Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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102 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Im neunten Kreis der Hölle, 5. November 2007
Es ist schon merkwürdig - aus irgendeinem nicht ersichtlichen Grund verfällt das deutsche Verlagshaus Heyne bei der Vermarktung seiner Titel von SciFi-Genie Dan Simmons immer wieder der zweifelhaften Taktik, sie als etwas anderes zu verkaufen, als sie tatsächlich sind.
Schon bei der Taschenbuch-Erstausgabe von HYPERION, dem ersten Band der HYPERION-GESÄNGE, gaukelte der Klappentext vor, dass es sich bei dem vielschichtigen Science Fiction-Meisterwerk um einen reinrassigen Horror-Roman handeln würde.
Derselbe Fehler unterläuft den Verlagsleuten nun nach nunmehr 16 Jahren erneut, diesmal ausgerechnet bei TERROR, dem jüngsten Werk des US-amerikanischen Bestsellerautors, das als allererster Simmons-Titel als HC auf den Markt gebracht wird (ein Adelsschlag, der längst überfällig gewesen ist).
Laut Klappentext soll TERROR ein historischer Roman über die katastrophal gescheiterte Arktisexpedition des Sir John Franklin sein - dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Es ist zutreffend, dass Simmons diesen monumentalen Fehlschlag in der Geschichte der Arktisforschung nacherzählt und sich dabei - wie immer - umfangreicher Materialien bedient, die er bei seinen Recherchen erarbeitet hat, um eine möglichst anschauliche und realitätsnahe Schilderung des Lebens auf einem Schiff bieten zu können, das Mitte des 19. Jahrhunderts ins Eismeer fuhr, um die legendäre Nordwestpassage zu finden.
Die Verquickung historisch belegbarer Tatsachen mit seiner eigenen Phantasie ist Simmons zuvor schon einmal meisterhaft gelungen, nämlich in seinem Ernest Hemingway-Thriller FIESTA IN HAVANNA. Im Gegensatz zu diesem Werk, bei dem er z.T. gar den kompletten Originaltext von Geheimdienstprotokollen zur Verfügung stehen hatte und in sein Manuskript einarbeitete, ist die Menge an Dokumenten im Falle der Franklin-Expedition eher spärlich, so dass der Phantasie von Simmons viel größere Freiräume blieben, um die genauen Umstände auszumalen, unter denen die verschollenen Expeditionsteilnehmer ums Leben kamen.
Und an dieser Stelle überschreitet Simmons Genregrenzen; er verlässt den Bereich des reinen historischen Romans und begibt sich auf den Boden unheimlicher Phantastik, denn zusätzlich zu den klimatischen Unbillen des unwirtlichen Nordmeers - Kälte, Eisstürme, Erfrierungen - setzt ein Monster den Besatzungen zu, die auf ihren Schiffen EREBUS und TERROR im Eis eingeschlossen sind.
Simmons schildert beeindruckend den verzweifelten Kampf gegen die allgegenwärtige Eisekälte, gegen das übermächtige Eis und die ständige Bedrohung durch Skorbut und die Vergiftung durch verdorbene Lebensmittelkonserven, aber auch durch Widrigkeiten, die von den Mannschaftsmitgliedern selbst stammen: katastrophale Fehlentscheidungen, aufkeimende Unzufriedenheit und Verzweiflung, die in Meuterei und Mord gipfeln - und all diesem fügt Simmons noch ein phantastisches Element hinzu in Gestalt eines schier unbesiegbaren Monstrums aus dem Eis, das mit Regelmäßigkeit seine Opfer fordert.
Wer sich also beim Lesen von TERROR auf den Genuss eines reinrassigen Historienromans einstellt, könnte eine unangenehme Überraschung erleben, spätestens wenn uns Simmons tief in die Mythologie der Inuit stößt, in die Geister-, Götter- und Sagenwelt der Eskimos.
Wie schon in seinem Hawaii-Roman DIE FEUER VON EDEN zeigt uns Simmons eine in unseren Breitengraden nahezu völlig unbekannte Mythologie, die in ihrer Naturverbundenheit der spirituellen Welt der amerikanischen Indianer und australischen Aborigines nicht unähnlich ist.
An der Grundstimmung des Romans ist auffällig: Ungewohnt nüchtern schildert Simmons den tragischen Verlauf der zum Scheitern verurteilten Expedition. Während solche Meisterwerke wie DIE HYPERION-GESÄNGE und ENDYMION durch farbenfrohen Phantasiereichtum und eine facettenreiche Vision bestechen, durchsetzt ein trostloses Grau dieses neueste Werk aus der Simmonsschen Feder - was in der Natur der Sache liegt, denn Simmons versteht es, die bedrohliche Lage der im Eis eingeschlossenen Seeleute so plastisch zu schildern, dass man als Leser selbst die Leiden der Verschollenen fast körperlich spürt.
