Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der verzweifelte Versuch einer Flucht aus der Mittelmäßigkeit..., 15. September 2008
,Becks letzter Sommer' ist die Geschichte des Enddreißigers Robert Beck und seinem Schüler, Rauli Kantas. Die Geschichte beginnt an einem Punkt, an dem man Becks Lebensentwurf, zumindest aus seiner Sicht, als gescheitert bezeichnen könnte. Er wollte ein gefeierter Rockstar werden und wurde Lehrer. Anstatt ausverkaufte Stadien, organisiert er Literaturcafes und Ausflüge zu Max Goldt Lesungen. Aus seiner früheren Band war er rausgeflogen. Das Einzige was ihm davon bleibt, ist die Freundschaft mit dem ehemaligen Schlagzeuger Charly, einem manisch depressiven, drogenabhängigen Deutschafrikaner und Hypochonder, der jeden Tag davon überzeugt ist an einer anderen schweren Form von Krebs zu sterben. Doch dann erkennt Beck, dass es in den Reihen seiner Schüler einen gibt, der ihm den Weg aus der Mittelmäßigkeit leuchten könnte, wie der Stern von Bethlehem die heiligen drei Könige zum Jesukind - Rauli Kantas, Wunderkind und Musikgenie.
Beck beschließt den Jungen unter seine Fittiche zu nehmen und ihm das zu ermöglichen, was ihm selbst immer verwehrt geblieben war - ein Karriere als Musiker. Von Anfang an nicht selbstlos und schon gar nicht neidlos, versucht Beck den Jungen in die richtige Richtung zu lenken. Vielleicht der schwierigste Part, den Rauli Kantas ist auch nicht ohne Geheimnisse. Was irgendwann unweigerlich zu der Frage führt - Wer manipuliert hier eigentlich wen?
,Sie wollten Musik, ich hatte Musik. Ich wollte Anna, sie hatten sie.' Vielleicht der Satz der die Geschichte zwischen den Beiden am besten beschreibt.
,Becks letzter Sommer' ist ein rasantes Buch über Musik, die Liebe, über unerfüllte Wünsche und Träume, der Frage nach einem Leben nach dem Scheitern und dem Mut aus dem gesicherten Leben auszubrechen, um es vielleicht doch noch einmal zu versuchen. Ein Trip der Sonderklasse quer durch Europa und die Gefühlslagen der Protagonisten. Bis man sich auf ein Ende zu bewegt, das einen bangen lässt auf den letzten Seiten doch noch über die Klippe zu fallen, nur um einen dann fast sprachlos und zugleich tief berührt, mit Tränen glänzenden Augen und einem Lächeln zurück zu lassen. So sieht Hoffnung aus.
Benedict Wells schafft es mit seinen Figuren - nicht nur Beck und Rauli, sondern auch Charly und Lara, die Frau, die Beck zwar hübsch findet, die aber nicht sein Typ ist, aber für die er trotzdem nicht mehr nur der Drei-Monate-Mann sein will, die Kantas Familie, Anna Lind, Grabowsky u.v.m. eine Universum zu schaffen, das einen direkt in seinen Bann zieht. Wobei sein eigener Auftritt dem Buch noch eine zusätzliche, ganz neue, eigene Dimension gibt.
Der Schreibstil des Autors ist spritzig, voller Sprachwitz und passt sich perfekt dem Beat der Geschichte an. Dass das Buch im letzten Drittel für mich die eine oder andere, kleine Länge aufwies kann ich leicht verschmerzen. Es ist ein gutes Buch und ein grandioser Erstling. Ich freue mich darauf, in Zukunft mehr von diesem vielversprechenden jungen Talent zu lesen.
|
|
|
19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Von der Unfähigkeit, den dreifachen Salchow zu stehen, 7. September 2008
Robert Beck ist ein 37-jähriger Lehrer an einem Münchner Gymnasium. Deutsch und Musik.
