Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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54 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Politikerroman aus dem alten Rom - aber nur zwischen 72 bis 63. v. Chr., 27. September 2009
Es gibt bestimmte Passagen der Weltgeschichte, die so ausgeleuchtet sind, dass wir jeden Kulissenschieber und Statisten kennen. Der Untergang der Römischen Republik ist eine solche Epoche, die seit Mommsens "Römischer Geschichte" immer neue Forscher und Literaten zur Neubearbeitung gereizt hat. Und die Wahrheit ist: obwohl man mit dieser Story vertrauter ist als mit vielen näher liegenden Zeitaltern, liest man immer wieder gerne vom gutmütigen Pompejus, dem schlauen Cäsar, der schicken Kleopatra und der ganzen historischen Besetzungsliste, deren Mitglieder vor allen Dingen eines gemeinsam haben: dass sie nach maßlosem Leben eines gewaltsamen Todes starben.
Robert Harris hat es unternommen, einen Teil dieses Premiumstücks der Weltgeschichte neu zu entfalten - und zwar nicht die Finalszenen des Bürgerkrieges oder Cäsars Ermordung - sondern die vergleichsweise ruhige Epoche zwischen 681 bis 673 seit Gründung der Stadt Rom ( in unserer Zeitrechung: von 72 bis 63 vor Christus ). Der Leser erlebt in dieser Zeit den Werdegang des namenlosen Marcus Tullius Cicero vom Senator zum Konsul und damit auch die Querelen der innerrömischen Politik, den Aufstieg des Pompejus, die Intrigen des Crassus und des Cäsar, bis das Buch mit dem Konsulat des Cicero ( und noch vor der catilinarischen Verschwörung endet). Reizvoll ist, dass Harris diese Zeit aus der Perspektive einer zwar verbürgten aber historisch verloren gegangen Biographie darstellt, nämlich der Lebensbeschreibung, die Ciceros Sekretär Tiro in hohem Alter nach dem Tode des Meisters verfasst haben soll.
Dieser formale Ansatz macht den Leser zum Augenzeugen eines packenden weltgeschichtlichen Romans, der tiefe Einblicke in die Verfassungswirklichkeit und die Krise der späten Römischen Republik bietet. Kernstück des Buches ist zweifellos Ciceros Prozess gegen den Statthalter Verres, der im ersten Teil des Buches ("Senator") routiniert und spannend wie ein Juristenroman unserer Tage präsentiert wird. Im zweiten Teil ("Prätor") wird Ciceros weitere Karriere bis zu seinem weltgeschichtlichen Konsulat im Jahre 63 v. Chr. dargestellt. Dann ist Schluss, was schade ist, weil erst nun, mit der Verschwörung des Catilina, dem ersten Triumvirat und Cäsars atemberaubenden Aufstieg das Totenglöcklein der Republik so richtig zu bimmeln beginnt (Vielleicht aber gibt es ja noch eine Fortsetzung "Imperium II" ).
Wer sich mit dieser zeitlichen Begrenzung abfinden kann, wird das Buch trotzdem mit Gewinn lesen. Exquisite Literatur wird nicht geboten, aber dafür gute Handwerksarbeit, klar wiedererkennbare Charaktere, pfiffige Dialoge und ansprechende Tempiwechsel. Soweit ich sehe, wird die historische Bühne fehlerfrei und anschaulich ausgeleuchtet, so dass dass man alles in allem nicht nur gut unterhalten wird sondern auch noch was lernen kann. Das ist für einen Unterhaltungsroman eine ganze Menge.
Wer übrigens das gesamte Leben des Cicero in romanhafter Gestaltung kennen lernen möchte, dem empfehle ich Otto Zierers "Und dann verschlang mich Rom". Dieses Buch ist ebenso flott geschrieben wie "Imperium", bietet aber einen umfassenderen Einblick in die letzten dreißig Jahre der römischen Republik auf einem ansprechenden Niveau.
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Spannend, aber letztlich dennoch nicht ganz befriedigend, 29. Dezember 2006
Robert Harris hat mit "Imperium" einen durchaus spannenden Roman um den römischen Denker und Politiker Marcus Tullius Cicero vorgelegt, der aus Sicht seines Sklaven, Tiro, beschrieben ist. Er beschreibt allerdings nicht das gesamte Leben Ciceros, sondern lediglich seinen Aufstieg zur Macht, welches im römischen Reich als "Imperium" bezeichnet wird. Dabei "pickt" sich der Autor zwei Ereignisse heraus, die den Schwerpunkt seines historischen Romans bildet. Den Aufstieg Ciceros als Anwalt, den er durch seinen Prozess gegen den korrupten Statthalter Siziliens, Verres, erlangte. Detailliert wird beschrieben, welchen Mut es erforderte, sich gegen die Arostokraten und den lange mächtigen Statthalter zu stellen. Doch Cicero, der eigentlich den Popularen, also dem "Volk" in Rom nahestand, belässt es nicht dabei. Um sein erstrebtes Ziel, Konsul zu werden, zu erreichen, packtiert er im zweiten Teil des Romans auch mit den Aristokraten und seinem bislang verhassten Gegner Hortensius.
