Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kluftinger, Zwetschgendatschi und die Allgäuer Sagenwelt!, 29. Januar 2008
Die Autoren Klüpfel und Kobr scheinen Genussmenschen zu sein: Nachdem im ersten Allgäu-Krimi der Kommissar Kluftinger-Reihe in aller Ausführlichkeit die richtige Zubereitung von Kässpatzen erörtert wurde, erfährt man im zweiten Buch der Reihe eine Menge über den einzig wahren Zwetschgendatschi, bei dessen richtiger Zubereitung man auch eine Menge falsch machen kann...
Neben den Scharmützeln mit Intimfeind Dr. Langhammer, im Gegensatz zum Mittfünfziger Kluftinger eine durchtrainierte, gesundheitsbewusste Frohnatur, machen diese kulinarischen Betrachtungen einen großen Teil des Reizes aus, den die Allgäu-Krimis haben.
Kluftinger ist so herrlich menschlich: Sparsam und heimatverbunden wirkt er immer ein bisschen schwerfällig, um dann im genau richtigen Moment auf die unkonventionellsten Lösungen zu kommen.
Dieses Mal hat er es mit einem besonders perfiden Verbrechen zu tun: Die sehr sorgfältig drapierte, ja nahezu inszenierte Leiche eines Reiseunternehmers, der sich auf Kaffeefahrten spezialisiert hat, gibt Kluftinger und seinem Team viele Rätsel auf. Während der sich mühsam hinziehenden Ermittlungen geschieht ein zweites Verbrechen: Eine umstrittene Gynäkologin kommt ebenfalls zu Tode. Auch hier haben die Kriminalisten den Eindruck, sie müssten das Verbrechen "lesen". In der Tat finden sich dann Hinweise in der Allgäuer Sagenwelt, die allmählich das Dunkel erhellen...
"Erntedank" ist ein sehr solider Kriminalroman. Er lebt von den sorgfältigen Schilderungen und liebenswerten Anspielungen auf die Macken des Kommissars. Doch dieses Mal ist nach etwas zähem Beginn auch die Krimihandlung spannend, beziehungsreich und originell.
Und das Schöne ist: Irgendwie wächst einem Klufinger ans Herz...
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26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Liebenswert, allgäuerisch, kultig!, 13. August 2006
Nach dem ersten Band nun also der zweite Fall aus dem Allgäu.
Das Zusammenspiel zwischen einem Krimi und der kultigen allgäuer Lebensweise wird auch hier treffend formuliert.
Nahtlos geht der Kommissar in die zweite Runde, schön sind hier die kurzen Anspielungen auf den ersten Fall.
Auch werden hier wieder die Orte des Geschehens nicht zu ausschmückend, aber denoch sehr gut erkennbar dargestellt.
Wenn da nicht die übel zugerichteten Leichen wären, könnte man meinen man sei mit einer Biographie eines durchschnittlichen Allgäuers, wie es deren viele gibt, beschäftigt.
Bis auf ein, zwei Stellen ist der Krimi sehr spannend und kurzatmig geschrieben. Die Idee mit dem Mörder und seinem Motiv ist vielleicht nicht neu, aber in meinen Augen sehr gut umgesetzt und wirkt mit der allgäuer Umgebung sehr erfrischend und lebendig.
Absolut kultig und realistisch werden der Hr Lodenbacher und Fr Henske beschrieben, die uns Allgäuer immer einen Schmunzler entlocken.
Also weiter so und ich freue mich auf weitere Fälle!!!
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34 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Erstklassiges aus dem Wilden Allgäuer Westen, 13. Februar 2008
Zwar beäuge ich Krimis mit Lokalkolorit ein wenig misstrauisch, aber es gibt auch gute, sogar sehr gute, wie zum Beispiel diesen hier.
Auch wenn die ein wenig gehbehinderte Handlung gelegentlich etwas langsam vorankommt -- Lokalkolorit und vor allem Haupt- und Nebenfiguren dieses Krimis müssen hier nicht als Gehwägelchen für die Handlung herhalten.
"Erntedank" würde ich auch dann empfehlen, wenn er keine Handlung hätte. Die Haupt- und Nebenfiguren sind nämlich allein schon die Lektüre wert. Und eine insgesamt ordentliche Krimihandlung gibt's obendrein.
Im beschaulichen Allgäu hat es der bodenständige, behäbige Kommissar Kluftinger mit einem Mord, ja sogar einer Mordserie jener Art zu tun, wie ihn die Sensationspresse liebt: Die Leiche wird an sagenhaltigem Ort gefunden, und zwar sagenhaft spektakulär drapiert, mitsamt ebenfalls toter Krähe obendrauf. Anscheinend war buchstäblich ein Sensenmann am Werk, und die Ergebnisse von dessen Arbeit hätten auch einen strapazierfähigeren Magen herausgefordert als den Kluftinger'schen. Und es bleibt nicht bei dem einen Mord: Bald nachdem der Tote identifiziert ist -- es handelt sich um einen halbseidenen Kaffeefahrten-Unternehmer mit gutbürgerlicher Fassade -- stellt sich heraus, dass er mindestens das zweite Opfer einer Mordserie ist. Der Mörder ließ gewissermaßen einer Dame den Vortritt, und zwar einer Frauenärztin, die einige Zeit zuvor als "Abtreibungsärztin" bekannt war.
