Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
53 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein Buch wie eine schweizer Uhr, 17. Februar 2008
Was könnte Martin Suter doch für fantastische Romane schreiben. Es scheint mittlerweile, als habe der Autor sein Pulver als großer Geschichtenerzähler bereits mit seinen beiden ersten Romanen "Small Word" und "Die dunkle Seite des Mondes" verschossen. Zu belanglos, zu beliebig, uninspiriert und in ihrer Entwicklung vorhersehbar waren alle literarischen Werke, die danach kamen - "Der letzte Weynfeldt" leider eingeschlossen.
Was mich allerdings bei Suter hält, ist seine wunderbare Sprache. Die Präzision, in der er Charaktere, Stimmungen, Empfindungen, Orte und Begebenheiten beschreibt, ist selten geworden in der deutschen Gegenwartsliteratur. Es gelingt ihm immer wieder mit schnellen, präzisen und sprachlich wunderbar virtuos geführten Strichen, Wortbilder zu zeichnen, die den Leser so tief und umfassend in seine Geschichten eintauchen lassen, als nähme man als stiller Beobachter unmittelbar an der Handlung teil. Als könne man die von Suter beschriebenen Szenen, Protagonisten, Räume, Speisen, Gerüche, Requisiten und Kulissen mit allen Sinnen erfahren. Martin Suter hat hierfür ein unglaubliches Können entwickelt, aus diesem Grund schätze ich ihn und lese ihn immer wieder gern.
Seine Geschichten werden hingegen zuehmend banaler, gehen immer mehr ins Klischeehafte, erzeugen keine Nachhaltigkeit, bleiben flach und damit letztlich nur unterhaltend. Sollte dies seine Intention sein, also schlicht zu unterhalten, dann gebührt ihm großer Repekt, viel besser kann man es nämlich nicht machen. Ich weigere mich allerdings zu glauben, dass Suter einfach nur ein Autor für Unterhaltungsliteratur sein will. Einer der regelmässig einen neuen Roman produziert und damit schlicht einen Beruf ausübt. Dafür spürt man in seinen Büchern zu viel Leidenschaft am Erzählen und Beschreiben, zu viel Liebe zum Detail und am Sujet. Zugute halten muss man Martin Suter allerdings, dass er immer wieder interessante Themen als Rahmen für seine Geschichten wählt. Er recherchiert hierfür sehr gut, lässt eigene Erfahrungen einfließen, schafft damit Aufmerksamkeit für bestimmte Themen und bietet dem Leser neue Blickwinkel. Hierbei geht Suter auch durchaus kritisch und ironisch mit einem Thema um. Beispielsweise mit dem Literaturbetrieb in "Lila, Lila" oder mit dem internationalen Kunstmarkt in seinem aktuellen Buch. Das gefällt, wirkt authentisch und rettet so manche Geschichte davor, gänzlich in Belanglosigkeit zu verschwinden. Legt man den ausgelesenen Roman dann aber beiseite, bleibt nichts zurück. Man kann sofort wieder zur Tagesordnung übergehen und hat die Geschichte nach kurzer Zeit schon wieder aus seiner Erinnerung verloren. Das war bei seinen frühen Romanen anders.
Und hiermit komme ich wieder zu meinem einleitenden Satz. Was könnte Martin Suter doch für fantastische Romane schreiben. Er hat ein großes Talent, hat diese wunderbare Sachlichkeit, Klarheit, Unaufgeregtheit und Präzison in seiner Sprache. Leider überträgt sich dieses Können nicht auf die Entwicklung seiner Geschichten. Er könnte ein wirklich großer Literat werden, würde er wieder zu der Dichte und Intensität seiner frühen Geschichten zurückkehren. Dies ist das Dilemma mit Martin Suter. Er schreibt zu gut, als dass man seine letzten Bücher als reine Unterhaltungsliteratur abtun könnte. Aus diesem Grund bringt es auch der Literaturkritker Denis Scheck nicht übers Herz, Suters jüngsten Roman "Der letzte Weynfeldt" in seiner Sendung "Druckfrisch" die berühmte Ausschußrampe hinunterzustoßen, sondern auf den Stapel der lesenswerten Bücher zu legen, wenn auch zögerlich und dies rein Suters hervorragendem Erzählstil geschuldet. "Der letzte Weynfeldt" ist ein schönes, lesenswertes Buch. Ästhetisch, präzise, solide und gediegen. Ein Buch wie eine schweizer Uhr. Man kann sich daran erfreuen, aber letztlich erfüllt sie nur einen banalen Zweck.
|
|
|
23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mehr als nur gute spannende Unterhaltung ..., 14. Juni 2008
... ist dieser Roman, den ich unter anderem auch als Reiselektüre für Zürich empfehlen möchte. Das Buch ist elegant geschrieben und für Kunstinteressierte ebenso geeignet, wie für die Liebhaber von Designermöbeln der klassischen Moderne. Autor Martin Suters packende Handlung enthält aber auch handfeste Action und wunderbar beobachtete Psychologie sowie Romanfiguren, die man nie vergisst, so wie zum Beispiel Frau Hauser oder Giuliano Diaco. Es kommen auch eine Menge gutes Essen und edle Getränke in dem Buch vor. Obwohl der Roman kühl geschrieben ist, geht es darin sehr sinnlich zu. Genau beobachtet werden gewisse menschliche Schwächen und die Entwicklung der Personen erscheint insgesamt sehr glaubwürdig. Trotzdem hat das Buch viele überraschende Wendungen. Diese Mischung aus Kalkül und Atmosphäre hat mir persönlich gut gefallen, und ich werde mir gleich noch mehr Bücher dieses Autors besorgen.
Immer wieder grübelte ich auch, woran mich dieser Roman eigentlich erinnerte und irgendwann hatte ich es: Thomas Manns "Die Buddenbrooks" und "Königliche Hoheit" haben hier in gewisser Weise Pate gestanden. Suter erzählt die Geschichte einer zutiefst einsamen Person, dem letzten Sproß einer reichen Familie, die es durchaus nicht so leicht hat, wie viele des denken könnten, und die einem im Laufe der Geschichte immer sympathischer wird.
Querdenker, Gebildete und Zürichfans werden diesen Roman gleichermaßen lieben.
|
|
|
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Nicht sein bestes Buch, 20. April 2008
Ich bin Suter-Fan, liebe die elegante Sprache, in der der Autor schreibt und seine präzisen Schilderungen diverser Milieus in der Welt des Großbürgertums und des Business. Den Weynfeldt jedoch habe ich nur mit Mühe geschafft. Da gibt's Längen, Phasen der Blutleere, das Ganze wirkt wie eine Suppe ohne Salz. Eine gute Suppe, aus feinsten Zutaten, nur eben etwas fade so ohne Gewürz. Weynfeldt ging mir in seiner Unerschütterlichkeit und Gefühlsgebremsheit irgendwann auf die Nerven, ich hätte mir gewünscht, dass Lorena, seine Flamme, ihn irgendwann - wenigstens für einen Moment - knackt. Doch das passiert nicht. Weynfeldt bleibt, wie er ist, als Figur hat er sich im Lauf des Romans kaum entwickelt. Dennoch kann ich das Buch empfehlen, denn auch wenn Suter hier vielleicht nicht in absoluter Hochform war, ist und bleibt er einer der besten Erzähler der Gegenwart.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|