Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schöne Neuübersetzung durch Raoul Schrott!, 17. Oktober 2008
Schwer war es bisher die Ilias zu lesen, sofern man kein Philologe ist oder sich anhand von Sekundärliteratur weiterzuhelfen wusste. Große Klassiker haben mich schon immer fasziniert, doch ein (je nach Ausgabe) deutlich über 500 Seiten dickes Buch in der Hexameter Form zu lesen ist für einen Nicht-Philologen einfach als zu anstrengend zu bezeichnen und lies daher bisher die für mich wichtige Lesefreude etwas vermissen. Raoul Schrott schafft hier mit seiner Neuübersetzung Abhilfe und überträgt diesen ganz großen Klassiker in eine für unsere heutige Zeit angemessene und gut verständliche sprachliche Form. Das Hexameter klassischer Übersetzungen weicht und dafür bekommt der interessierte Leser eine hochgradig spannende und mitreißende Geschichte, sicherlich aufregender als mancher Thriller! Die große Chance für diese Veröffentlichung liegt in meinen Augen daher darin, dass die Ilias hiermit ein neues, breiteres und hoffentlich auch jüngeres Publikum ansprechen und für sich begeistern kann!
Es hat mir viel Spaß und Freude bereitet, diese Neuübersetzung zu lesen und ich kann sie allen Interessierten nur wärmsten Herzens empfehlen. Ich denke selbst Leser, welche das Werk in anderen klassischen Übersetzungen bereits kennen, werden hier gut unterhalten werden. Das Buch bietet außerdem die Chance für Leser die Homer bisher fern blieben, zuerst dieses Buch zu lesen und sich dann an die Hexameter klassischer Ausgaben zu wagen (sofern ein detailliertes Interesse geweckt wurde).
Für mich alles in allem eine tolles Buch, welches hier als nicht ganz billige gebundene Ausgabe vorliegt.
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50 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Krimi ! Zu Raoul Schrotts Neuübertragung der Ilias, 21. September 2008
Wer liest schon freiwillig einen zweieinhalb tausend Jahre alten Text? Wenn Homers Ilias bisher ein Nischendasein führte, interessant allenfalls für fachlich gebildete Menschen oder Liebhaber des Hexameters, dann sollte Raoul Schrotts Neuübersetzung dieses Mauerblümchen immerhin in eine Heckenrose verwandeln, denn: Homers Epos vom trojanischen Krieg liest sich jetzt wie ein Krimi, den man nicht zur Seite legen will. Zu spannend sind die Auseinandersetzungen der Helden und der Götter nun geschildert, in einer Sprache, die die unsere ist, die inhaltstreu bleibt, aber keine philologische Scheu vor den Sprachbildern unserer Umgangssprache hat. Die Figuren werden durch diese Übersetzung so lebendig, dass die Motive ihres Handelns unmittelbar einleuchten. Keine Kunstsprache verhindert eine Identifikation des Lesers mit den Helden, und das ist vielleicht die herausragende Leistung Raoul Schrotts: Seine Sprache ist ja nicht kunstfrei, im Gegenteil. Sie ist - so beschreibt er seine Übersetzungsarbeit im einleitenden Arbeitsbericht - dem INHALT der Ilias verpflichtet, will die POESIE Homers ans Licht bringen, verzichtet dabei aber konsequent auf eine "Nachbildung" der "durch den Hexameter bedingte[n] Formelsprache". Zudem wird das Lesen enorm erleichert durch typographische Kniffe: Man weiß immer, ob man die wörtliche Rede einer Figur liest oder den Erzählbericht, auch ohne Anführungszeichen. Kleiner Nebeneffekt dieser graphischen Gestaltung: Das Lesen gewinnt an Fahrt, an Dynamik.
Das Ergebnis ist verblüffend. Überraschende Leselaune, Leselust setzt ein, man möchte wissen, wie der Zank zwischen Zeus und seiner Ehefrau Hera (oder umgekehrt) verläuft und ausgeht, man versteht unmittelbar, weshalb Achill grenzenlos zornig ist und fiebert dem Schicksal Agamemnons entgegen, der keine Gelegenheit auslässt, sich als Macho aufzuführen. Fast möchte man sagen: Sie sind einer von uns, ja, das habe ich auch schon erlebt! Vergnügen pur - auch Nachdenklichkeit über Situationen, die heute wie vor über 2000 Jahren offensichtlich dieselben sind, archetypische Muster, die das menschliche Leben wie selbstverständlich begleiten.
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung! Und: Danke, Raoul Schrott!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Genial! ... und nicht nur die Übersetzung., 8. Februar 2009
Die Übersetzung ist natürlich wunderbar!
Wie oft habe ich mich an der Voßschen Hexametergetreuen Übersetzung versucht und nach spätestens 200 Seiten aufgegeben.
Hier aber haben wir es mit etwas völlig Neuem zu tun. Wenn Diomedes im 8. Buch Agammenon anschimpft, scheut er sich nicht, ihn als "Schlappschwanz" zu bezeichnen. Was bei Voß wie ein altes, verwittertes Epos klingt, kriegt hier Farbe.
Zum ersten mal wird die Ilias zu etwas menschlichem, in dem es um Menschen geht.
Dabei wird Schrott aber gar nicht oberflächlich! Er scheut sich nicht, sehr moderne Begriffe, ja Schimpfwörter einzubauen, seine Sprache bleibt aber immer, trotz des fehlenden Hexameters, melodisch und poetisch. Seine Ausdrücke sind immer neu und frisch (im Gegensatz zu Metrikgetreuen wie Voß. Wie oft habe ich das Wort "Traun" gelesen! Es entsteht mit der Zeit ein anstrengender Singsang).
Und mehr noch bietet diese teure, aber auf jeden Fall lohnenswerte Ausgabe: Am Anfang des Buches ist nämlich zunächst eine ausführliche Einleitung, es gibt kleine Kapitel, die den Leser in die Zeit, den Ort der Ilias einführen, die über Homer sprechen.
Schrott gibt auch einen Grund für seine Übersetzung an. Er erklärt dem Leser, warum eine Übertragung des Hexameters ins Deutsche sinnlos und nicht machbar ist, er erklärt, dass er die Ilias so erzählen möchte, dass sie uns erscheint, wie sie die Menschen zu Homers Zeiten aufgefasst haben.
Durch sein Vorwort wird der Laie, der vielleicht zum ersten Mal ein so altes Werk in die Hand nimmt, wunderbar in die Welt des alten Sagenstoffes eingeführt. Es folgt eine Zuammenfassung der Kypria, der Vorgeschichte der Ilias, nach der Ilias folgt eine Zusammenfassung der weiteren Geschehnisse.
Es handelt sich also nicht nur Homers Werk, es ist eine komplette Einführung in den Krieg um Troja, in die alte Sprache und in Homers Welt.
Für jeden zu empfehlen!
Gewöhnungsbedürftig ist nur die Schrift: Auf Groß- und KLeinschreibung wird verzichtet und Kommata werden am Zeilenende immer weggelassen. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen.
Aber das ist bei einem so tollen Buch wirklich keinen Stern Abzug wert!
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