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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Viel mehr als eine Trinkergeschichte, 25. Dezember 2004
In Betrachtungen zu Malcolm Lowry's Werk Unter dem Vulkan wird intuitiv der Tatsache, daß es sich um die Geschichte der Agonie eines Trinkers handelt, eine Art Schlüssel-Rolle zugesprochen. Das liegt auf der Hand. Lowry, selbst schwer alkoholkrank, hat nicht ohne Grund seinen Helden Geoffrey Firmin als Alkoholiker dargestellt. Was wir während des Lesens des Bucher aber erleben, ist, daß die Trunksucht des ehemaligen Konsuls Firmin lediglich Symptom der selbstzerstörerischen Luzidität eines Menschen ist, der mit aller furchtbaren Kraft und Schönheit der Poesie den flüchtigen Zauber des Lebens und der Tragödie der Liebe zu erfassen vermag, ohne daß er selbst den Mut hätte, die Liebe, also das Leben zu leben, was seine Rettung bedeuten würde. Sein Alkoholismus ist Suizid, er stirbt daran schon zu Lebzeiten. Sein physischer Tod ist eine eher zufällige Ermordung durch Faschisten, so entwürdigend und sinnlos wie die letzten Monate seines Lebens. An jenem Tag, als wir den ehemaligen Konsul kennenlernen, ist sein Alkoholismus tatsächlich so weit fortgeschritten, daß dessen schlichte Diktion die Unfähigkeit Firmins begründet, das ihm widerfahrene unglaubliche Glück der so sehr herbeigesehnten Rückkehr seiner geliebten, geschiedenen Frau überhaupt noch wahrnehmen, ja erleben zu können. Jetzt ist es der Alkohol, der vordergründig alles zerstört, das erschütterndste an dem Buch aber ist es, zu erkennen, daß die Ursachen des Scheiterns der Liebe so allgemeingültig sinnfrei und banal sind wie eben ein Trinkerdelirium selbst, ähnlich des flammenden Bekenntnisses zur Liebe selbst, das immer zu wissen vorgibt, warum. Es ist eine Geschichte vom Scheitern der Liebe. Wo die Liebe scheitert, nisten sich die dunklen Mächte ein. Mag es der Stupor des Alkoholismus sein. Lowry selbst schrieb in einem Vorwort, daß er endlich mal eine authentische Trinkergeschichte schreiben wollte. Die Trunkenheit des Konsuls solle die allumfassende Trunkenheit der Welt symbolisieren. Trunkenheit als Phänomen, als möglichen Zustand auch der scheinbaren Nüchternheit des Menschen zu verstehen, eröffnet dem Leser erst die Tür zu einem poetischen Meisterwerk, dessen Tiefe schwindeln macht.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
ein düsterer Klassiker, 15. März 2001
UNTER DEM VULKAN zählt zu den Klassikern der angelsächsischen Literatur. Es beschreibt den letzten Tag im Leben des Geoffrey Firmin. Firmin ist englischer Konsul in einem mexikanischen Kuhdorf und ein schwerer Trinker. Der Alkohol hat seine berufliche Karriere und sein Privatleben zerstört. Zu Beginn des Romans kehrt seine Frau, die ihn vor einiger Zeit verlassen hat, in der Hoffnung auf einen Neuanfang zurück. Aber obwohl auch Firmin sie noch immer liebt, treibt er seine Selbstzerstörung bis zu ihrem unausweichlichen Ende weiter. UNTER DEM VULKAN ist ein düsteres Buch. Lowry, selbst Alkoholiker, beschreibt minutiös Firmins Untergang. Zuweilen hätten seine trunkenen Visionen etwas kürzer sein können (daher nur 4 Sterne), aber insgesamt ist es eine zugleich faszinierende und verstörende Lektüre. Kein Junk Food für Zwischendurch, eher für die stillen Stunden.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gewaltige, aber schwer erfassbare Symbolik, 15. März 2006
Diesen Weltklassiker aus dem Jahr 1947 habe ich gelesen, weil er laut Klappentext eines der liebsten Bücher von Gabriel García Marquez sein soll. Ich sage es aber gleich: so richtig verstanden habe ich ihn noch nicht.
Das Ganze spielt 1938 in einer mexikanischen Kleinstadt. Der britische Ex-Konsul vor Ort, Geoffrey Firmin, ist der Trunksucht verfallen. Sein Leben ist zerfallen, der Posten verloren, seine Frau Yvonne hat sich scheiden lassen. Nur sein Bruder Hugh, ein junger Revoluzzer, hält noch zu ihm. Der Roman startet mit Yvonnes Rückkehr, die aus Liebe einen letzten Neustart versuchen will. Doch Firmin trinkt und zerfällt weiter, verwahrlost, belügt seine Umgebung und letztlich sich selbst. Er will aussteigen und in Mexiko bleiben, denkt über Freiheit, Imperialismus und Solidarität mit den Indianern nach - und gerät damit ins Visier der mexikanischen Geheimpolizei. Zuletzt wird er erschossen und entsorgt wie ein toter Hund.
Der Stil ist poetisch, die Stimmung der Hilflosigkeit gut erfasst und der Roman von daher sehr gut - wenngleich sich die Handlung etwas in die Länge zieht. Das eigentlich Besondere an diesem Buch ist die überwältigende Fülle an Bildern und surrealistischen Szenen, die mit der vordergründigen Geschichte nicht direkt zu tun haben. Gleich zwei Mal trifft der Konsul auf die 666, die biblische Zahl des Teufels. In einem der Gärten sitzt ein Mann, der "anscheinend der Teufel persönlich" ist. Penetrant warnt ein Schild vor der Zerstörung eines schönen Gartens. Und nachdem ein verarmter Indianer verstorben ist, reitet in der Folge immer wieder sein Pferd vorbei - mit der mystischen Zahl 7 auf dem Sattel. Nicht zuletzt drohen die allseits schlummernden Vulkane.
Die komplexe Symbolik stammt zum Teil aus dem okkulten Bereich und lässt weit reichende Interpretationen zu. Der Konsul könnte in seiner Sucht den Verfall der Welt ausdrücken ("Die im trunkenen Wahnsinn kreisende Welt"). Im Kontrast zu seinem Bruder, dem Kapitalismusgegner, und dem spirituell geprägten Indianer steht der Konsul selbst möglicherweise für den Kapitalismus. Die Zerstörung der Gärten und das Sterben des Indianers könnten Hinweise auf die Naturzerstörung sein, die im Kapitalismus besonders effektiv betrieben wird. Erst als der Konsul aus dem System aussteigen will, macht er sich Gedanken über den Kapitalismus: "Alle werden von allen ausgebeutet", "Die Eroberung (Amerikas) richtete sich gegen eine Zivilisation, die ebenso gut oder sogar besser war als die der Eroberer." und "Der Name dieses Landes ist Hölle". Der Roman könnte damit als groß angelegte Kritik am 'satanischen' Charakter des Kapitalismus verstanden werden. Doch das sind alles nur vorsichtige Spekulationen, ich gebe García Marquez absolut Recht: Es ist tatsächlich eines von den Büchern, die man mehrmals lesen muss.
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