Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Leere des Lebens, 1. September 1999
Von Ein Kunde
Es ist Bret Easton Ellis' Technik, den Leser zu Beginn in eine unwiderlegbare Normalität zu versetzen und ihn nach und nach spüren zu lassen, daß er sich mitten im Ungeheuerlichen befindet. Diese Bewegung durchzieht das ganze Buch, in dessen letzten Kapiteln Vampire und Außerirdische auftreten, ohne sonderlich zu verblüffen, obwohl der Ort der Handlung noch immer das L.A. der achziger Jahre ist. Außerdem wird diese Entwicklung in jeder Geschichte nachvollzogen. Zum Beispiel in den "Briefen aus L.A.", in denen ein lebenslustiges Mädchen sich ohne es zu merken völlig verwandelt, bis sie so abgebrüht wird, daß es einem gruselt. Ellis' Thema ist die Unfähigkeit der modernen Menschen, irgendeine Beziehung aufzubauen, seine Protagonisten versinken in nur von Sex und Gewalt durchbrochener Apathie. Das betrifft den Rockstar auf Japan-Tournee, dessen Ausbrüche von den Produzenten vertuscht werden genauso wie den Manager, der mit seinem Sohn nach Hawaai in den Urlaub fliegt, und der die Tatsache, daß beide miteinander keinen Satz von Bedeutung wechseln können, nur durch die ständige Zufuhr von Drinks erträgt. America takes drugs in psychic defense. Das schlimmste an diesen Geschichten ist, daß man ihnen nicht entkommen kann, sie beschreiben genau das, was man täglich im Fernsehen und in den Illustrierten sieht, nur daß man dort vor den Schlußfolgerungen bewahrt wird. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
|
|
|
15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Die schriftstellerische Blutarmut nach American Psycho, 3. April 2002
Bret Easton Ellis viertes Werk ist eine Sammlung von Kurzgeschichten deren Handlungen größtenteils in L.A angesiedelt sind und die teilweise geschickt miteinander verwoben sind. Wieder sind die achtziger Jahre das zentrale Thema, die vielleicht oberflächlichste Dekade unseres Jahrhunderts. Doch während Ellis dieses Thema in American Psycho auf einen satirischen und bis dahin nicht erreichten bitterbösen Höhepunkt getrieben hat, verließ ihn bei "Die Informanten" scheinbar der Mut. Vielleicht lag es am Sturm der Entrüstung den der Vorläufer entfacht hat oder an der lauten Kritikerschelte. Wer weiß ? Anders läßt sich jedenfalls kaum erklären das die Story's teilweise recht langatmig daherkommen und der gewohnte Sarkasmus sowie der sezierende Scharfblick nur selten aufblitzen. Sicher, die eine oder andere Geschichte ist unterhaltsam und läßt mehr erahnen; aber wer American Psycho oder Glamorama gelesen hat weiß das er es besser kann, sehr viel besser.
|
|
|
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Reichtum, Drogen, Dekadenz, 2. Dezember 2003
"Die Informanten" sind 13 Kurzgeschichten aus Malibu und Beverly Hills, die etwa 1982-84 stattfinden. Die Männer sind Filmbosse, berühmte Regisseure oder Musiker, jedenfalls nie zuhause. Die reichen, vernachlässigten Ehefrauen langweilen sich, halten sich vielleicht einen Surfer als Liebhaber, und greifen ansonsten schon beim Aufstehen zu Valium und Librium. Die Kinder sind entsprechend. Reich, voller Drogen, Dekadenz und Langeweile, lebt diese saturierte Gesellschaft gleichgültig vor sich hin. Man hat alles und sollte eigentlich glücklich sein, doch es fehlen Ziele, die man noch erreichen will, es gibt keine Träume, keinen Kampf mehr. Es kommt zu derbsten sexuellen Ausschweifungen im Drogenrausch. Die Zustände sind skurril. Interessant sind u.a. die Briefe des netten Kleinstadtmädchens Anne, dass nach L.A. zieht: innerhalb weniger Monate verändert sie sich und passt sich dieser emotionslosen Gesellschaft an - der Tod ihres besten Freundes lässt sie am Ende völlig kalt, ist gerade einen Nebensatz wert.Ein Leben in der Sinnlosigkeit, ein düsteres Buch. Die Geschichten sind Ausschnitte aus diesem Leben, fangen irgendwo an, und hören teils mittendrin auf - doch es reicht, was man gesehen hat. Sie erzählen von scheinbar banalen Vorgängen wie einem Mittagessen, einem Urlaub oder einem Gespräch in der Bar, doch überall scheint die zerrüttete innere Leere durch. Immer wieder Gedanken an Selbstmord oder, fast als Erlösung, der Tod eines Bekannten. Zum Ende hin zieht das Böse dann stark an. Sind die ersten Geschichten noch eher ein lethargisches Dahindümpeln, bekommt man zum Ende hin einen Vorgeschmack auf den sadistischen "American Psycho", Ellis Meisterwerk. Alles in allem ein sonderbares, faszinierendes Buch einer entrückten Welt. Allerdings so düster, dass ich es nur sehr begrenzt für Jugendliche geeignet halte.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|