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Meine orientalische Reise: Auf den Spuren der Beduinen durch Syrien, Jordanien und Persien
 
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Meine orientalische Reise: Auf den Spuren der Beduinen durch Syrien, Jordanien und Persien (Broschiert)

von Andreas Pröve (Autor)
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 314 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 2 (November 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492248373
  • ISBN-13: 978-3492248372
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 99.714 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ob im Hamam von Palmyra oder im Baghdad Café mitten in der syrischen Wüste, durch die spektakulären Schluchten von Petra und Wadi Rum, im Großstadtverkehr von Damaskus oder beim persischen Aschura-Fest: Wie Andreas Pröve mit seinem Rollstuhl den Orient bereist, ist Anlaß für tausendundeine außergewöhnlich intensive Begegnung, die uns arabische Gastfreundschaft hautnah miterleben läßt.  »Ein großartiges Unternehmen, an dem sich alle, die ähnliche physische Belastungen zu ertragen haben, aufrichten können und durch das deutlich wird, was trotz einer rücksichtslosen und oft sogar feindlichen Umwelt durch Lebensmut und Abenteuerlust möglich ist.


Auszug aus Meine orientalische Reise von Andreas Pröve. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Auf nach Damaskus

Mit jedem Meter, den ich mich dem Schalter nähere, wird das mulmige Gefühl in der Magengegend stärker. Wenn ich jetzt etwas Falsches sage, ist die Reise für mich hier schon zu Ende. Die Frage kommt wie das Amen in der Kirche. Sie wird jedem Rollstuhlfahrer gestellt, der allein fliegt. Jetzt bin ich dran.
»Guten Tag, Ihr Ticket bitte. Sie fliegen nach Damaskus?«
»Ja.«
Die Hostess blickt auf die beiden Fahrradpacktaschen und fragt weiter: »Ist das Ihr Gepäck?«
»Ja«, antworte ich knapp, um meine Aufregung zu überspielen. Locker bleiben, sage ich zu mir selbst.
»Haben Sie eine Begleitung?«
»Nein.«
»Können Sie laufen?«
»Ja, kein Problem, zwar nur ein paar Schritte, aber zur Toilette reicht es, ich brauche nur jemanden, der mir ins Flugzeug hilft.«
Mist, denke ich, das kam viel zu schwallartig. Ich kann nicht lügen, sie hat es bestimmt gemerkt. Dabei habe ich auf der ganzen Hinfahrt geübt.
Die Hostess schaut mich an, als hätte sie die fehlende Logik meiner Erklärung durchschaut, denn warum benötige ich beim Einsteigen Hilfe, wenn ich angeblich allein zur Toilette gehen kann? Dann greift sie zu ihrem Walkie-Talkie und ich sehe schon alle meine Felle davonschwimmen. Wie damals auf meinem Weg nach Indien, als ich so dumm gewesen war, auf die Frage, ob ich laufen kann, die Wahrheit zu sagen. Man hatte mir daraufhin den Transport verweigert, da ich nicht allein zur Toilette könnte.
Während die Hostess noch das Sprechfunkgerät am Ohr hat und auf die Verbindung zu ihrem Gesprächspartner wartet, sagt sie mir in beruhigendem Ton: »Das Rote Kreuz wird Ihnen behilflich sein.«
Sie hat es geschluckt, mir fällt ein Stein vom Herzen.
Nun zu Problem Nummer zwei, meinem Handbike, das zerlegt und zusammengeklappt aussieht wie ein undefinierbarer Haufen aus Rad, Rohren, Ketten und Kurbeln. Mit dem Rollstuhl verschraubt, wird es jedoch zum wendigen, geländetauglichen und schnellen Reisemobil. über eine Fahrradkurbel mit zwei ergonomischen Handgriffen, einer Nabenschaltung und einem komplizierten Planetengetriebe kann ich das Vorderrad antreiben.
Das Handbike liegt zu meinen Füßen und wird nicht aufs Band passen. »Hier ist noch dieses Fahrra- äh«, ich verbessere mich, »dieser Rollstuhlzusatz.« Sie beugt sich weit vor, um besser sehen zu können. Mit dem Funkgerät ruft sie zwei Männer von der Turkish Airline, zuständig für Sperrgut, herbei. Der eine ist groß, wichtig, kugelrund und trägt eine schicke Uniform, der zweite ist offensichtlich eher für die Schmutzarbeit zuständig.
