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Salzwasser: Roman
 
 

Salzwasser: Roman (Taschenbuch)

von Charles Simmons (Autor), Susanne Hornfeck (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 144 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Juni 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342312900X
  • ISBN-13: 978-3423129008
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 11,9 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 138.276 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Der Tod der Gefühle

Charles Simmons' Novelle «Salzwasser»

Hundertdreissig Jahre liegen zwischen der Novelle «Erste Liebe» von Iwan Turgenjew und dem kurzen Roman «Salzwasser» von Charles Simmons; dazwischen liegen Aufstieg, Blüte und Niedergang des bürgerlichen Menschenschlages und die Enthüllungen der Psychoanalyse – und dennoch handeln beide vom gleichen Trauerspiel: von jener ersten, nur zu gern verklärten Liebe.

Turgenjew lässt einen Mann in mittleren Jahren von seiner Jugend um 1830 erzählen, als sein Vater, ein energischer und auf Distanz bedachter Mann, im geheimen ein Verhältnis mit einer jungen Adligen unterhielt, in die sich der Sohn zuvor hoffnungslos verliebt hatte. Wolodja, sechzehn Jahre alt, unerfahren und an der Nase herumgeführt, blieb als unschuldiges Opfer fürs Leben gezeichnet. Seine erste war zugleich seine letzte Liebe; wie beiläufig berichtet er auch noch vom späteren Tod fast aller Beteiligten – und ein wenig elegisch fügt er hinzu, er habe für sich und für die Verstorbenen zu beten gelernt.

Ein paar Zeilen von Turgenjew stehen als Motto dem 1998 im Original erschienenen und von Susanne Hornfeck nun auch ins Deutsche übertragenen Roman «Salzwasser» voran. Charles Simmons verlegt den Schauplatz ins Jahr 1963 auf eine Halbinsel vor der nordamerikanischen Atlantikküste. Dort stehen ein paar Ferienhäuschen, in denen die Familie des Erzählers die Sommermonate zu verbringen pflegt. Der Vater ist ein sportlicher und aufs naturnahe Leben bedachter Mensch, seine Frau ein etwas verhärmtes Hausmütterchen: der Junge, Michael, ist fünfzehn, eher still und nicht so forsch, wie der Vater ihn womöglich gerne sehen möchte. Aber was macht das schon; die beiden schwimmen zusammen weit hinaus auf das nicht ungefährliche Meer und geniessen die Fahrten auf ihrem Segelboot.

In dieses uramerikanische Idyll platzen zwei Frauen, Mutter und Tochter, die sich im Nachbarhaus eingemietet haben. Der Junge verliebt sich auf Anhieb in die schöne, fünf Jahre ältere Zina. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander; es ist klar, dass sie ihn nicht so liebt wie er sie, aber sie scheint ihn zu mögen, sie spielt nicht nur mit ihm. Man segelt gemeinsam und feiert Strandparties; es wird auch darüber spekuliert, wer wohl mit wem ein Verhältnis haben könnte. Zinas Mutter mit Michaels Vater vielleicht? Zuzutrauen wäre es beiden. Oder Zina mit dem schnieken Galeristen, der mit dem Motorboot aufkreuzt, sich dann aber als homosexuell entpuppt und Michael Avancen macht?

Der Junge versteht das alles nicht richtig: Er wird nur immer eifersüchtiger, je mehr er das Gefühl hat, dass alle um ihn herum etwas wissen, das sie ihm verbergen möchten. Als ihm klar wird, dass Zina mit seinem Vater eine Liaison unterhält, schlägt er zurück. Tief verletzt beantwortet er das, was er für Verrat halten muss, mit Erpressung und letztlich mit einem Totschlag.

