Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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808 von 882 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Spielerisch..., 24. November 2007
...dieses in der Buchbeschreibung auf dem Umschlag mehrfach auftauchende Wort beschreibt Richard David Prechts "Wer bin ich? und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise" in meinen Augen soweit treffend.
Ich habe mir das Buch, weil es eingeschweißt war, einfach mal auf gut Glück gekauft und bekam einiges zu lesen.
Precht möchte mit seinem Buch einen Einblick geben, einen Einblick in die großen philosophischen Fragen des Mensch-Seins, verknüpft mit Ergebnissen und Sachverhalten aus Psychologie und Biologie - demnach ist das Buch also der Versuch, den Leser auf eine einleitende vielperspektivische Reise mitzunehmen, wo alles miteinander zusammenhängt.
Rein strukturell hangelt der Autor sich an den berühmten kantischen Fragen "Was kann ich wissen?", "Was soll ich tun?" und "Was darf ich hoffen?" entlang und reißt dabei die unterschiedlichsten Themen an, wie z.B.
Kapitel 1: Was kann ich wissen?
- Was ist Wahrheit?
- Wie funktioniert mein Gehirn?
- Wer ist "Ich"?
- Was sind Gefühle?
Kapitel 2: Was soll ich tun?
- Warum soll ich gut sein?
- Kann ich wollen, was ich will?
- Ist Abtreibung moralisch?
- Warum sollen wir die Natur schützen?
Kapitel 3: Was darf ich hoffen?
- Gibt es Gott?
- Was ist Liebe?
- Was ist Freiheit?
- Hat das Leben einen Sinn?
Auffallend ist die Breite der angelegten Fragen - der Autor verknüpft philosphische Überlegungen mit Biologie und Psychologie, ist bemüht um das vernetzte Denken und Fragen stellen.
Innerhalb der jeweiligen Kapitel stellt Precht verschiedene Aspekte der jeweiligen Disziplinen vor (beispielsweise Kants kategorischen Imperativ, Descartes "cogito ergo sum", Die Experimente Libets), wägt sie ab und entfaltet zum Ende hin eine Art Standpunkt, von dem aus er geschickt zum nächsten Kapitelthema überleitet.
Das Ganze erfolgt auf eine irgendwo spielrisch wie leichte Art und Weise und macht das Buch amüsant lesbar.
Vor allem entfaltet dieses durch diese spielrische Herangehensweise seinen eigenen Charme, der es sowohl für Einsteiger in die Philosophie aber auch für mehr bewandelte Leute interessant macht:
Der Einsteiger findet eine Menge an Informationen, Gedanken und Fragen vor und wird so auf ganz leichte Weise zum Nach- und Weiterdenken ermuntert.
Dennoch kann ein wenig Zeit lassen beim Lesen nicht schaden - die Informationsmenge ist sehr hoch und das Sortieren derselben kann, gerade wenn zum Ende hin die Querverbindungen häufiger werden, dazu führen, dass das Behalten des Überblicks gefährdert sein könnte.
Dem etwas mehr bewandelte Leser kann es Freude bereiten, zu sehen, welche Verknüpfungen Precht herstellt. Sicherlich wird er fachlich nicht allzu viel Neues erfahren, wenn überhaupt, und es mag sich bei manchen Verknüpfungen im Detail Zweifel oder gar Widerspruchsgeist regen - dies ist dem Autor durchaus bewusst - aber kombiniert mit den entfalteten Standpunkten kann man das Werk spielerisch wie ernster als (Neu)Ausgangspunkt zur Selbstreflexion eigener Standpunkte und Anregung von Gedanken betrachten, wo dann mE auch über das Buch hinausweisendes miteinbezogen werden kann - kurzum: ein interessantes und Freude bereitendes Buch.
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76 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das muss man gelesen haben!!!, 12. Juni 2009
Mittlerweile kann man den Bestseller von Richard David Precht auch hören, nämlich als vier Cds umfassendes Hörbuch. Dabei ist das Hörbuch eine gekürzte Version des gleichnamigen Buchs, aber die Textstreichungen wurden behutsam vom Autor selbst übernommen, so dass die Kapitel an ihren Schnittstellen fließend und damit störungsfrei ineinander übergehen.
Ich fand es recht spannend, dass ausgerechnet ein philosophisches Buch in die Bestsellerliste gelangte. Ob es wirklich nur an den Empfehlungen von Elke Heidenreich lag, die behauptete, dass man den ersten Schritt zum Glück getan hätte, wenn man dieses Buch gelesen hätte? Natürlich beschäftigt die Frage, wie sich das Rätsel Mensch zusammensetzt auch noch heute nach wie vor den Menschen. In den vergangenen Epochen war die Suche nach dem Geist, der Seele oder dem Ich eine rein philosophische Angelegenheit. Erst zur Zeit Sigmund Freuds verlor die Philosophie an Bedeutung und auch Freud erkannte, dass die Zukunft der Wissenschaft mehr in der Biochemie zu suchen sei. Lange Zeit tat sich nichts. Aber in den letzten 15 Jahren machte die Hirnforschung enorme Fortschritte, vor allem durch die funktionelle Kernspintomografie, mit der man die Hirnleistung visualisieren kann. Die Hirnforscher ergründen derzeit kognitive Leistungen des Gehirns, bis hin zu Emotionen und Bewusstsein. Man hat mittlerweile mehrere Ich - Zentren im Gehirn ausgemacht, wie z.B. das Zentrum für Moral. Allerdings kann man bis heute noch nicht die Trennung von bewusst oder unbewusst klar nachweisen. Man vermutet lediglich, dass das Unbewusste entwicklungsgeschichtlich die ältere Schicht sei.
