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46 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine Offenbarung des Bösen, 28. März 2008
Das Buch beginnt mit einer großartigen Szene: die grandiose Beschreibung einer wie ins Feuer getauchten Mondlandschaft. Llewelyn Moss, ein etwa 30-jähriger Vietnam-Veteran, ist im von der Sonne ausgebrannten Grenzgebiet zu Mexico auf Antilopenjagd. Es herrscht absolute Stille. Nur die Sonne brennt auf das rote, karge Land, und Moss streift mit seinem Fernglas den Horizont ab. In der Leere dieser Welt trifft Moss auf den Tatort eines Verbrechens, die geplatzte Übergabe eines Heroin-Deals. Unter vielen Leichen und einem noch lebenden Mexikaner, der um Wasser bettelt, findet Moss eine Tasche mit 2 Millionen Dollar. Er nimmt das Geld an sich und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Nichts wird mehr sein, wie es einmal war.
Was folgt ist eine erbarmungslose Jagd nach dem Geld durch New Mexico, Mexico und Texas. Chigurh, dessen Name zu unrecht an "Sugar" erinnert, nimmt als engagierter Killer die Rolle des Verfolgers ein, der den Bossen der Drogenmafia das Geld wiederbeschaffen soll. Eine kältere, brutalere und zugleich so schillernde Figur wie dieser Chigurh lässt sich wohl kaum vorstellen. Er wirkt gar nicht wie ein Mensch, sondern wie ein biblischer Racheengel, der geradewegs aus der Offenbarung des Johannes entwichen ist. Er ist ein Beender. Er bringt die Dinge zu Ende. Alle.
Und Moss, der sich selber in diese Lage gebracht hat, weiß um dieses Schicksal und sagt in bestechender Logik: "If you knew there was somebody out here afoot that had two million dollars of your money, at what point would you quit lookin for em? That's right. There aint no such point."
McCarthys Roman wimmelt von solchen wie in Stein gemeißelten Sätzen und je tiefer man sich in diesen rasanten Thriller einliest, desto deutlicher offenbart sich das Buch als eine Abhandlung über den archaischen Kampf zwischen Gut und Böse. Nur das das Gute von vornherein verloren hat, ja dass es das Gute vielleicht gar nicht mehr gibt. Denn nebenher wird auch die Lebensgeschichte eines Polizisten geschildert, der die Verolgung Chigurhs aufgenommen hat, und mit seinem Bericht gerät zum Schluss die Geschichte des ganzen Landes in den Blickpunkt und der Cop Bell sieht die Vorboten einer neuen Zeit am Horizont, in der das Gute immer unterlegen ist, weil es gezwungen ist, Gefühle zu zeigen und deshalb schwach ist und zurückweicht und verliert. So sagt Bell gleich zu Beginn seines Berichts: "I thought I'd never seen a person like that and it got me wonderin if maybe he was some new kind. [...] Somewhere out there is a true and living prophet of destruction and I don't want to confront him."
Und so macht jeder, der Chigurh begegnet und hadert, irgendwann einen tödlichen Fehler, während der Racheengel selber niemals Fragen stellt. Die Frage von Leben und Tod macht er höchstens von einem Münzwurf abhängig und in dieser Unsinnigkeit von Kopf oder Zahl liegt die ganze schicksalhafte Absurdität des menschlichen Lebens begründet. "Somewhere you made a choice. All followed to this. The accounting is scrupulous. The shape is drawn. No line can be erased. I had no belief in your ability to move a coin to your bidding", sagt Chigurh bevor er die vollkommen unschuldige Freundin von Moss erschießt.
Es ist ein verstörendes, gewaltsames und gewaltiges Buch - und wie gemacht für einen Road-Movie.
Thomas Reuter
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60 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Totentanz in der Wüste, 11. November 2009
Jedes Buch von Cormack McCarthy war für mich bisher ein literarisches Erlebnis. Das ist nicht unbedingt ein Vorteil, weil es die Erwartungen hochschraubt und Enttäuschungen vorbereitet. "Kein Land für alte Männer" aber hält das gleiche Niveau wie die Border Trilogie und "Die Straße" und übertrifft sogar noch die mehrfach preisgekrönte Verfilmung des vorliegenden Buches.
Vordergründig geht es in dem Roman um einen der zahlreichen Drogenkriege an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Ein durchgeknallter Psychopath zieht eine Blutspur der Verwüstung durch die weiten Ebenen des amerikanischen Südwestens, ein im Dienst ergrauter Sheriff verzweifelt vor den Abgründen, die die Serienmorde enthüllen, und ein Vietnam-Veteran versucht (vergeblich) seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. All das wird übrigens auch in der erfolgreichen Verfilmung sehr nah am Buch auf eindrucksvoller Weise umgesetzt.
