Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Moderne Fantasy, 22. Februar 2003
Bei einem Buch von Neil Stephenson würde man - nach Titeln wie "Snow Crash" oder "Diamond Age" - wieder einen Roman aus dem Science Fiction Bereich erwarten. Nun, um ein Werk der Fantasie ("Fiction") mit engem Bezug zur Wissenschaft ("Science") geht es hier schon; nur spielt die verzwickte Handlung nicht in der Zukunft, sondern zum einen in der Gegenwart, und zum anderen während des zweiten Weltkriegs. Es geht um einen Goldschatz, den die Japaner unter Nutzung deutscher U-Boote versteckt haben und um eine Reihe junger Leute, die beim Versuch, ihr Datenversteck auf einer kleinen Insel mit Leitungen ans Internet zu binden, auf ein U-Boot und damit auf Hinweise zum Schatz stoßen. Die beiden Handlungsstränge sind auf viele geheimnisvolle Weisen miteinander verknüpft. So ist Randy, die Hauptfigur aus der Jetztzeit, der Sohn eines Kryptoanalytikers, der den Verschlüsselungstechniken der Deutschen im Krieg auf der Spur war. Und wenn die Handlung auch langwierig (über 1100 Seiten) und kompliziert ist, zieht sie den Leser doch so in den Bann, daß man das Buch nur ungern weglegt. Eine besondere Stärke dieses Buches ist die außerordentliche Genauigkeit der Recherche. Zumindest dort, wo ich mich einigermaßen auskenne - IT allgemein und Kryptoanalyse im besonderen - beeindruckt die Präzision, mit der Stephenson technische Aspekte seiner Story ausarbeitet. Und daß eine der größten Autoritäten auf dem Gebiet der Kryptografie, Bruce Schneier, einen Verschlüsselungsalgorithmus (inklusive einer Erläuterung im Anhang) dem Buch beisteuert, trägt sicherlich ganz erheblich zu dem Kultstatus bei, den dieses Buch unter den technophilen "Geeks" hat. Überhaupt spielt diese Szene in "Crytonomicon" eine große Rolle. Stephenson verwendet viel Liebe auf die durchaus liebevoll karikierende Beschreibung dieser Menschen und ihrer Gedankenwelt, und manches Mal fühlt man sich jene Szenen von "Akte X" erinnert, in denen die Truppe von "Geeks" sich der Entschlüsselung geheimer Botschaften widmet. Erst nach dem Lesen wurde mir klar, um was für ein Genre es sich bei "Cryptonomicon" wirklich handelt: Moderne Fantasy! Dann versteht man auch rückblickend, welche Rolle die Tatsache spielt, daß Randy einmal ein Fantasy-Rollenspiel programmiert hatte. Hier ist nicht nur der Grundstein für die Beziehung von Randy zu den meisten seiner Mitstreiter gelegt, es wird auch etwas über das Buch als Ganzes ausgesagt. Und so betrachtet, lassen sich viele Motive aus Fantasy Romanen wiederfinden: der sagenhafte Goldschatz, bunt zusammengewürfelte Heldentruppen aus ganz unterschiedlichen Menschen, von denen jeder mindestens eine geradezu übermenschliche Fähigkeit hat, viele Geheimnisse und Fallen, die sich unseren Helden entgegen stellen und so weiter. Dieses Buch ist nicht für alle. Um es zu mögen (und ganz durchlesen zu können), muß man wohl zumindest ein wenig so sein wie die Personen aus dem Buch: mit Freude an komplexen technischen Fragestellungen und am Genre Fantasy. Wer dies mitbringt, wird - wie ich - begeistert sein.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Genial, 26. August 2003
Das Buch ist auf eine seltsame Art spannend, denn es gibt zu keinem Zeitpunkt einen wirklichen Cliffhanger oder (abgesehen von ein paar Kapiteln die im 2. WK handeln) keine "richtige Action". Aber trotzdem möchte man immer weiter lesen und ist gespannt in welche seltsame nächste Situation die Figur als nächstes kommt. Der schreibstil ist teilweise wundervoll sarkastisch und witzig. Man merkt schnell dass Stephenson sich gerne etwas länger (2-3 Seiten) über ein Thema auslässt für das auch ein paar Sätze genügen könnten. Aber er gestaltet es interessant und ein paar mathematische Abhandlungen (z.B. über die funktionsweise der Enigma) sind gut erklärt und sogar für Laien verständlich. Zum Schluss bleibt nur zu sagen: Das Buch macht spaß und ist gerade für die Leute die sich etwas für Kryptologie interessieren noch interessanter. Ein Stern abzug, weil das Buch in der Taschenbuchausgabe gerne auseinander fällt (bei mir z.b. die letzten 100 Seiten)
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein langer Begleiter, 5. April 2006
Als ich im November vorletzten Jahres mehrere Übernachtflüge innerhalb eines Monats zu bewältigen hatte, und man nicht nur im Flugzeug sondern auch an Flughäfen und auf dem Weg dorthin viel Zeit verbringt, schnappte ich mir ein dickes Buch aus dem Bücherschrank eines Freundes von mir, der bei der NASA arbeitet und dieses zu seinen Lieblingsbüchern zählt.
