Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Harmloser italienischer Selbstfindungstrip mit philosophischen Ambitionen, 4. Dezember 2009
Der Schweizer Diogenes Verlag gehörte für mich bisher stets zu den wenigen Buchverlagen, die ausnahmslos überdurchschnittlich gute Romane publizieren. "Einfach losfahren" von Fabio Volo war allerdings für mich der erste aus diesem Verlag stammende Roman, von dem ich mir mehr erwartet hätte. Meine Erwartungen nach dem Lesen der Inhaltsangabe wurden bei der späteren Romanlektüre vom Autor eher enttäuscht.
Zielgruppe des Romans sind in erster Linie alle jungen Menschen, die der Auffassung sind noch nicht zu sich selbst gefunden zu haben und an einem Punkt in ihrem Leben angelangt sind wo sie sich fragen, ob sie den richtigen Weg eingeschlagen haben oder nicht.
Die Motivation und Beweggründe der einzelnen Charaktere erschienen mir verhältnismäßig schwach umschrieben, was streckenweise zu eher unglaubwürdiger Handlung führt. Was treibt zum Beispiel Federico dazu, einfach loszufahren? Was ist in seinem bisherigen Leben geschehen, dass er von heute auf morgen aus ihm ausbrechen will? Oft scheint es so, als benutze der Autor seine Romanfiguren, um sich selbst darzustellen und Erlebnisse aus dem eigenen Leben in die Handlung mit einzuflechten. Vermisst habe ich außerdem eine klar strukturierte Handlung, denn bei Volo hat man eher das Gefühl, er erzähle Geschichten aus dem echten Leben. Die philosophischen Gedanken sind eher halbgar und nichts wirklich Neues, sondern generelle Lebensratschläge, wenn auch sicherlich gut gemeint.
Was man Fabio Volo jedoch neben einem guten Musikgeschmack lassen sollte, ist sein Faible für juvenil-charmanten Humor. Die Stelle, wo Michele über den Geschlechtsverkehr mit seiner hochschwangeren Freundin Francesca berichtet, ist ganz prickelnd beschrieben. Oder die Stelle, wo Michele gerade sein Geschäft verrichtet (was vom Autor sehr detailliert beschrieben wird) und anschließend seine wartende Francesca (die auch mal muss) solange nicht auf die Toilette lassen will, bis sein Geruch verflogen ist. Außerdem ist noch positiv anzumerken, dass der Verfasser teilweise versucht, dem Leser höhere Philosophie näher zu bringen, was stets auf erklärender Basis und einmal sogar ganz offensichtlich anhand eines Schopenhauer Zitats geschieht (Schopenhauers "Stachelschweine").
Was man jedoch von einem Schriftsteller, der sich auffällig oft auf die Schilderung sexueller Handlungen versteift, obwohl sein Roman nicht der erotischen Literatur zugeordnet werden kann, halten soll, sei hier einfach mal dahingestellt. Ich tendiere immer dazu, bei solchen Vorkommnissen immer etwas misstrauisch zu sein, denn wenn ich als Autor wirklich etwas Wichtiges zu sagen habe, wieso sollte ich mein Werk dann mit derartigen Lückenbüßern ausfüllen?
Dieses durchaus literarische Werk ist angereichert mit italienischem Herzblut. Man weiß nicht so richtig, was man davon halten soll. Es bewegt sich insgesamt irgendwo zwischen philosophisch angehauchter Selbstfindung und sexueller Provokation, schafft es aber nicht wirklich beim Leser neue Gedankengänge zu wecken, sondern eher bereits selbst schon Gedachtes wieder zu beleben. Schade, ich hatte mir so erhofft von Fabio Volo ein paar gute Argumente zu erhalten, weswegen ich unbedingt einfach losfahren sollte. Na ja, dann bleibt mein Sofakissen eben noch ein bisschen länger warm...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch, was einen anlächelt ;-), 12. November 2009
Dieses Buch von Fabio Volo ist in diesem Jahr im September erschienen - es ist sozusagen noch "druckfrisch".
Es gibt Bücher, die lese ich, weil ich den Autoren mag. Oder den Verlag. Oder beides.
Dieses Buch habe ich aus anderen Gründen in die Hand genommen - auch wenn mir der Diogenes Verlag lange vertraut ist ;-).
