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Wie der Soldat das Grammofon repariert: Roman
 
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Wie der Soldat das Grammofon repariert: Roman (Taschenbuch)

von Saa Staniic (Autor)
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (26 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (2. Juni 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442737621
  • ISBN-13: 978-3442737628
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,7 x 2,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (26 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 13.941 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb 2005 lag er in der Publikumsgunst ganz vorn. Dennoch machte Am Seil, Thomas Langs “Kammerspiel auf der Tenne” (Jurymitglied Heinrich Detering), das Rennen. Nun winkt dem Publikumsliebling auch noch der renommierte Deutsche Buchpreis. Saša Stanišiæ? Wer ist das? Was ist passiert? Nicht viel. Ein junger Bosnier hat lediglich uns Deutschen auf deutsch ein kleines Meisterwerk vorgelegt. Vom heiter-sentimentalen bosnischen Familienidyll zum blutigen Massaker und Verlust der Heimat. Eine solche Erfahrung lässt sich offenbar nur träumend und fabulierend bewältigen. Saša Stanišiæ tat dies, in einer Sprache, in der sich Wehmut, Verlustschmerz, Erinnerungswonne und der Kinderblick auf den Wahnwitz einer tollwütigen Welt aufs Schönste vereinigen. Man kann sich gut und gerne in ihr verlieren.

Verantwortlich für Aleksandars (Sašas alter ego) Überlebenswerkzeuge war Opa Slavko, der kurz vor seinem Tod seinem Enkel Zauberhut und Stab vermacht hatte. Erfindung und Fantasie, so der Opa, seien die wertvollsten Gaben. „Merk dir das und denk dir die Welt schöner aus“. Und war gestorben, schnell wie Carl Lewis, der im Fernsehen gerade in Tokio den 100-Meter-Weltrekord brach. Was auf den ersten Blick lächerlich wirkt, waren simple aber mächtige Instrumente. Die Erinnerungssterne, mit denen Aleksandar fortan seinen Zauberhut beklebte, wandelten sich zu Schreckensbildern, als der 14-Jährige 1992 mitansehen musste, wie serbische Truppen in seine Heimatstadt Višegrad einfielen und sie dem Erdboden gleichmachten. Hier half auch kein Zauberstab.

Eine Restfamilie und ihr zukünftiger Autorensohn fand damals Zuflucht in Deutschland. Essen, dann Heidelberg. Welch anheimelnde Neue Heimat! Und doch wurde auch in der merkwürdigen Kältezone namens Deutschland Aleksandars Zauberhut mehr als nötig. Wegträumen. Bilder aufkleben. Nicht verdrängen, spielend verarbeiten. Aleksandars Briefe an die zurückgebliebene Freundin Asija zerreißen fast das Herz. Saša Stanišiæ studierte die deutsche Sprache. Wie sehr ihm dies gelang, liegt nun vor uns. Ein Kind als Spielball zwischen massakrierenden Horden, gefangen im Epizentrum der Kriegsgräuel und Unmenschlichkeit. Und die poetische Reise in eine Heimat die einst Jugoslawien hieß, zurück zur quirligen Tante Taifun, zurück an die Drina, den ewigen Schicksalsstrom, zurück in eine Zeit, als alles gut war. Was Aleksandars Zauberstab berührt, bleibt für immer am Leben. Und ist -- man darf es sagen --, eindringlicher als manche Kriegsberichterstattung. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .



kulturnews.de

Vielleicht ist sein großer Vorteil, dass Deutsch nicht Erstsprache ist. Die Distanz schafft Raum für intelligente Sprachspiele, macht Sa a Stanicic zum wortgewaltigen Erzähler. Mit 14 kam er als bosnischer Flüchtling nach Heidelberg, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Heute ist er 28, studiert am Leipziger Literaturinstitut und veröffentlicht mit "Wie der Soldat das Grammofon repariert" den besten deutschsprachigen Debütroman seit vielen Jahren. Durch Kinderaugen vom Schrecken des Krieges zu erzählen, ist fast schon konventionell. Wenn aber Stanicic den kleinen Jungen Aleksandar vom Bürgerkrieg in Bosnien berichten lässt, setzt er nicht auf weinerliche Niedlichkeit, sondern eliminiert die Moral. Soldaten stürmen Aleksandars Heimatstadt, Granaten fallen, und er beschreibt, was er nicht versteht. Die Wahrheit frisiert er lieber dann, wenn er seine Familie in tragikomische Heldenlegenden fantasiert. Auch in der zweiten Hälfte des Romans will Stanicic mit Hilfe seines Erzählers nicht analysieren und verurteilen. Aleksandar ist inzwischen als Flüchtling im Ruhrgebiet gelandet und sehnt sich nach der Heimat, bis er bei einer Reise ins Nachkriegsbosnien erkennen muss, dass er sich längst entfremdet hat. Sein kindliches Unwissen wird mit Fakten und Beobachtungen gefüttert, doch mündet das noch lange nicht in ein Verstehen. Glaubwürdiger und viel wichtiger, dass Stanicic ihm die richtigen Fragen mitgibt - und sie in unvergessliche Bilder kleidet. (cs) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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37 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein großer Geschichtenerzähler liefert sein Debut ab, 6. September 2006
Von Rebekka Barnhusen "sparrow" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Auf Seite 16 habe ich das erste Mal geweint. Auf Seite 20 habe ich herzhaft gelacht. Später habe ich gelacht und geweint und gelungene Bonmots und Wortspiele laut vorgelesen. Gänsehaut hatte ich und einen Kloß im Hals. Gelesen, bis ich nicht mehr wusste ob die Bilder in meinen Kopf Buch oder Traum sind.