Sein Vater hat an dieser Schule auch unterrichtet, er selbst war hier Schüler. Diese Schule ist sein Leben, das er nicht mag, manchmal auch hasst. Aber - es bietet Sicherheit und jeden Monat zuverlässig Geld auf dem Konto. Mit dem Kopf ist Beck Lehrer, aber mit dem Herzen Leadsänger in einer, seiner, Rockband. Hendrix, Cocker. Lange her. Songs schrieb er auch. Seine Gitarre fasst er nur noch selten an. Das Privatleben plätschert so eben dahin. Kein großer Plan dahinter. Laue Beziehungen und Phasen des Alleinseins häufen sich. Schülerinnenfantasien. Figurprobleme und zunehmende Trägheit. Viel Fastfood, viel Fernsehen, kein Sport. Aber einigermaßen disziplinierte Lehrkraft, das immerhin.
Als er in seinem Schüler, dem siebzehnjährigen Rauli aus Litauen, das Zeug zu einem Wunderkind und Rockstar erkennt - die E-Gitarre beherrscht er sagenhaft - erwacht Beck aus seiner emotionalen Erstarrung. Er hat es nicht geschafft, seine Träume zu verwirklichen, aber diesen Jungen wird er zu einer fulminanten Karriere verhelfen. Und er wird sein Manager.
Leider ist die Welt aber nicht so, wie Beck sie gerne hätte. Rauli ist bei weitem nicht so leicht lenkbar, wie er sich das wünscht. Außerdem hat er eine schwer durchschaubare Familie, bestehend aus Bruder und Vater, im Schlepptau. Die Musikbranche besteht immer noch aus ausgebufften Typen, die ihn ausbooten und seine neue Freundin Lara stürzt ihn in Gefühlsverstrickungen, die er kaum entwirren kann. Außerdem gibt es da noch Charlie, seinen einzigen Freund aus gemeinsamen Musikertagen, der mit Hilfe von allerlei Drogen versucht, endlich zu sich selbst zu finden und sich dabei verliert. Beck und Rauli begleiten ihn auf einen Trip in die Türkei, den keiner von ihnen je vergessen wird, solange er lebt. Schon wegen der Beschreibung dieser Reise lohnt es sich, diese Story zu lesen.
Das Buch erzählt eine Geschichte über Möglichkeiten, wie man Leben kann, wenn man die Fähigkeiten, die man braucht, um so leben zu können, wie man will, nicht hat. Genialität, der Griff nach den Sternen, hat seinen Preis; genauso, wie die Einsicht, dass man vielleicht noch nicht einmal Mittelmaß ist und trotzdem einen Weg finden muss, um einigermaßen mit sich in Frieden existieren zu können. Ist das im Sehnsuchtsland Italien leichter zu verwirklichen als sonst irgendwo?
Das Debüt von Benedict Wells ist lesenswert, Ich fühlte mich gut unterhalten. Allerdings ist der junge Autor vom Schülersein noch nicht weit genug entfernt, dass er sich die Seitenhiebe (mir macht ihr nichts vor, ich habe euch durchschaut, ich weiß genau wie ihr funktioniert) auf die Lehrerzunft verkneifen kann. Seine Seite ist tendenziell immer noch die des - aufgeweckten - Schülers. Und dass es lebenswertes Leben jenseits der Dreißig gibt, darf er in nicht allzu ferner Zukunft hoffentlich auch erfahren. Vielleicht lesen wir bis dahin noch mehr von ihm? Die Richtung stimmt.
|
|
|
13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein sensationelles Debüt eines jungen Autors, das in manchem an den jungen Aron Grünberg erinnert, 11. August 2009
Dieser Roman ist das sensationelle Debüt eines 1984 geborenen jungen Schriftstellers, der sich mit "Becks letzter Sommer" wie mit einem Paukenschlag auf die deutsche Literaturbühne katapultiert und große Beachtung gefunden hat. Zu Recht, wie der Rezensent findet, der sich über das ganze Buch immer wieder gefragt hat, woher ein gerade 23-Jähriger die Erfahrung und den Tiefgang nimmt, um sich dermaßen in seine fast doppelt so alten Hauptfiguren hineinzuversetzen.
Mehrmals war ich erinnert an das Debüt von Aron Grünberg, der ähnlich kräftig und unkonventionell wie Benedict Wells vor langer Zeit die Literaturszene aufmischte, aus der er längst nicht mehr weg zu denken ist.
