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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Faktenorientierte Vorgeschichte von 9/11, packend erzählt, 30. September 2008
"Wo ihr auch sein möget, der Tod wird euch finden, und wäret ihr im hohen Turm." Dieses Zitat aus der vierten Sure des Korans gab Osama Bin Laden im Rahmen einer Video-Ansprache der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta mit auf den Weg zu den Anschlägen des 11. September 2001.
Die Vorgeschichte begann jedoch viel früher, nämlich 1948, als sich der islamistische Autor und Lehrer Sajid Qutb von Ägypten auf den Weg ins Exil in die Neue Welt begab und sich dort aufgrund der Enttäuschung der arabischen Welt über die amerikanische Unterstützung des Zionismus radikalisierte. Er trat angewidert von der Freizügigkeit und vom Rassismus in den USA zwei Jahre später die Heimreise an. Dort wurde er 1966 hingerichtet, nachdem er als Unterstützer der Moslembruderschaft in einen Staatsstreich und einer späteren Verschwörung gegen Nasser verwickelt war. Durch seinen Tod erlangte er Märtyrerstatus.
Qutbs Gedankengut, dargelegt in seiner Schrift "Wegzeichen", gelangte über seinen Schüler und Anwalt Mahfous Assam direkt zu dessen Neffen Ajman al-Sawahiri, dem Gründer der Organisation al-Dschihad, späteren Chefideologen von al-Qaida und engen Vertrauten Osama Bin Ladens.
Bereits 1981 - der von den USA unterstützte Kampf der Mudschahidin gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan war in vollem Gange - rückte Sawahiri die USA ins Fadenkreuz. Den afghanischen Dschihad sah er nur als Trainingsgelände für den eigentlichen Kampf. Bis zur Gründung al-Qaidas sollten aber noch sieben Jahre vergehen. Selbstmordanschläge wurden ab 1993 zum Merkmal der Terrororganisation.
Als Gegenspieler erscheinen der saudische Geheimdienstchef Prinz Turki al-Faisal, der erst die arabische Unterstützung gegen die Sowjets in Afghanistan koordinierte, dann aber, als sich die Islamisten immer stärker gegen das Regime der Saudis richteten, vergeblich versuchte die Auslieferung Bin Ladens von den Taliban zu erwirken und John O'Neill, der oberste Terroristenfahnder des FBI, der wenige Tage vor den Anschlägen des 11. September entnervt seinen Posten aufgab und dem klar war, dass in naher Zukunft etwas Schlimmes passieren würde. Er kam tragischerweise als neuer Chef des Sicherheitsdienstes des World Trade Centers während einer Rettungsaktion beim Einsturz des Südturmes ums Leben.
Lawrence Wright erzählt die Lebensgeschichte dieser Männer mit all ihren privaten und menschlichen Facetten, die mit den Ereignissen, welche zum größten Terroranschlag auf die USA führten, eng verwoben waren und legt zugleich die geistigen Wurzeln der Terroristen dar. Dazu verwendete er umfangreiches Quellenmaterial, darunter auch einen großen Teil arabische Literatur, und interviewte hunderte von Beteiligten aus aller Welt. Zu den im Anhang aufgeführten ca. 550 Interviewpartnern kommen noch eine Reihe von Personen, die anonym bleiben wollten.
Das Buch macht einmal mehr transparent, dass die Anschläge hätten verhindert werden können. Frühe Warnungen gab es bereits ab April 2001. Die unglaublichen Informationsblockaden der CIA gegenüber dem FBI sorgten dafür, dass die Agenten nicht im Vorfeld die vorhandenen Mosaiksteine nebeneinander legen konnten. Dazu kam die an diesem Thema absolut desinteressierte neue Regierung unter Präsident Bush. Eines wird dem Leser klar: eng verzahnte polizeiliche und geheimdienstliche Ermittlungen führen zu einer höheren Effektivität in der Bekämpfung des Terrors als das Führen sinnloser und kontraproduktiver Kriege.
Wer sich umfassend zur Vorgeschichte des 11. September informieren möchte, ist mit diesem faktenreichen und dennoch spannend geschriebenen Buch bestens bedient.