Nun ist Cicero immer schon dankbares Objekt der Literatur gewesen, man denke an Steven Saylors spannenden historischen Kriminalroman: "Das Lächeln des Cicero", welches den Prozess gegen Sextus Roscius beschreibt.
Harris Roman ist spannend geschrieben. Man legt ihn nicht aus der Hand. Er lässt mich aber dennoch unbefriedigt zurück. Denn zum einen werden wichtige Begriffe des politischen Systems in der römischen Republik, also das des Aedils, des Quaestors, des Konsuls eben nicht ausreichend beschrieben. Auch der historische Hintergrund der beteiligten Personen bleibt seltsam blass. Wie kam Ciceros Intimfeind Crassus zu seinem Aufstieg? Dass er abgebrandte Häuser wieder aufbauen ließ und dafür Vermögen kassierte, kommt - im Gegensatz zu Steven Saylors Roman - nicht heraus.
Alle Politiker, von Crassus, über Catilina, Caesar werden als Intriganten beschrieben, doch auch Cicero erscheint - je länger je mehr - als Opportunist, was insbesondere seinen jüngen Bruder Lucius in den Freitod treibt. Es hätte sich angeboten, eine Skizze über die Verhältnisse der römischen Republik zu schreiben und den Alltag - jenseits der Intrigen - deutlicher zu beleuchten. Spätestens bei der Beschreibung des brutalen Senators Catilina hätte es sich doch angeboten, die nach diesem benannte Verschwörung - die Cicero immerhin aufdeckte! - zu beschreiben.
So bleibt der Eindruck (leider) bestehen, dass Harris hier relativ willkürlich zwei Episoden aus dem Leben Ciceros herausgriff und um sie herum eine - zugegebermaßen spannende, aber letztlich nicht zufriedenstellende, "Story" drum herum schrieb. Zumindest hätte der Autor kurz den weiteren Lebensweg seines Protagonisten erläutern müssen. An andere historische Romane, etwa Robert Graves: "Ich Claudius, Kaiser und Gott" kommt das Buch daher nicht heran, zu eindimensional schematisch erscheinen die Charaktere und zu sehr "selektiv ausgewählt" und auf einen Spannungsbogen zugeschnitten scheinen die Episoden.
Wer sich näher über Cicero kurz informieren will, sollte nach der Lektüre dieses Buches Fuhrmanns Biographie: "Cicero und die römische Republik" oder Karl Christs: "Krise und Untergang der römischen Republik" heranziehen - oder eben googeln.
Fazit: ein spannender historischer Roman, der aber letztlich nicht ganz befriedigt.
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65 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Triumphbogen und Forum Romanum zum Leben erweckt! Grandioser Roman nicht nur für Lateinkundige!, 6. November 2006
Ein grandioser, spannender und absolut lesenswerter Roman über eine Weltmacht am Scheideweg - Rom.
Erzählt in der Zeit zwischen 79 v. Chr. bis 64 v. Chr., erleben wir den Aufstieg des brillanten und überaus ehrgeizigen Anwalts, Philosophen und ersten Politikers modernen Stils - Marcus Tullius Cicero bis zum Konsul - dem höchsten Amt der Römischen Republik.
Auch wenn zu Beginn die vielen "Latiner"-Namen verwirren, so findet man sich doch ganz schnell - dank der überaus lebendigen und flüssigen Schreibweise Robert Harris' - in der damalige Zeit zurecht.
Beim letzten Rombesuch selbst auf dem alten Pflaster des Forum Romanums gewandelt, erwachen dessen Ruinen während der Lektüre dieses Buches zu neuem Leben. Man meint förmlich die römischen Bürger und ihre Senatoren zum Senatsgebäude streben zu sehen.
Dieser Roman hat mich voll in seinen Bann gezogen. Für jeden halbwegs Interessierten der Römischen Geschichte ist dieses Buch ein Muss. Es erweckt den Drang nach mehr und ich weiß schon jetzt, dass ich mich mit weiteren Büchern über diese Zeit "eindecken" werde.
Robert Harris hat in diesem Buch wieder gezeigt, wie die Antike mit der richtigen Verpackung und aus dem richtigen Blickwinkel erzählt, in einem sehr interessanten Roman beschrieben werden kann.
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