»Dieses Fahrrad kostet 110 Euro extra«, schnauzt mich der Große an. Er hat sich direkt neben mir aufgebaut. Mein Versuch, Abstand zu gewinnen, um nicht wie ein Frosch zu ihm aufsehen zu müssen, scheitert an den nachfolgenden Passagieren und ihrem Gepäck, das hinter mir steht. Eine ungünstige Position für dieses Wortgefecht.
Jetzt nur nicht einschüchtern lassen, sage ich mir, blicke zu dem Riesen hoch und erwidere in belehrendem Ton: »Das ist kein Fahrrad, das gehört zum Rollstuhl und ist ein medizinisches Hilfsmittel und wird nach internationalem Gesetz kostenlos transportiert.«
Plötzlich erscheint er mir viel kleiner. Er brummt etwas in seinen Schnauzbart, hebt das Bike an, um das Gewicht abzuschätzen, wobei er sich seine Uniform an der frisch geölten Kette einschwärzt, und gibt seinem Schatten Anweisung, es mitzunehmen. »Nächstes Mal melden Sie das bitte vorher an«, sagt er streng.
An der Passkontrolle erwartet mich die nächste Herausforderung. Wie bringt man nach dem elften September 2001 das Sicherheitspersonal dazu, eine Kiste mit 150 Diafilmen ohne Röntgenkontrolle passieren zu lassen? Es sind endlose Diskussionen, bis sie entnervt den Ionenstaubsauger holen, womit sich feinste Sprengstoffpartikel aufspüren lassen. Aber es macht extra Arbeit und niemand hat Lust dazu.
Ich bin ein Mensch, der unangenehme Dinge, wie etwa den Zustand seiner Zähne, gern aus seinem Gedächtnis verbannt. Solange nichts schmerzt, ist für mich auch alles in Ordnung. Daher bin ich im ersten Moment selbst ganz überrascht über die gebogene Nadel, die der Sicherheitsbeamte aus meiner Tasche unter dem Rollstuhl fischt. Mein Zahnarzt hatte mir eines seiner furchtbaren Werkzeuge bei meiner letzten Behandlung mit dem Ratschlag überreicht, die provisorische Krone einfach herauszuhebeln, falls der Unterdruck im Flugzeug zu groß und die Schmerzen unerträglich werden sollten. Dabei zeigte er mir im Spiegel, wo der Haken anzusetzen ist.
»Das müssen Sie als Gepäckstück aufgeben«, sagt der Kontrolleur im Befehlston und reicht mir eine Tüte, die für solche Fälle schon bereit liegt. Meine Erklärungsversuche beeindrucken ihn nicht im Mindesten. In seinen Augen könnte ich damit das Flugzeug entführen.
Mit knurrendem Magen und trocknem Mund stehe ich an der Bordtür. Den ganzen Tag über habe ich nichts zu mir genommen, weil die Toilette im Flugzeug für mich unerreichbar sein wird.
Der Rollstuhl, mit dem ich durchs Flugzeug geschoben werden soll, sieht aus wie eine zu schmal geratene Sackkarre. Ich mag diese Dinger nicht, weil man darauf festgebunden wird wie Hannibal Lector für ein Gespräch. Die Sanitäter kennen keine Gnade, so oft ich auch versichere, dass ich bestimmt nicht herunterfallen werde. Sie fesseln mich, wie es die Vorschrift verlangt.
Die Ankunftshalle hat sich geleert. Inzwischen ist es drei Uhr morgens und die meisten Passagiere, mit denen ich zusammen eingetroffen bin, sind von ihren Freunden und Verwandten abgeholt worden. Nur ein paar leer ausgegangene Taxifahrer geistern noch umher. Einer von ihnen steht vor mir und beobachtet mich aufmerksam. Er trägt ein weites, knielanges Gewand, dazu ein rot kariertes Beduinentuch, das er sich locker über den Kopf gelegt hat.
»You go Dimash!« Sein Angebot, mich in die Stadt zu bringen, gleicht eher einem Befehl, gestützt von der Hoffnung auf ein erstes Geschäft, während er mit einer Hand in eine unbestimmte Richtung weist.
