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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Verstaubt - und trotzdem lustig!, 27. Juli 2002
Wir mussten "Der Zerbrochene Krug" in der Schule lesen. Na, toll. "Zerbrochener Krug", was war das denn schon? Nur ein weiteres langweiliges Buch, das der Lehrplan uns vorschrieb? Keinesfalls. Das Lustspiel Heinrich Kleists gehört zu den wenigen Lichtblicken meiner schulischen Pflichtlektüre. Die Sprache ist natürlich ein wenig angestaubt, das Buch stammt schließlich aus dem frühen 19.Jahrhundert. Aber dennoch ist es reich an Situationskomik und witzigen Dialogen. Alles beginnt damit, dass Frau Marthe Rull mit einem Fall vor den Dorfrichter Adam kommt. Es geht um einen zerbrochenen Krug, den sie gerne ersetzt haben möchte. Der Täter scheint auch schnell gefunden, doch plötzlich neu aufkommende Geständnisse und Aussagen geben der ganzen Geschichte eine Wendung und es geht auf einmal um mehr als einen bloßen Krug. Und als sich zum Schluss dann auch noch der Gerichtsrat Walter zur Inspektion einfindet, um die Verhandlung zu begutachten, geht im Gerichtssaal munter die Post ab.Man darf sich nicht von der uns etwas fremden Sprache abschrecken lassen, unter dieser Schale steckt eine durchaus unterhaltsame Geschichte, die es sich zu Lesen lohnt.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Der zerbrochene Krug, 19. Dezember 2002
Von Ein Kunde
Der priffig-robuste Dorfrichter Adam möchte das schöne Evchen verführen, das mit Ruprecht, dem Sohn des Bauern Veit Tümpel verlobt ist. Gerade aber diesen Umstand nützt der Mädchenjäger aus, indem er Evchen glauben läßt, ihr Ruprecht würde zum Heer nach Ostindien eingezogen und dürfte wohl kaum mit dem Leben davonkommen, wenn er, der Dorfrichter ihr nicht ein Dirpens-Schreiben für Ruprecht ausschreiben würde. Unter diesem Vorwand schleicht er sich nachts in Eves Kammer ein, wird aber von Ruprecht überrascht, der von draußen an die Tür donnert. Beim Sprung aus dem Fenster reißt Adam den Majolika-Krug von Eves Mutter, Frau Marthe Rull, vom Gesims. Ruprecht stürmt herein, vermag dem Springenden, der die Perücke verliert, noch mit der Türklinke eins über den Schädel zu schlagen, springt dann nach, bekommt aber vom Fliehenden eine Handvoll Sand in die Augen, so daß er nicht weiß, wer nachts bei seiner Braut gewesen ist. Eve schweigt, weil sie Ruprecht damit vom Kriegsdienst zu retten glaubt. Der eifersüchtige Ruprecht beschimpft sie als liederliche Metze. Eve schweigt auch vor ihrer Mutter und aus dem selben Grund vor dem Dorfrichter, bei dem sie als Zeugin vernommen wird. Denn Frau Marthe Rull hat wegen ihres zerbrochenen Kruges Anklage er hoben, und ausgerechnet der Dorfrichter Adam soll nun die Sache entscheiden. Ein für ihn unglücklicher Zufall will, daß der Gerichtsrat Walter zur Inspektion im Dorf erscheint und er Gerichtsverhandlung beiwohnt. Adam wendet eine Fülle von Ausreden und Lügen an, um den Verdacht von sich abzulenken. Er beschuldigt Ruprecht, danach den Flickschuster Leberecht und tut alles, um Evchen als Zeugin durch heimliches Zureden und Drohen zu beeinflussen. Seine eigene böse Schädelverletzung erklärt er ebenso durch Lügen wie seine fehlende Perücke ...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Richter als Angeklagter, 8. Februar 2008
Den Ansatz für das Lustspiel Der zerbrochene Krug" bot Kleist ein französischer Kupferstich aus dem 18.Jhd.
Es fing alles an mit einer Art Wettstreit. Zu dritt betrachteten die Literaturkundigen das Gemälde. Einer schrieb dazu eine Satire, ein anderer eine Erzählung und Kleist eben jenes Lustspiel, welches auch den Wettstreit gewann. Auf dem Kupferstich zu sehen ist ein Richter auf einem hohen Richterstuhl, eine Frau als Klägerin mit einem zerbrochenen Krug (daher der Titel) , deren Tochter als Zeugin, jedoch mit merklich schlechtem Gewissen an der Mutter hängend, der Angeklagte, ein Bauerssohn und der Schreiber, der den Richter schief von der Seite anschaut. Der Ort ist ein niederländisches Dorf bei Utrecht, da Kleist das Gemälde auch aus diesem Land vermutete.