Einer der Protagonisten dieses Buches, Michael Scheuer, hat ein zorniges, emotionales Buch verfasst mit dem Titel "Marching Toward Hell", das allerdings nicht auf Deutsch erschienen ist und einen mehr als zwiespältigen Eindruck hinterlässt (siehe meine Rezension).
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48 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Pulizer-Preis, zu Recht!, 6. September 2007
Wissenschaftlich und beruflich hatte ich mich seit Jahren durch Berge von Literatur und Expertengesprächen rund um das Thema zu quälen - und gebe zu, skeptisch gegenüber einem biografischen Ansatz gewesen zu sein. Denn Lawrence Wright stellt die Geschichte Al-Qaidas und die Vorgeschichte des 11. September nicht abstrakt, sondern anhand der realen Entwicklung Bin Ladens, Al-Sawahiris, des saudischen Prinzen Turki und des FBI-Ermittlers und tragischen Warners O'Neill vor.
Nach der Lektüre des Buches muss ich aber sagen: hervorragend gelungen, sicher auf Jahre hinaus DAS Referenzbuch, um die Entwicklung zu verstehen. Denn durch den Aufbau und auch einige neuere Erkenntnisse ordnet Wright die Fakten so an, dass sie schlüssig nachvollziehbar und auch spannend zu lesen sind. Dabei nimmt er sich durchaus die Zeit, etwa politische und soziale Faktoren auf dem Stand der Forschung einzuflechten und beispielsweise auch die Anhängerstruktur von Al-Qaida oder das tragische Scheitern der konkurrierenden US-Dienste zu beleuchten.
Zuletzt merkt man dem Buch jahrelange Arabienerfahrung des Autors, seine Sprachkenntnisse und die hunderte von Interviews sowie eigene Recherchen an. Dieses Buch hat für die Verbindung wichtiger Information und das Verständnis sogar fördernder Spannung den Pulitzer-Preis zu Recht erhalten!
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Weg zum 11. September, 26. November 2007
Wie kam es zu den Anschlägen vom 11. September 2001? Die Frage kann entweder den Ursprüngen Al-Kaidas und der geistigen Entwicklung ihrer Gründer gelten oder dem Werdegang der Selbstmordattentäter. Lawrence Wright gibt eine informative Antwort auf den ersten Teil der Frage, während er den zweiten lediglich streift.
Wrights Ansatz ist erzählerisch und biographisch. Der Leser wird in die Welt des islamischen Fundamentalismus nicht über soziologische Modelle und trockene Statistiken, sondern anhand der Lebensgeschichte vier herausragender Figuren des in den 11. September mündenden Dramas eingeführt: Bin-Ladens und Sawahiris einerseits, des saudischen Geheimdienstchefs Turki und des FBI-Agenten O'Neill andererseits.
Diese Herangehensweise sowie Wrights schriftstellerisches Geschick sorgen dafür, dass seine Darstellung ein für politische Sachbücher ungewöhnliches Maß an Anschaulichkeit und Spannung erreicht. Ihre Qualität wird durch Wrights sorgfältige Recherchen sichergestellt: In jahrelanger Arbeit hat der Autor hunderte von Zeugen befragt und zahlreiche arabische Quellen ausgewertet.
Das Buch beginnt mit einem Kapitel über Said Qutb, den geistigen Ahnherrn des islamischen Fundamentalismus und die Reise, die ihn 1948 zu einem fast zweijährigen Studienaufenthalt in die USA führte. Qutb war zu diesem Zeitpunkt bereits 42 Jahre alt, ein in seinem Lande angesehener Schriftsteller und hoher Beamter im ägyptischen Erziehungsministerium. Er ging als ägyptischer Nationalist nach Amerika und kam als islamischer Fundamentalist zurück. Sein Fall ist exemplarisch für die Entwicklung mehrerer Generationen von Islamisten.
