Aus der Amazon.de-Redaktion
Der Mann ist kein Schriftsteller. Er schreibt einfach so dahin, wie er sein Leben jemandem erzählen würde an einem langen Abend. Vermutlich hat er es oft so erzählt vor Unternehmern. Wenige haben ihr Leben erzählt, die so mit dem Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre verbunden waren, wie der Herta-Wurstfabrikant Karl Ludwig Schweisfurth. Als Leser kann man hier noch einmal den Träumen von einst lauschen: Vom endlosen Wachstum, dem Immer-mehr, Immer-größer. Auch dem Immer-reicher: Um 1968 herum läßt Herta-Wurst in Herten eine Fabrik bauen mit Wasserfällen und Kunstwerken in den Hallen. Unvorstellbar mittlerweile im Zeitalter globaler Konkurrenz.
Und der Leser erfährt, wie alle diese Träume zerfallen und der Mensch Karl Ludwig Schweisfurth inne wird, daß seine Ideale falsch waren. Heute gehört das Familienvermögen einer Stiftung, die über die Zukunft nachdenkt, vor allem die Zukunft unserer Nahrung, der Landschaft und der Landwirtschaft, die Gutshöfe betreibt, auf denen man Bier, Wurst, Brot, Gemüse unverfälscht bekommt. Und das Angenehme ist, daß der Verfasser über all diesen Umbrüchen nicht zum Ideologen wird. Man folgt ihm willig durch seine Gedankengebäude, wüßte gern, wie es weitergeht und nimmt sich vor, bei ihm gelegentlich jenes Öko-Bier zu trinken, das den Namen des Tieres trägt, das Herta ("Wenn's um die Wurst geht") einst groß gemacht hat: Schweinsbräu. --Michael Winteroll
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Seit im November 2000 das erste BSE-Rind in Deutschland entdeckt wurde, ist die Ökologie, in diesem Fall die ökologische Landwirtschaft, wieder ein Thema. Karl Ludwig Schweisfurth hat die Notwendigkeit zu einer Neuorientierung schon Jahre zuvor erkannt. Gestern noch leise belächelt, wird er heute von Politik und Medien hofiert.
»Herta- wenn's um die Wurst geht«. Wie kein anderer personifizierte Karl Ludwig Schweisfurth mit dem Herta-Fleischimperium das Konzept der Massentierhaltung und -vermarktung. Er übernahm das Unternehmen vom Vater und machte es innerhalb von 20 Jahren zum erfolgreichsten Fleischkonzern Europas. 5000 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz von 1,6 Milliarden standen zur Disposition, als er sich 1984 aus persönlicher Überzeugung von seiner Firma trennte. Er verkaufte an den Nestlé-Konzern und suchte nach Alternativen zur Massentierhaltung. In den folgenden Jahren baute er einen Landwirtschaftsbetrieb auf, der erfolgreich nach ökologischen Kriterien produziert und verarbeitet.
Mit dem Bio-Hof Hermannsdorf bei Glonn (südöstlich von München) realisiert er unter großem materiellen Einsatz seine Vision einer ganzheitlichen Landwirtschaft: Nur Tiere und Pflanzen, die artgerecht und würdevoll wachsen, verdienen die Klassifizierung »Lebensmittel«, nur sie können als »lebendige Nahrung« bezeichnet werden. Schweisfurths jüngster Erfolg: Im Rahmen der Expo 2000 entstand in Hannover mit der modernen Anlage »Hermannsdorf II« ein weiteres Beispiel für funktionierende Kreislaufwirtschaft. Neue Projekte sind in Planung.