Auch mit Humor - der in DIE FEUER VON EDEN und seinen sämtlichen Science Fiction-Werken praktisch auf jeder Seite aufblitzt - ging Simmons in TERROR sehr sparsam um - so wie es eben dem Thema angemessen ist.
Dieses Werk ist durchdrungen von trüber Ernsthaftigkeit.
Wie üblich arbeitete Simmons in TERROR neben historischen Fakten und Phantastikelementen außerdem ein paar Querverweise auf anderes Kulturgut ein, dieses Mal auf Edgar Allan Poes klassische Erzählung DIE MASKE DES ROTEN TODES, deren Schlüsselszene er perfekt in seine Geschichte von Versagen und Scheitern aufgrund menschlicher Selbstüberschätzung übertragen und eingebaut hat.
Auch mit seinem 16. in deutscher Übersetzung erscheinenden Roman demonstriert Simmons seine schriftstellerische Meisterschaft und beweist weiterhin seine Vielseitigkeit, lässt sich TERROR doch mit keinem anderen Werk aus dem Oeuvre von Simmons direkt vergleichen.
Wer es schafft, auch nach über 20 Jahren im Literaturgeschäft nicht sich selbst zu kopieren und auf der Stelle zu treten, zählt zweifellos zu den wirklich Großen.
Bleibt nur zu hoffen, dass Simmons durch TERROR auch hierzulande endlich die verdiente Aufmerksamkeit bekommt und den Rang als Geheimtipp hinter sich lässt.
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41 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Klaustrophobische Eishölle, 16. März 2009
Rezension Dan Simmons Terror
Das ist schon ein ganz schöner Brocken den Dan Simmons dem Leser passend zum Weihnachtsfest vorlegt. Mit seinen fast 1000 Seiten und beinahe 600 Gramm Gewicht sicher ein kaum zu übersehendes Geschenk unterm Weihnachtsbaum.
Simmons erzählt die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte der Franklin-Expedition die 1845 mit dem Auslaufen der beiden englischen Schiffe HMS Terror und HMS Erebus beginnt Sie haben sich aufgemacht, die sagenumwobene Nordwestpassage zu finden den Weg durch das Eis der Arktis zum Pazifik.
Wer mit den historischen Fakten vertraut ist, wird wissen, das die Expedition die Passage nicht fand und seitdem als verschollen gilt.
Viel wurde um den Verbleib der beiden Schiffe spekuliert und genau hier setzt Simmons mit seinem Buch an.
Aus der Sicht des Kapitäns der Terror,Francis Crozier lernt der Leser das Schiff und die Besatzung kennen. Tagebucheinträge des Schiffarztes, Berichte von ausgewählten Mannschaftsmitgliedern runden das Bild ab.
Nach ihrem glorreichen Aufbruch sitzen die beiden Schiffe über zwei Jahre im festen Eis der Arktis fest. Eine Situation, die schnell klaustrophobische Gefühle erzeugt.
Simmons bemüht sich sehr um Authentizität so benutzt er ein umfangreiches Glossar an Seemanssprache das dem Leser das Gefühl vermittelt, teil der Manschaft zu sein, so sind die Zeitangaben in Glasen und Wachen. Etwa: zwei Glasen zur Abendwache, was etwa gegen 21:00 Uhr wäre. Ein umfangreiches Glossar am Ende des Buches gibt Auskunft über alle verwendeten Begriffe. Der Leser wird gerade zu Beginn dieses Glossar öfters bemühen sich aber mit der Zeit in diesem speziellen Fachterminus fast wie ein Seeman auskennen, wie ein Teil der Mannschaft eben.
So entsteht ein eindringliches, teilweise beklemmendes Bild der beiden Schiffe im Eis, in der kalten arktischen Nacht, im Kampf ums nackte Überleben.
Denn Simmons wäre nicht Simmons, wenn nicht auch ein übernatürliches Element in diese ohnehin schon lebensfeindliche Welt einbrechen würde: etwas ist draußen auf dem Eis und tötet die Männer.
