Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kleiner Bruder, 29. August 2008
Darf man sein Leben genießen, wenn der kleine Bruder fast keines hatte?
Darf man sich über Haarausfall Gedanken machen, wenn vom kleinen Bruder nur noch Knochen und Erinnerungen in dieser Welt sind? Darf man das? Darf man leben, wenn er doch tot ist und man ihn nicht beschützt hat?
Drei Brüder: Jack, Pressman und Dexter, auch Lemon genannt. Dexter hat nie einen Schulabschluss gemacht, ist nie mit in der Kneipe versackt, hat nie ein Mädchen geküsst, ist nie von zu Hause weggegangen. Dexter ist als kleiner Junge in einen idyllischen See gesprungen und ertrunken. Hat der Vater Schuld am Tod seines Sohnes? Warum wurde nie über die Tragödie gesprochen, die deswegen bei allen Familienmitgliedern stets präsent bleibt? Jetzt ist der geliebte, gehasste, bewunderte und verachtete Vater dem Tod nah und vielleicht nie mehr erreichbar. Jack, aus dessen Perspektive erzählt wird, kehrt nach rund zwei Jahrzehnten Abwesenheit nach Hause zurück. Der stumme Vater, die perfekte Mutter und sein stets alkoholisierter großer Bruder Press sind da. Jacks Freundin Hahva begleitet ihn und besetzt die Rolle der Außenstehenden, die wenig weiß, viel sieht und sich nicht scheut, Fragen zu stellen. Wird die Tragödie um Dexter endlich aufgearbeitet? Lösen sich die verkrampften Finger, die sich um Fetische krallen und darf der kleine Junge jetzt endlich in Frieden ruhen? Findet diese Familie auf dem steinigen Weg der Versöhnung wieder zueinander?
Der junge Autor erzählt humorvoll, ironisch, lässig und stilsicher gleich mehrere berührende Liebesgeschichten. Es geht um die oft so verzwickte Liebe zu Frauen, zu Eltern und um die zwischen Brüdern. Und er erzählt vom Trauern, dem sich niemand auf Dauer entziehen kann, der Grund dazu hat. Frech und ohne Sentimentalität legt er seine Finger in die Wunden, die nicht heilen wollen. Der Leser wischt sich dabei die Tränen aus den Augenwinkeln - vor Lachen wohlgemerkt, denn er liest eine intelligente, witzige, ja urkomische Geschichte um die emotionalen Schwergewichte Liebe und Tod. Eine Geschichte, die mit beneidenswerter Leichtigkeit erzählt wird, ohne seicht zu sein.
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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Liebe und Verstörung,--eine Familiengeschichte, 9. September 2008
Adam Davies Goodbye Lemon Diogenes
ISBN 3257066791
Lemon ist der Nickname für Dex, den kleinen Bruder von Jack, der mit fünf Jahren ertrunken ist. Wer war Schuld an seinem Tod? Jack hat nie verstanden, wie das damals passieren konnte. Der ältere Bruder Press geht ebenso traumatisiert durchs Leben wie Jack.
Nach Jahren erst kehrt der erwachsene Jackson Tennant eines Tages in sein Elternhaus zurück. Gerade hat sein Vater einen schweren Schlaganfall gehabt und leidet am Locked-In Syndrom. Er kann alles wahrnehmen und verstehen, er kann aber mit niemandem Kontakt aufnehmen oder seine Gefühle und Gedanken äußern. War das nicht schon immer so in der Familie?
Jack lebt ein glückloses Akademikerleben und bringt seine Freundin Hahva mit nach Hause. Die Frage, was mit Dex geschah, treibt ihn bis heute um. Nie wurden die Umstände erwähnt, die den Tod von Dex begleiteten, und nie haben die beiden Brüder den Tod des kleinen Bruders verwunden.
