Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beklemmend, 29. Oktober 2007
Eigentlich heisst es Eulen nach Athen zu tragen bei einer Rezension dieses Werkes. Minütiös verfolgt Friedländer in seinen beiden Werken die allmähliche Steigerung der Judénverfolgung bis hin zur offenen, systematischen und staatlich organisierten und durchgeführten Vernichtung der Juden, Menschen die sich tödlichen Hass allein dadurch zugezogen hatten, dass sie einer anderen Religion anhängen als die Mehrheit des deutschen Volkes. Saul Friedländer hat einen neuen Weg der Geschichtsschreibung eingeschlagen: es beschränkt sich nicht darauf, historische Fakten aneinanderzureihen, Parteitagsbeschlüsse, Gesetze, Verordnungen etc. zu nennen und Ihre Auswirkungen.
Das Grandiose an dem Geschichtswerk ist, dass er durch persönliche Dokumente wie Briefe, Tagebücher und andere Möglichkeiten den Opfern eine Stimme gibt; hierdurch verliert die Geschichte ein großes Stück an Anonymität. Wirklich beschämt der Autor den Leser dadurch, dass er nie polemisch, zynisch, aufbrausend oder anklagend wird, was nur allzu verständlich wäre. Er hat Fakten gesammelt und benennt Ross und Reiter, das genügt vollkommen.
In vielen Kommentaren habe ich sinngemäß gehört, Saul Friedländer habe den Opfern ihre Würde zurückgegeben.
Diese Meinung teile ich nicht:
Vielmehr haben all diejenigen, die durch aktive Teilnahme oder auch bewusste Passivität die Vernichtung ermöglichten haben meines Erachtens jede eigene Würde verloren; die Würde der Opfer hingegen ist durch die ihnen angetane Bestialität hingegen noch gesteigert worden, die Täter und Zuschauer hingegen haben jeden Anspruch auf menschliche Würde verloren.
Die beiden Bänder 'Die Jahre der Verfolgung' und 'Die Jahre der Vernichtung' sind ganz große Geschichte.
Ganz nebenbei räumt Friedländer u.a. mit dem vorgeschobenen Argument auf, niemand habe von der Vernichtung gewusst; ganz das Gegenteil war der Fall.
Wer dieses Werk gelesen hat kann nie ernsthaft verlangen, diese Zeit zu vergessen, in der sehr viele Menschen ihre animalischen Seiten so stark betonten, dass nichts Menschliches mehr übrig blieb.
Allgemeine Bemerkung:
Zum ersten Mal genügt mir das Punktesystem von Amazon nicht mehr, denn selbst mit 5 Punkten kann ich einem solchem Monumentalwerk nicht adäquat gerecht werden.
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26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dort wo man Bücher verbrennt, ...", 2. Dezember 2006
Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen. Nicht einmal hundert Jahre nach seinem Tod sollten sich Heinrich Heines Worte bewahrheiten. Friedländer nimmt den Leser an der Hand und so durchschreitet man die Jahre des sich aufputschenden Terrors, der allgegenwärtigen Verfolgung, Stigmatisierung mit dem Davidstern, hin zum Massenmord, bis zum Schluss, der perfekt organisierten Auslöschung Millionen von Lebens. Wegschauen lässt einen der Autor nicht. Unerbittlich zeigt er auf, wie es überhaupt soweit kommen konnte, wie sich staatliche Stellen im besetzten Westen und Osten Europas zu willfährigen Helfershelfern instrumentalisieren liessen und nur zu oft eifrig mit-machten, wie wenig Stimmen sich gegen die Verfolgung erhoben, wie selbst die Kirchen kaum wagten, dem Naziterror entgegen zu treten. Selbst dann nicht als in Frankreich ein jüdisches Waisenheim mit 200 Kindern aufgelöst und in den sicheren Tod nach Auschwitz deportiert wurde. Ja, nicht einmal Monate vor Kriegsende als die Nazis in ihrem unglaublichen Hass auf alles Jüdische, sich daran machten in Ungarn die Deportationszüge anrollen zu lassen. Kann Furcht vor eigener Verfolgung uns Menschen derart kleinmütig machen?
Die Detailtreue des Historikers und die Tagebuchaufzeichnungen und Briefe der Verfolgten aber auch der Schergen machen dieses Buch zu einer Aufruf an uns nachfolgende Generation, niemals zu vergessen, was war und wie es dazu kommen konnte. Principiis obsta!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Herausragende Geschichtsschreibung, 28. Oktober 2007
Saul Friedländer gelingt es mit seinem monumentalen doch hervorragend lesbarem Werk das dunkelste Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte greifbarer zu machen.
Eingangs zitiert er, im vollen Wissen um die Grenzen der Geschichtsschreibung, Stefan Ernest, einen der Chronisten des Warschauer Ghettos: ...Selbst die mächtigste Feder kann nicht die ganze, die wirkliche unfassbare Wahrheit in Worte fassen."
Nichtsdestotrotz ist Friedländers Analyse so sachlich, wie es angesichts der Monstrosität des Geschehens überhaupt möglich sein kann. Immer wieder angereichert wird sie jedoch anhand von persönlichen Quellen durch die Stimme derer, die zu Opfern des Nazi-Terrors wurden. Dies macht die beschriebene Realität so wesentlich transparenter.
Das Buch ist für schlichtweg für jeden, der sich mit der Shoah auseinandersetzen möchte ganz hervorragend geeignet, seien es Menschen, die sich bisher nur oberflächlich mit der Materie beschäftigt haben, oder auch Fachleute.
Angesichts der Tatsache, dass die Forschung auf diesem Gebiet in den vergangenen Jahrzehnten überaus rege war, ist dies mehr als bemerkenswert, zumal der Autor kaum einer der großen Fragen auslässt, die sich zwangsläufig einstellen:
Wie hat die Nazi-Politik sich vom Terror über den Massenmord zur Shoah entwickelt?
Wie war die Einstellung der deutschen Bevölkerung gegenüber jüdischen Mitbürgern und der offiziellen Politik des Regimes?
Wie war der industrialisierte Massenmord mit Hilfe überall in Europa vorhandener Kollaborateure überhaupt technisch möglich?
Welche Formen von Widerstand gab es?
u.v.a.
Im Mittelpunkt steht im Prinzip die für jeden Historiker am schwierigsten zu beantwortende Frage: Wie war es wirklich in jener Zeit?
Der Antwort kommt der Autor näher wie kaum ein anderer.
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