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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Leben ist ein Pokerspiel, 31. Juli 1999
Von Ein Kunde
Der Roman zeigt, wie sehr das Leben vom Zufall abhängt, und wie wenig es voraussehbar ist. Es erscheint wie ein Spiel, in dem jemand wahllos die Spielfiguren hin- und herzieht.Nashe, Hauptfigur des Romans, ist ein sehr ruhiger gelassener Mensch, der die verschiedenen Situationen, die sich ihm bieten, hinnimmt, und sich ihnen anpaßt. Er hat keine Ziele und Wünsche, auf die er zugehen könnte. Er läßt sich treiben, ohne selbst die Initiative zu ergreifen. Als er am Anfang seiner Reise die falsche Highway-Auffahrt nimmt, fährt er einfach in eine andere Richtung weiter, anstatt zu wenden, und in der Richtung weiterzufahren, die er sich vorgenommen hatte. Im Gegensatz zu seinem neuen Freund Pozzi kommt er mit der schweren körperlichen Arbeit und der beinahe gefängnisartigen Situation bei Flower und Stone relativ gut zurecht. Hier sollen sie ihre Spielschulden abarbeiten, nachdem ihr Plan, Nashes letztes Geld im Poker-Spiel gegen die beiden etwas skurrilen Lotto-Millionäre zu vermehren fehlgeschlagen war. Nashe protestiert wesentlich später und sehr viel zaghafter gegen die ungerechte Behandlung, als Pozzi, der sich äußerst heftig dagegen wehrt. Pozzi fordert, ganz anders als Nashe, das Leben und das Glück heraus. Die Geschichte wird ausschließlich aus der Perspektive Nashes erzählt. Durch Nashes passives Verhalten und die einfache, beinahe kommentarlose Erzählweise gewinnt der Leser Distanz zum Geschehen. Er fühlt sich als neutraler Beobachter der Geschehnisse. Diese Distanz wird intensiviert durch das Motiv der von Stone errichteten ³City of the World3. Durch das selbe Motiv erscheinen die Charaktere wie Spielfiguren. Der häufige Bezug zum Glücksspiel (Poker, Lotto) betont die Zufälligkeit des Ausgangs dieses Spiel, auf das die Charaktere nur wenig Einfluß haben. Der Roman zeigt sehr deutlich, daß der Verlauf des Lebens nicht voraussehbar oder planbar ist. Anpassung, wie sie in der Figur Nashes dargestellt wird, kann ebenso zum Kontrollverlust führen, wie Pozzis herausfordernde Lebensweise. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein Experiment, und ein bißchen mehr als das, 3. August 2001
Von Ein Kunde
Jim Nashe ist Feuerwehrmann. Als alles mögliche schiefgeht, Nashe aber zweihunderttausend Dollar erbt, wird aus einem dreiwöchigen Urlaub der totale Ausstieg: Nashe kündigt seinen Job und ist dreizehn Monate lang im Auto unterwegs, kreuz und quer durch die Staaten. Kurz vor dem finanziellen Ende trifft er Jack Prozzi, genannt "Jackpot", einen jungen, schmächtigen Pokerspieler, soeben von einer erregten Spielerrunde zusammengeschlagen, mittellos. Nashe ergreift die Chance, hilft Prozzi auf die Beine und stellt die zehntausend Dollar - Nashes letztes Geld -, die "Jackpot" benötigt, um in einer bizarren Pokerrevanche gegen zwei Lottomillionäre antreten zu können. Das Spiel gegen die scheinbar kindischen Freunde verläuft anders, als erwartet; Nashe und Prozzi verlieren alles und mehr als das, und finden sich schließlich in einem gefangenschaftsähnlichen Arbeitsverhältnis: Sie müssen aus den zehntausend Steinen einer schottischen Schloßruine eine Mauer bauen, auf dem Grundstück der Millionäre. Womit die kuriosen Geschehnisse erst richtig beginnen ..Auster beherrscht die bewundernswürdige Fähigkeit, situations- und/oder ideengetragene Romane schreiben zu können, um die Idee herum entwickeln zu können, so "klein" sie auch scheinen mag. Dabei entstehen mäßige Werke wie "Mr. Vertigo" oder "Leviathan", aber auch drastische, beeindruckende, wie "Im Land der letzten Dinge" und "Timbuktu". "Die Musik des Zufalls" steckt da irgendwie zwischendrin, vor allem, weil die Idee meines erachtens nicht funktioniert, das Experiment fehlschlägt: Dem Roman fehlt jegliche Motivation, jegliche Begründung des Handlungsbogens, er fußt auf der Reflexion des Protagonisten auf völlig willkürliche - zufällige - Geschehnisse, was ihn zwar höchst nachvollzieh- und verstehbar macht, als Lektüre allerdings etwas unbefriedigend. Es entsteht keine "Musik des Zufalls", sondern allenfalls Tonfolgen, die harmonisch klingen, aber keine Melodie entstehen lassen, und das Ende wäre vergleichbar mit einem Konzert, bei dem die Musiker einfach mittendrin die Bühne verlassen, und nicht einmal den Applaus abwarten. Nichtsdestotrotz ein interessantes Experiment, und deshalb durchaus lesenswert.