Was der Film mit seinen Mitteln naturgemäß nicht zeigen konnte, ist die fast apokalyptische Tiefendimension, die dem Totentanz in der Wüste zugrunde liegt. Es geht um gut und böse, Zufall und Notwendigkeit, Schuld und Unschuld, also große Epik, die sich in der Dreiecksgeschichte zwischen dem Psychopathen, dem Sheriff und dem Vietnam-Veteran entfaltet. Auf diesem schaurigen Bühnenbild fungiert der Mexikaner Anton Chigurh wie die Personifikation des Bösen schlechthin, Chigurh tritt auf wie das Verhängnis selbst, kommt und geht wie ein Geist, tötet ohne Anteilnahme seine Oper mit Bolzenschussgerät und Schrotflinte und entschwindet am Ende ebenso spurlos, wie er am Anfang erschienen ist.
Ihm gegenüber steht der alte Sheriff, dessen zwölf Einlassungen sich wie eine Chronik des gesellschaftlichen Niedergangs lesen. Er repräsentiert die Stimme des ländlichen Amerika, dem gegenüber der anschwellenden Flut der modernen Großkriminalität die Begriffe fehlen. Keiner weiß so recht, wie es so weit kommen konnte, aber, so der Sheriff, alles begann damit dass die Manieren schlechter wurden, als man alles nicht mehr so genau nahm, als kleine Unehrlichkeiten zu großen Lügen wurden, bis schließlich das Verhängnis wie ein immer längerer Schatten die Gesellschaft überwölbte. In dieser Welt des Verhängnisses kann sich jeder in den allgegenwärtigen Fängen des Unheils verstricken, auch der gutmeinende und sympathische Veteran und Schweißer Lelewelyn Moss, der nur durch Zufall in einen Drogenkrieg verwickelt wurde, und daran zugrunde geht. Chigurh als Vollstrecker des Bösen, der alte Sheriff als resignierter Chronist und Moss als Opfer der Verhältnisse erscheinen wie die Gestalten eines Dramas, dessen Ende vom Anfang an festzustehen scheint.
Jeder Augenblick im Leben bildet eine Abzweigung, und jeder verlangt eine Entscheidung" erzählt der finstere Chigurh einem seiner Opfer. "Irgendwo haben Sie eine Wahl getroffen, aus der sich alles bis hierhin ergeben hat. Da wird peinlich genau Buch geführt, die Form ergibt sich. Keine Linie lässt sich ausradieren."(S. 236).
So ist der Mensch in diesen finsteren Zeiten nicht nur Opfer der Umstände sondern auch Opfer seiner eigenen (falschen) Entscheidung in einem scheinbar beiläufigen Augenblick - ganz so wie einer der beiden Jungen, die am Ende des Buches die Pistole aus Chigurhs Wagen aufheben und ihren Weg in den Abgrund beginnen.
Ein Buch wie ein alttestamentarisches Menetekel - auch zu lesen als eine Art Vorspann zur vollzogenen Apokalypse, die in "Die Straße" beschrieben wird.
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16 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Pure Gewalt in Texas, 2. Oktober 2009
Der Hobbyjäger Moss findet in der texanischen Wüste mehrere Leichen und einen Koffer voller Geld. Mit dem Geldkoffer macht er sich auf und davon, doch der gnadenlose Killer Chigurh ist ihm auf den Fersen. Eine Spur von Mord und Verwüstung folgen den beiden und der alternde Country-Sheriff Bell versucht Ordnung in den Fall zu bringen.
Emotionslose und knallharte Charakterstudien lassen kaum Platz für Träumereien vom Guten im Menschen. Es wird fließbandmäßig getötet und gestorben ohne daß irgendeine Kraft diesem Grauen Einhalt gebieten kann. So ist das Gute in der Welt dem kompromißlos Bösem, das hier realitätsfremd und stark überzeichnet dargestellt wird, hoffnungslos unterlegen. Das ist wohl einer der Kernaussagen dieses Romans, der nicht so richtig in das Thriller-Genre einzuordnen ist. Dafür ist er viel zu wenig Krimi und hat viel zu viel Anspruch auf Fällung einer Aussage über "Gott und die Welt".
Fazit: Schnell durchlesbar, doch was der Autor mit dem gänzlichen Verzicht auf Verwendung von Anführungszeichen bezweckt ist nicht erkennbar. Dies stört erheblich beim Lesen und verlangt dem Leser eine erhöhte Aufmerksamkeit ab. War das vielleicht das Ziel der Maßnahme?
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