Weder jugendliche Verführbarkeit, noch Armut, noch Mangel an demokratischen Freiheiten, noch Unkenntnis des Westens, noch ein besonderer Hass gegen Amerika können Qutbs Entwicklung erklären. Was ihn und andere zu Glaubensfanatikern machte, war Wright zufolge die Konfrontation mit den schmerzhaften Wandlungs- und Umbruchprozessen der Moderne. Für viele Muslime war die Hinwendung zum radikalen Islam eine Möglichkeit, die tiefe Verunsicherung, in die sie die Modernisierung stürzte, zu kompensieren. Von dem Vorbild Mohammeds erhofften sie sich Antworten auf alle gesellschaftlichen und politischen Fragen der Gegenwart. Nicht materielle, sondern geistige Not erzeugte die Taten des 11. September.
Die Biographien Bin Ladens und Sawahiris bestätigen diese Deutung. Beide Männer stammen aus wohlhabenden Familien und hatten Aussichten auf eine glänzende Karriere. Mit der Entscheidung für den Terrorismus opferten sie diese Möglichkeiten. Sie gaben Wohlstand und ein behagliches Leben auf, um geistige Sicherheit zu gewinnen.
Wie Wright herausarbeitet, war diese Entwicklung mit vielen Zufällen gepflastert. Bin Laden und Sawahiri hatten, als sie nach Afghanistan gingen, zunächst nur die Absicht, humanitäre Hilfe zu leisten. Mehrere Jahre mussten vergehen, bevor sie den Entschluss fassten, sich am Kampf zu beteiligen. Da der Krieg zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden war, hatte ihr Einsatz nur noch symbolische Bedeutung, ganz abgesehen davon, dass die paar hundert Araber, die bin Laden zur Verfügung standen, ohnehin wenig ausrichteten. (Die meisten arabischen Kämpfer trafen erst nach dem sowjetischen Rückzug ein, um am afghanischen Bürgerkrieg teilzunehmen.)
Bin Ladens Anspruch, den Untergang der Sowjetunion herbeigeführt zu haben, ist also nur ein Hirngespinst, ähnlich wie die Vorstellung mancher amerikanischen Neokonservativen, ihr Held Ronald Reagan sei für dieses Ereignis verantwortlich. Beide Mythen sind Musterbeispiele für die katastrophalen Folgen von Geschichtsfälschungen, zumal sie in diesem Fall denselben Vorgang betreffen. Bin Laden wie Bush glauben einander besiegen zu können, weil sie eine politische Position vertreten, die schon die Sowjetunion in die Knie gezwungen habe. Was den einen zu den Anschlägen des 11. September führte, mündete beim zweiten in den Irakkrieg.
Dabei reichte Bin Ladens unbestimmtes Misstrauen gegen Amerika zunächst nicht aus, um ihn zu konkreten Taten zu veranlassen. Da ihm ein neuer Gegner fehlte, verwandelte sich Al-Kaida Anfang der neunziger Jahre, als Bin Laden im Sudan weilte, weitgehend in eine landwirtschaftliche Organisation, und der Islamistenführer dachte ernsthaft daran, mit dem bewaffneten Kampf aufzuhören. Erst als die Vereinigten Staaten ihre Militärbasen auf der arabischen Halbinsel nach dem Golfkrieg beibehielten, gerieten sie in das Visier Bin Ladens. Die Hauptforderung der Kriegserklärung, die er im August 1996 an die Amerikaner richtete, war der Rückzug ihrer Soldaten aus Saudi-Arabien. Der Kampf Al-Kaidas gilt nicht, wie viele westliche Politiker glauben möchten, den Werten Amerikas, sondern seiner imperialen Politik.
Bin Ladens Absicht war es, die Amerikaner in gleicher Weise zu besiegen wie die Russen. Ein spektakulärer Anschlag sollte sie nach Afghanistan locken, wo sie sich im Guerillakrieg aufreiben würden. Die daraus resultierende innenpolitische Krise Amerikas würde, so hoffte Bin Laden, irgendwann mit seiner staatlichen Auflösung enden, ganz nach dem Vorbild der Sowjetunion.
Trotz seines utopischen Endzieles war dieser Plan bislang erfolgreich, gelang es Bin Laden doch, die Vereinigten Staaten nicht nur in einen, sondern in zwei Guerillakriege zu verwickeln. Angesichts der militärischen Inkompetenz, welche die Bush-Regierung dabei an den Tag gelegt hat, muss man befürchten, dass Lawrence Wright in einigen Jahren über genug Material für ein zweites Buch verfügen könnte.
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