Die Haupthandlung findet im Gerichtssaal statt, wo der Richter Adam schon einmal viel zu spät zur Verhandlung erscheint. Er hat eine noch nicht verheilte Wunde am Kopf und einige Beulen im Gesicht. Zudem fehlt seine Perücke. Allein das macht diese Figur dem Leser gegenüber verdächtig, doch er scheint Gründe für sein Auftreten zu haben: Er wäre morgens gestolpert, obwohl die Magd erzählt, er sei am gestrigen Abend bereits mit blutüberströmtem Gesicht heimgekommen und sogar ohne seine Perücke. Seinem Schreiber erzählt Adam, die Perücke habe die Katze unters Bett gezogen und darin Junge zur Welt gebracht. Doch trotzdem muss er zum Gericht, denn der Gerichtsrat Walter vollzieht gerade an diesem Morgen seine Inspektion. Ihm legt Adam die Ausrede Vor, seine Perücke habe Feuer gefangen, als er sich beim Lesen über eine Kerze beugte. Doch mitten in der Verhandlung taucht seine Perücke wieder auf. Jemand hat sie gefunden, blutgetränkt und nicht weit vom Haus der jungen Eve. Diese tritt hier als Zeugin auf. Sie ist die Tochter der Klägerin und mit dem angeklagten Bauerssohn verlobt. Beziehungsweise sie war es, denn seit sie nicht für ihn aussagen will, will er nichts mehr von ihr wissen.
Bis vor dem letzten Auftritt ist dem Leser nicht klar, in welcher Weise Richter Adam in die Sache verwickelt ist und warum Eve bis zur letzten Szene ihre Zeugenaussage zurückhält. Es geht also um mehr als nur einen zerbrochenen Krug.
Das Ende ist sehr interessant, vor allem, weil es eine Variante des letzten Auftritts in dieser Ausgabe gibt, die auch von Kleist stammt. Dabei kann man die Standartversion, die auch in den meisten Aufführungen gespielt wurde, als Kurzfassung betrachten, denn die Variante ist sehr langatmig und detailliert. Dadurch wird zusätzlich Die Komplexität des Geschehens beleuchtet und es wird ein anderer Schwerpunkt deutlich, den ich jedoch nicht vorwegnehmen möchte.
Zur Konstruktion des Werkes ist zu sagen, dass es in dreizehn Auftritte unterteilt ist (plus zwei Auftritte, welche die Variante beinhalten). Die Sprache wirkt sehr altertümlich und im ersten Moment ein wenig abschreckend, aber nach den ersten zwei Seiten hat man sich eingelesen und an den Sprachstil gewöhnt, der meistens aus kurzen Sätzen besteht oder aus Gedankenfetzen, welche sich die Figuren teilweise derart entgegenwerfen, dass es manchmal schwierig ist, den Sinn herauszufiltern. Dahingegen gibt es längere Reden, die beinahe schon poetisch klingen und nicht leicht zu lesen sind, aber zum Glück nicht zu häufig vorkommen. Andere Rezensenten bezeichneten die Sprache als ein wenig angestaubt", das Buch aber als reich an Situationstragik und witzigen Dialogen". (Quelle: amazon.de , Leserrezensionen)
Die Rezensionen zu der Uraufführung 1808 in Weimar fielen allerdings weniger positiv aus, denn obwohl Kleist großen Wert darauf legte, dass Goethe die Regie führte, ruinierte ihm dieser den Auftritt, indem er durch seine Korrekturen dem Stück alle Spannung nahm.
Kleist lies sich sehr viel Zeit mit der Vollendung des Lustspiels Der zerbrochene Krug". Er begann kurz nachdem sich 1802 Kleist`s Verlobte Wilhelmine von ihm getrennt hatte, da sie Kleist's Lebenserfüllung, die daraus bestand ein Feld zu bebauen, einen Baum zu pflanzen und ein Kind zu zeugen", nicht teilte. Daraus lässt sich schließen, dass Kleist sich im zerbrochenen Krug" am meisten mit dem Bauerssohn identifiziert hat, der vor wenigen Tagen noch über einen Heiratsantrag nachdachte und sich plötzlich von der Verlobten betrogen fühlt. Auffällig ist, dass Kleist in der Zeit, als er am zerbrochenen Krug" arbeitete, ansonsten nur Trauerspiele schrieb, wie z. B. Die Familie Schroffenstein". [..] 1809 wurde eins seiner Theaterstücke verboten. Kleist, der finanziell sowieso schon am Ende war, sah keinen Ausweg mehr und Entschied sich für den Freitod im November 1811.
Meine Empfehlung, das Buch zu lesen, geht an alle, die nicht vor angestaubter" Sprache zurückschrecken und Spannende, kurzweilige Geschichten sowohl mit komischen als auch mit brenzligen Situationen leiden können.
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