Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Tour de Force in Afrika , 7. September 2008
Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass es sich bei "Wassermusik" um das beste Buch handelt, das der amerikanische Autor T. C. Boyle bisher abgeliefert hat. Die Gründe dafür sind derer viele: An erster Stelle ist es natürlich Boyles komödiantisches Talent, welches sich hier in fast jeder Zeile wieder findet und trotzdem die unheimlich dichte Erzählform in keinster Weise zu schmälern vermag. Wer bei diesem Buch nicht schmunzelt, nicht zumindest einmal ein Grinsen im Gesicht hat, der geht wohl zum Lachen in den Keller. Und die Tatsache, dass hier eigentlich die Geschichte einer real existierenden Persönlichkeit erzählt wird, verleiht dem Ganzen noch das gewisse Etwas.
Im Mittelpunkt steht der junge Entdeckungsreisende Mungo Park, der, von Abenteuerlust beseelt, um 1800 herum den Gedanken fasst, als erster Weißer den Niger in Westafrika zu erforschen. Vom Reisen und Kartographie hat er gleichfalls wenig Ahnung und auch die Tatsache, dass wilde Tiere und wenig zivilisierte Eingeborenstämme die Gegend bevölkern, kann ihn nicht von seinem Vorhaben abbringen. Ihm zur Seite steht der afrikanischstämmige Ex-Sträfling Johnson, der von nun an alle Hände voll zu tun hat, seinen Herrn vor dem Tode und Schlimmeren zu bewahren, denn Park gerät dank seiner Naivität mehr als nur einmal vom Regen in die Traufe. Derweil sorgt sich daheim in Schottland Mungos Geliebte und spätere Frau Allie Anderson, die sich ständigen Eroberungsversuchen aus dem Umfeld ausgesetzt sieht. Eine bewundernswerte Treue, die beinahe grotesk wirkt, wenn gleichzeitig viele Kilometer weiter südlich ihr Geliebter die richtigen Löcher bei einer unglaublich dicken Häuptlingsgattin sucht, um dieser Befriedigung zu verschaffen und damit sein, wieder einmal, bedrohtes Leben zu retten...
Mehr als dieser kleine Vorgeschmack soll nicht verraten werden, aber wohl genügen, um einen Einblick in dieses Buch zu erhalten, dass sich von der ersten Seite an wie aus einem Guss liest. Auch wenn der Anarcho-Humor nicht jedermanns Sache sein wird, "Wassermusik" ist ein literarisches Meisterstück, das sowohl mit Ironie, als auch viel Gefühl und Einfühlsamkeit die Odyssee eines Entdeckungsreisenden schildert, der in gewisser Weise auch das Sinnbild des damaligen Kolonialherren verkörpert. Er ist der Held und doch keiner, da es meist Johnson oder die ach so rückständigen Eingeborenen sind, welche ihm den Weg ebnen, was durchaus als Kritik am Herrenrassendenken der damaligen Zeit zu verstehen ist. In gewissem Sinne verkehrt Boyle Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt" ins Gegenteil. War dort der ausländische Diener Passepartout noch der naive Pechvogel, ist es hier genau andersrum.
Ein eindeutiges Erfolgsrezept, denn "Wassermusik" liest sich so tempo- und abwechslungsreich wie eine Achterbahnfahrt und spielt mit den Gefühlen des Lesers wie auf einer Gitarre. Hat man sich auf einer Seite noch vor Lachkrämpfen geschüttelt, weiß an anderer Stelle Boyles poetische Sprache zu rühren, so dass es einem Selbige verschlägt. Die Art und Weise wie der Autor dann letztendlich die anfangs noch parallel laufenden Handlungsstränge zusammenführt, ist schlichtweg meisterhaft und setzt die Krone auf eine rundum unterhaltsame Lektüre.
Insgesamt ist "Wassermusik" ein gewitzter, fesselnder und unheimlich lesenswerter Roman, den man jeder Leserratte einschränkungslos ans Herz legen kann. Eine bitterböse Satire auf westliche Arroganz und Ignoranz zur Kolonialzeit, die ihresgleichen sucht und eins meiner absoluten Lieblingsbücher.
