Kurzbeschreibung
Am 23. September 1998 wäre Romy Schneider 60 Jahre alt geworden. Alice Schwarzer befaßt sich aus diesem Grund noch einmal mit dem Leben des Weltstars. Sie untersucht, warum ausgerechnet Romy zum Idol für Millionen Menschen geworden ist, und geht der Frage nach, wie die wirkliche, vom Mythos befreite Romy ausgesehen hat.Alice Schwarzer, geboren 1942, Journalistin und Essayistin, ist seit 1977 Herausgeberin und Verlegerin der Zeitschrift "Emma".
Sie veranstaltete im Oktober 1999 in Zusammenarbeit mit dem von ihr gegründeten FrauenMediaTurm den Beauvoir-Kongress.
Veröffentlichungen: "Eine tödliche Liebe, Petra Kelly und Gert Bastian", 1993. "PorNo", 1994. "Marion Dönhoff, Ein widerständiges Leben", 1996. "So sehe ich das!", 1997. "Romy Schneider, Mythos und Leben", 1998. "Simone de Beauvoir, Rebellin und Wegbereiterin", 1999.
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Nicht nur Lady Di, auch Romy lebt! Sissi, die Kindkaiserin mit dem unverbrauchten Charme der Mini-Playback-Show ist so herzallerliebst, daß wir ihr den triefenden Mythenkleister nicht nur verzeihen, sondern in endlosen Wiederholungen immer wieder unsere tristen Sonntagnachmittage damit bestrahlen. So schön, so unschuldig ist keine inszenierte Blaublütige je gewesen. Immer wenn der Mythos über den Menschen hinauswächst, kommt die Rückfrage: Wer war sie wirklich?
Alice Schwarzer, von der streitwilligen Kampfemanze zur selbstbewußten Denkmalsetzerin starker Frauen Gewandelte, will diese Frage beantworten. Sie zeigt die Metamorphose der Unschuld zur Charakterdarstellerin, die Charakter besitzt und ihn deshalb nicht spielen muß. Aber nach Schwarzer hätte alles anders kommen können, wenn Romy nicht ins Prokrustesbett männlicher Chauvis gedrängt worden wäre, wenn die Übermutter Magda Schneider ihre Tochter nicht zur züchtigen Ikone des deutschen Films deformiert hätte. Romy blieb nicht Sissi. Wider die eigenen Ursprünge wollte sie beweisen, daß sie nicht nur der Blütentraum einer ehrgeizigen Schauspieler-Dynastie war, sondern auch dem Leben als respektable Schauspielerin gewachsen war, reife Kindfrau einer Kinozeit, die dem Kitschzelluloid entstieg, um wieder zum Leben zu finden.
Sie wandelte sich zur verruchten Komplizin Piccolis im Trio infernale, erlag dem wilden Schaf Jean Louis Trintingant und wurde zur begehrten Femme fatale des französischen Lifestyle-Kinos. "Existenzialismus light" wurde Romys zweiter Heiligenschein. Späte Sternstunde im deutschen Talk-Fernsehen: Romy berührt Burkhard Driests linken Arm und stellt fest: "Sie gefallen mir, Sie gefallen mir sehr." Daß nun ausgerechnet der Sensiblen, ja Unnahbaren der Vorzeige-Rohling der siebziger Jahre gefiel, holte uns vom Fernsehhocker in die Wirklichkeit zurück. Romy, die Anarchistin wider jede Wahrscheinlichkeit ihrer von Muttern gegängelten Kindheit? Alice Schwarzer sagt nein, sie ist unzufrieden mit Romys Ausreißversuchen. Sie kritisiert Romys Willfährigkeit, sich den Wünschen der Machos, insbesondere der Protagonisten des großen Männerkinos wie etwa Orson Welles oder Luchino Visconti zu unterwerfen. Romys tragische Reise zwischen den Extremen, die nach der Biographin untergründig von Männerphantasien verschweißt sind, wird minutiös anhand von Tagebuchaufzeichnungen und Briefen rekonstruiert. Nach Schwarzer belügt sich Romy selbst, wenn sie zur Frau an der Seite von Alain Delon wird, wenn sie von den Projektionen der einflußreichsten Filmpotentaten eingeholt wird, wenn sie ihr Starleben mit rosarotem Zuckerguß glasiert.
Schwarzers Romy-Recherche der verlogenen Zeit präsentiert ein Frauenschicksal, das weniger vorbildhaft als exemplarisch in einer Welt erscheint, die auch Märchenprinzessinnen in das Klimakterium der Schicksalsjahre und bald schon in den Tod schickt. Das Leben ist also doch ein Film -- zumindest wenn "frau" Romy Schneider heißt. --Dr. Goedart Palm
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.