Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wundervolles Buch, 28. August 2004
Von Ein Kunde
Mit großer Erwartung habe ich diesem Buch entgegengefiebert, und sie ist nicht enttäuscht worden. Matt Ruff beweist in seinem neuen Werk, dass er auch ernste Themen sensibel be-schreiben kann. Ganz ohne Vorurteile, aber auch nicht ohne humoristische Seitenhiebe, werden hier Charaktere (und davon gibt es einige! Schließlich geht es um multiple Persönlichkeiten) präzise herausgearbeitet. Andeutungen und die Phantasie des Lesers / der Leserin beschreiben Andys und Pennys Vergangenheit besser, als es platte Schilderungen könnten. So berührt das Buch den Leser und fordert ihn auf, seine eigene Meinung zu bilden. Ich bin mir sicher, dass Matt Ruff die denkbar sensibelste Form gewählt hat: Er beschreibt den Kindesmissbrauch nicht in allen Einzelheiten, sondern deutet nur an und stupst den Leser / die Leserin hier und dort in die richtige Richtung, oft nur durch sehr wenige Worte. Dieses Werk geht einfach ein Stück über die Popliteratur hinaus. Es bietet viel Unterhaltung und Spannung, und es diskutiert nicht, ob es MPD nun gibt oder nicht - es beschreibt einfach, wie zwei Personen mit ihren etwas eigenen Problemen fertig werden, und er schreibt damit, wie es auch im englischen Untertitel steht, eine wundervolle "Romance of Souls".Leider hat der geniale Wortwitz des englischen Originals mal wieder unter der Übersetzung gelitten, die zwar handwerklich fehlerfrei durchgeführt wurde, aber einige Inhalte, die zwischen den Zeilen steckten, unter den Tisch fallen ließ. Zwar ist die Übersetzung des berühmten "F-Wortes" in sämtlichen Flexionen, die im Original äußerst häufig auftreten, gut gelungen, aber die Inkonsequenz im Gebrauch von englischen und deutschen Wörtern (Society vs. Gesellschaft) hinterlässt den Eindruck, als hätten die Übersetzer einfach nicht darüber nachgedacht, genauso wie der verfehlte Einsatz von Dialekten. Vor allem stören aber die Grammatik- und Zeichensetzungsfehler, die mich beim Lesen immer wieder aus dem Fluss brachten.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Außergewöhnlich und daher empfehlenswert, 2. Februar 2009
Wie flieht man aus einem Haus voller Geister, wenn sich das Haus im eigenen Kopf befindet? Dieser Frage geht Matt Ruff in seinem dritten Roman nach. Seine Protagonisten Penny und Andy leiden unter Multipler Persönlichkeitsstörung. Betroffene bilden dabei eine Anzahl unterschiedlicher Persönlichkeiten, die in wahlloser Reihenfolge die Kontrolle über das Verhalten übernehmen. Oft kann sich die andere Persönlichkeit nicht mehr an diese Vorgänge erinnern, sodass es sowohl für den Menschen als auch für sein Umfeld schwierig wird. An zwei Beispielen zeigt Ruff auf, wie sich diese Störung äußert und wie sehr sowohl der Betroffene und die Umwelt darunter leiden. Nie kann man sicher sein, mit welcher Person man gerade zu tun hat. Für den Roman ist das gleichzeitig verwirrend, aber auch fesselnd. Mit sehr wenigen Personen schafft es der Autor, eine überaus interessante Geschichte zu erschaffen, die den Leser in seinen Bann zieht. Interessant deswegen, weil das Thema bislang nicht oft in der Belletristik zu finden ist.