Auf den ersten Blick ein gewagter Genremix, der deswegen funktioniert, weil Simmons Geschichte authentisch ist. Seine Sprache ist klar, die Handlung immer logisch und gut abgestimmt. Kurzum, der Leser glaubt was Simmons ihm berichtet. Und das ist durchaus der nackte Horror, das ist Krankheit, Kannibalismus, Intrigen und die allgegenwärtige mörderische Kälte.
Dabei versteht er es, den Leser bei der Stange zu halten, die ganze Zeit steht die Hoffnung im Raum, dass die Männer -wieder besseren Wissens doch überleben und den Weg nach Hause schaffen.
Ein Buch, das seinen Platz unter dem Weihnachtsbaum verdient hat und - einmal begonnen - den Leser so schnell nicht wieder aus der Eishölle entkommen lässt!
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20 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Von Eisbergen und Menschen., 14. März 2008
Den Klappentext setze ich hier ausnahmsweise als "gelesen" voraus, und denke, wir wissen, dass wir es bei TERROR mit einer echt stattgefundenen (Schiffs-)Expedition zu tun haben - die schließlich den Tod aller Teilnehmer zufolge hatte.
Tatsache ist, dass Dan Simmons sehr viel Recherche-Arbeit geleistet haben muss um als Ergebnis dieses Mammut-Werk präsentieren zu können. Fakt und Fiktion verschmelzen zu einem schier unendlichen Drama. Prachtvoll ausgeschmückt das Leben der Kapitäne, Offiziere und Maaten der beiden Unglücks-Schiffe. Bei all der Pracht, die des Lesers Auge wahrnimmt, wird jedoch das große Unglück - das im Eis Festsitzen der Schiffe mitsamt ihren Besatzungen -, nicht verharmlost. Bei minus 40 Grad Celsius gibt es nichts zu verharmlosen, da ist und bleibe es kalt. Einfach nur kalt. Wärmelnde Gefühle kommen zuweilen bei Rückblenden auf. - Neben der Eiseskälte kommt verschlimmernd hinzu, dass sich ein grausames Wesen auf dem Eis herumtreibt. Grauenhafte Szenen spielen sich in dem Roman TERROR ab - davor sei bitt'schön gewarnt! - und Dan Simmons' geschickte Hand beschert dem Roman nicht nur ein mystisches Monster, von dem man nicht so recht weiß, was man davon halten soll, - der Fantasie des Autors entspringen auch menschliche Monster!
Und so liest man sich fasziniert von Spannungsbogen zu Spannungsbogen, obwohl der Ausgang der Expedition fest stand, hielt TERROR mich stets gefangen. Überraschungen gab es dennoch. Obwohl ich lügen müsste, würde ich behaupten, dass mir das Ende gefallen hat. Es war eine Strapaze. Vielleicht zu ungewöhnlich? Jedenfalls bin ich Dan Simmons schließlich doch nicht böse, dass das Buch nach n u r 900 Seiten s c h o n zu Ende war, sondern schließlich ein wenig erleichtert; erleichtert dass die schlimmen Qualen ein Ende hatten ...
Mir fiel es erstaunlich leicht, mich mit diesem gewaltigen Meisterwerk anzufreunden. Nach dem ersten Schreck - ich hatte mir das umfangreiche Glossar, das hauptsächlich Begriffe der Schifffahrt und der menschlichen Anatomie enthält, durchgelesen - empfand ich es erstaunlich leicht in dieses großartige Schicksals-Epos einzusteigen. Dan Simmons nimmt den Leser mit einer Leichtigkeit in Beschlag, dass es eine wahre Freude ist. Er baut nach und nach eine kleine (historische) Welt vor dem Geistigen Auge des Lesers auf, die über und über mit plastischen Figuren bestückt ist. Dabei hat der Autor keine Eile und nimmt sich reichlich Zeit die Hintergründe der Expedition und Lebensgeschichten der Hauptpersonen auszuleuchten. - Für mich als Leser ein Genuss und ein hochinteressanter Ritt durch mehrere Genres, die ich mit viel gutem Willen nicht aufzuzählen in der Lage bin. Drama? Historischer Roman? Fantasy? Horror? - - - Ein großartiger Leseausflug - mitten hinein in eine unendlich tragische Expedition und in unendlich unvorstellbare Kältezonen. Brrrrr ...!
PS. Nein, ich bin kein Experte was Übersetzungen betrifft und ich habe TERROR freilich nicht im Original gelesen, kann mir aber denken, dass man der großartigen Übersetzungsarbeit hier auch einmal ein gebührendes Lob aussprechen muss. Zumal den Tagebucheintragungen von Dr. Goodsir. - Danke, Herr Übersetzer. Das war sicher auch eine Knochenarbeit.
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