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Was will uns der Autor damit sagen?, 11. August 2008
Das war früher die Standardfrage aller Deutschlehrer zur Interpretation einer Erzählung. Sehr oft kam mir diese Frage wieder in den Sinn bei der Lektüre dieses Buches. Nach etlichen Büchern der U-Literatur wollte ich mir wieder etwas anspruchsvolleres gönnen und hatte dieses Buch ins Auge gefasst, wohl wegen dem schönen Titel oder auch weil ich vor Jahren das Buch von Arthur Koestler "Die Wurzeln des Zufalls" gelesen habe und dachte, dieses Buch steuert jetzt die Melodie dazu bei. Ich habe aber leider weder eine Melodie, noch Musik oder schwerlich einen Sinn in der Erzählung entdecken können, trotz Überlegungen hierzu, aber irgendwann habe ich diese auch eingestellt, weil ich seit der Schulzeit nicht lese, um Interpretationen zu verfassen, sondern eher aus eigennützigen Motiven. Deshalb investiere ich auch nicht mehr Energie und Zeit in ein Buch, als für die reine Lektüre selbst.
So ziel-, plan- und sinnlos wie die Geschichte selbst, fährt der Hauptakteur Jim Nashe ein Jahr lang kreuz und quer durch Amerika und ist eigentlich nur auf dem Wege seine Erbschaft zu verprassen. Der Hintergrund der Geschichte läßt natürlich viel Raum und Möglichkeiten, um weitere Personen in die Handlung einzuflechten, so wie ein im Wind flatterndes Klebeband die Fliegen einsammelt, die wie zufällig seinen Weg kreuzen. Aus dem Zusammentreffen der verschiedensten Charakteren bezieht Auster bisweilen die Ideen für die weitere Entwicklung der Geschichte. Einige scheinen in einer Sackgasse zu enden, während andere sich zu einer wichtigen Rolle entwickeln. Auf seinen Fahrten lernt Nashe so weitere Typen seines Kalibers kennen, zum Teil skurrile Charakter, die wie er keiner ordentlichen Arbeit nachgehen oder einem geregelten Tagesablauf folgen, meistens gestrandete Existenzen am Rande der Gesellschaft, unabhängig davon wie dick ihr Bankkonto gefüllt ist. Menschen, die sich im Leben treiben lassen und kein richtiges Ziel vor Augen haben. So gesehen, ist es nur verständlich, dass sich Nashe mit einem zufälligen Freund auch darauf einläßt, eine große Mauer sinnlos in die Landschaft zu bauen.
Völlig enttäuschend ist der Schluss. Bei jedem anderen Autor wäre ich über das überraschende und abrupte Ende mehr als verärgert gewesen, wegen der offensichtlichen Fantasielosigkeit, die Geschichte zu einem stimmigen, befriedigenden und passenden Ende zu führen. Was z.B. bei Boynes "Der Junge im gestreiften Pyjama" noch Mittel zum Zweck war, durch den großen Schock am Ende auf die Greueltaten der NS-Zeit effektiv hinzuweisen, läßt einen hier nur irritiert zurück. Aber ich habe mich wieder gefragt, was will uns Auster damit sagen? Steckt dahinter wirklich eine Aussage, ein Denkanstoss, eine Absicht, der erzählerische Genius oder hatte er wirklich keine Idee mehr die Geschichte zu einem verständlichen Ende zu führen?
Oder will er uns damit sagen, um einen Bezug zum Titel herzustellen, dass der Mensch machen kann was er will, dass er auch durch rationales Verhalten und Instinkte nur vordergründig selbst entscheiden kann, im Hintergrund aber alles entscheidend der Dämon Zufall das Leben nachhaltig bestimmt? Ich weiß es nicht und will auch nicht mehr weiter darüber nachdenken müssen, macht es Sinn über Sinnlosigkeiten zu grübeln?
Anregungen zum Denken gibt er uns ja zur Genüge, der Herr Auster, das und die lockere und leichte Schreibweise, die das Lesen zur Entspannung und Erholung macht, sind das einzig Positive an diesem Buch.
Deswegen kann ich auch nicht sagen, ob ich das Buch nun wirklich schlecht oder gut finden soll, es ist leicht lesbar und unterhält, baut aber absolut keine Spannung auf oder weckt ein Interesse wie die Geschichte weitergeht, es ist wie der Klatsch und Tratsch an Nachbars Gartenzaun, unterhaltend aber nicht sonderlich anregend. Man liest zwar weiter, aber genauso leicht legt man das Buch auch zur Seite und kramt es erst später wieder hervor, wenn nach dem Wort zum Sonntag das Fernsehen noch spannungsloser und nichtssagender wird, als diese Geschichte.
Wie soll man dieses Buch beurteilen? Ist es gehobene, anspruchsvolle Literatur, weil die Erzählungen Unverständnis, Zweifel und Fragen hervorrufen, oder handelt Auster doch nach der Devise "Lesen ist Silber, Schreiben ist Gold" und bringt solche Erzählungen zu Papier..? Ich entscheide mich für letzteres, zu banal und sinnlos war mir die Erzählung und zu enttäuschend und unbefriedigend das Ende.
Ich werde noch andere Bücher von Auster lesen, da mir sein Schreibstil gefällt, aber dieses Buch werde ich nicht noch einmal lesen. Ab damit in den Gebrauchtbuchverkauf oder in die Geburtstagsgeschenketruhe.
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