Das Buch lag da und lächelte mich an. Still und leise, unaufdringlich, aber nicht langweilig. Kraftvoll.
Ich hatte noch keine Zeile gelesen und hatte doch schon eine fast magische Beziehung zu dem Buch. Passiert mir mittlerweile seltener als früher, weil ich soviel lese. Umsomehr ist es dann ein Fest...
Das Buch landete nicht auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) - Ich habe es sofort gelesen.
Es ist eine Liebesgeschichte - an die Freundschaft, an alle Menschen, an die eigenen Erfahrungen und Fehler, kurz: an das Leben.
Es ist eine Vision der Möglichkeiten, der Träume und der Hoffnung.
Es sind Gedanken wie "Was ist das Gegenteil von Liebe? - Die Angst.", die einen auch nach der Lektüre beschäftigen.
Ein tolles Buch!
Lest dieses Buch - es lohnt sich!!!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
5.0 von 5 Sternen
Eine liebe Geschichte über Liebe und die persönliche Geschichte, 31. Januar 2010
Das Buch war ein Weihnachtsgeschenk. Von meiner Frau an mich. Ohne Hintergedanken. Weil ich gerne Bücher von Diogenes lese.
Mein erster Eindruck war: Ganz schön italienisch. Volo beschreibt das typische italienische Lebensgefühl, dem man sich nicht so leicht entziehen kann. Leicht, in den Tag hinein, vor allem von Genüssen wie Essen, schönen Dingen und dem hohen Stellenwert des täglichen Tetate´s zwischen Mann und Frau geprägt. Das Buch liest sich wie ein Glas kühlen Weißweins an einem Sommertag.
Mein zweiter Eindruck war: Ganz schön Coelho. Nachdem die beiden Freunde mit ihrer Allerwelts-Freundschaft" relativ flach vorgestellt wurden, der eine der beiden nach einem ebenfalls fast stereotypen Fluchtversuch aus dem eigenen Leben zurückkehrt und sie sich in philosophischen Betrachtungen des Lebens ergießen, drohte mir beim Lesen der erhobene Zeigefinger klassischer, leicht esoterisch angehauchter Individualismus-Literatur und ich war geneigt das Buch wegzulegen.
...und dann, plötzlich, von einem Kapitel aufs andere, erschloss sich mir der Zauber des Buches. In kleinen Details, einfach aus dem Erzählen heraus, gelingt es Volo, ein Spiegelbild zu erzeugen. Er erzählt nichts Neues. Seine philosophischen Betrachtungen sind schon öfter beschrieben worden. Neu ist jedoch, wie unaufdringlich das Ganze rüberkommt.
Gerade der humoristische Ansatz, das sich selbst nicht so ganz ernst nehmen, das Eingeständnis, triebgesteuert zu sein, das einer meiner Vorgänger bemängelt, lässt den erhobenen Zeigefinger schnell wieder verschwinden und Volos Protagnoisten zum Ebenbild werden.
Aus dem fremden italienischen" Gefühl wird eine Lebenssituation, in der wir alle um die 30 stecken. Die wir im alltäglichen Durcheinander aus Arbeit, Familie und Konsum oft vergessen oder verdrängen. Die Fragen nach dem Sinn beantwortet Volo schlüssig und charmant. Und erzeugt damit eine Sehnsucht, das eigene Leben doch noch anders zu betrachten. Vielleicht doch noch das eine oder andere anders zu machen.
Es ist tröstend, dass der Portagonist nochmals zu Francesca zurückfinden darf. Und mit ihr alles anders machen. Genau das macht diese Leichtigkeit im Vergleich zu anderen Werken des Lebenshilfe"-Genres aus. Nichts ist endgültig, nichts richtig traumatisch. Alles ist eine Frage der Perspektive. Volo motiviert. Natürlich niemanden, der mit sich vollkommen geklärt ist. Aber wer ist das schon?
Meines Erachtens ein Muss für Männer und Frauen, die noch nicht vor dem Leben kapituliert haben, die sich noch in Frage stellen können. Und eine tolle Nachhilfe-Lektüre für selbsternannte Lebensberater und Psychologen, wie leicht es sein kann, jemanden eine andere Perspektive aufzuzeigen.
Mit einfach losfahren hat das Ganze zwar wenig zu tun. Weil man die Erfahrung auch beim Lesen machen kann. Man muss nur den Volo in die Hand nehmen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|