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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Packender Krimi aus dem Berlin der 20-er Jahre, 3. Januar 2007
Berlin 1922: Schreck in der Abendstunde für die Haushälterin Elisabeth Moll: Ihr Arbeitgeber, der Wunderheiler Sartorius, liegt tot im Wohnzimmer, erschlagen mit einer Buddha-Statue aus Jade. Zu seinen Patienten zählte vor allem die Berliner Prominenz. Hatte aus diesem Personenkreis jemand ein Tatmotiv?
Kriminalkommissar Leo Wechsler ermittelt und findet schnell heraus, dass Sartorius nicht unbedingt ein blütenreiner Saubermann war. Einige seiner Patienten therapierte er mit Kokain damals so illegal wie heute. Nahm er es mit der Diskretion vielleicht auch nicht so genau? Ist gar Erpressung im Spiel?
Die Ermittlungen in den besseren Kreisen erweisen sich schnell als heikle Angelegenheit. Die eigenmächtigen Aktionen seines Kollegen von Malchow machen Leo Wechsler zusätzlich das Leben schwer.
Da geschieht ein zweiter Mord: Im ärmlichen Scheunenviertel wird Erna Klante, eine ältere Prostituierte, erdrosselt aufgefunden. Einziges Indiz: Ein teurer Knopf, der am Tatort gefunden wird und der nicht zur Bekleidung der Toten gehören kann.
Eine innere Stimme sagt Kommissar Wechsler, dass diese beiden Mordfälle womöglich zusammenhängen. Eine Theorie, die weder Kollegen noch Vorgesetzte nachvollziehen können. Was soll der Wunderheiler der besseren Gesellschaft mit der alternden Hure zu tun gehabt haben? Doch Leo Wechsler ist für seine Hartnäckigkeit bekannt. Vielleicht gab es ja in der in der Vergangenheit eine Verbindung zwischen Sartorius und dem zweiten Opfer? Wer war Erna Klante, bevor sie in der Gosse landete? Er forscht nach ...
Parallel zu der Geschichte von Leo Wechsler wird die des Mörders erzählt. Immer wieder streut die Autorin seine Gedanken ein. Dadurch ist der Leser den Ermittlern stets einen Schritt voraus. Und die Frage heißt hier nicht, wie im klassischen Krimi: Wer war es?, sondern: (Wie) werden sie ihn kriegen? Die Spannung entsteht aus dem Katz- und Maus-Spiel zwischen dem Täter und der Polizei. Manchmal möchte man aus seiner wissenden Position heraus die Personen in dem Roman in die richtige Richtung schubsen, wenn wieder eine Chance auf Aufklärung haarscharf verpasst wurde: Jetzt sag doch schon, was du weißt, Mann! Das ist kein Geschwätz, das ist WICHTIG!
Die zwei ungelösten Mordfälle sind jedoch nicht Leo Wechslers einziges Problem. Ständig hat er Ärger mit seinem Kollegen von Malchow. Der ist ebenso arrogant wie unfähig, gehört aber wie ein Großteil der Kriminalpolizei dem Adelsstand an und genießt dadurch unfassende Protektion. Und wenn es noch so kontraproduktiv ist, was er tut: Er kommt damit durch. Wechsler, den weder Adelstitel noch Kriegsehren auszeichnen, sondern nur seine gute Arbeit, treibt von Malchows impertinentes Verhalten zur Weißglut.
Auch in Wechslers Privatleben gibt es Spannungen: Er ist seit drei Jahren verwitwet und hat zwei Kinder. Seit dem Tod seiner Frau führt ihm seine jüngere Schwester Ilse den Haushalt, die so langsam das Gefühl hat, vor lauter Pflichterfüllung ihr eigenes Leben zu versäumen. Dann erkrankt auch noch Tochter Marie ...
Das Privatleben des Kommissars ist ein zentrales Element des Romans, ohne dass es den Kriminalfall dominiert. Gerade an den häuslichen Verhältnissen und an der familiären Situation Wechslers wird der gesellschaftliche Hintergrund deutlich. Wenn Ilse über die irrwitzigen Preissteigerungen klagt und sich die Familie zu Mittag mit Pellkartoffeln und Margarine begnügen muss, wenn Leos Sohn vom Lehrer Prügel bezieht, weil er einen jüdischen Schulkameraden gegen ungerechtfertigte Angriffe verteidigt, dann ist das Geschichte zum Mitfühlen. Oder wie es die Autorin Rebecca Gablé formuliert: Leo Berlin ist eine Zeitreise erster Klasse.
Wer sich unbedingt davon überraschen lassen möchte, wer der Täter ist, für den ist LEO BERLIN wohl nicht der richtige Tipp. Wer aber gerne schlauer ist als die ermittelnden Beamten und deshalb vielleicht sogar zu den Menschen gehört, die den Schluss eines Kriminalromans zuerst lesen schwebt hier im siebten Krimihimmel. Wenn Sie sich also für die Hintergründe und Umstände einer Tat genauso interessieren wie für die Ermittlungsarbeit, werden Sie sich bestens unterhalten. Glaubwürdige Charaktere, eine lebendige Sprache sowie der wohl dosierte Einsatz von Zeitgeist und Lokalkolorit tragen das Ihrige dazu bei.