Was in einer so gerafften Zusammenfassung womöglich nicht weniger anrührend erscheinen mag als die Novelle Turgenjews, erhält bei Simmons von Beginn an eine wesentlich ungemütlichere, eindringliche Wendung, die aus der Art resultiert, wie hier erzählt wird. Einerseits ist «Salzwasser» kompositorisch viel strenger aufgebaut als Turgenjews Text – und dabei dennoch in vielen kleinen Details an die Vorlage angelehnt –, «im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank», lautet der erste Satz, der Anfang und Ende des Romans definitiv festlegt. Andererseits aber schildert Simmons eine weitaus differenziertere Welt, nämlich das liberale, relativ freizügige Leben einer Mittelschicht, deren Väter im Urlaub mit den Söhnen auf Abenteuer aus sind; eine Welt, in der Knaben für ihre Tapferkeit beim Angeln belobigt werden und junge Männer sich mit ihren Vätern über Frauen unterhalten. Die Väter sind menschlicher, und die Söhne werden ein bisschen früher erwachsen. Sie stehen sich näher, wissen mehr und sind um so enger aneinandergefesselt. Denn unter guten Kumpanen zählt ein Vertrauensbruch doppelt – und wer mit der Freiheit zu eigenständigem Handeln aufwächst, kann auch viel zerstören.

Simmons spitzt die Geschichte extrem zu, er schildert sozusagen die traurigen Folgen einer fortgeschrittenen Liberalität und Aufklärung. Deshalb lässt er seinem gealterten Erzähler nicht einmal den Trost des Gebets, sondern nur die Fähigkeit zu einem spröden Bericht, der an einen Sommer erinnert, welcher mit grossen Erwartungen begann und verheerend endete. Der Erzähler protokolliert, was geschah, und man merkt seiner Sprache an, dass er zwar darum bemüht ist, die einst verspürten Gefühle noch einmal zu benennen, dass er aber keine neuen mehr zulassen möchte. «Wie man mit den Dingen fertig wird» ist das vorletzte Kapitel überschrieben – und jedes Wort ist ein Beleg für den zwiespältigen Sieg, den da einer über sein Unglück errungen hat. Aber eben auch der Ausdruck eines Verlustes, der ihm ein Rätsel bleiben muss: «Ich bin jetzt älter als mein Vater bei seinem Tod. Warum ich mich immer noch fühle wie ein Kind, weiss ich nicht.»

Michael Schmitt -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Die Zeit, 06.04.2000
Zu sagen, Martin Lüdke ist hingerissen von dem Buch, wäre glatt untertrieben. Er gerät in Ekstase, er schwärmt, er erlebt beim Lesen noch einmal die „Erste Liebe“, jene „erregende Zeit des innerlichen Bebens, des Erschauderns“. Das Buch steht seiner Vorlage, Turgenjews „Erste Liebe“ in nichts nach, so Lüdke: der Autor, ehemaliger Literaturredakteur der „New York Times Book Review“, hat die Vorlage weniger geändert als „überschrieben“. So ist aus dieser Geschichte des 19. Jahrhunderts eine „gegenwärtige Liebesgeschichte“ geworden, die auch beweist, was uns zur Literatur führt: „Das Verlangen nach Glück“.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Unfall oder Totschlag!?, 19. Oktober 2005
Von Ein Kunde
In seinem Roman "Salzwasser" erzählt Charles Simmons von einem 15 Jährigen, der eine sehr innige Beziehung zu seinem Vater genießt, die jedoch einen erheblichen Wendepunkt durch die Bekanntschaft der schönen Zina erfahren muss.

Vater und Sohn Michael unternehmen sehr viel gemeinsam. Die Familie verbringt den Sommer in ihrem Ferienhaus am Meer, das Gästehaus nebenan vermieten sie an Mrs. Mertz und ihre Tochter Zina. Als es zur ersten Begegnung zwischen dem Jungen und Zina kommt, verliebt er sich Hals über Kopf. Doch seine Gefühle werden von ihr nicht erwidert. Schließlich merkt er, dass sie ein Geheimnis hütet. Was steckt dahinter?

Der erste Satz der Erzählung beschreibt die weiterführende Handlung: "Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank." Die Schuldfrage an dem Tod bleibt für den Leser offen. Ob es Absicht ist oder das Ruder aus dem Affekt rumgerissen wird, ist unklar. Auslöser dafür ist, dass der Vater riesengroß erscheint und damit furchterregend erscheint.

