Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine wahre Fundgrube und Schatzkiste nicht nur für gläubige Menschen, sondern auch für Suchende und Zweifelnde, 3. Dezember 2007
Alois Weimer, 1930 geboren, hat sein ganzes Berufsleben lang gelehrt, zuletzt als Studienleiter am Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen. Seine Vorliebe und Leidenschaft galt und gilt der Theologie, besonders der von Augustin und der mittelalterlichen Dichtung, über die er sich auch habilitierte. Er erweiterte sein Interesse bis in die Theologie und Dichtung der Gegenwart und legt nun als Pensionär ein Buch vor, das eine wahre Fundgrube und Schatzkiste ist nicht nur für gläubige Menschen, sondern auch und gerade für Suchende und Zweifelnde.
Er hat, in sieben Zeitabschnitte unterteilt, "Gebete der Dichter" ausgewählt und vor jeden Abschnitt eine knappe, aber sehr lehrreiche Einführung über die Theologie, die Gesellschaft und die Lyrik der jeweiligen Zeit gestellt.
In seinem Vorwort gibt Weimer Zeugnis von seinem Gebetsverständnis, das man nicht teilen muß, um das Buch zu schätzen, das aber manch hoffnungslos gewordener Seele und manch zweifelndem Geist wieder zu einem absolut vernünftigen Verständnis von Gott zurückführen könnte:
"Heute spricht man von 'beten', wenn ein gläubiger Mensch sich, entsprechend seiner jeweiligen Situation, mit Dank, Lob, Bitte, Bekenntnis, Klage oder gar einem Fluch an eine höhere Macht wendet, von der er sich abhängig glaubt. Im christlichen Raum sind die Gesprächspartner Gott in drei Personen: Vater, Jesus Christus und Heiliger Geist; Maria, die Gottesmutter, Engel und Heilige, auf der anderen Seite steht der gläubige Beter allein oder in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Die Formen und Formeln des Gebets sind so vielfältig wie die Anlässe, bei denen sie gesprochen werden. Alle Beter aber holen den Himmel auf die Erde, überwinden damit gleichzeitig die Erdgebundenheit und drängen zum Göttlichem empor.
Gelingt das Gebet, das heißt, wird Gott zum Bezugs- und Mittelpunkt des Lebens, dann wird Gott zum Partner: Der Beter erfährt, wer er ist, wo er steht und wohin er sich wenden kann. Er erlebt Gott als den ganz Nahen, Liebenden, Heilenden und manchmal auch als den Zürnenden und Strafenden, und er versteht die Welt und die Mitmenschen in ihren Nöten und Freuden, in ihrem rastlosen Streben und Wirken und sich selbst in dieser Unübersichtlichkeit im Dialog mit Gott. Natürlich kann dieser Dialog, so unnatürlich es auch klingen mag, mit und in Schweigen geführt werden; die Mystiker gehen diesen Weg. Sie üben sich ein ins heilige Schweigen, um sich so mit dem Ungreifbaren, dem Göttlichen zu vereinen.
Doch in der Regel wird mit Worten gebetet. Dann rückt das Wort die Ferne in Nähe, gibt dem Unfassbaren Gestalt, nennt das Unsagbare, zeigt im Endlichen das Ewige und berührt neben dem Verstand vor allem das Herz, das unruhig schlägt und durch das Wort im Dialog mit dem Unendlichen Ruhe findet. Solche Worte brauchen die Christen, vor allem heute in dürftiger Zeit."
Die Auswahl der Gedichte, die er aus 12 Jahrhunderten als einen Ausdruck dieser Suche nach der Seelenruhe getroffen hat, soll nicht kommentiert werden. Sie ist sicher subjektiv, vermittelt aber einen guten Überblick über die Lyrik der jeweiligen Epoche. Absolut lesenswert sind die schon erwähnten Einführungen in die Epochen, die viel zu einem vertieften Verständnis beitragen.
Eines der modernen Gedichte soll als Beispiel zitiert werden für die Suche der Dichter nach Gott, als laut gewordene Stimme von so vielen stumm Gewordenen oder Gemachten:
Ernst Jandl
AN GOTT
dass an gott geglaubt einstens er habe
fürwahr er könne das nicht sagen
es sei einfach gewesen gott da
und dazwischen sei gar nichts gewesen
jetzt aber er müsste sich plagen
wenn jetzt an gott glauben er wollte
garantieren für ihn könnte niemand
indes vielleicht eines tages
werde einfach gott wieder da sein
und gar nichts gewesen dazwischen
Ein ausführliches Autorenverzeichnis und ein detailliertes Textverzeichnis laden ein zur Weiterbeschäftigung mit Autoren und ihren Texten.
Dieses Buch gehört in jede öffentliche und erst recht in jede kirchliche Bücherei.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gott sei Dank - auch wenn es dich nicht gibt..., 18. November 2007
Vorliegender Band ist eine Anthologie deutscher Lyrik von den Anfängen bis heute und versammelt lyrisches, welches den ehren soll, an den sie, unsere Sprachkünstler, so oft nicht glaubten oder woran sie eben genau gelitten haben.
Es ist der noble Verdienst von Alois Weimar, dem Herausgeber, dass er nicht nur Oden mit hinein brachte, sondern auch flehende, bittende, weinende, schicksalergebende und suchende Gedichte.
Wir haben hier die Möglichkeit an einem wesentlichen Teil deutscher Kulturgeschichte beteiligt zu sein.
Der Dichter, immer schon der irgendwie abseits stehende, aber doch die Wahrheit verkündene, gibt hier Einblick in sein intimstes. Sein denken über das Ewige, das Schöne und Gute.
So sollte man es auch verstehen, denke ich. Es ist nicht immer, wenn auch doch, das explizite Gebet, welches der Dichter hier verfasst hast, sondern es ist auch das Ringen um Wahrheit. Ein Ringen um sich und sein Selbst. Seine eigene Ein- und Zuordnung in das Große und Ganze.
Das Buch selbst ist sehr schön gestaltet in einem elfenbeinweißem Einband mit Schutzumschlag. Die Typografie unterscheidet sich - Gott sei Dank - sehr von sonst üblichen Veröffentlichungen solcher Art. Man merkt dem Ganzen eine sorgsame Vorarbeit an und das Layout ist durch die vom Dichter vorgegebene Stellung der Sätze geprägt.
Ich kann nichts bemäkeln.
Alle klassischen Autoren sind drin und ebenso viele Neue. Meist mit Texten die nicht in der Weise bekannt sind, wie es andere Anthologien haben. Was dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz gibt.
Zudem gibt es neben einem schönen grünen Lesebändchen auch literaturhistorisches nach Epochen vorangestellt. Auch nett!
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