Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Shakespeare enfant (Victor Hugo), 31. August 2005
Rimbaud wurde 1854 geboren und starb 37jährig im Jahre 1891. Seine Schaffensperiode betrug 4 Jahre, beginnend mit 15 Jahren. Dann überwog die Zeit des Broterwerbs, welches ihn in die Welt brachte. Seine Zeitgenossen waren Stephan Mallarme, ein Symbolist, Paul Verlaine, bei dem er in jungen Jahren wohnte und später Paul Valery. "Shakespeare enfant" nannte ihn Victor Hugo.
Rimbaud, eine Wunder der Exzentrik, der nichts von vor gedachten oder vorformulierten Regeln hielt. Sein junges Leben, geprägt in dem Zeitgeist dieses Jahrhunderts, geprägt von den nachrevolutionären Wirren und dem aufkommenden Naturalismus z.B. eines Emil Zola oder J.J. Rousseau und der unkonventionellen Art und Weise des Dandys Charles Baudelaire.
Seine Gedichte sind ein Meisterwerk. Erkannt wurde dieses erst posthum in voller Größe. Heute ist Rimbaud nicht mehr aus dem Schatz französischer Lyrik wegzudenken. Er hat in Anlehnung und mit Baudelaire die freie Form der Lyrik entworfen. Er hat die Bilder des Lebens, der Umgebung und der Natur zu lyrischen Gesprächspartnern erhoben, sie gleichgesetzt für den Vergleich einer menschlichen und dinglichen Welt. Seine Bilder entstehen im Vorbeigehen, sie erlangen eine sinnliche, manchmal frivole Anschaulichkeit und sind ebenso von bedrängender Realität.
Beispiele müssen nicht vorenthalten werden. Mit 15, voll in pubertären Zügen schrieb er über Empfindungen. (... ich denke nichts, ich spreche nichts: ich träume nur, unendliche Liebe gibt mir das Geleit.) "Sonne und Fleisch", ein scheinbar wirrer Zusammenhang, aber er löst sich auf bereits zu Beginn. "Die Sonne, Quell alles Lebens und brünstiger Triebe", junge Fleisches-Lust führt ihn hier die Hand. "Faunkopf" erinnert an das berühmte Prosagedicht von Stephane Mallarme. Er sah die Welt und nahm sie zur Dichterhand, nichts scheint ihm fremd oder übersehbar. Der Krieg 70/71 taucht auf in "Das Elend" oder noch intensiver in "Der Schläfer im Tal". Oder das Erwachen einer Stadt in "Paris lebt auf" als ein Nachkriegserlebnis, eine Beschreibung der Wirklichkeit als Empfindung, so klar, drastisch, unverblümt. So, als wenn des Lebens Ende naht, "Freßt, sauft! .... Hört ich ihr sie nicht im Rausch der glühenden Nächte springen, ..." "Und grell und sinnlich brennt die Fackel toller Lüste durch die alte Nacht, ..."
Kirche und erste Kommunion werden "bedichtet", geächtet wurde Rimbaud seitens der Kirche.
Eines der besten, der bekanntesten Gedichte: "Das trunkene Schiff". Es war die Erinnerung an die Zeit Frankreichs, wo Dirnen und Verbrecher außer Landes gebracht wurden, nach Neu-Orleans in Louisiana. (Anm.: Die Liebes-Geschichte vom Chevalier Des Grieux und seiner Manon Lescaut, geschrieben 1731 von Prévost gibt ein wunderbares Zeugnis.)
Die Grenzen wurden geöffnet, die Globalisierung nahm ihren Lauf und Rimbaud sehnt sich zurück zu den Grenzen Europas als heimatlichen Hafen. So, als wenn er spürt, dass die Welt ihr Gesicht im Zuge des Erwachsenwerdens ändert. Dieses Gedicht ist nahe am Ende seiner Schaffensperiode. Der Wunsch nach Europas Begrenzung scheint gleichzeitig ein sich wehren im Erwachsenenalter gegen die Wiederbelebung der Idylle seiner Kindheit. Die Jahre des heißen, jungen Blutes gehen zu Ende, sein Weg der Zukunft ändert sich, die Idylle der Leichtigkeit, Schwerelosigkeit, des laissez faire ist vorbei. Der Verzicht auf Gedichte und Literatur ist die Folge, dass Schaffen hat ein Ende, der Broterwerb tritt in den notwendigen Vordergrund.
Eine kurze aber bis heute wichtige Schaffensperiode eines großen Dichters.
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11 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Rausch, 7. Oktober 1999
Von Ein Kunde
Kaum ein Dichtungswerk-wenn wir von Baudelaire`s Les Fleurs du Mal absehen-hatt weitreichendere Folgen für die Lyrik der Neuzeit gehabt als eben Rimbauds Schriften.Dichter wie Brecht,der sich oft auf ihn berief;Trakel,dessen Sprache ohne Rimbaud nicht zu denken-und,um die Aufzählung abzubrechen,nicht zu letzt Rilke,der vergeblich versucht zu erreichen,was diesem junge,"versoffene"Tunichtsgut in drei Jugendjahren gelang.Ein Werk das völlig neu und eigen war-und desshalb lesendswert.
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16 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
wirr und schön, 27. September 1999
Von Ein Kunde
Die grotesken, bilderreichen, teils fast erschreckenden Welten von Arthur Rimbaud lassen sich nur schwer beschreiben , deshalb: Morgenröte Ich habe die Sommer - Morgenröte umarmt. Nichts rührte sich noch an der Stirn der Paläste. Das Wasser war tot! Die Schatten lagerten noch auf der Straße durch den Wald. Im Wandern störte ich frische und laue Hauche auf , und die Edelsteine blickten mich an, und lautlose Flügel hoben sich. Das erste Abenteuer war auf dem Pfad, im bleichen Frühlicht Schimmer , eine Blume , die mir ihren Namen sagte. Ich lachte dem Wasserfall zu, der durch die Tannen niederstäubte: auf dem silbernen Gipfel erkannte ich die Göttin. Einen um den andren hob ich ihre Schleier. In der Allee mit schwingenden Armen. In der Ebene dann , wo ich sie dem Hahn verriet. In der großen Stadt floh sie zwischen den Glockentürem und Kuppeln, und wie ein Bettler auf den Marmorkais laufend, jagte ich sie........Als ich erwachte, war es Mittag.
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