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48 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Auf den Spuren eines ungewöhnlichen Menschen, 1. Oktober 2006
Ilija Trojanow hat einen Roman über das aussergewöhnliche und abenteuerliche Leben eines Mannes geschrieben, der, so weit es ihm irgend möglich war, nach seinen eigenen Gesetzen lebte. Richard Francis Burton, die Hauptfigur des Romans, kam als junger Offizier nach Bombay und war innerhalb kürzester Zeit derart von der fremden Kultur eingenommen, dass er sich, zum maßlosen Befremden seiner eigenen Landsleute, völlig in sie versenkte. Nach nur einem Jahr sprach er fließend Hindustani und Gujarati und dabei sollte es keinesfalls bleiben. Der jahrelange Aufenthalt in Indien bildet den ersten Teil des Romans, der sich sehr deutlich in drei Teile gliedert. In Indien entwickelt Burton eine manische Leidenschaft für alles Fremdartige, die ihn sein Leben lang nie wieder loslässt. Er passt sich auch hinsichtlich seines äußeren Erscheinungsbildes so sehr den Einheimischen an, dass er schon sehr bald für einen der ihren gehalten wird. Die Entwicklung dieses Menschen wird immer auch aus der Perspektive eines Einheimischen geschildert, im ersten Teil des Buches ist dies sein indischer Diener. Dieser Perspektivenwechsel ist äußerst spannend und unterhaltsam zu lesen. Der zweite Teil handelt davon, wie Burton, der mittlerweile auch fließend Arabisch spricht, unerkannt an der Wallfahrt nach Mekka teilnimmt. Auch hier werden diese Ereignisse nicht nur erzählt, sondern auch rückblickend aus einheimischer Perspektive reflektiert, nun von hohen Würdenträgern des osmanischen Reiches, die im Nachhinein zu klären suchen, ob dieser Mann wirklich ein Muslim oder ein britischer Spion war. Dieser zweite "arabische" Teil des Buches erschien mir leider etwas langamtig, was vielleicht daran liegen mag, dass die Geschehnisse einfach zu vorhersehbar waren. Der dritte Teil handelt von Burtons Suche nach den Quellen des Nils in Ostafrika und er war für mich der Höhepunkt des Buches. Auch hier werden die Ereignisse nicht nur linear, sondern auch rückblickend aus der Sicht eines ehemaligen Sklaven erzählt, der Burton und seinen Kompagnon Speke bei ihrer Expedition begleitet hat. Was hier u.a. hinzukommt ist das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Burton und seinem Begleiter John Hanning Speke, einem wohl recht typischen Vertreter des britischen Hochadels. Im Gegensatz zu Burton zeigt er kaum Interesse an einheimischer Kultur und Menschen und verbringt große Teile seiner Zeit damit die einheimische Fauna zu reduzieren. Gemeinsam haben beide letztlich nur ihren Drang übermenschliche Strapazen auszuhalten. Diese beiden Menschen, die an sich schon unterschiedlich genug sind, aus der einheimischen Perspektive zu betrachten, ist ungemein erheiternd und aufschlußreich. Die Motive der beiden Engländer bleiben nämlich selbst Sidi Mubarak Bombay, der sie so lange begleitete, weitgehend ein Buch mit sieben Siegeln.
Der Charakter Burtons bleibt nicht nur seinen Landsleuten, sondern auch den Menschen der ihn so faszinierenden fremden Kulturen letztlich ein Rätsel. Auch der Autor erhebt hier kaum den Anspruch den Menschen Burton "durchschaut" zu haben. Es bleibt der gelungene Versuch einer Annäherung an einen Menschen, der seine Träume lebte, statt sein Leben nur zu träumen.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Drei Teile - drei Qualitäten, 18. Juni 2006
In einer Rezension wurde es bereits angesprochen: das Buch ist in drei sehr unterschiedliche Teile gegliedert; zunächst werden Ereignisse in Indien, darauf die Teilnahme an einer Hadsch in Arabien, schließlich eine Expedition nach Afrika geschildert. Sehr schön ist dabei die Erzählweise des Autors, jeder Teil wird in zwei Sichtweisen dargestellt: zum Einen jeweils die Erzähler-Perspektive, zum Anderen Dialoge von Burtons Diener mit einem Schreiber, geheimdienstliche Ermittlungsgespräche und eine Darstellung des Geschehens in Afrika aus der Sicht eines ehemaligen Sklaven.
Der Indien-Teil des Buches ist der mit Abstand beste, man spürt förmlich die exotischen Gerüche Indiens in der Nase. Auch das Thema Erotik ist unaufdringlich exotisch dargestellt.
Die Hadsch Burtons lässt einen Einblick nehmen in die arabische Welt und Mentalität, die Ereignisse überstürzen sich jedoch sehr und nicht immer sind die Emotionen Burtons nachvollziehbar. Habe ich als Europäer hier Zugangsschwierigkeiten?
Die Expedition nach Afrika schzließlich ist meines Erachtens der Schwachpunkt des Buches. Mir ist nicht so ganz klar geworden, was Burton auf diese unmenschliche Reise getrieben hat. Viele widerwärtige Dinge muss er erleben, doch sein zurückhaltendes Auftreten lässt den Leser zweifeln, da er in den Teilen zuvor einen anderen Burton erlebt hat, mit dem er sich vielleicht sogar identifizieren konnte.
Wie dem auch sei - das Buch ist insgesamt empfehlenswert. Die Geschichte Burtons würde einen wunderbaren Filmstoff abgeben...
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48 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Geistig anregend, emotional unterkühlt, 17. September 2006
Für mich als Globetrotter, Indien-Liebhaber und Islamwissenschaftler stand fest: dieses Buch muss ich lesen. Aus der Perspektive unterschiedlicher Erzähler führt der Autor den Leser in die Gedankenwelt von Menschen mit unterschiedlicher kultureller Verwurzelung. Hierbei glänzt Ilija Trojanow mit scharfen Beobachtungen und geistreichen Aussagen, das Ganze in eine einprägsame, teils sehr bildsame Sprache gepackt. Mitunter hatte ich zwar den Eindruck, dass der Autor weniger die zwischen Faszination und kritischer Distanz pendelnden Gedanken seines Protagonisten Richard Francis Burton widergibt als seine eigenen, aber dennoch: im Hinblick auf die intellektuelle Auseinandersetzung eines Europäers mit Indien, Arabien und Ostafrika ist Trojanow ein starkes Buch gelungen.
Vielleicht liegt darin aber umgekehrt ein Problem des Romans: Er regt den Geist an, berührt aber nicht emotional. Das Leben Burtons kommt zwar als faszinierend herüber, als Person hat er mich aber kalt gelassen. Hierunter leidet nicht zuletzt die Spannung. So viele Unternehmungen und Abenteuer -- und doch habe ich nicht mitgefiebert, kommt keine wirkliche Spannung auf, fehlt der Höhepunkt.
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