Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
VERSTÖREND UND GENIAL, 18. Februar 2006
Durch Zufall habe ich den Film "Virgin Suicides" gesehen. Dieser ließ mich verstört und nachdenklich vor dem Fernseher zurück. Und als im Abspann das Buch erwähnt wurde machte ich mich sofort auf, mir dieses zu besorgen, da ich mir mehr Antworten erhoffte...Daraus wurde nichts. Das Buch verstört den Leser nämlich mindestens genauso: Was geschah hinter den verschlossenen Türen und Fensterläden des Lisbon Hauses? Was trieb sie letztendlich in den Tod und wie ist die Machtlosigkeit/Gleichgültigkeit der Eltern zu erklären? Und immer mehr und mehr Fragen steigen aus den Abgründen dieses Buches hervor. Aber letztendlich geht es nur um fünf Mädchen, deren Faszination auch nach ihrem Tod, vor allem für die beobachtenden Jungen der Nachbarschaft, ungebrochen bleibt. Ich fand das Buch an keiner Stelle langatmig. Es hat eine sehr stimmige Erzählweise, welche den Leser tief in die Geschichte bringt, jedoch nie weit genug ins Lisbon Haus um mehr als nur ein hilfloser Beobachter zu sein. Auch das "Ende", welches ja schon am Beginn preisgegeben wird, spornte mich nur noch mehr an, in diesem Buch dem Schicksal der Mädchen auf den Grund zu gehen und mit den Nachbarsjungen Stück für Stück die Vorkommnisse noch einmal zu durchleben. "DIE LEERE EINES GESCHÖPFS, DAS EINE RASIERKLINGE AN SEIN HANDGELENK LEGTE UND SICH DIE ADERN ÖFFNETE, DIE LEERE UND DIE INNERE STILLE, DAS KONNTEN WIR UNS NICHT VORSTELLEN." (J.Eugenides - Die Selbstmord Schwestern)
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Man muss genauer hinschauen, um die atmosphärische Dichte der Worte zu spüren..., 3. Februar 2007
Auf dem Buchklappentext von "Die Selbstmord-Schwestern" steht zu lesen:
"Jeffrey Eugenides schreibt Sätze, die sich wie Sonden ins Bewusstsein seiner Figuren senken."
Ich glaube mit diesem Satz ist viel gesagt. Dieses Buch muss man wirken lassen, man muss es verdauen. Der etwas reißerische Titel und die kurze Inhaltsbeschreibung lassen vielleicht die "falschen" Leute danach greifen. Diese Lektüre ist jedoch alles andere als der sonstige Unterhaltungsliteratur-Einheitsbrei. Sie hat ungeheuren Tiefgang, trotz augenscheinlicher Oberflächlichkeit der handelnden Personen oder einem "vermisstem" Spannungsbogen - was andere Leser berichtet haben.
Eugenides gewährt uns keinen direkten Einblick in die Gefühle und Gedanken von Cecilia, Lux, Bonnie, Mary und Therese - den fünf Schwestern - kurz vor ihrem bzw. im Moment ihres Todes. Dennoch sorgen die meisterhaften Sätze dafür, dass uns all das schrecklich realistisch vorkommt. Er schafft eine unglaubliche Atmosphäre.
Dieses gepflegte amerikanische Vorstadtviertel ist beim Lesen zum Greifen nah, man sieht quasi die Regenwürmer in den bepflanzten Blumenbeeten, man spürt den Hauch von beiseite geschobenen Gardinen. Man lernt so viele wahnwitzige Details aus dem Leben der Lisbon-Mädchen kennen, dass man meint, ein Teil von ihnen zu sein. Eine irritierende Erfahrung beim Lesen und dennoch interessant. Denn von diesen Details lebt dieses Buch. Es erzeugt fast so etwas wie eine voyeuristische Neigung. Man möchte mehr wissen über all die Kleinigkeiten. Man sehnt sich, noch tiefer einzusteigen. Eugenides hat das Kunststück fertig gebracht, den Leser auf einer schonenden Distanz zum Geschehen zu halten, ohne ihn dabei aus dem Dunstkreis des Grauens zu entlassen.
An diesem Roman stimmt einfach alles, angefangen bei der überzeugenden Story, über wunderbare Motive, die den permanenten schleichenden Verfall illustrieren (die Schwärme von Eintagsfliegen, deren tote Leiber als klebrige schwarze Schicht Straßen, Wege, Häuser und Autos überziehen / die unaufhaltsame Erkrankung der Ulmen / der lang anhaltende Totengräberstreik), bis hin zu einer wirklich glaubhaften Sprache: poetisch, aber einfach, nicht ohne Sinn für Humor, mit viel Einfühlungsvermögen in die Psyche Heranwachsender.
Richard Powers, Jonathan Franzen und ganz oben Jeffrey Eugenides - die drei ganz großen Gegenwartsschriftsteller der USA!
Eine unbedingte Empfehlung für all diejenigen, die literarischen Tiefgang lieben!
Eigentlich 6 Sterne wert, für ein besonders herausragendes Buch.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
verwirrend realistisch, 1. September 2005
Von Ein Kunde
"Die Selbstmord-Schwestern" ist einer dieser Romane, in denen man die Hauptcharaktere nie ganz erfassen und verstehen kann und sich konstant fragt, was da eigentlich gerade passiert. Obwohl die Lisbons eine seltsame Familie sind, erscheinen sie doch nach außen hin harmlos. Und obwohl die Lisbon-Töchter zum Teil reichlich durchgeknallt sind, sind sie eigentlich auch nicht anders als jeder pubertierende weibliche Teenager sein könnte. Trotzdem entwickeln sich die Schwestern zu Selbstmörderinnen, und man fragt sich was da eigentlich hinter der harmlos-skurrilen Fassade des Vorstadtlebens lauert. Eugenides bietet keine einfachen Antworten, schafft es aber den Leser so in der Schwebe zwischen distanziertem Kopfschütteln und mitfühlender Umarmung zu halten, dass die Geschichte einen nie ganz los lässt. Sehr gelungen!
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