Mit dem Stöpsel der Luftmatratze im Mund kann ich nicht antworten und bedeute ihm mit einer Geste abzuwarten. Endlich ist genug Luft drin, ich kann wieder sprechen und erkläre dem Mann, dass ich erst morgen nach Dimash, wie die Damaszener ihre Stadt nennen, fahren werde. Ich füge noch ein »Sorry« hintendran, denn seine Enttäuschung ist offensichtlich.
In einer ruhigen Ecke des Flughafens versuche ich es mir bis zum Morgengrauen so gemütlich wie möglich zu machen. Denn erst nach dem Versprechen, niemals nachts zu fahren, hat meine Frau Angelika mir ihr Einverständnis zu dieser Reise gegeben. So wurde die Fahrradlampe zu sinnlosem Ballast, den ich getrost zu Hause lassen konnte.
Mit dem aufgeklappten Schlafsack auf der Luftmatratze sieht mein Bett sogar richtig einladend aus. Nur die Umgebung verspricht nichts Gutes. Das nächste Flugzeug erreicht Damaskus in zwei Stunden und dann wird es hier wieder laut. Der rot betuchte Taxifahrer steht immer noch da. Vermutlich gibt es hier nichts Interessanteres, als mir zuzuschauen, wie ich vom Rollstuhl auf die Luftmatratze und in den Schlafsack krieche. Als ich mich hinlege, sage ich zu ihm: »sabâh al-chair«, guten Morgen (was gute Nacht heißt, fällt mir gerade nicht ein), und drehe mich um.
Doch an Schlaf ist kaum zu denken. Aufgeregt wie ein Kind am Heiligen Abend kann ich das Morgengrauen gar nicht erwarten. Meine Vorfreude wird allerdings getrübt durch dunkle Gedanken, wenn ich die Augen aufschlage und überlege, wie einfach es für Verbrecher wäre, mich hier, in der verlassenen Ecke der Flughafenhalle, auszurauben. Plötzlich kehren all die Unkenrufe in mein Gedächtnis zurück, die ich immer als unbegründet beiseite gewischt hatte: Wie hieß es noch, als wir bei Bekannten zu Besuch waren? »Du bist doch völlig wehrlos, wenn dir einer an den Kragen will!« – »Die fanatischen Moslems sind unberechenbar!«
Meine Gegenargumente, an das Gute im Menschen zu glauben, erscheinen mir mit einem Mal blauäugig. Sollte ich die Gefahren falsch eingeschätzt haben? Auch Angelika hatte aus verständlichen Gründen ein ungutes Gefühl. Dennoch ließ sie mich ziehen und bewies damit ihre Toleranz und die Bereitschaft, Mehrbelastungen, die etwa durch die Betreuung unserer Kinder entstehen, in Kauf zu nehmen. Ein neuer Diavortrag über Syrien, Jordanien und den Iran stellt nach der Reise auch eine neue Einkommensquelle für uns dar. Doch bis dahin bleiben die Ungewissheit und ihre Angst um mich.
Ach was, sage ich schließlich zu mir selbst, statistisch betrachtet sind die Moslems keine größeren Verbrecher als die Christen. Und für den Fall, beraubt zu werden, nehme ich mir vor, kooperativ zu sein.
Eine Stunde später, um sechs Uhr bei Sonnenaufgang, verlasse ich mein Nachtlager und rolle Richtung Damaskus. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Absolut lesenswert!, 29. Dezember 2007
Auch in seinem zweiten Buch zeigt Andreas Pröve seinen Leser die bereisten Länder und vor allem ihre Bewohner von einer Seite, die wohl kein "normaler" Tourist erleben kann. Dadurch, dass er mit seinem Rollstuhl unterwegs ist, kommt es immer wieder zu ganz besonderen Begegnungen, die uns den Orient von einer ganz unbekannten Seite zeigen.
Man kann dieses Buch nur schlecht zur Seite legen und wer die Möglichkeit hat, sollte sich auch auf jeden Fall einmal einen seiner Dia-Vorträge ansehen. Seine lebendigen Schilderungen bringen den Zuschauern seine Reisen noch näher.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ein wunderbares Buch, 2. September 2008
Andreas Pröve ist ganz bestimmt ein sehr außergewöhnlicher Mensch, der eine unglaubliche Lebensfreude ausstrahlt. Ich hatte ihn im Fernsehen gesehen und mich sofort entschlossen, seine beiden Bücher zu lesen. Und wurde nicht enttäuscht. Dieses Buch liest sich so weg, es macht Mut und es ist auch sehr informativ.
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