Für alle, denen nach Abschluss der Ermittlungen der Abschied von Leo Wechsler und dem Berlin der 20-er Jahre schwer fällt: Der Kriminalkommissar ermittelt weiter ... in dem Band TOD IN BLAU.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gelungener Debütroman!, 19. November 2006
Im Berlin Anfang der 20er Jahre sieht es nicht besonders gut aus. Steigende Arbeitslosigkeit und zunehmende Inflation fördern die Unzufriedenheit und Angst der Bevölkerung. Als plötzlich der berühmte Wunderheiler Sartorius ermordet wird, beginnt Leo Wechsler zu ermitteln. Leo ist ein politisch korrekter, sympathischer Polizist, der weder Adelstitel noch Kriegsehren vorweisen kann, sondern sich aufgrund seiner ausgezeichneten Arbeit bewährt hat. Dieser neue Fall hat es in sich, denn der ermordete Wunderheiler Sartorius verkehrte in besten Kreisen, zu seinen Patienten zählte vor allem die Berliner Prominenz. Doch wer von ihnen hatte ein Motiv ihn zu töten?
Susanne Goga hat in ihrem Debütroman einen sympathischen Ermittler geschaffen, der durch seine Menschlichkeit und seine Abneigung gegen den typisch preußischen Gehorsam die Herzen der Leser gewinnt. Als Polizist im so genannten Adelsclub hat er es nicht immer leicht und auch privat sieht er sich Problemen gegenüber. Seit dem Tod seiner Frau führt ihm seine Schwester den Haushalt und sorgt sich um seine Kinder, was zu Unzufriedenheit und Konflikten führt. Leo Wechsler ist kein Mensch ohne Ecken und Kanten, die Vorwürfe seiner Schwester haben Hand und Fuß und dennoch kann er mit ihr nicht offen sprechen. Die Gratwanderung zwischen Pflichtgefühl und Sehnsucht nach einer eigenen Beziehung prägen und belasten das Zusammenleben.
Durch den Kunstgriff der Autorin, schon direkt zu Beginn kurze Szenen aus der Sicht des Täters einzubinden, beginnt sich der Leser ein eigenes Bild über den Fall des ermordeten Wunderheilers zu machen und hat so die Möglichkeit, zu Beginn mitzurätseln. Die Auflösung wird zwar relativ schnell ersichtlich, doch das hat meinem Lesevergnügen überhaupt keinen Abbruch getan, denn das Motiv des Täters und die Jagd auf ihn sind fast ebenso spannend wie die Lösung selbst. Susanne Goga schafft trotz einiger Vorgriffe in der Handlung einen runden Spannungsbogen, führt den Leser gekonnt ins Berlin der Weimarer Republik, zeichnet lebendige Personen und bietet so einen guten Krimi der anderen Art aus einer interessanten Zeit. Wen die Umstände eines Verbrechens und die Psyche des Täters mehr oder ebenso interessieren wie die Frage nach der Identität des Täters, ist mit Leo Berlin gut beraten. Auch wenn gegen Ende kaum Fragen offen bleiben, hoffe ich sehr, Leo Wechsler bei weiteren Fällen über die Schulter sehen zu dürfen!
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
20er-Jahre-Krimi mit Charme, 20. August 2005
Berlin, 1922: Beginnende Inflation, das aufgeheizte politische Klima der Weimarer Republik, tristes Hinterhofleben der Arbeiterklasse im Gegensatz zu eleganten Villen der Oberschicht. Zu dieser Zeit ermittelt Kommissar Leo Wechsler in einem Mordfall. Der Wunderheiler Sartorius, der Patienten aus den besten Kreisen behandelte, wird tot in seiner Wohnung aufgefunden - erschlagen mit einer Buddhafigur aus Jade. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass der Wunderheiler kein unbeschriebenes Blatt war. Er "therapierte" eine Reihe von Patienten mit Kokain. Ob hier der Grund für den Mord zu suchen ist? Wechslers Nachforschungen führen ihn in die Wohnzimmer der feinen Gesellschaft ..."Leo Berlin" ist ein Roman, den man schon auf den ersten Seiten lieb gewinnt. Mit Leo Wechsler präsentiert Susanne Goga eine Hauptfigur, die gleichermaßen sympathisch, interessant und glaubwürdig ist. Witwer, Vater von zwei Kindern, ein Familienleben in einem Wohnblock in Moabit mit Problempotential. So wird das Leben der 20er Jahre für den Leser greifbar und "Leo Berlin" mausert sich zu einer interessanten Zeitstudie. Doch auch die Spannung kommt nicht zu kurz. Goga wechselt immer wieder die Perspektive und teilt dem Leser immer wieder die Gedanken des Täters mit. So kann der Leser schon herausfinden wer der Täter ist, bevor die Geschichte zur Hälfte erzählt ist. Goga rückt das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ermittlern und Täter in den Mittelpunkt. Man weiß als Leser, dass der Täter noch auf einen weiteren Schachzug aus ist und so werden die Ermittlungen zu einem Lauf gegen die Zeit. Spannend bleibt die Geschichte damit bis zum letzten Moment, zumal Goga es versteht, beide Ebenen der Hauptfigur Leo Wechsler interessant verlaufen zu lassen - die private genauso wie die berufliche. Sprachlich liest sich das Ganze sehr angenehm und unterhaltsam. Gogas Stil ist recht einfach gehalten und lässt sich locker und flott herunterlesen. Eingestreute Dialoge mit Berliner Akzent sorgen für das nötige Lokalkolorit. Alles in allem, weiß Susanne Goga mit ihrem Debütroman recht ordentlich zu überzeugen. Sie lässt gute Recherchearbeit erkennen und mixt aus Fakten und Fiktion einen schmackhaften, gut bekömmlichen Cocktail aus Krimi und sensibler Zeitstudie. Die Figuren wirken lebendig, die Handlung ist spannend und der Leser kann sich dank der so stimmig in die Handlung eingewobenen Studie der zwanziger Jahre wunderbar in die damalige Zeit versetzen. Fazit: Lesenswert.
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