Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Trotzdem sehr lesenswert, 22. September 2008
Danny Skinner ist Anfang zwanzig, sieht gut aus und hat einen lockeren Job - für die Stadtverwaltung inspiziert er Kneipen und Restaurants. Das kommt seiner Leidenschaft, der Sauferei, ziemlich entgegen. Danny trinkt gerne, täglich und große Mengen. Das kostet ihn einiges, zum Beispiel seine Freundin Kay, die er eigentlich liebt, aber nicht so sehr wie den Alkohol. Dann tritt Brian Kibby auf den Plan. Der schüchterne, schmale Strebertyp verbringt seine Freizeit auf Star-Trek-Conventions, mit einer Art Pfadfindergruppe oder dem Videospiel "Harvest Moon", hatte noch nie Sex und trinkt nicht. Danny entwickelt eine fundamentale Aversion gegen den neuen Kollegen, kann sich aber nicht so recht erklären, wie sich der enorme Hass speist, den er empfindet. Brian hat nichts, auf das Danny neidisch sein müsste, ganz im Gegenteil schleppt der promiske Trinker sogar noch die hübsche Kollegin ab, auf die Brian ein Auge geworfen hatte. Am Morgen nach einer wirklich heftigen Nacht stellt Danny dann verblüfft fest, dass die üblichen Nachwehen der Alkohol- und Drogenexzesse nicht einsetzen. Stattdessen sitzt der arme Brian völlig zerschlagen an seinem Schreibtisch, als hätte er eine ganze Brauerei leergesoffen. Zufall? Eher nicht. Während Danny nunmehr Nacht für Nacht Sauereien aller Art auf die Spitze treibt, erwacht er immer wieder frisch und erholt, während Brians Gesundheitszustand alsbald bedenkliche Formen annimmt. Irgendein Fluch oder Voodoo-Zauber bewirkt, dass der schmale Kollege die Last von Dannys Exzessen tragen muss. Nur: Warum? Und: Wie wird es enden?
Hinter alldem steht möglicherweise die Kernfrage, die sich Danny fortwährend stellt, die nach der eigenen Herkunft nämlich. Seine Mutter Beverly lässt ihn über die Identität seines Erzeugers im Ungewissen, aber Danny ahnt, dass sie mit den Köchen in einem damals sehr beliebten Pub, in dem Beverly gearbeitet hat, zu tun haben muss. Einer von diesen Köchen, inzwischen mit Michelin-Sternen beglückt, ist sogar ein sehr aussichtsreicher Kandidat. Aber auch das neueste Buch dieses Sternekochs, "Die Bettgeschichten der Meisterköche", liefert keine schlüssige Auskunft.
Welshs neuer Roman beginnt träge, fast zäh, und man fragt sich als Leser lange, worum es eigentlich geht. Die Szenen sind zwar anschaulich, durchaus tiefgründig und zuweilen ziemlich amüsant be- und geschrieben, und im Gegensatz zu früheren Büchern fehlt die brachiale Gossensprache fast (aber nur fast) völlig, aber es dauert bis zum Ende des ersten Drittels, bis die Handlung langsam in die Gänge kommt. Dann aber wird es ... ja, was eigentlich? Spannend durchaus, und interessant auch, liefert Welsh doch eine intensive Milieustudie über das saufende Edinburgh. Die Entwicklung des rasant verfallenden Brian Kibby schmerzt und wird fast quälend anschaulich beschrieben. Man hofft auf eine Veränderung, Verbesserung, und es wird stattdessen immer noch schlimmer, bis hin zur Lebertransplantation. Das alles ist gut gelungen, wie auch die Figurenzeichnung - angefangen bei Kibbys frömmelnder Mutter, die ihm aus therapeutischen Gründen das Onanieren verbietet, bis hin zu Skinners Vorgesetzten - stimmig ist und nur bei Skinner selbst, der sich gelegentlich als Feingeist zeigt, etwas merkwürdig ausfällt. Das Buch schafft es, mit jeder Seite mehr zu überzeugen, fesselt nachgerade, auch wenn es manch einen logischen Fallstrick und überflüssig scheinende Entwicklung gibt (etwa Dannys Amerikareise). Das Ende allerdings hinterlässt den Leser dann wieder so verwirrt, wie er es am Anfang möglicherweise war. Viele offene Fragen - oder Antworten, die sich in Andeutungen verlieren. Das ist schade, hatte man doch zwischendrin oft den Eindruck, einen gereiften, dramaturgisch gefestigten Welsh vor sich zu haben, der es endlich geschafft hat, seine wunderbaren Underdog-Biographien mit einer originellen und schlüssigen Rahmenhandlung zu verbinden. Das ist nicht ganz gelungen, leider. Und auch dieser Welsh ist wieder gute hundert Seiten zu lang. Trotzdem sehr lesenswert, mit fein herausgearbeiteten Charakteren, viel Witz, genauer Beobachtung und authentischen Dialogen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Nicht ganz der gute alte Welsh..., 26. Mai 2008
Mit dem neuen Buch von Irvine Welsh ist es eigentlich wie mit dem Genuss einer Flasche Whisky. Zuerst lecker, dann wärmend, dann wird einem schwindelig und am Ende...
