Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Leben eines Müßiggängers, 18. Januar 2009
Müßiggang und Selbstbetrachtungen durchziehen das Buch über Mihaly, den Flaneur und unerkannten Dichter in dem Roman von Ernö Szép.
Mihaly ist 46, lebt in Budapest und fürchtet das Alter. Er geht durchs Leben in der Hoffnung, dass es für ihn die Erleuchtung, das große Erlebnis oder die große Liebe gibt. Dabei wird er von einer gesellschaftlichen Einladung zur anderen getragen, und er liebt doch das Alleinsein! Eine verheiratete Dame, cinque Fleur nennt er sie, belebt seine Tage. Sie gehört zu einer Gesellschaftsschicht, die in gewisser Freizügigkeit dem Wohlbehagen frönt. Ein Bad, das Ruhen auf der Liege,---Cinque Fleur versteht es schon, den Liebhaber am Telefon zu animieren, doch kann sie ihn aus der Langeweile und selbst gewählten Isolation nicht befreien.
Ein Rest der alten k.u.k. Monarchie mit ihren Festen und geselligen Veranstaltungen schimmert durch die Erzählung.
Eine kleine untalentierte Schauspielerin schmeichelt sich bei Mihaly ein. Sie tut ihm gut, kann ihn aber auf Dauer nicht an sich binden.
Die Leere eines Daseins, dem konsequente Zielstrebigkeit und ein erfüllter Tageslauf zu mehr Stringenz verhelfen würde, teilt sich dem Leser mit, der den unendlichen melancholischen Betrachtungen von Mihaly recht hilflos zuschaut.
Man darf staunen, wie einer da ruhig und behäbig durchs Leben treibt! Wie er in den Tag hineinlebt, versonnen hier und da Begegnungen beschreibt und seinen Gedanken nachsinniert, das bietet einen Eindruck von einer Zeit, in der es unaufgeregt und müßig zu ging.
Ernö Szerb gehört zu den Wiederentdeckungen ungarischer Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Komm, Trauer, komm, 6. Dezember 2008
"Alles, was mir im Leben wohlgetan hat, war dem Tod ähnlich. Der viele, viele Schlaf, das Fast-Versunkensein ins Gedankenlose, das reglose Ausruhen, das Alleinsein auf Feld und Meer " Diese Selbstauskunft gibt der Mittvierziger Mihaly, ein in Budapest lebender Journalist, Theaterautor, Dichter, Feuilletonist und berufener Melancholiker. Mihaly hat Talent, aber keinen Ehrgeiz, er ist begabt, aber nicht zielstrebig. Lieber lebt er in den Tag hinein, schreibt, damit die Schulden nicht zu sehr anwachsen, damit er seiner Familie und noch ärmeren Freunden helfen kann und auch, um Zuflucht vor den Frauen zu finden. Er ist kein Verführer, lieber lässt er sich verführen und beendet die Beziehung, bevor eine Ehe oder eine langweilige Gewohnheit daraus werden könnte. Einzig die junge Schauspielschülerin Iboly ändert sein Muster, unfreiwillig freilich. Iboly ist in ihn, den wesentlich Älteren, verliebt, und es wäre ein leichtes für den eleganten Mihaly, sie zu verführen. Aber er erweist sich als Moralist höherer Gnaden. Als er erkennt, dass Ibolys Talent für eine große Karriere nicht reicht, verkuppelt er sie mit einem jungen, aufrechten Kaufmann.
Bis dahin, das sei eingestanden, hat es Mihaly ein wenig schwer, die Sympathie des Lesers zu gewinnen. Er parliert, eloquent, tiefsinnig und sehr elegant, über sein Leben, das er im Grunde verpfuscht in ewiger Selbstbespiegelung und Mimosenhaftigkeit. Aber der Verzicht auf Iboly gibt ihm und dem Buch eine Größe, die es rettet vor dekadenter Selbstreflexion. So ist "Die Liebe am Nachmittag" der Schwanengesang eines großen Stilisten und hochsensiblen Mitmenschen, der die Trauer als seine eigentliche Heimat anerkannt.
Erno Szep selbst, so ist im Klappentext zu lesen, wurde nach seiner Deportation nach Auschwitz durch die entschlossenen Aktivitäten des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg vor dem sicheren Tod gerettet.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
|