Press ist Alkoholiker, und ein Trinker war und ist auch der Vater. In diesem Buch wird in assoziativer Weise eine Familiengeschichte aufgerollt. Da gab es keine Wärme, keine Liebe und kein wirkliches Miteinander. Eine nüchterne Mutter und ein eigensinniger und abgeschotteter Vater haben in der Familie Kälte und Einsamkeit verbreitet. Jetzt ist es der Vater, der an seiner Einsamkeit zu ersticken droht. In der Familie hat das Schweigen alle erdrückt und zu Fehlurteilen verleitet. Erst allmählich begreift man, dass das Verstummen der Beteiligten Ursache und Wirkung hatte. Mit leicht ironischen Untertönen wird ein Familiendrama entwickelt, das beträchtliche Folgen zeitigte.
Was wirklich geschah, das wird man erst noch erfahren.
In einer teils komischen, mehrheitlich aber skurrilen Erzählweise vermittelt Adam Davies die Geschichte einer neurotischen und verkorksten Familie, deren Kinder sich schwer tun, im Leben solide Fuß zu fassen.
Gelegentlich etwas langatmig gelingt Adam Davies dennoch eine überzeugende Familienstudie, die von Hass, Versöhnung, und von der Liebe handelt. Den Erfolg von seinem Roman< Froschkönig> kann er mit dieser Erzählung nicht wiederholen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Gefiel mir gar nicht, 19. Juli 2009
Nach den vielen positiven Rezensionen und Kritiken freute ich mich sehr auf das Buch, denn ich bin generell ein großer Fan von Familienromanen. Der Plot klang für mich auch vielversprechend:
Vor ca. 30 Jahren ertrank ein kleiner Junge in einem See. Der Rettungsversuch des ansonsten so heroischen Vaters kommt leider zu spät. Seitdem sind die restlichen Familienmitglieder durch das tragische Ereignis - jeder auf seine Weise - traumatisiert: die Mutter distanziert und gefühlskalt, ihr sind nur Prestige und Äußerlichkeiten wichtig, der dominante Vater ein Alkoholiker, der ältere Bruder Press haust total heruntergekommen und abgebrannt im Keller des Elternhauses, er greift ebenfalls regelmäßig zur Flasche. Bleibt der Icherzähler Jack, ein glückloser, gescheiterter Möchtegern-Akademiker, der sich ernsthafte Sorgen um seine beginnende Glatze macht, Zwiegespräche mit dem toten Bruder Dex führt und dessen linken, orangefarbenen Flip-Flop wie einen Heiligenschrein behandelt. Es ist Jacks Freundin Hahva, die ihn dazu zwingt, sich nach vielen Jahren endlich mit der schmerzhaften Vergangenheit auseinanderzusetzen. Anlass ist ein schwerer Schlaganfall des Vaters, der ihn nahezu vollständig gelähmt zurücklässt. Da der nun zu Hause gepflegt werden soll, ist Hahva der Auffassung, dies wäre für Jack der beste Zeitpunkt mit lang verdrängten Erinnerungen und Vorwürfen abzuschließen. Nach 15 Jahren treffen somit alle Familienmitglieder erstmals wieder aufeinander...
Es ist nicht die Geschichte an sich, die mich enttäuschte. Sie ist logisch und nachvollziehbar aufgebaut, in sich schlüssig, mit einem versöhnlichen Ende. Über die sprachliche Umsetzung bin ich gestolpert. Ich empfand sie überheblich, derb und schnoddrig. Die Passagen, in denen detailreich über die Körperausscheidungen des gelähmten Vaters berichtet wird, waren sogar richtig ekelerregend. Den von Kritikern herausgelesenen intelligenten Wortwitz, der den Leser berührt, konnte ich nicht erkennen. Zudem kommen immer wieder (Fach-)Begriffe vor, mit denen ich rein gar nichts anfangen konnte. Entweder sind diese lediglich im U.S. Sprachraum geläufig oder nur einer Generation zugänglich, der ich wohl nicht mehr angehöre. Da ich Sprache weit über Handlung in einem Roman stelle, kann ich trotz guten Ansätzen im Plot nur 2 Sterne vergeben.
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