DAS IST TOLL:
Als großem Freund der Welshschen Ergüsse ist natürlich die anspruchsvolle Erzählweise auffällig, in der aus ständig wechselden Perspektiven die Figuren sprechen. Die Atmosphäre, sei es wie eh und je Edinburgh oder diesmal auch kurz San Francisco, ist dicht und spürbar. Fussballprügeleien, Songanspielungen, Exzesse jeglicher Art und herrliche-ironisch-komische Dialoge gespickt mit den Welsh-typischen F-Worten. Die alles beherrschende Droge heißt hier nicht Heroin, sondern Alkohol. Die Figuren sind wie immer einzigartig. Die Handlung ist an für sich bis zu Ende spannend, aber...
DAS IST SELTSAM:
...gerade die harte, bedrückende, drogengetränkte, schottische Realität, durch die sich alle anderen Büchern von Irvine Welsh auszeichnen lässt Welsh durch einen für seine Verhältnisse völlig abstrusen Handlungsfaden in ziemlich alberne und unpassende Fiktion abdriften... Das kennt man bisher so von Welsh nicht. Schade außerdem: wie eigentlich üblich, diesmal kaum Querverweise auf andere Romane.
ALSO:
Für Fans sicherlich ein Muss. Für Einsteiger bieten sich andere Bücher von Welsh wie "Drecksau", "Klebstoff" oder natürlich "Trainspotting" sich eher an.
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17 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Durchgeknallte Jugendszenen im Leben des Danny Skinner, 8. Juli 2008
Irvine Welsh Die Bettgeschichten der Meisterköche
Kiepenheuer und Witsch ISBN 3462039830
Skinner ist ein netter Junge, aber er hat viel Kummer.
Seine Freundin verlässt ihn, an seiner Mutter hängt er, und seinen Vater sucht er.
Durch Alkohol, Drogen und wilde Besäufnisse frisst sich die Geschichte vor, die den poppigen Stil ausgeflippter Jugendlicher einfängt.
Abstrus und skurril nimmt die Erzählung einen Gang, in der es um die Liebe, um Freiheit, Zugehörigkeit und die Suche nach Identität geht. Eingepackt ist das Ganze in eine Jugendsprache, deftig und kräftig, die leicht durchgeknallt wirkt.
Warum eigentlich Bettgeschichten? Einer von vielen Meisterköchen hat sich der Aufgabe gewidmet, mit welchen Gerichten man am besten verführen kann,--daher also!
Danny Skinner ist Kontrollinspekteur von Restaurants. In seinem Job und in seiner Freizeit trifft er Kollegen und alte Freunde. Es wird viel getrunken, geneckt und herumgehangen. In den Gesprächen geht es um die Frauen, um die Wochenenden und die Erwartungen an das Leben. Und Danny ist auf der Suche nach seinem Vater, denn die leere Stelle in seinem Leben ist ein Dauerbrenner des Frusts für ihn.
Sein neuer Kollege Brian Kibby stößt Danny sauer auf. Gerade durch ihn aber wird der Plot zu einem echten Thriller, spannend, sarkastisch und abenteuerlich verwirrend.
Welsh trifft den Geschmack bestimmter Jungendgangs, die sich in seinen Figuren wieder finden werden. Schottischer Humor gepaart mit Zeitgeist bietet die richtige Mischung für einen amüsanten und lustigen Abenteuer- und Familienroman. Jedermanns Geschmack trifft diese Gesellschaftsstudie sicher nicht.
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