Im ersten Moment verbindet die beiden Opfer nichts außer geschickt vom Mörder plazierten Hinweisen auf Brentanos "Es ist ein Schnitter, der heißt Tod". Jede Strophe ein Mord? -- Alles weist darauf hin, dass hier einer mit der Polizei Katz und Maus spielen will, dass er die Polizei vorführen will. Ein intelligenter Mörder also, der sich für allzu überlegen hält, und dem seine Eitelkeit ein Bein stellen könnte. Das jedenfalls hoffen Kluftinger und seine Kollegen.
All die außergewöhnlichen Umstände bedeuten für die Kemptener Polizei viel Fieselarbeit bei der Suche nach brauchbaren Spuren im Umfeld und in der Biographie der Opfer. Und um die Allgäuer Sagen müssen sie sich auch noch kümmern, denn die scheinen den Mörder irgendwie zu motivieren. Da Serientäter meistens weitermachen, ist obendrein Eile geboten, bei aller Gründlichkeit. Und wie sich's für Krimis mit Serientätern gehört, kommt es am Ende zu einem Showdown, allerdings zu einem Showdown Allgäuer Art, im Wilden Allgäuer Westen.
Wie gesagt: Die Handlung hat noch etwas Potential nach oben, kann sich aber sehen und vor allem lesen lassen. Freilich sind einige Elemente aus der Krimi-Requisite im Einsatz, die der geübte Krimileser auch in Allgäuer Tracht wiedererkennt, aber das macht nichts; das gehört schließlich dazu, dass dem Leser eher etwas schwant als den Ermittlern.
Was das "lesen" angeht -- auch am Stil ließe sich noch feilen. Nicht nur stört, dass die beiden Autoren anscheinend von der grassierenden "scheinbar/anscheinend"-Seuche angesteckt sind. Viel nervenzehrender als die Spannung ist nämlich oft der Autoren Freude am geschachtelten Relativsatz und dessen Gefreunden -- das erinnert weniger an Kässpatzen als an käseverpappte Spaghetti-Konvolute. Und um das Thema abzuschließen: Zwar lernt man im Deutschunterricht, dass man nicht immer dieselben Wörter verwenden soll, aber die allzu eifrige Verwendung des Synonymwörterbuchs sorgt wiederum für unfreiwilligen Humor: Bevor man über "Teppiche der kleinen schwarzen Früchte" schwadroniert, sollte man doch besser von Heidelbeeren reden.
Die lässlichen Autorensünden darf man aber nicht überbewerten, denn über und rundherum um die geheimnisumwitterten Serienmorde herrscht ein bestechend herausgearbeitetes Lokalkolorit mit allen Schikanen, allen voran der Kluftinger. Zwar würde ich ihn nicht mit Columbo vergleichen (dessen Charakter und Methoden ähneln die Kluftinger'schen nicht, und die Krimis um Columbo sind außerdem ganz anders aufgebaut), aber die beiden könnten es miteinander: Kluftinger ist bodenständig, kennt seine Landsleute und weiß mit ihnen umzugehen, auch sein Privatleben ist Allgäu-geprägt; man kann es sich gut vorstellen. Auch die andern Figuren werden plastisch in Wort und Tat: Kluftingers Kollegen Strobl, Hefele und Maier haben ihre detailliert gewürdigten, mehr oder minder liebenswürdigen Macken, und vor allem haben sie Charakter. Das gilt auch für die medizinische Autopsie-Abteilung, und ganz besonders gilt es für die propere, dezent sächselnde gewitzte Sekretärin, "das Fräulein Henske". Der niederbairische, weniger gewitzte Chef Lodenbacher wiederum grenzt schon fast an seine eigene Karikatur, aber zum Glück nur fast. Und die Dialekt-Einlagen sind gut in die Handlung eingepasst, wirken nie aufgesetzt oder übertrieben, sondern würzen das Lokalkolorit.
Das eigentliche Filetstück in der skurrilen Figurenschar allerdings ist der Doktor Langhammer samt Gattin, eine Kulturschnepferei ersten Ranges, heiße Anwärter auf die Goldene Nervensäge am Bande. Dass Kluftingers Frau von den Langhammers hingerissen ist, beschert dem armen Kluftinger einigen Kummer und unerfreuliche Abendeinladungen. Auch wenn diese selbsternannten Kulturtragenden eigentlich nichts mit der Handlung zu tun haben: Ohne sie würde etwas Wichtiges fehlen, und ich hätte unterm Lesen nicht so oft in der Eisenbahn laut loslachen müssen.
Irgendwie sind sie nämlich alle, die hier genannten und die ungenannten, ganz, ganz nah am richtigen Leben. Und deswegen gibt's als Zugabe mittendrin im "Erntedank" einige erstklassige Slapstick-Einlagen wie im richtigen Leben, die sich zwanglos aus den markanten Charakteren ergeben: Kluftinger und Hefele im uneingestandenen Clinch mit dem Dienst-Computer etwa, die bemerkenswerten Vornamen gutbürgerlicher Leute Kinder, die Leiden am Wasserrohrbruch -- oder Kluftingers Abenteuer im "Lifestyle"-gemäßen neuen Kempener "Erlebnisbad".
Darüber vergisst man dann ganz, dass man eigentlich einen ordentlichen Krimi liest, und das ist gut so...
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