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58 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Brillant, genial, furios, mit nichts zu toppen!!, 28. Juni 2006
"Wassermusik" reißt einfach nur vom Hocker - welch eine gewagte und unglaublich gelungene Tour de Force! Kaum eine Inhaltsangabe kann dem Buch gerecht werden, und doch ist die Komplexität von "Wassermusik" alles andere als verwirrend, sondern super fesselnd und unfassbar furios.
Im wesentlichen gibt es drei Schauplätze der Handlung: Westafrika, London und die schottischen Highlands Ende des 18. Jh. Ebenso gibt es drei wesentliche Protagonisten: den (historischen) Entdecker des Niger, Mungo Park, den Gauner aus der Londoner Gosse, Ned Rise, sowie Parks Verlobte, Ailie. Besonders die Handlungsstränge in Afrika und in London suchen ihresgleichen:
Afrika wird eindringlich als zutiefst fremder und feindseliger Kontinent geschildert, durch den Mungo Park mit viel Glück und kaum mit Verstand stolpert und dessen komplexe Regeln und überaus hohe Gefährlichkeit er als Europäer nicht begreift. Dass er nur aufgrund der überragenden Cleverness seines einheimischen Führers, des hochgebildeten Ex-Sklaven Johnson, seine erste Niger-Expedition überlebt, wird Mungo Park nie klar.
Boyles zweiter großer Handlungsstrang ist mindestens genauso gelungen: London ist Ende des 18. Jh. auf seine Weise fast genauso gefährlich wie das unerforschte Afrika, und der Leser begleitet Ned Rise auf der atemberaubenden Achterbahnfahrt seines Überlebenskampfes in der knallharten Unterwelt Londons. In schier unglaublichen Wendungen des Schicksals treffen Mungo Park und Ned Rise in Afrika aufeinander, und am Ende des Romans schließt sich verblüffend und virtuos der Kreis aller Schicksale.
Der beste Roman, den ich je gelesen hab, und ich hab wirklich schon viele gelesen. 10 Sterne.
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46 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Atemberaubend!, 23. Januar 2004
Dies ist zweifellos eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. In über 700 Seiten erzählt T.C. Boyle die Geschichte des Entdeckers und Afrikaforschers Mungo Park, der Ende des 18. Jahrhunderts den Niger bereiste. Gleichzeitig wird auch über das Leben eines an sich unbedeutenden Londoner Kleinkriminellen namens Ned Rise (der Name ist Programm) berichtet. Die Schicksale der beiden Personen sind miteinander verflochten, obwohl sie sich erst im letzten Lebensabschnitt begegnen sollen. Aber was für Leben! Der Autor nimmt sich die Zeit, auch die größeren Nebenrollen ausführlich zu erklären, und nach einer Weile kennt man die Personen wie nahe Verwandte. Die Protagonisten erleben Krankheit, Folter, Erniedrigung, Gefangenschaft und (beinahe, oder je nachdem) ihren Tod. In äußerst erbaulicher Weise. Der Erzählstil nötigt dem Leser Lachsalven ab, zum Beispiel das Rezept für gebackenes Kamel (reicht für 400 Personen). Die Sprache ist saftig und oft vulgär, immer sehr bildhaft und gespickt mit treffenden, haarsträubenden Vergleichen ("sie hatte eine Nase wie ein Gartengerät"). Ein großes Lob hier dem Übersetzer - der Mann versteht sein Handwerk!Das blanke Entsetzen aber, das häufig durch die flotte Sprache lugt, lassen das Lachen gelegentlich im Hals steckenbleiben. Die zweite Niger-Expedition, die etwa im letzten Viertel des Buches beginnt, kennt dann nicht mehr viel Lustiges, sondern überwiegend existentiell Furchtbares. Ein immer kleiner werdender Trupp schlägt sich unter grausamsten Bedingungen durch, und die unbekümmerte Zuversicht der Sprache weicht einem beeindruckenden Naturalismus. Auch die seelischen Qualen der daheimgebliebenen, wartenden Ehefrau Parks werden sehr eindringlich geschildert. Es ist sehr schwer, diesem opulenten Werk in wenigen Worten gerecht zu werden. Lest unbedingt selbst!
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