Da Penny mit ihrer Störung ganz anders umgeht als Andy, werden ganz verschiedene Ansichten und Umgangsformen aufgezeigt. Während Andy sich bereits eine Struktur im eigenen Kopf erschaffen hat, an denen sich seine mehr als 100 Seelen orientieren können, steht Penny noch ganz am Anfang. Sie ist sich ihrer Seelen nicht bewusst und reagiert unberechenbar auf die alltäglichsten Dinge des Lebens. Doch schnell finden wenigstens ein paar von ihnen heraus, dass Andy ihnen möglicherweise helfen kann. Aber auch Andy hat zeitweise Probleme, die verschiedenen Persönlichkeiten in seinem Kopf angemessen im Alltag zu organisieren. Dadurch entstehen teils grotesk anmutende Situationen, die wohl auf dem Klappentext für das Urteil "zum Brüllen komisch" sorgten. Ganz eindeutig hat der Autor einen besonderen Witz, den er immer wieder einfließen lässt. Dennoch beschreibt er diese für nicht Betroffene kaum nachvollziehbaren Aktionen anschaulich und gleichzeitig empathisch, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Man ist betroffen, bedrückt oder auch hoffnungsvoll, je nachdem wie die Seelen miteinander umgehen. Schritt für Schritt erfährt man aus unterschiedlichen Ansichten, wie wohl das bisherige Leben von Penny und Andy verlaufen ist. Diesem Roman liegt offensichtlich eine sehr umfangreiche Recherche zugrunde. Matt Ruff hat es geschafft, als Nichtbetroffener das Leiden der anderen auf den Punkt zu bringen.
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
phantastische Reise durch die Seele, 30. September 2004
« „Nein, ich bin eine multiple Persönlichkeit." „Eine multiple Persönlichkeit. Sie haben weitere Persönlichkeiten, die an Ihrem Körper teilhaben." „Weitere Seelen." [...] Jetzt bekam Julie einen Schrecken. Wer noch nie Zeuge eines Persönlichkeitswechsels war, erwartet oft eindrucksvolle körperliche Veränderungen, wie wenn einem Werwolf im Lichte des Vollmondes ein Pelz und Reißzähne sprießen. In Wirklichkeit aber geht es viel weniger spektakulär zu - der Körper verändert sich nicht, nur der die Körpersprache, aber das kann auf den Betrachter eine weit beunruhigendere Wirkung haben. Ich bin ein eher schüchterner Typ, und auch wenn ich mich bemühe - da es sich nun mal so gehört -, im Gespräch meinem Gegenüber in die Augen zu sehen, habe ich einen (wie es Tante Sam nennt) „höflich unaufdringlichen Blick". Adam ist natürlich das genaue Gegenteil von unaufdringlich. Kaum hatte er den Körper von mir übernommen, hatte er nichts Eiligeres zu tun, als Julie mit seinem proletenhaftesten pubertären Grinsen zu bedenken. »Andy Gage ist viele. Da ist Adam, der pubertierende Junge, Jake, der fünfjährige, Tante Sam, die Künstlerin, Gideon, der Verbannte und zahlreiche andere. Denn Andy hat eine multiple Persönlichkeit. Früher führte das zu Chaos, da keine der Personen voneinander wussten, aber jetzt haben sie sich mit Hilfe einer Therapeutin arrangiert. Sie wohnen in einem Haus, das sich in Andys Kopf befindet, sie können über eine Kanzel jederzeit beobachten, was draußen vorgeht, aber nur Andrew darf den Körper steuern. Eines Tages begegnet Andrew Julie, die ein Unternehmen für Virtual Reality gegründet hat und diese stellt Andrew ein. Kurz darauf auch Penny, eine weitere Frau mit multipler Persönlichkeit, doch diese weiß noch nichts von ihrer Krankheit. Erst will Andrew nichts mit Penny zu tun haben, dann will er ihr helfen und das geht nicht gut. Zu viel aus der eigenen Vergangenheit wird hochgespült, der Mißbrauch durch den Stiefvater, der Tod des eigenen Vaters und die Mutter, die ... Aber das verrate ich besser nicht. Denn wenn „Ich und die anderen" auch ein psychologischer Roman ist, liest er sich auch wie ein Thriller und wir verfolgen atemlos Andrew und Penny auf ihrer Reise durch den eigenen Kopf und erleben ihre Versuche, dort Ordnung aus dem Chaos zu schaffen. Matt Ruff hatte mit „Fool on the hill" bereits ein Fantasy-Kultbuch geschrieben, mit „Gas - die Triologie der Stadtwerke" eine SF-Satire und geht mit seinem dritten Buch wieder auf ein ganz neues Terrain. Auch das gelingt ihm genial und fesselt den Leser von Anfang an, nimmt ihn mit auf eine Reise in die dunklen Seiten der Seele. Einfach lesenswert.
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