Großartig ist der spielerische Umgang des Autors mit der Sprache, die genüßlichen Wortspiele, die feinsinnige Ironie und der kilometerweite Abstand zu blöden Floskeln. Großartig auch die Art, wie die Sinnlosigkeit des Krieges durch die Kinderaugen deutlich wird.

Ein fantastischer Roman mit unbedingter Leseempfehlung.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wann etwas ein Ereignis ist, wann ein Erlebnis..., 11. Juni 2008
"Oma möchte vorne fahren, Miki parkt aus, sie sagt: einmal hat Slavko für mich die Wohnung in Blumen gelegt, einmal hat er vor dem ZK, statt einer Rede, Rotkäppchen in einer eigenen Fassung vorgetragen, einmal hat er prophezeit, es kann nicht gut ausgehen, dass wir alle nur Ideale haben, aber keine Alternativen zu den Idealen, und einmal hat er darüber nachgedacht, mich zu betrügen, ich habe es an seinen Küssen geschmeckt."

Sasa Stanisic erzählt Geschichten, erzählte Geschichten, Geschichten des Großvaters, eigene Geschichten, der durchs Leben stolpernde Aleksandar macht Listen und sucht seine Asija, seine Liebe in den Wirren des Krieges...

"Ich nenne sie nicht Flüchtlinge, ich sage: Schützlinge. Sie haben ein Mädchen mit so hellem Haar beschützt, dass ich meinen Vater fragen muss, ob es für so ein Hell einen Farbnamen gibt.
Er sagt: Schön.
Ich sage: Schön ist keine Farbbezeichnung.
Schön und ihr Onkel mit dem gezwirbelten Schnurrbart essen mit uns im Keller. Ibrahim wartet, bis Schön mit dem Kopf auf seinem Schoß eingeschlafen ist und erzählt leise von ihrer Flucht. (...) Wir sind die Letzten aus unserem Dorf, Ibrahim überlegt kurz, wir sind die Letzten aus unserem Nichts."

Man erfährt, "wann etwas ein Ereignis ist, wann ein Erlebnis, wie Mister Hemingway und Genosse Marx zueinander stehen, was hinter Gottes Füßen gespielt wird und wofür sich Kiko die Zigarette aufhebt". Geschichten von Bildern, die nicht fertig gemalt werden, von der Großmutter, von der Tante Taifun, die gegen Carl Lewis läuft, Geschichten vom Fluss...

"Cika Hasan und Cika Sead angeln nicht aus Vergnügen, sie angeln nicht aus Lust am Kampf mit dem Fisch, sie angeln nicht weil sie Ruhe suchen, sie angeln nicht, weil man nichts Schlechtes denken kann, während man in der Drina angelt. Hasan angelt, weil er mehr Fische fangen will als Sead, Sead angelt, weil er mehr Fische fangen will als Hasan. Ich bin es, der aus all den anderen Gründen angelt, und weil mir gebratener Fisch schmeckt, und ich fange trotzdem mehr als die beiden zusammen."

Geschichten auch vom Fussballschiedsrichter, der im falschen Moment nach Hause kommt, Geschichten vom "Genossen Tito", Geschichten, wie richtig und falsch Geschichten sein können.
All dies könnte verworren sein, chaotisch und wirr. All dies ist einfach nur das eindringlichste Buch gegen Gewalt und für Menschlichkeit, welches man seit langem gelesen hat.
Man könnte endlos zitieren, lässt es aber gut sein. Nur einen noch...

"Viele Geschichten kennt Zoran nicht. Das kommt daher, weil ihm im eigenen Leben etwas so Unglaubliches passiert ist, dass er nichts mehr erfinden muss."

"Wie der Soldat das Grammofon repariert" - wie viele Sterne gibt es hier zu vergeben? - einfach noch ein paar dazuzählen.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ich verneige mich, 8. August 2008
vor diesem Autor.
Ich habe schon wirklich wirklich viel gelesen - und Wie der Soldat das Grammofon repariert gehört definitiv zu den besten Büchern meines langen Bücherwurmdaseins.
Stanisic erzählt nicht nur Geschichten, er malt mit seinen wunderbar originellen Metaphern Sprachbilder, er rührt an, er begeistert, lässt nicken, lächeln und traurig sein - und manche seiner Sätze möchte man immer um sich haben, man möchte sie aufhängen und aufs Nutellabrot schmieren.
Dieses Buch ist so schön, dass ich mir wünschte, das Leben könnte so sein, wie Stanisic es sieht.
Ganz große Kunst, chapeau.
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