"Cryptonomicon" besteht aus zwei Handlungssträngen, einem zur Zeit des zweiten Weltkrieges, und einem in der Gegenwart (bzw. 1999), die auf unheimliche Weise miteinander verknüpft sind. Beide Handlungsstränge laufen zeitlich versetzt, aber dennoch parallel ab.
Zu den vielen Entwicklungen der Kriegszeit gehören nicht nur die Raketen- und die Nukleartechnik, sondern auch die ersten rudimentären Computer. Und es sollte der erste Krieg der Menscheitsgeschichte werden, der mit Hilfe von Rechenmaschinen gewonnen wird. Bereits ab 1940/41 wurde ein Grossteil mit der zur damaligen Zeit bahnbrechenden Enigma-Maschine verschlüsselten Funksprüche der deutschen Wehrmacht abgefangen und dechiffriert. Nur wie verhält man sich dass es nicht auffällt? Wie zufällig können Zufälle sein? Oder ist es Absicht dass die Alliierten bestimmte Informationen erhalten, damit die Wehrmacht die Reaktion erkennen kann?
Hier setzt der Handlungsstrang der Zeit des zweiten Weltkrieges ein, um reale Personen wie Alan Turing herum, einem der Erfinder des Computers. Es entstand eine komplett neue Wissenschaft, und die handvoll Menschen die hier an vorderster Front waren gehörten zu den wichtigsten Menschen des gesamten Weltkrieges; sie konnten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Diese handvoll Menschen, die sich natürlich - wie üblich in einer neuen und überschaubaren Szene - auf allen Seiten, egal ob aus den USA, Deutschland oder Japan, kennen, beginnen eine Kommunikation untereinander. Und die Welt sollte ihr Spielball werden, egal ob bei konspirativen Treffen in Schweden oder in den Weiten des Pazifikraumes, wo über 5 Jahre ein gigantischer Insel- und Flugzeugträger gestützter Krieg stattfand. Diese Leute hatten Zugang zu allem. Und nachdem feststand dass der Krieg in Europa für die Nazis verloren ist, und die Japaner ähnliches befürchten, beginnt der Wettlauf um die beste Startposition für die Zeit nach dem Krieg. Gemeinsam teilen sie das Wissen um das gigantische Versteck der japanischen Goldreserven auf den Philippinen.
40 Jahre später. Das Internet sollte die Welt revolutionieren. Wer an vorderster Front dabei ist, hat gewonnen, wer keinen Zugang zu Informationen hat, hat verloren. In einer neuen, noch recht kleinen Szene ist die Geheimhaltung von Daten, der Zugang zu ihnen und die Kontrolle hierüber von fundamentaler Bedeutung.
Und wieder beginnt ein "Krieg". Basierend auf das Ereignis von 1996, wo ein über ein 28.000 Kilometer langes, 1,5 Milliarden Dollar teures, in England beginnendes, durch den Suez-Kanal führendes und in Japan endendes Untersee-Glasfaser-Kabel, verlegt wird, stellt sich die Frage: Wer kontrolliert was dort hindurch geht? Welchen Zugriff hat ein Staat auf Rechenzentren? Was kann, was darf er auslesen?
Auch hier haben wir wieder eine Gruppe von Informatikern an vorderster Front, dessen Wissen sich ein Sultan zu Nutzen machen will um eine Art Daten-Himmel zu bauen. Ein Stück Land bei den Philippinen, das für Informationen das werden soll was die Schweiz für Geld ist, und an dieses Kabel angeschlossen wird. Als wenn das nicht reicht, stösst man bei den Arbeiten auf alte verschlüsselte Wehrmachtsfunksprüche, die Auskunft geben über den Ort der japanischen Goldreserven. Es beginnt ein tödlicher Wettlauf mit der Zeit. Wer zuerst alle Informationen entschlüsselt, wer am nahsten an der Vergangenheit dran ist, hat die Zukunft.
Das Buch hat mich als Reiselektüre über eineinhalb Jahre auf vielen Fahrten begleitet, und genau zu dem Zeitpunkt wo ich durch bin stosse ich auf diese Nachricht in der Süddeutschen Zeitung: Drei alte, bisher nicht entschlüsselte Wehrmachtsfunksprüche aus dem Jahr 1942 sind 1995 von der Zeitschrift "Cryptologia" veröffentlicht worden, damit die weltweite Internetgemeinde an diesen arbeiten kann. Jetzt, im Februar 2006, ist der Funkspruch "NCZW VUSX PNYM" entschlüsselt worden. Allerdings steht nicht drin wo das Gold ist.
Kapitänleutnant Hartwig Looks vom U Boot U264 meldet: "Bei Angriff unter Wasser gedrueckt, Wasserbomben. Letzter Gegnerstandort 08:30 Uhr, Marqu AJ 9863, 220 Grad, 8 Seemeilen, stosse nach. NNO4, Sicht 10".
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