Das gefühlslose Erzählen macht den Roman interessant. Es werden nur Fakten dargestellt, die Gefühle müssen rausgelesen werden. Auch für jüngere Leser empfehlenswert.

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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Fein ausgeführte Miniatur, 24. Juni 2006
Diese Rezension stammt von: Salzwasser (Gebundene Ausgabe)
Aus der Perspektive eines etwa fünfzigjährigen Erzählers läßt Simmons die entscheidenden Wochen einer Jugend Revue passieren. Er tut dies in gut amerikanischer Tradition mit einer sehr schlichten Sprache und ohne Schnörkel. Die Geschehnisse geschehen einfach, die Handlung ist bis auf den Schluß eigentlich keine Handlung, sondern ein Fluß solcher Geschehnisse, die träge, aber unausweichlich auf eine Tragödie hinauslaufen. Der Leser sitzt quasi am Meer und sieht dem wie zufälligen Spiel der anrollenden und abfließenden Wellen zu -- und gelegentlich bricht sich auch eine rauschend vor dem Strand.

Leider ging mir der Stil in seiner Schlichtheit gelegentlich auf den Geist, da auf diese Weise meiner Meinung nach auch die Ereignisse zu sehr vereinfacht und verflacht wurden. Sicher, es betont den Abstand zwischen dem gealterten Erzähler und dem Jungen, der er war, aber warum dieses Ausmaß der Tragödie, wenn er die Emotionen ignoriert? Insbesondere die Emotionen, die eine solche Tragödie zur Folge hätte, so daß sie noch im Erzähler wühlen müßten.

Nichtsdestotrotz ein sprachlich und erzählerisch schöner kleiner Roman, in dem kein Satz zuviel steht  sozusagen eine feine ausgeführte Miniatur.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Verlust der Naivität, 19. Oktober 2005
In dem Roman von Charles Simmons, mit dem Titel "Salzwasser", geht es um einen 15-jährigen Jungen, der seine ersten Erfahrungen in der Liebe macht.

Michael lebt den Sommer über mit seinen Eltern in einem Ferienhaus am Meer. Als er die 5 Jahre ältere Zina kennen lernt, verliebt er sich Hals über Kopf in sie. Sie lebt mit ihrer Mutter im benachbarten Gästehaus. Michael ist zum ersten Mal verliebt und eindeutig Vertreter der romantischen Liebe. Zwei Menschen sind füreinander bestimmt, verlieben sich, heiraten, bekommen Kinder und werden zusammen alt. Dies könnte man fast als Illusion in unserer heutigen Gesellschaft bezeichnen und dieser Gedankengang Michaels zeigt deutlich seine noch vorhandene Naivität und Unwissenheit, welche sich im Laufe des Buches verliert. Zina spielt mit ihm und weist ihn schließlich zurück. Dies will er nicht wahrhaben und hält weiterhin an seinen Anschauungen der romantischen Liebe fest. Die Geschichte spitzt sich zu und kommt zum Wendepunkt, als er von der Affäre Zinas mit einem anderen Mann erfährt. Er wird aus seiner Traumwelt gerissen und landet auf dem harten Boden der Realität. Das vorher freundschaftliche Verhältnis zu dieser Person geht in die Brüche. Ein weiterer Verlust in Michaels heiler Welt. Nun kann ihn seine Naivität nicht mehr schützen, er ist gezwungen die Dinge so zu sehen, wie sie sind und sich an die harte Wahrheit zu gewöhnen. Der Autor lässt im Roman einige Fragen offen und zeigt, welche Irrwege die Liebe einschlagen und wie schmerzhaft sie sein kann, dass sie nicht immer harmonisch und glücklich verläuft. Ein lesenswertes Buch, welches auf ein "Happy End" verzichtet und vielleicht nicht unbedingt für den "Harmonieliebhaber" geeignet ist.

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Veröffentlicht am 13. Juni 2003 von Bücherwurm

5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen!
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Veröffentlicht am 13. Juli 2002 von countingcrow

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