Benedict Wells erzählt die Geschichte einer Beziehung zwischen einem Lehrer und einem Schüler. Der Lehrer, Robert Beck, ist ein im Schulalltag abgestumpfter Pädagoge, der selbst als Musiker irgendwann stehen geblieben ist, und dennoch niemals aufgehört hat, davon zu träumen, mit seinen Texten, die er pausenlos schreibt, irgendwann groß im Musikgeschäft herauszukommen. Er hasst Bob Dylan, weil sein Vater dessen Musik nahezu ununterbrochen hörte und hat dennoch in der Mitte des Buches eine erhellende und ernüchternde Begegnung mit ihm.
Als der siebzehnjährige Rauli aus Litauen in Becks Musikklasse kommt, nimmt der Lehrer diesen Außenseiter , wie die Schüler auch, zunächst nicht wahr. Dann aber entdeckt er zufällig, dass Rauli eine unbeschreibliche Begabung hat. Eines Tages fragt er Beck, ob er dessen E-Gitarre, eine Stratocaster, ausleihen darf und fängt an, darauf zu spielen. Die Musik und die Melodien, die da hervorbrechen, zerreißen Beck fast das Herz. So etwas hat er noch nie gehört. Ein wahnsinniges Talent hat er da entdeckt, einen ungeschliffenen Diamanten. Selbst als Musiker schon vor Jahren kläglich gescheitert, wittert Robert Beck mit Rauli eine neue Chance. Er könnte mit seinen Texten und Raulis Musik als Manager Rauli zu einer beispiellosen Karriere verhelfen und sich selbst den lange gehegten Traum erfüllen, als Shootingstar in die Musikszene zurückzukehren.
Benedict Wells beschreibt nun diese schwierige Beziehung, die Robert Beck mit der undurchsichtigen litauischen Familie des Schülers zusammenführt. Wie er sich in die Seelenwelt eines letztlich am Leben und an der Liebe gescheiterten , fast 40- Jährigen hineinversetzt, ist genial und hat möglicherweise selbst erlebte Vorbilder. Robert Beck versucht verzweifelt, sich der Welt Raulis zu nähern, ihn für sich zu gewinnen, doch der Junge entzieht sich ihm immer wieder.
Eine Melodie mit dem Titel "Finding Anna" spielt eine große Rolle, die Rauli auf einem seiner viele gelben Zettel notiert hat, als er in die erotische Anna Lind verliebt war, ein Mädchen in Becks Klasse, deren Bild der auch schon mal bei seinen einsamen und traurigen Masturbationen zu Hause imaginiert.
Eine Kellnerin namens Lara taucht auf, die sich in Beck verliebt hat, verbissen dagegen ankämpft und für die Beck aber gar keine wirkliche Empfindung hegt. Er ist regelrecht beziehungsunfähig. Nur mit seinem Freund Charlie, ein groß gewachsener Deutsch- Afrikaner, der früher mit Beck Musik gemacht hat, kann er reden. Charlie ist ein kleiner Philosoph und sprüht vor sarkastischen Lebenseinsichten, kommt aber mit seinem Leben auch nicht zurecht.
Benedict Wells zeichnet mit diesem erfrischenden Roman mit lockerer und leichter Sprache Menschen und ihr Schicksal, die sich auf einem langen Weg befinden zu sich selbst, die jedoch viele Umwege machen müssen und in manchen Sackgassen zunächst stecken bleiben. Plötzlich und unerwartet taucht auf Seite 154 zum ersten Mal der Erzähler des Buches auf, ein Redakteur namens Ben, den Robert Beck für die Pressearbeit für ein Konzert mit Rauli kontaktiert hatte und der zwischendurch immer wieder in Einschüben Beck an Ich" von seiner Arbeit an dem Buch berichtet. Im Jahr 1999 beginnt die erzählte Geschichte und endet im Jahr 2007, kurz bevor Bens Arbeit an dem Roman abgeschlossen ist. 1990, so erzählt Ben zwischendurch, habe er, 11- jährig, Robert Beck kennen gelernt und als er dann seinen Anruf in der Redaktion erhielt, wo er gerade arbeitete, habe er von dessen Geschichte nicht mehr lassen können.
"Becks letzter Sommer" ist ein schönes Buch, voller Poesie und Sensibilität mit seinen Figuren, Suchende allesamt. Benedict Wells schildert vor allem Robert Beck ohne Häme und mit tiefen Verständnis für einen Mann in der Krise seines Lebens. Erstaunlich, wirklich, für einen gerade mal 23-jährigen Autor. Diesen jungen Schriftsteller wird man im Auge behalten müssen.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|