Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Geschichtenerzähler auf höchstem Niveau, 3. April 2001
Von Ein Kunde
"Mason und Dixon" ist zweifellos eines der brillantesten Bücher, das ich je gelesen habe. Aus Sicht des deutschen Lesers gebührt nicht nur dem Autor dank, sondern ebenso der hervorragenden Leistung des Übersetzers. Thomas Pynchon schafft, was vielen zeitgenössischen Autoren im deutschen Sprachraum nicht gelingt, er verbindet anspruchsvollste, mitunter experimentelle Schreibkunst mit der besonderen Gabe eine gute Geschichte erzählen zu können. Natürlich widerspricht ein Buch wie Mason & Dixon durch Umfang und Komplexität leider den Lesegewohnheiten vieler Menschen, es ist jedoch keine intellektuelle Kraftübung zum Dienste der Selbsterhöhung, sondern die wunderbare, versponnene, witzige und sympathische Geschichte zweier Menschen in einer Zeit großer gesellschaftlicher und vor allem mentaler Veränderungen. Eine Zeit zu wissenschaftlich um noch magisch und zu verzaubert um schon rational zu sein. Vor diesem Hintergrund verknüpft Pynchon Handlungsebenen, Anekdoten, Pointen und kleine verschrobene Erzählungen mit seinem roten Faden des Verhältnisses zweier im Grunde recht unterschiedlicher Menschen. Beeindruckend ist die Plastizität und Tiefe, die Pynchon Seite für Seite dem Astronomen Mason und dem Landvermesser Dixon gibt. Sie bekommen eine Individualität und Deutlichkeit, wie ich dies selten gelesen habe. Und nein, der ist Roman nicht schwer zu verstehen, er verlangt nur ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. Ich gehöre leider sicher nicht zu den Menschen mit der Zeit jeden Tag viele Stunden am Stück zu lesen, und so begleitete mich diese Geschichte fast vier Monate lang, manchmal nur wenige Seiten kurz vor dem Einschlafen. Ohne das man sich versieht, werden Mason und Dixon plötzlich sehr vertraut, und das Gelesene verweht nicht sondern formt eine immer größere und faszinierendere Geschichte. Über allem jedoch, das man über diesen großen Roman sagen könnte, steht die Sprachkunst von Thomas Pynchon. Ich kenne keinen zeitgenössischen Autor dessen Stil reicher, farbenprächtiger, nuancierter und treffender wäre. Ganz tief muss man vor ihm seinen Hut ziehen, und auch ich frage mich, was eigentlich noch passieren muss, bis man den begnadeten Geschichtenerzähler Thomas Pynchon endlich und hochverdienterweise mit dem Nobelpreis für Literatur ehrt.
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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lesen als Expedition in unwegsames Gelände, 27. November 2001
Von Ein Kunde
Verwirrend anders als gewohnt, klingt dieses vom Englischen ins Deutsche übersetzte Buch. Man kann sich als Leser einem Verständnis nur annähern. Wer also gern leicht verständliche Texte liest, wird nicht recht weit kommen. Wer aber bereit ist, erprobte Lesegewohnheiten ad acta zu legen, dem öffnen sich oft wie aus dem Nichts, Schätze an Poesie und feinsinnigem Humor. Obwohl passagenweise fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt, wird man in eine abenteuerliche Welt entführt. Sinn und Bedeutung erschließen sich nur zögernd und vage. Das Ungefähre, Angedeutete liegt wie ein Nebel über den Sätzen und nur kurz und überraschend lichtet er sich. Wer sich Handlung und Action erwartet, wird enttäuscht sein. Was es aber ist: die Geschichte einer Männerfreundschaft, die Geschichte einer enttäuschten Karriere, ein Ausflug in die Astronomie des 18. Jahrhunderts, ein Vordringen in das Land der Indianer und noch vieles mehr. Immer wieder gerät man ins Staunen und Schmunzeln. Zeitweise gleicht die Lektüre dem Durchqueren von Sümpfen, manchmal dem Überqueren sich endlos hinstreckender Ebenen. Abbrüche in geografische und seelische Niemandsländer stehen bereit. Ein verirrt Sein oder dumpfes Dösen und warten auf... Ja, worauf? Wer Antworten erwartet, bleibt unbedient. Lesen als Abenteuer ohne Garantie auf Rückkkehr aus unwegsamem Gelände.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Hirne wie Kuehlschraenke", 17. November 1999
Von Ein Kunde
Ob Pynchon nicht ueber Mason und Dixon schreiben wollte, fragte die New York Times enttaeuscht nach dem Erscheinen von "Vineland". Der Roman schien dem Rezensenten die lange Pause seit "Gravity's Rainbow" nicht zu rechtfertigen. Heute wissen wir, dass Pynchon tatsaechlich an einem Roman ueber "Mason & Dixon" gearbeitet hat, und vielleicht war "Vineland" da wirklich nur ein Nebenprodukt. "Mason & Dixon" jedenfalls rechtfertigt jede noch so lange Pause. Pynchon erzaehlt in der Ausdrucks- und Schreibweise des 18. Jahrhunderts die Geschichte der englischen Astronomen Charles Mason und Jeremiah Dixon (ein weiterer Beitrag also zum Thema: Landvermesser in der Literatur). Einer der Auftraege, bei denen wir sie erleben, ist es, die amerikanischen Staaten Pennsylvania und Maryland durch eine moeglichst gerade Linie zu trennen. Die schwerwiegenste Auswirkung der Grenzziehung verschweigt Pynchon wohlweisslich: Die Linie trennte spaeter im Missouri Compromise die Staaten, die Sklaverei erlaubten, und jene, die es nicht taten. Fuer den Ausbruch des Buergerkrieges war sie somit von entscheidender Bedeutung. An Anspielungen auf aeltere wie juengere Geschehnisse der amerikanischen Geschichte fehlt es im Roman dennoch nicht: Mason und Dixon rauchen mit George Washington Pott, treffen Benjamin Franklin (der sagt: "I see our graetest problem is time") und liefern nebenbei und ungewollt in einem Gasthaus eine Schluesselformulierung der Verfassung: "pursuit of happiness". Diese Anekdoten sind machmal lustig, manchmal ein wenig platt. Alles in allem aber, ist "Mason & Dixon" ein beeindruckender Roman, ein grosses Leseerlebnis und Lesevergnuegen. Er ist witzig und anregend, anspruchsvoll und anspielungsreich - und dazu brauchen die Leser nicht, wie der "Tagesspiegel" schrieb, "Hirne wie Kuehlschraenke". (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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