An den technischen Universitäten, die auch gleichzeitig eine philosophische Fakultät unterhalten, ist die Zusammenführung von Naturwissenschaft und Philosophie schon lange nichts Neues. So besuchte ich schon vor Jahren bei Prof. Dr. Kuhlmann an der RWTH Aachen eine philosophische Zeitreise durch die Geschichte des Zweifels in der Philosophie (Skeptizismus), an die ich durch dieses Buch erinnert wurde.
So führt auch Dr. Richard David Precht seine Leser und Hörer mit "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" auf eine abenteuerliche Reise auf der Suche nach den großen Fragen des Lebens in die Welt der Philosophie. Dabei integriert er geschickt aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung und Psychologie zu denen der Philosophen.
Formal betrachtet ist die Hirnforschung eine Konkurrenzinstanz zur Philosophie, inhaltlich aufgrund differenzierterer Betrachtungsweisen aber auch eine Bereicherung. Wie sagte es der Autor in einem Spiegel Interview: "Philosophie ohne Naturwissenschaft ist häufig leer, Naturwissenschaft ohne Philosophie ist häufig blind. Ohne Philosophen, welche die Fallstricke verschiedener Wahrheitsbegriffe, Metaphern, Sprachspiele kennen, können Naturwissenschaftler ihre Daten nicht interpretieren." Damit meint Precht sicherlich das oft vermisste differenzierte Denken oder die Zweifel an Hypothesen.
Auf der ersten CD beginnt die Reise mit Rene Descartes (1596-1650) Prinzip: "Ich denke, also bin ich." Auch ein Nachfahre Descartes, der heute als Professor lehrt wird zwecks aktualisierter Deutung des Ichs zu Wort gebeten. Im Weiteren werden Theorien von Ernst Mach, David Hume, Sigmund Freud, Jean Jacques Rosseau, Charles Darwin, Thomas Henry Huxley, Immanuel Kant, Giacomo Rizzolatti, Leonardo Fogassi (Entdecker der Spiegelneurone), Marc Hauser von der Harvard Universität Boston (Moral, Gut und Böse), Jeremy Bentham, Peter Singer (australische Leitfigur vieler Vegetarier), Frank Comhaire (amerikanischer Reproduktionsmediziner), William Paley, Lord Kelvin (der geistige Vater des Intelligent Designs als Gegenpol zur Evolutionstheorie) oder die Philosophen Platon und Epikur, die bereits in der Antike immer noch gültige Rezepte zum Glücklichsein kannten, im Zwiegespräch erörtert.
Dabei berührt das Hörbuch auch viele ethische Aspekte, wie Gentechnologie oder das Recht zum Töten von Mensch oder Tier. Wahrscheinlich hat sich auch Dr. med. von Hirschhausen von den Schlusskapiteln dieses Werks über das Glücklichsein zu seinem neuen Bestseller inspirieren lassen. Natürlich liefert die Philosophie nur selten alleingültige Antworten und daher sollte man auch nicht erwarten, dass die Frage "Wer bin ich?" endgültig beantwortet wird. Dieses Werk gibt Orientierung, ist aber kein Lebensberater. Es ist eine differenzierte Auseinandersetzung und sensibilisiert somit zur Selbst- und Fremderkenntnis. - Christoph Erlemeier -
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384 von 472 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Nicht kaufen - es gibt so viele bessere Alternativen!, 8. August 2008
Richard Precht ist nicht witzig. Er ist nur unheimlich selbstverliebt. "Alles ganz anders machen" und "endlich eine gute lockere Einführung schreiben", wo es doch "so viele trockene Einführungen gibt" haben tatsächlich in den letzten Jahren zig Autoren versucht, mit den immer gleichen Vorwörtern. Aber viele sind fachlich besser und vor allem philosophischer als Prechts "Tour de force". Er behauptet, er habe denken gelernt, vom angeblich "einizgen vernünftigen Kölner Philosophen". Schön dass er das so gut beurteilen kann. Aber Argumente findet man in seinen Texten nicht viele, es ist eher ein Salbadern und Name-dropping. Wer wirklich ein interessantes und leicht geschriebenes philosophisches Buch möchte (ansonsten gibt es ja noch die Rubrik "Lebenshilfe" mit "Philosophen" wie Dale Carneggie), der möge zum Beispiel Simon Blackburns "Denken" ausprobieren. Verständlich, argumentativ und spannend zugleich. Oder wer es spielerisch mag, Jens Soentgens "Selbst denken". Oder einfach Sofies Welt lesen. Precht schreibt wie der Journalist, der er ist: Halbwissend, aus anderen Büchern zusammengestückelt, aber mit aufgeplustertem Gefieder.
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