nuhr fantastisch!, 25. September 2007
Nuhrs Zweitwerk, und dem, der das erste gelesen hat, darf man sagen, dass das zweite keinen Deut schlechter ist, auch wenn man kaum gedacht hätte, dass man tatsächlich 2 so tolle Bücher schreiben kann. Aber Dieter Nuhr kann.
Die Leitfrage des Buches ist diesmal "Was glaubt der Mensch?", welche Dieter Nuhr bereits im Vorwot beantwortet, um seine Antwort auf den restlichen 160 Seiten schön zu begründen. Natürlich geschieht das alles nicht ohne Seitenhiebe auf Christen, Islamisten, Buddhisten, Nazionalsozialisten, die Gesellschaft und Kapuzineräffchen. Und auch wenn Dieter Nuhr einen selbst, oder alles, woran man glaubt, beleidigt und durch den Dreck zieht, kann man es ihm einfach nicht übel nehmen.
Wie sein Erstwerk "Gibt es intelligentes Leben?" ist auch sein zweites Buch wieder eins aus der Kategorie Texte, zu deren Genuss man zwingend ein Blatt Papier (falls eins überhaupt reicht) und einen Stift - um sich die Seiten mit den schönsten Stellen zu markieren, damit man immer und immer und immer wieder nachlesen kann...
So herrlich das Buch ist, so enttäuscht ist man, wenn man fertig ist. An einem solchen Buch könnte man eben Jahre lesen, Jahre lachen, ohne, dass einem langweilig wird.
Einfach Nuhr fantastisch!
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